Die äußere Haut

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Textdaten
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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: Die äußere Haut
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aus: Die Gartenlaube, Heft 44, S. 527-529
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[527]
Von der Haut des menschlichen Körpers.
Die äußere Haut.


Die äußere Oberfläche des menschlichen Körpers ist von einer weichen, aber trotzdem festen Haut überzogen, welche die allgemeine Bedeckung oder die äußere Haut, auch wohl Haut schlechtweg genannt wird. Es dient nun aber diese, aus drei über einander liegenden Schichten bestehende Bedeckung nicht etwa blos zum Schutze für die innern Theile unseres Körpers, sondern sie ist gleichzeitig auch ein Sinnesorgan, nämlich das Tastorgan, so wie sie ferner noch als ein Apparat zur Blutreinigung verwendet wird. Wir finden deshalb in der Haut sehr zahlreiche Empfindungsnerven und Blutgefäße, sowie eine große Menge von Drüschen, von denen die einen Schweiß, die andern Hauttalg absondern, abgesehen von den vielen Säckchen, in denen die Haare wurzeln. Nicht an allen Theilen des Körpers besitzt aber die Haut ganz dieselben Eigenschaften, denn an manchen Stellen ist sie dick, an andern dünn; hier ist sie reich an Schweißdrüsen, an Haaren oder Talgdrüsen, dort enthält sie wenig von solchen Organen; diese Hautparthie hat eine sehr große Empfindlichkeit, jene dagegen ist in weit geringerm Grade empfindlich. Außerdem zeigt die Haut auch bei verschiedenen Personen und Nationen noch manche Verschiedenheiten, doch sind diese, bis auf die Farbe, ohne große Bedeutung. – Unter den drei Hautschichten, von denen eine jede anders als die andere gebaut ist, hat die mittlere (die Lederhaut) die größte Wichtigkeit, denn sie bildet die eigentliche Grundlage der allgemeinen Bedeckung und enthält alle für die Hautthätigkeit unentbehrlichen Organe, während die obere (die Oberhaut) und untere Schicht (die Fetthaut) hauptsächlich nur zum Schutze der mittlern vorhanden sind. Die Produkte der Lederhaut sind: Haare, Nägel, Oberhaut, Schweiß, Hautdunst und Hauttalg.

Die Lederhaut (d), die mittelste der drei Hautschichten, ist eine derbe, etwas elastische und vorzugsweise aus Zell- oder Bindegewebe gebildete, sehr gefäß- und nervenreiche, röthliche Haut, welche in ihrer tiefern Portion (Netzschicht) lockerer, in der oberen dagegen dichter gewebt und hier mit zahlreichen Wärzchen besetzt ist (deshalb Wärzchenschicht). Diese an der Oberfläche der Lederhaut hervorspringenden Haut- oder Gefühls-Wärzchen (e) stellen kleine, kegel- oder warzenförmige Erhabenheiten dar, welche hinsichtlich ihrer Form, Anzahl und Stellung an den verschiedenen Körperstellen große Verschiedenheiten zeigen. Am zahlreichsten finden sie sich in der Handfläche und Fußsohle, an den Finger- und Zehenspitzen; hier haben sie auch die größte Länge. Dem Bindegewebe, dessen netzförmig verwebte Bündel die Grundlage der Lederhaut bilden, sind stets noch elastische Fasern, sowie an manchen Stellen glatte Muskelfasern beigemischt, auch finden sich in den Räumen der Netzschicht zahlreiche Fettzellen eingelagert. Die zahlreichen Blutgefäße der Lederhaut verbreiten sich von der untern nach der obern Schicht, umspinnen die Fettzellen und Haarbälge, die Schweiß- und Talgdrüsen und dringen endlich in die Wärzchen ein, wo sie Schlingen bilden. Auch sehr zahlreiche Lymphgefäße besitzt die Lederhaut und von Nerven enthält diese eine solche Menge, daß sie als das nervenreichste und deshalb empfindlichste Gebilde des menschlichen Körpers bezeichnet werden kann. Diese Nerven verbreiten sich vorzugsweise in der obern Hautschicht und bilden in den Wärzchen (in denen Manche noch besondere Tastkörperchen entdeckt zu haben glauben) Endschlingen, um dadurch die Haut zum Tasten zu befähigen. – In chemischer Beziehung zeigt die Lederhaut dieselben Eigenschaften wie das Zellgewebe, sie löst sich nämlich in kochendem Wasser zu Leim auf; sie fault schwer und nach Zusatz von Gerbsäure haltenden Pflanzenstoffen (d. i. die Bereitung von Leder durch Gerben) gar nicht.

Die Oberhaut, Epidermis (a b c), welche überall die freie Oberfläche der Lederhaut mit ihren Vertiefungen und Erhabenheiten überkleidet, ist ganz gefäß- und nervenlos und nur aus Zellen gebildet. Sie besteht aus zwei, ziemlich scharf von einander getrennten Schichten, von denen die unterste, jüngste, unmittelbar an die Lederhaut, von deren Blutgefäßen sie erzeugt wird, stößt und Schleimschicht (b) genannt wird, während die obere und ältere die Hornschicht (a) heißt. Die erstere besteht nur aus kleinen, mit Flüssigkeit prall gefüllten rundlichen oder länglichen, nach der Hornschicht zu glatt und eckig werdenden, kernhaltigen Bläschen (Epidermiszellen); die letztere wird aus Schichten vier-, fünf- bis sechseckiger Hornplättchen zusammengesetzt, welche allmälig durch das Plattwerden und Verhornen der Epidermiszellen entstanden sind. Die obersten, ältesten Plättchen der Hornschicht stoßen sich fortwährend los und so können dann die jüngern untern immerfort nachrücken. Bei Verbrennungen und der Anwendung spanischen Fliegenpflasters erhebt sich die Oberhaut in Gestalt von Blasen, die mit Flüssigkeit erfüllt sind; entfernt man diese Blasen, so liegt die Lederhaut bloß. Bei manchen Hautkrankheiten, besonders beim Scharlach und bei den Masern, stößt sich die Oberhaut in größern oder kleinern Stückchen los und manche Thiere (Schlangen, Raupen) werfen periodisch ihre ganze Oberhaut ab. – Die Färbung der Haut (Teint) hat ihren Sitz vorzugsweise in der Oberhaut und hauptsächlich in der Schleimschicht (c), wo der Farbestoff in den Zellen um den Kern herum lagert. Beim Weißen ist die Hornschicht durchscheinend und farblos oder schwach gelblich, die Schleimschicht gelblich oder bräunlich, an einzelnen Stellen aber auch schwärzlichbraun. Bei farbigen Menschenstämmen ist es ebenfalls nur die Oberhaut, welche gefärbt ist, während die Lederhaut sich ganz wie bei weißen Menschen verhält; nur ist der Farbstoff hier viel dunkler und ausgebreiteter. – Die Dicke der Oberhaut ist an verschiedenen Körperstellen sehr verschieden, was besonders von der wechselnden Stärke der Hornschicht abhängt; am dicksten ist sie an der Fußsohle (3/4–11/3‴) und Hohlhand (1/31/2‴), am dünnsten am Kinn, Wange, Stirn und Augenlide (1/251/50‴). – Die Oberhaut ist weich, biegsam, wenig elastisch, sehr fest und schwer durchdringlich, so daß die Hornschicht tropfbare Flüssigkeiten (die nicht chemisch auf ihr Gewebe einwirken, wie Mineralsäuren und ätzende Alkalien) durchaus nicht durch sich hindurchdringen läßt, wohl aber dunstförmige und sich leichter verflüchtigende Substanzen (Alcohol, Aether, Essigsäure, Ammoniak) aufnimmt oder abgiebt (Hautdunst). Der hauptsächlichste Nutzen der Epidermis ist deshalb auch, daß sie der äußern, an Papillen, Nerven und Gefäßen reichen Schicht der Lederhaut als schützender Ueberzug dient und zugleich den Durchtritt von Flüssigkeit (von außen und innen), von Luft, Wärme und Kälte, vielleicht auch von elektrischen Strömungen verhindert.

Die Fetthaut, das fetthaltige Unterhautzellgewebe [528] (f), welche eine Art von Polster für die Lederhaut bildet und diese locker oder fest mit den unterliegenden Theilen verbindet, besteht aus weichem Bindegewebe, in dessen Maschenräumeu eine größere oder geringere Anzahl von Fettzellen eingelagert ist. An den verschiedenen Stellen des Körpers ist die Fetthaut von verschiedener Dicke und von größerem oder geringerem Fettgehalte. An einzelnen Stellen, wie am Kinn und Ellenbogen, enthalten größere Maschenräume des Unterhautzellgewebes eine klebrige helle Flüssigkeit, welche die Haut (wie ein Luft- oder Wasserkissen) vor stärkerm Druck schützen soll. Dergleichen Räume heißen Hautschleimbeutel. – Der Nutzen der Fetthaut ist insofern kein unbedeutender, als sie nicht blos der Lederhaut und den unter dieser liegenden Organen als weiches Polster (als Schutz vor Stoß und Druck) dient, sondern auch als schlechter Wärmeleiter die innere Körperwärme zusammenhält und die äußere Kälte abhält, abgesehen noch davon, daß sie durch Ausfüllen der Vertiefungen an der Oberfläche des Körpers, die Form desselben voller, runder und schöner macht.

Die Gartenlaube (1854) b 528.jpg

Die äußere Haut (senkrecht durchschnitten und bedeutend vergrößert): a. Hornschicht und b. Schleimschicht der Oberhaut, c. Farbeschicht in der Schleimschicht. d. Lederhaut. e. Tastwärzchen. f. Fetthaut. g. Schweißdrüse. h. Schweißkanal. i. Schweißporen, k. Haarbalg. l. Haar. m. Haarkeim. n. Haarzwiebel, o. Haarwurzel. p. Talgdrüse.

Zwischen dem Gewebe der Lederhaut befinden sich nun noch Apparate zur Bereitung der Haare, des Schweißes und den Talges, nämlich Haarbälge, Schweiß- und Talgdrüsen. – Die Haarbälge oder Haarsäckchen (k), welche so ziemlich über die ganze Haut verbreitet sind, stellen lange flaschenförmige, die Haarwurzel umschließende Säckchen dar, auf deren Boden ein warzenförmiges, sehr gefäßreiches Hügelchen emporsteht, welches der Haarkeim oder die Haarpapille (m) heißt. Von dieser Papille wird der Haarstoff abgesetzt, der anfangs und unten in flüssiger Form, später und nach oben hin in Zellen-, Faser- und Schüppchenform das Haar bildet. Der unterste, weichste und mit einer Aushöhlung auf dem Haarkeime aufsitzende Theil der Haarwurzel führt den Namen der Haarzwiebel (n). Da diese Haarbälge noch lange fortbestehen, auch wenn die Haare daraus verloren gegangen sind, so läßt sich das Wiederwachsen von Haaren auf kahlen Stellen durch Erregung der Absonderungsthätigkeit des Haarkeimes erzielen. – Die Talgdrüsen (p) sind kleine, weißliche, entweder einfache oder zusammengesetzte, länglich-birnförmige oder traubenförmige Schläuche, welche sich fast überall in der Haut, besonders an behaarten Stellen finden und den Hauttalg oder die Hautschmiere absondern. Viele derselben münden in Haarbälge oder haben doch mit denselben eine gemeinsame Oeffnung auf der Haut (deshalb auch Haarbalgdrüsen genannt). Im Allgemeinen sitzen diese Drüsen dicht an den Haarbälgen in den obern Schichten der Lederhaut; zieht sich diese bei Einwirkung der Kälte um die gefüllten Drüschen zusammen, so ragen sie wie Knötchen auf der Haut hervor und bilden die sogenannte Gänsehaut. Der zellenreiche Hauttalg ist sehr fetthaltig und wird zum Einsalben der Haut und Haare verwendet, vorzüglich an solchen Stellen, wo die Haut häufig der Feuchtigkeit ausgesetzt ist. – Die Schweißdrüsen (g) sind einfache, aus einem zarten, mehr oder weniger gewundenen Gange bestehende und den Schweiß absondernde Drüsen, welche, bis auf äußerst wenige Stellen, in der ganzen Haut vorkommen und sich mit feinen Oeffnungen (Schweißporen i), an der Oberfläche derselben ausmünden. Das unterste Stück jeder Schweißdrüse heißt der Drüsenknäuel (g) oder die eigentliche Drüse und stellt ein rundlichen, aus vielfachen Windungen eines einzigen Ganges bestehendes Körperchen dar, welches seine Lage in der tieferen Schicht der Lederhaut, bald etwas höher, bald etwas tiefer (seltener im Unterhautzellgewebe), umgeben von Fett und lockerem Bindegewebe, neben oder unter den Haarbälgen hat. Nach oben tritt nun dem Drüsenknäuel der Schweißkanal (h) als Ausführungsgang hervor; dieser läuft, anfangs leicht geschlängelt, senkrecht durch die Lederhaut in die Höhe, um sich zwischen den Hautpapillen in die Oberhaut einzusenken und hier mit (zwei bis sechs) spiraligen Windungen (korkzieherförmig) bis zur Oberfläche der Haut zu dringen, wo er sich dann ausmündet (Schweißporen i). Ueber drei Millionen solcher Schweißdrüsen sind in der menschlichen Haut eingebettet und zwar kommen auf 1 Quadratzoll an der Fußsohle 2685, am Halse 1303, an der Stirn 1258, an Brust und Bauch 1136, am Nacken blos 417.

Ein wichtigen Ausscheidungsorgan ist die Haut vorzüglich deshalb, weil sie durch ihre Ausdünstungen das Blut von einigen unnützen Stoffen befreit. Außerdem erzeugt sie ja auch noch den Hauttalg, die Oberhaut, die Haare und Nägel. – Die Hautausdünstung, welche hinsichtlich ihrer Menge und Beschaffenheit nach Race, Alter, Geschlecht und individueller Körperbeschaffenheit sehr verschieden und selbst bei ein und demselben Menschen nicht zu allen Zeiten und an allen Stellen seines Körpers immer dieselbe ist, erscheint in zwei Formen, nämlich als unsichtbare, dunstförmige und als tropfbarflüssige oder Schweiß. – Der Hautdunst, jedenfalls die wichtigere Hautabsonderung, steigt ununterbrochen zu jeder Zeit von der Oberfläche der Haut auf, wird vorzugsweise von den Gefäßen der Hautoberfläche abgeschieden und besteht zum allergrößten Theile aus Wasser, den noch gasförmige und flüchtige Stoffe (Ammoniak, Essigsäure, Buttersäure, Kohlensäure und Stickstoffgas), sowie riechende Materien beigemischt sind. Die Riechstoffe rühren wahrscheinlich zum Theil vom Ammoniak und der Buttersäure, zum Theil von genossenen riechenden Nahrungsmitteln (Zwiebeln, Knoblauch, Spargel, Rettig, Senf, Gewürzen etc.), zum Theil von eigenthümlichen, noch unbekannten Riechstoffen her. Die Menge dieser Stoffe variirt sehr bedeutend; nach vegetabilischer Kost wird mehr Kohlensäure, nach Fleischnahrung mehr Stickstoffgas entweichen. – Der Schweiß, das Produkt der Schweißdrüsen, erscheint nur zu einzelnen Zeiten, in kleineren Tröpfchen oder in größeren, durch Zusammenfließen der Tröpfchen gebildeten Tropfen, über die ganze Oberfläche der Haut ausgebreitet oder nur an einzelnen Körperstellen. Durch das Erscheinen den Schweißes wird im Allgemeinen eine stärkere Hautausdünstung angedeutet. Die Bestandtheile des Schweißes, der natürlich vorzugsweise aus Wasser besteht (in dem Kochsalz und Ammoniaksalze am Reichlichsten vorhanden), sind größtentheils dieselben, welche sich auch im Hautdunste und im Harne vorfinden, und es können deshalb auch die Nieren die Funktion der Haut recht gut theilweise übernehmen. Trotzdem scheint das Zurückbleiben der Stoffe im Blute, welche durch die Hautausdünstung aus demselben entfernt werden sollen, doch zum Krankwerden zu führen.

– Die Hautausdünstung folgt theils den allgemeinen physikalischen Gesetzen der Verdunstung, theils ist sie von lebendigen Thätigkeiten im Innern des Körpers abhängig. Sie geht reichlicher vor sich bei warmer Haut, bei Trockenheit, Wärme und Bewegung der Atmosphäre, so wie bei tiefem Barometerstande, während sie durch Kälte der Haut, bei feuchter, kalter und ruhender Luft, so wie bei hohem Barometerstande verringert wird. Alles, was den Zufluß des Blutes zur Haut vermehrt und den Durchfluß desselben beschleunigt, bedingt Steigerung der Hautausdünstung. Hierher gehören ebensowohl Reize, welche die Haut selbst treffen, als auch solche, welche die Cirkulation beschleunigen. Bei der Mannigfaltigkeit der auf die Vermehrung oder Verminderung der Hautausdünstung einwirkenden Verhältnisse ist es natürlich, daß die absolute Quantität dieser Ausscheidung häufigen und bedeutenden Schwankungen [529] unterworfen ist, zumal da sich die Absonderung der Haut, der Nieren und Lungen, wenigstens hinsichtlich der Wassermengen, gegenseitig vertreten und ergänzen können. Unter normalen Verhältnissen läßt sich die Menge des durch die Haut verdunstenden Wassers auf 31 Unzen in 24 Stunden anschlagen; sie beträgt ungefähr eben so viel, als die Nieren in gleicher Zeit liefern und etwa das Doppelte der von den Lungen in 24 Stunden ausgehauchten Wassermenge. Die Kohlensäure, welche die Haut ausdünstet, wird zu 1/25 bis 1/50 der von den Lungen abgesonderten Kohlensäure geschätzt. – Der Nutzen, welchen die Hautausdünstung dem Körper bringt, ist zunächst der, daß die Wasserverdunstung auf der Haut die im Uebermaaße und über das Bedürfniß erzeugte Wärme des Körpers bindet und dessen Temperatur regulirt. Von viel größerer Wichtigkeit für den menschlichen Organismus, als die verhältnißmäßig geringe Abkühlung der Körperoberfläche und des in ihr rinnenden Blutes, ist jedoch die durch die Hautausdünstung beschaffte Ausscheidung der oben genannten Stoffe aus dem Blute, wodurch diese gereinigt und so zur Ernährung des Körpers tauglicher gemacht wird.

Als Aufsaugungsorgan ist die Haut, obschon in derem Innern der zahlreichen Blutgefäße und Saugadern wegen eine sehr lebhafte Aufsaugung stattfindet, doch nicht von so großer Wichtigkeit, als man gewöhnlich glaubt, denn es ist durch die Hornschicht der Oberhaut und durch die Einölung derselben mit Hauttalg den flüssigen und luftförmigen Stoffen äußerst schwer gemacht, von außen in die Haut einzudringen. Nur durch die Schweißporen, sowie durch die Oeffnungen der Talgdrüsen und Haarbälge dürften Stoffe, besonders mit Hülfe von Druck bei Waschungen und Einreibungen, aufgenommen werden können. Es behaupten allerdings Einige, daß auch durch die Hornschicht hindurch Wasserdunst, Gase und flüchtige Stoffe dringen könnten, doch ist dies unwahrscheinlich. Dagegen nimmt die Haut nach Entfernung der Oberhaut sehr leicht Stoffe in sich auf.

(Ueber die Pflege der Haut später.)
(B.)