Die Benediktinerabtei Alpirsbach

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Textdaten
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Autor: Eduard Paulus
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Titel: Die Benediktinerabtei Alpirsbach
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 245, 259
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[245] 

Die Gartenlaube (1888) b 245.jpg

Die Benediktinerabtei Alpirsbach.
Originalzeichnung von M. Bach.

[259] Die Benediktinerabtei Alpirsbach. (Mit Illustration S. 245) Weit oben an dem nördlichsten Quellstrang der Kinzig liegt in tiefer Waldeinsamkeit, umgeben von schönen grünen Hügeln, aus denen rundliche Granitfelsen vorschauen, und durchrauscht von dem forellenreichen klaren Bergwasser des noch jungen Flüßchens die merkwürdige ehemalige Benediktinerabtei Alpirsbach, eine Stiftung der Hohenzollern.

Rotmann von Hausen, Adalbert von Zollern und Graf Alwig von Sulz beschlossen, hier auf eigenem Grund und Boden ein Kloster für Mönche zu bauen, die der Regel des heiligen Benedikt folgten. Um das Jahr 1100 stand schon die große Klosterkirche, die heute noch steht. Die ursprüngliche Anlage ist fast noch unberührt erhalten. Es ist eine große dreischiffige Säulenbasilika mit Vorhalle, Querschiff und drei halbrunden, jetzt gothisch veränderten Chören im Osten. Am Ostende des nördlichen Seitenschiffes steht ein hoher Thurm, so daß, von Osten her gesehen, die Kirche einen höchst malerischen Anblick bietet. Ueberwältigend aber ist der Eindruck, wenn man durch die mit weiten lichten Rundbögen sich öffnende einfach gehaltene Vorhalle hineintritt in das Innere: schwere, starke, mit den Schäften je aus einem Buntsandsteinblock gearbeitete Säulen tragen auf ihren Würfelknäufen die Rundbögen, auf denen das gegen 70 Fuß hoch aufsteigende, 30 Fuß breite Mittelschiff ruht. Die Nebenschiffe sind halb so hoch und halb so breit. Flache Holzbalkendecken überspannen alle Räume; aus mäßig großen Rundbogenfenstern strömt eine Fülle von Licht, besonders ins Hochschiff. Die Schlichtheit aller Formen läßt den Einklang der Verhältnisse ganz klar erkennen. Dazu kommt noch der mildrothe Ton des Schwarzwaldsandsteines in den unteren, eine stil- und maßvolle Bemalung in den oberen Theilen.

An die Langseite der Kirche stößt südlich das längst verlassene Kloster, halbverfallen und theilweise in Privathänden - aber reizend ziehen sich noch die mit reichen Netzgewölben überspannten Hallen des großen spätgothischen Kreuzgangs hin; auch der Kapitelsaal, aus der Zeit der Gründung stammend, ist noch erhalten. Oben läuft in Schutt und Trümmern das ehemalige Dorment mit den früheren Zellen der Mönche hin. Hart an der Kirche steht die große Sakristei, ein prächtiges Werk aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts, mit herrlich schlanken Säulenbündeln, auf denen kelchförmige Blätterkapitäle die stolzen Rippenkreuzgewölbe tragen.

Die Geschichte des Klosters weicht nicht ab von der gewöhnlichen der anderen. Erst große Blüthe, dann meist ein merkliches Sinken, besonders im 15. Jahrhundert.

Im Herbst 1885 wurde mir das hohe Glück zu Theil, den damaligen Kronprinzen des Deutschen Reichs, jetzigen Kaiser, auf seinem Gang durch die Hallen der von seinen Ahnen gegründeten Abtei zu begleiten.

An das Hauptportal im Westen, das noch durch die alte, mit Metallornamenten beschlagene Thür verschlossen wird, ließ der Kronprinz eine Leiter anlegen und stieg hinauf zu dem so merkwürdigen Relief, das sich im großen halbrunden Bogenfelde, über dem eigentlichen Eingang, befindet und in die Zeit der Gründung zurückreicht. Man sieht hier Christus als Weltheiland jugendlich dargestellt; er sitzt in dem mandelförmigen Heiligenschein auf dem Regenbogen, segnend mit der Rechten, in der andern Hand das Buch des Evangeliums auf das Knie stützend. Zwei herschwebende Engel mit langen Flügeln halten den großen Heiligenschein. Unten knieen zwei kleinere Gestalten: links vom Beschauer ein Mann in Klostertracht, rechts eine Frau in der Laientracht damaliger Zeit. Jener Mann ist wahrscheinlich Adalbert von Zollern, der Hauptstifter der Abtei, die Frau seine Gemahlin. Urkundlich ist bezeugt, daß Adalbert schon im Jahre 1101 im Kloster Alpirsbach Mönch geworden ist, ohne Zweifel nach dem Tode seiner Gemahlin.

Die Arbeit dieses Reliefs zeichnet sich aus durch feine zarte Ausführung, die Bewegungen der Gestalten sind ernst und feierlich, die Gewänder ganz fein gefältelt, das Ganze trefflich in den halbrunden Rahmen hineingepaßt. Eine andere, aber viel rohere Bildhauerarbeit, jetzt in der nahen Stadt Freudenstadt, ein alterthümlicher Taufstein mit Figuren, soll gleichfalls aus dem Kloster stammen. Es sind Darstellungen, die noch an die heidnische Zeit der Deutschen gemahnen.

Eduard Paulus.