Die Briquettagebauten in Lothringen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: L.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Briquettagebauten in Lothringen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 320
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[320] Die Briquettagebauten in Lothringen. Der Bezirk Deutschlothringen besitzt ein hochinteressantes, wahrscheinlich vorhistorisches Bauwerk, das in der gelehrten Welt heute noch so gut wie unbekannt sein dürfte. Es ist dies der sogenannte Briquettagebau im Seillethal, Kreis Chateau-Salins, zwischen Vic und Marsal. Gräbt man daselbst durch den etwa drei bis vier Meter tiefen Alluvialboden, so stößt man auf ein ungefähr ein bis zwei Meter dickes Ziegelsteinmauerwerk, das in einer Ausdehnung von mehreren Quadratkilometern als eine ungeheure Decke den unergründlichen Sumpfboden des Seillethales überspannt. An Massenhaftigkeit dürfte das Bauwerk über die ägyptischen Pyramiden zu stellen sein, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß durch entsprechende Nachgrabungen noch weitere solcher Ueberreste entdeckt werden. Vielleicht sind sie auf keltischen Ursprung zurückzuführen. Nach Vertreibung der Kelten durch die Gallier mögen Letztere die vorgefundenen Bauwerke erweitert und in feste Zufluchtsorte, von Cäsar Oppida genannt, umgewandelt haben, die in Friedenszeiten nicht bewohnt wurden, in welchen aber zur Zeit der Kriegsgefahr Greise, Weiber, Kinder und Heerden Unterkommen und beim unglücklichen Ausgang eines Feldzuges die sich flüchtenden Krieger das letzte Asyl fanden. Diese Zufluchtsorte müssen bei der früher noch viel stärkeren Versumpfung des Seillethales geradezu uneinnehmbar gewesen sein. Historisch steht fest, daß auch die Römer den Briquettagebau theilweise benutzt haben, um die 40 bis 50 Jahre nach Christi Geburt angelegte Straße von Metz über Grigy, Ars-Laquenexy, Bazoncourt, Pange, Remilly, Bisping, Marsal, Saarburg, Zabern nach Straßburg durch die Sümpfe des Seillethales hinwegzuführen.

Vollständiges Licht über Alter, Zweck und Ausdehnung des Briquettagebaus können nur systematisch ausgeführte Nachgrabungen verbreiten. Letztere würden ohne Zweifel ein interessantes und reichhaltiges Material liefern, da einerseits der feste Unterbau das Versinken der im Laufe der Jahrhunderte angesammelten Gegenstände verhinderte, während dieselben andererseits durch die Seille bei ihren alljährlich mit ziemlicher Regelmäßigkeit eintretenden Ueberschwemmungen mit einer schützenden Bodenschicht bedeckt wurden. Zweck dieser Zeilen ist, berufene Archäologen für dieses Bauwerk zu interessiren und sie zu veranlassen, dasselbe zum Gegenstande ihrer Forschungen zu machen.

L.