Deutschlands Arbeiter

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Textdaten
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Autor: H. Schulze-Delitzsch
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Titel: Deuschlands Arbeiter
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 504–506
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[504]
Deutschlands Arbeiter.


Von H. Schulze-Delitzsch.


Mitten in schwerer Schädigung unserer nationalen Interessen, während Deutschland, bei tiefem inneren Zerwürfniß, äußeren Verwickelungen der verhängnißvollsten Art entgegensieht, vollzieht sich ruhig und stet ein Vorgang vor unseren Augen, der wohl geeignet ist, unsere Hoffnung auf das glückliche Bestehen der herannahenden Krisis, auf Begründung dauernder, dem Wesen und den Bedürfnissen des deutschen Volks entsprechender Zustände aufrecht zu erhalten. Es ist die deutsche Arbeiterbewegung.

Noch ist der Rückschlag von 1848 im frischen Gedächtniß, den wir einzig und allein dem Bruche innerhalb der großen liberalen Mehrheit des Volks zuzuschreiben haben. Geschreckt von den Forderungen, noch mehr von dem äußeren Auftreten eines im Verhältniß nur keinen Theiles der Arbeiter, sowie durch die Ereignisse in Paris, warfen sich die besitzenden Classen, in der Meinung, das Privateigenthum und alle Grundlagen eines geordneten Verkehrs seien gefährdet, der Staatsrettung um jeden Preis in die Arme, und so trieben wir in die Netze der Reaction. Erst langem Drucke blieb es vorbehalten, die Spaltung zu beseitigen und die allgemeine Ueberzeugung zu befestigen, daß, wie die geistigen, so auch die materiellen Interessen aller Classen nicht schlechter [505] gewahrt werden können, als unter dem feudal-büreaukratischen Regiment, welches von Neuem die Zügel ergriffen hatte. Da endlich, in dem gemeinsamen wirthschaftlichen und politischen Bedürfniß, in der auf Allen gleich schwerlastenden bedrohlichen Lage des Vaterlandes nach innen wie nach außen, fand man sich zu gemeinsamem Handeln wieder zusammen, und verständigte sich über die Ziele des Kampfes, über Mittel und Wege einer offenen und energischen Agitation mit gesetzlichen Mitteln für das verfassungsmäßige Recht, als Basis jeder weiteren Entwickelung. Obschon verkürzt um manches Recht von 1848, traten die Arbeiter rückhaltlos in die Reihen der liberalen Kämpfer und bewiesen durch ihr Feststehen gegen das Werben der Rückschrittsmänner, daß die Erfahrungen von 1848 und 1849 für sie nicht verloren seien.

Aber damit nicht genug. Mit dieser klaren Position auf politischem Gebiete wurde zugleich der Grund zu gesunden socialen Bestrebungen, zur dauernden Hebung der betheiligten zahlreichen Bevölkerungsschichten in ihrer materiellen Lage wie in ihrer ganzen gesellschaftlichen Stellung gelegt. Mit einem unsäglichen Eifer ergriffen die Arbeiter, zunächst in den größeren Städten, die ihnen von Männern der gebildeten Stände, von Vertretern der Wissenschaft, dargebotenen Hände, ihre Kenntnisse, ihre Bildung für Beruf und Leben zu erweitern. Zugleich wurden praktische Organisationen mannigfacher Art geschaffen, die materiellen Fragen in Beschaffung der Arbeits- und Unterhaltungsmittel, in Gewährung von Baarschaft und Credit, in Ermöglichung der gewerblichen Selbstständigkeit, zum Besten der Leute zu lösen. Eine Unzahl von Vereinen entstand und ist täglich im Wachsen. Während die Arbeiter, die Handwerker, die Gewerbe- und volkswirthschaftlichen Vereine die Fortbildung in technischer, gewerblicher und humaner Hinsicht vermitteln, befassen sich die Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschaften in der angedeuteten Art mit der Hebung der materiellen Lage ihrer Mitglieder. Eine Regsamkeit, ein rüstiges Erfassen, ein freudiges Schaffen herrschen überall, wie sie erforderlich waren, in kurzer Zeit, vor Ablauf eines Jahrzehnts, bedeutende Resultate hervorzubringen. Sicher kann die Zahl der Vereine nach jeder der beiden Hauptrichtungen hin mindestens auf tausend in Deutschland angeschlagen werden, und ihre Mitglieder auf zusammen einige hunderttausend. Während sich mehrere Bildungsvereine – wir nennen namentlich den großen Handwerkerverein zu Berlin und den Arbeiterfortbildungsverein zu Hamburg – zu wahren Arbeiterakademien emporgeschwungen haben, eigene großartige Locale, Bibliotheken und die besten Lehrkräfte und Lehrmittel jeder Art besitzen, haben die Genossenschaften – Vorschuß- und Creditvereine, Rohstoff-, Magazin- und Productivgenossenschaften, Consumvereine u. a. – im Jahre 1862 bereits für mehr als 30 Millionen Thaler Geschäfte gemacht und darunter gegen 25 Millionen baar unter ihren Mitgliedern in Umlauf gesetzt, auch durch allmähliche geringe Einlagen und Zuschreibung von Gewinnantheilen an eigenem, den Mitgliedern gehörigem Fond mehr als 1½ Millionen Thaler aufgesammelt, obschon die meisten dieser Vereine erst seit 2 bis 3 Jahren bestehen. Und bei allen diesen Bestrebungen – dies heben wir besonders als dasjenige Moment hervor, welches ihnen erst ihren rechten Werth giebt – stehn die Arbeiter durchaus und völlig auf dem Boden der Selbsthülfe!

Welche Freude, welches erhebende Gefühl, sein Vorwärtskommen in Bildung und Wohlstand, seine materielle Existenz, seine gesellschaftliche Stellung der eigenen Kraft zu danken, sich sein Geschick selbst gemacht zu haben, alle Unterstützung, jede Gönnerschaft mit der von beiden unzertrennlichen Einmischung und Beaufsichtigung, von sich abweisen zu können! Nur wer auf eigenen Füßen steht, wer sich selbst zu helfen weiß, ist ein freier Mann – und daß die Arbeiter dies recht wohl vermögen, wenn sie es nur recht angreifen, das zeigt sich alle Tage, und das giebt ihnen eben den frischen Muth, den nachhaltigen Eifer in allen diesen anstrengenden Mühen, diesen schweren Anfängen, die ihnen nicht erspart werden können, wenn sie sich dauernd emporringen wollen. „Der Mensch hat von Natur Bedürfnisse, an deren Befriedigung die Möglichkeit wie die Würdigkeit seines Daseins geknüpft ist; aber er hat zugleich von der Natur die Kräfte erhalten, deren Ausbildung und richtiger Gebrauch ihn zur Befriedigung seiner Bedürfnisse gelangen läßt,“ – dies die einfache unbestreitbare Wahrheit, aus welcher für jeden von uns die Pflicht der socialen Selbstsorge, der Selbstverantwortlichkeit für die eigene Existenz abgeleitet werden muß. Wer viel bedarf, muß viel leisten; jedenfalls sorge Jeder, daß seine Bedürfnisse nicht seine thätigen Kräfte überwuchern, sonst stimmt es nicht im Haushalt des Einzelnen, wie in dem ganzer Nationen. Mit sich muß jeder anfangen, wenn es gut, wenn es besser mit ihm werden soll. Seine Kräfte und Anlagen ausbilden und recht gebrauchen, das ist es, was den Einzelnen fördert, was ganze Gesellschaftsclassen, die ja doch eben nur aus vielen Einzelnen bestehn, einzig in die Höhe bringt. Hier durch ein Zusammenwirken Vieler die mancherlei äußeren Hindernisse wegräumen, welche dem Arbeiterstande bei solchen Bestrebungen entgegenstehen, die äußeren Bedingungen des Gelingens in Erwerb und Wirthschaft ergänzen, die sich dem einzelnen Arbeiter versagen, – z. B. die Beschaffung von Capital und Credit u. dergl. – das ist die Aufgabe. Zusammenwirken, die zersplitterten schwachen Kräfte der Einzelnen zu einer Großkraft im Dienste Aller vereinigen – dadurch wird etwas geleistet, das zeigen die Genossenschaften in der überraschendsten Weise. Aber freilich, die innere sittliche und geistige Tüchtigkeit, die technische und geschäftliche Befähigung, die müssen die Einzelnen in die Vereinigung mitbringen, die müssen sie Jeder in sich selbst ausbilden, das kann ihnen die Genossenschaft nicht sparen. Diesen Fond von Tüchtigkeit setzt sie vielmehr bei ihren Mitgliedern voraus, und nicht ihn zu ersetzen, sondern nur ihm die äußeren Mittel zuzugesellen, darin besteht die Aufgabe, die sie zu lösen vermag. Eine Genossenschaft von Untüchtigen wird niemals Erfolg haben, so wenig als eine Anzahl Nullen eine Summe giebt, weil ein untüchtiger Mensch durch den bloßen Zusammentritt mit anderen noch nicht tüchtig wird.

Dies Alles haben die deutschen Arbeiter trefflich begriffen, und den wahren Grund bei sich selbst gelegt, mit Sparen und Lernen. Deßhalb hat sich denn auch der Schreiber dieser Zeilen nicht einen Augenblick über den Verlauf der ganzen Bewegung getäuscht, als er den Verleitungen der Gegner vom Wege der Selbsthülfe bei seinen Vorträgen im Berliner Arbeiterverein[1] das Wort entgegensetzte: „Die deutschen Arbeiter wissen es Niemandem Dank, der ihnen die Garantie ihrer Existenz von außenher – anders als durch die eigene Kraft – entgegenbringt, weil er in der Aufhebung der Selbstverantwortlichkeit und Selbsthülfe die Grundlage ihrer sittlichen Würde, ihrer bürgerlichen Gleichberechtigung, wie ihrer wirthschaftlichen Selbstständigkeit antastet, Dinge, ohne welche von einer wirklichen Hebung der arbeitenden Classen doch wirklich nicht im Ernste die Rede sein kann.“ (S. 142 des unten citirten Buches.)

In der That hätte die den Arbeitern als bequemes Heilmittel für Alles angepriesene Staatshülfe, ohne jenen tüchtigen Sinn und jene ernste, ehrliche Arbeit von Jahren, wohl Aussicht gehabt, wenigstens augenblicklich einen Theil von ihnen für sich einzunehmen. Wenn man gegen die Lockungen der Reaction von Haus aus voreingenommen war und sie wenig beachtete, bis auf einige unverbesserliche Zünftler, so war die Sache diesmal im demokratischen Gewande den Gefühlen und Anschauungen der Menge ungleich zusagender und näher gerückt. In einer Zeit tiefgreifender politischer Aufregung mußte die Agitation für das allgemeine gleiche Wahlrecht, welches die Reactionsperiode den Arbeitern entzogen hatte, eine anziehende Kraft ausüben, und die Aufforderung, sich durch dasselbe ausschließlich der Staatsleitung zu bemächtigen und diese zum Vortheil der Arbeiter auszunutzen, mußte für Leute ohne politische Bildung und ohne wirthschaftliche Einsicht – und dafür hielt man die Arbeiter – wirklich verführerisch sein. Mit den Geldmitteln und dem Credit des Staats sollten sämmtliche Fabriken in das Eigenthum der Arbeiter gebracht und diese sämmtlich zu Unternehmern gemacht werden u. s. w. Allein man hatte die Bildung und Einsicht der Arbeiter bedeutend unterschätzt, und jene schwindelhaften Vorspiegelungen fanden kein gläubiges Publicum. Vielmehr wurden sie im Großen und Ganzen nur belacht, da man soweit vorgeschritten war, das Unmögliche derselben in jeder Hinsicht recht wohl einzusehen. Da hatten die Leute denn doch die eigenen Augen zu offen, um sich einreden zu lassen, sie allein [506] wären der Staat, alle übrigen Classen ihnen gegenüber kämen dabei gar nicht in Betracht, und dieser blos aus ihnen bestehende Staat könne ihnen helfen, wenn sie selbst dies nicht vermöchten – und was dergleichen Verkehrtheiten mehr waren. Vielmehr zeigte sich der Segen der gegenseitigen Annäherung und des vielfachen Verkehrs der verschiedenen Gesellschafts-Schichten mit einander, in welchem man sich gegenseitig kennen und achten gelernt hatte. Die Arbeiter wußten die Sympathie und das Entgegenkommen der gebildeten und besitzenden Classen viel zu sehr zu schätzen, als daß sie sich gegen dieselben durch so hohle Vorspiegelungen zu einem traurigen Classenkampf hätten aufstacheln lassen sollen, von welchem Niemandem die Frucht zufallen würde, als der Reaction. Soviel hatte man gelernt, daß man sich nicht muthwillig in Zwiespalt bringen dürfe mit der ganzen bürgerlichen Gesellschaft, wenn man überhaupt etwas erreichen wolle, und daß die Interessen der Arbeiter nicht im Gegensatz ständen zu denen der übrigen Classen, sondern mit ihnen zusammenfielen. Die volle bürgerliche und wirthschaftliche, die Erwerbsfreiheit, die Verwirklichung des verfassungsmäßigen Rechtsstaates mit der Gleichheit Aller vor dem Gesetz, in welchem das allgemeine gleiche Wahlrecht ohnehin eine Hauptforderung bildet, die möglichste Selbstregierung in Staat und Gemeinde: das ist’s, was die große liberale Partei in ganz Deutschland erstrebt, und was den Arbeitern gerade eben so Noth tut, wie allen Uebrigen, so daß ihre Sache von der gemeinen Sache zu trennen nicht blos ein Verrath wäre am ganzen Volke, sondern zugleich ein Verrath an sich selbst, der sich an Niemand schwerer rächen würde, als an den Arbeitern.

Daß dies Alles so entschieden und besonnen aufgefaßt, so klar ausgesprochen ist in den eigenen Reihen der wackern Männer, das ist Etwas, um was uns unsere Nachbarvölker zu beneiden haben, so hoch ihnen auch sonst der Sinn steht, so weit sie uns in politischer Gestaltung und äußerer Machtentfaltung voraus sein mögen. Noch lastet die Furcht vor den socialistischen Arbeiterbewegungen wie ein Alp auf Frankreich, und hält es unter dem eisernen Scepter der kaiserlichen Militärallgewalt. Noch muß, soll Italien dauernd seine Stelle unter den europäischen Staaten ausfüllen, in dem größeren Theile des Landes ein eigentlicher Arbeiterstand mit bildungsfähigen Elementen überhaupt erst geschaffen werden; eine Aufgabe, welche der pfäffischen Verdummung gegenüber, die das Volk in Mittel- und Unteritalien Jahrhunderte lang niedergehalten hat, vielleicht schwerer auszuführen sein dürfte, als die Vertreibung der fremden Dynastien. Ja selbst in England, der Veste der bürgerlichen Freiheit in Europa, wo der praktische Sinn der Arbeiter dieselben am meisten vor socialistischen Abwegen behütet und am ersten den Wegen der genossenschaftlichen Selbsthülfe zugeführt hat, haben dieselben niemals eine so bewußte Stellung zu den großen Zeitfragen, zu der humanen und politischen Entwickelung der Nation eingenommen, als dies gegenwärtig bei uns der Fall ist. Darum, wie tiefe Nacht auch die Geschicke unseres Vaterlandes bedeckt, wie kläglich seine öffentlichen Zustände sein mögen: wo alle Schichten des Volks einmüthig von solchem Geiste beseelt sind, da kann der endliche Sieg nicht fehlen! Und noch mehr: da, und da allein, wo der politische Fortschritt mit gesunden wirthschaftlichen Grundlagen, mit humaner Reife Hand in Hand geht, ist die Garantie gegeben, daß einem siegreichen Durchkämpfen dauernde gedeihliche Zustände folgen, nicht jenes krampfhafte Hin- und Herschwanken zwischen großen Erhebungen und furchtbaren Rückschlägen, zwischen wilder Anarchie und starrem Despotismus, wie wir sie bei Völkern beobachten, die trotz mehr als einer siegreichen Revolution nicht zur Feststellung der Grundlagen wahrer bürgerlicher Freiheit bei sich gelangt sind.

Eben dieser tiefgreifenden Bedeutung halber scheiden sich an unserer Arbeiterbewegung die politischen Parteien so scharf, wie je in einer staatlichen Frage. Hier die Socialisten, mit den Feudalen, den Ultramontanen und allen sonstigen Heerschaaren der Reaction in schönster Einigkeit, und ihre Organe dazu, von der Berliner Kreuzzeitung bis zur Augsburger Allgemeinen, vom Nordstern bis zum Magdeburger Correspondenten und der Masse kleineren Nachtgevögels. Auf der andern Seite die ganze liberale Partei in allen ihren Schattirungen, mit sämmtlichen ehrenhaften Organen der Tagespresse ohne eine einzige Ausnahme. Und es ist wahrhaftig nicht zufällig, daß sich die Männer des socialen Staates und die des feudalen und Stände-Staates zusammengefunden haben, daß diese sogenannten Extreme, welche man als die entschiedensten Gegensätze zu betrachten gewöhnt ist, gerade bei diesem Punkte zusammengehen. Zur vollen Verwirklichung ihrer Pläne bedürfen Beide einer und derselben Voraussetzung, welcher die jetzige Arbeiterbewegung schnurstracks zuwiderläuft: unbewußte, nur für rohe, sinnliche Antriebe empfängliche Massen, die den Führern blindlings folgen. Nur mit solchem Material läßt sich an eine Ausführung ihrer politischen und socialen Ideale gehen, die mehr mit einander gemein haben, als es auf den ersten Blick scheint. Der fröhnende Leibeigene des Junkers und der Arbeiter unter Staatsgarantie – beiden ist durch die Enthebung von der Selbstverantwortlichkeit für die eigene Existenz jeder sittliche und wirthschaftliche Halt, jede Möglichkeit, jemals zu einer würdigen, gesellschaftlichen Stellung zu gelangen, unter den Füßen weggezogen. Mit Leuten, die denken, die sich selbst vernünftige Ziele setzen, sich über ihre wahren Interessen aufklären, sich durch eigene Kraft zu Bildung und bescheidenem Wohlstand emporarbeiten, macht man solche Experimente nicht, über die hat man keine Gewalt, und deßhalb taugen sie nicht für beide Lager. Daher der gleiche Geifer der beiderseitigen Clique gegen alle solche Bestrebungen der Arbeiter, weil die Leute dadurch dahin gelangen, an den großen Zeitfragen selbstständig mit Kopf und Herz Theil zu nehmen und sie nicht als bloße Magenfrage dem Bereich der brutalen Gewalt zu überliefern, welche der Frivolität und dem Ehrgeize derartige Dinge regelmäßig aus den Händen zu entwinden pflegt – ein Schmauß, auf den sich gewisse Leute bereits im Voraus – Gott sei Dank vergebens! – freuten.

Daher Ehre den deutschen Arbeitern! Sie haben sich um das Vaterland verdient gemacht – und den besten Dienst haben sie dabei sich selber geleistet.




  1. Dieselben sind im Verlage von E. Keil in Leipzig unter dem Titel: „Capitel zu einem deutschen Arbeiterkatechismus, 6 Vorträge im Berliner Arbeiterverein,“ erschienen und bei directen Bezügen von mehr als 25 Exemplaren bei der Verlagshandlung zu 5 Sgr. = ⅙ Thlr. oder 17½ Xr. rhein. zu haben. Möge ihre Gesammtbeziehung hiermit allen Arbeiter,- Handwerker- und Gewerbevereinen empfohlen sein!
    Sch.-D.