Des Sängers Werbung

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Autor: Anton Ohorn
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Titel: Des Sängers Werbung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 116
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1884
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[116]
Des Sängers Werbung.
Von Anton Ohorn.


Um die bunten Scheiben webet
Mailicht, dämmernd süß und bang,
Durch die Kemenate bebet
Lautenschlag und Minnesang.

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Und die Maid mit holdem Zagen

Blickt zum Sänger still empor,
Wonnig wie aus alten Sagen
Tönt sein Lied ihr an das Ohr:

„Meines Schlosses lichte Wände

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Spiegeln freundlich sich im Rhein

Und aus grünem Rebgelände
Schaut es weit in’s Land hinein.
Diener hab’ ich und Vasallen,
In den Truhen edles Erz,

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Säulenstolze, hohe Hallen

Und ein krankes, wundes Herz.

Aus den Ahnenbildern schauen
Ihres Stammes letzten Mann
Bange Augen schöner Frauen

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Vorwurfsvoll und fragend an;

Daß ich nicht mehr einsam weile
Bei des Lenzes Hochzeitslust,
So erhör’ mein Flehen, heile
Meine sehnsuchtskranke Brust!“

25
Mit dem letzten Ton der Laute

Schweigt des blonden Knaben Mund;
Enger schmiegt sich an die Traute
Kosend der getreue Hund;
Nach dem schönen Sänger wendet

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Innig sie das Aug’ empor,

Und ein ganzer Himmel sendet
Seine Strahlen draus hervor.

„Nicht dein Schloß am grünen Rheine
Lockt mich, nicht dein edles Erz,

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Nicht Gelände, reich an Weine,

Mich erbarmt dein wundes Herz.
Küssen will ich manche Stunde
Deinen Liedermund so warm,
Daß dein krankes Herz gesunde

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In der Liebe weichem Arm.“