Die Pflege der äußern Haut

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Textdaten
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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: Die Pflege der äußern Haut
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 554-556
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[554]
Gesundheits-Regeln.
Die Pflege der äußern Haut.

Die Haut bedarf ihrer vierfachen Bestimmung wegen, als Schutz-, Tast-, Absonderungs- und Aufsaugungsorgan(s. Gartenlaube Nr. 44, S. 527), sowie mit Rücksicht auf ihren großen Blut- und Nervenreichthum, der ganz besondern Pflege. Diese wird auch deshalb schon so nöthig, weil die Haut mit dem uns umgebenden Luftkreise, der [555] vermöge seiner Eigenschaften (seiner Temperatur, Feuchtigkeit, Strömungen, Witterungsverhältnisse) einen bedeutenden Einfluß auf unsern Organismus ausübt, in der unmittelbarsten Berührung steht. Uebrigens kann kein Lebensalter, wenn es gedeihen will, der Hautpflege entbehren, jedoch ist das erste Kindes- und das Greisenalter ihrer am Bedürftigsten. Das der Hautcultur förderlichste Hülfsmittel ist allgemeine Reinlichkeit und diese wird durch Waschungen, Bäder und Abreibungen der Haut bei reiner Wäsche erzielt. Man erinnere sich nur, daß die Oberfläche der Haut, auf welcher die Talg- und Schweißdrüsen, sowie die Haarbälge ausmünden und Hauttalg, Schweiß und Hautdunst abgeschieden wird, fortwährend ihre ältesten, obersten Plättchen der Hornschicht abzustoßen hat. Wird die Entfernung dieser abgestoßenen und durch den klebrigen Hauttalg zurückgehaltenen Hornschüppchen (mit Schmutz) nicht befördert, so verlegen letztere die Mündungen der Hautdrüschen und machen die Oberhaut undurchdringlicher für den Hautdunst. So geht dann die Ausscheidung ebensowohl des Hauttalges und Schweißes, wie die des Hautdunstes weniger gut vor sich und Haut wie Blut können dadurch Nachtheil erleiden; es kann sonach durch Zurückhaltung der genannten Ausscheidungsstoffe ebensowohl eine (örtliche) Hauterkrankung, wie auch ein (allgemeines) Blutleiden zu Stande kommen. Ein gewisser Physiolog (Schultz von Schultzenstein) bewundert die Güte Gottes darin, daß es diese so eingerichtet hat, daß wenn der faule Mensch in Schmutz versinkt, sich bei ihm thierische Parasiten (Läuse, Flöhe, Wanzen, Milben) einfinden, um ihn durch Jucken zum Kratzen und so zur Mauserung seiner Haut zu zwingen. – Außer der Reinhaltung der Haut ist ferner noch auf ihre Bedeckung (Kleidung) die gehörige Rücksicht zu nehmen, sowie auf Kräftigung derselben hinzustreben; auch bedürfen die Nerven der Haut und der Blutlauf in derselben der Berücksichtigung.

Die Reinigung der Haut, von Schmutz, Oberhautschüppchen, eingetrocknetem Schweiße und altem Hauttalge, ist am Besten durch warme Waschungen und Bäder, unterstützt von Seife und Abreibungen (mit Flanell oder Bürste) zu erreichen. Ein Dampfbad kann von Gesunden von Zeit zu Zeit als Hauptreinigungsmittel benutzt werden. Auch trockene Abreibungen sind in Ermangelung warmen Wassers sehr vortheilhaft und können die Mündungen der Hautdrüsen freimachen, dadurch aber gegen Mitesser und Blüthen schützen. Was die Temperatur des zu benutzenden Wassers betrifft, so ist eine Wärme von 26–28 Grad am Meisten zu empfehlen und wöchentlich ein – oder zweimaliges Baden oder Waschen des ganzen Körpers im warmen Zimmer hinreichend. Kalte Bäder und Waschungen haben niemals die vortheilhaften und die Hautthätigkeit unterstützenden Wirkungen des warmen Wassers, können sogar in sehr vielen Fällen durch ihre, die Hautnerven zu stark reizende Kälte Nachtheile bringen (s. später). Neugeborne und Säuglinge, sowie Kinder bis zum vierten Jahre sind wo möglich täglich und stets warm zu baden oder zu waschen; nur ganz allmälig ist bei ihnen die Temperatur des Wassers zu erniedrigen und niemals darf ein kleines Kind mit nasser Haut der Luft ausgesetzt werden. Sehr oft ist es von Nutzen, beruhigend und schlafbringend, wenn kleine Kinder Abends unmittelbar vor dem Schlafengehen und nicht am Morgen gebadet werden. Nach dem fünften Jahre etwa läßt man lauwarme Bäder nur noch zwei Mal wöchentlich nehmen, jedoch täglich Waschungen des ganzen Körpers machen.

Die Kräftigung und Abhärtung der Haut, so daß die Fasern der Haut straffer werden und verschiedene Witterungsverhältnisse, vorzüglich Temperaturwechsel, nicht so leicht sogenannte Erkältungskrankheit (Katarrhe, Rheumatismen, Nervenschmerzen u. s. f.) erzeugen, kann nur durch allmälige Gewöhnung der Haut an Kälte erreicht und durch die gehörige Bewegung der unter der Haut liegenden Muskeln befördert werden. Diese Kälte in der Form des kalten Wassers und der kalten Luft angewendet, verlangt aber hinsichtlich ihres Grades und der Dauer ihrer Einwirkung nach und nach eine Steigerung, denn kurze Zeit gebrauchte kalte Bäder, kalte Waschungen und Uebergießungen der Haut, wirken wohl als Reizmittel auf die Nerven und Fasern der Haut, aber nicht als Kräftigungsmittel (s. unten). – Mit der Abhärtung der Haut durch Kälte beginne man nicht vor dem 5. Lebensjahre, denn kleine Kinder gedeihen, wie junge Pflänzchen, nur bei Wärme; auch gehe man jetzt nicht etwa von warmen Bädern und Waschungen sofort auf kalte über, sondern erst auf lauwarme und ganz allmälig auf kühle und kalte. Ebenso sollte mit der wärmern und leichtern Kleidung verfahren werden. Uebrigens hat auch die Abhärtung ihre Grenzen und selbst bei ziemlich abgehärteter Haut ist das warme Reinigungsbad (Waschung und Abreibung), so wie eine wärmere Bekleidung in Fällen, wo die erhitzte und schwitzende Haut schnell kalt werden könnte, nicht zu entbehren. Gar nicht selten gehen Abhärtungs-Renommisten an Herzentzündungen und organischen Herzfehlern zu Grunde und äußerst nachtheilig ist es, wenn blutarme, bleichsüchtige, nervöse oder gar schwindsüchtige Personen, denen gerade Wärme zusagt, vom Abhärtungs-Fanatismus und der Kaltwasser-Modethorheit befallen werden.

Die Wirkung plötzlicher und schnell vorübergehender Kälte, besonders kalter Begießungen und Waschungen der Haut ist ebensowohl an den Nerven, wie an den Blutgefäßen und Fasern der Haut sichtbar und giebt sich theils durch eine empfindliche Erregung der ersteren, theils durch Zusammenziehung der letzteren zu erkennen. In Folge der Zusammenziehung der Blutgefäße (Haarröhrchen) wird die Haut blaß und kühl, und das am Einströmen in die Haut verhinderte Blut muß sich natürlich in inneren Organen anhäufen, was daselbst recht gut zu entzündlichen Zuständen und Blutungen (Bluthusten, Schlagfluß) Veranlassung geben kann und gar nicht selten auch wirklich giebt. Allerdings folgt dieser Zusammenziehung der Gefäße sehr bald eine Ausdehnung derselben und es strömt dann mehr Blut als vorher in die Haut, weshalb diese auch röther, wärmer und in ihrer Absonderungsthätigkeit gesteigert wird. – Die Zusammenziehung der Hautfasern, wobei die Ausgänge der Hautdrüschen verengert oder geschlossen werden, macht die Haut derber und durch Hervordrängen der Talgdrüschen zur Gänsehaut. Auf diese Zusammenziehung folgt bald wieder Ausdehnung, so daß die vorher feste und derbe Haut nun weich und schlaff wird. – Die Einwirkung der Kälte auf die zahlreichen Empfindungsnerven der Haut, die alle im Gehirne wurzeln, ist eine ziemlich stark erregende und hinterläßt in der Regel, wie alle kräftigern Reizmittel, wenn sie oft angewendet werden, vielleicht in Folge einer falschen Ernährung des Nervengewebes, eine sogen. reizbare Schwäche des Hirnnervensystems, welche der Laie als Nervös- oder Reizbarsein bezeichnet und die bei fortgesetzter Reizung endlich gar nicht selten zu einer Geisteskrankheit, selbst zum Blödsinn führt. Daß man sich gleich nach einer kalten Begießung oder Waschung des Körpers in Folge der Erregung des Hirnnervensystems scheinbar wohler, belebter fühlt, ist sonach ganz natürlich, ebenso wie das scheinbare Wohlsein nach dem Genusse spirituöser Getränke. Aber was auf diese belebende Erregung durch Spirituosa folgt, ist bekannt. Die vielen blassen, reizbaren und nervösen Subjekte mit Eingenommenheit des Kopfes, Schlaflosigkeit, großer Empfindlichkeit gegen Licht und Schall, Herzklopfen u. dgl., welche sich und ihre Aerzte abquälen, sind meistens Früchte der jetzt so beliebten kalten Begießerei und Wäscherei. Dr. Munde sah bei Prießnitz in Gräfenberg in kurzer Zeit viermal Starrkrampf in Folge der Kaltwasserkur entstehen und daß die meisten Nervenschwachen aus den Seebädern nicht nur nicht gebessert, sondern im Gegentheil verschlimmert zurückkommen, wird trotz aller Anpreisungen des Seebades doch nicht weggeleugnet werden können. (Ueber Stärkungsmittel s. Gartenlaube Nr. 23, S. 270). – Verfasser will durch diese Darlegung nun aber ja nicht etwa die kalten Bäder, so wie die allmälige Abhärtung der Haut durch Kälte verdammt wissen, nur eine vernünftigere Anwendung derselben, in warmer Jahreszeit und mit Maaß und Ziel bei passendem Lebensalter und Gesundheitszustande, hält er für wünschenswerth. (Ausführlicheres über die Wirkung und Anwendung kalter, lauer, warmer und Dampfbäder s. später.)

Bewegungen, besonders geregelte, nach und nach alle Muskeln des Körpers in Thätigkeit versetzende Turnübungen, zumal wenn sie in freier frischer Luft vorgenommen werden, tragen zum Gesund- und Kräftigsein der Haut, sowie zur Unterstützung ihrer Thätigkeit insofern viel bei, als sie den Blutlauf durch die Hautgefäße bethätigen und mittelst der Nerven (wahrscheinlich durch Mittheilung der Erregung von den Bewegungsnerven der Muskeln auf die der Haut) die Straffheit der Hautfasern befördern. Die Wahrheit dieser Behauptung läßt sich auf Turnplätzen mit Händen greifen, man untersuche nur die Haut vor und nach dem Turnen.

Daß die Kleidung auf das Befinden der Haut großen Einfluß [556] ausüben muß, geht daraus hervor, daß wir uns durch Kleider gegen die Unbilden der Witterung, gegen Kälte und Hitze, wie gegen übermäßiges Licht, gegen Nässe und rasche Temperaturwechsel schützen können. Allerdings ist der Hauptzweck des Bekleidens die Erhaltung unserer Eigenwärme (s. Gartenlaube Nr. 33, S. 386), da nur bei einer gewissen Temperatur alle lebenswichtigen Processe innerhalb unsers Körpers vor sich gehen können, und deshalb muß sich auch die Kleidung nach dem Grade unserer eigenen und der äußern Wärme richten, überhaupt den klimatischen Bedingungen und der verschiedenen Beschäftigung entsprechen. Doch davon in einem spätern Aufsatze. Für das Wohlbefinden der Haut ist große Reinlichkeit in der Kleidung, besonders häufiger Wechsel der Leibwäsche unerläßlich.

Schließlich sei es wiederholt, daß Reinhalten der Haut durch Waschungen, Bäder und Abreibungen des ganzen Körpers, sowie durch reine Wäsche, eine wesentliche Bedingung zur Erhaltung der Gesundheit ist. Ohne Zweifel trägt der Mangel einer tüchtigen Hautcultur zur Zeit einen großen Theil der Schuld mit am Verfalle des Menschengeschlechtes in gesundheitlicher Hinsicht und jedenfalls dürfte die Gründung öffentlicher Badeanstalten für die ärmeren Volksklassen dem weiteren Verfalle Schranken setzen helfen.
B.