Die Bruderfichte bei Thossen

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die Bruderfichte bei Thossen
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 76–77
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[76]
685) Die Bruderfichte bei Thossen.
Nach mündlicher Ueberlieferung bearbeitet von Julius Schanz.

Als der Herr Jesus noch auf der Erde wandelte, kam er auch einmal mit allen seinen Jüngern nach Sachsen und zwar in’s Voigtland. Gerade zu dieser Zeit schickte der liebe Gott einen recht starken Regen, und weil der Herr und seine Jünger keine Regenschirme hatten, wurden sie arg durchnäßt.

Die Apostel sahen sich deshalb nach Schutz um. Da erblickte Einer einen hohen, breiten Fichtenbaum, der frei im Felde stand. „Ei,“ sagte er, „laß uns, o Herr, unter des Baumes Aeste treten und den Regen vermeiden“.

Der Herr aber sah ihn mit seiner gewohnten Freundlichkeit an und erwiderte: „Der uns den Regen gesandt, wird darnach auch Sonnenschein senden“.

Der Jünger des Herrn meinte aber doch, es sei besser, jetzt zu thun, was man könne, als von Hoffnung zu leben. [77] Er lief also, durch den Regen hindurch, zu der Fichte hin und stellte sich darunter. Kaum hatte er aber zwei Augenblicke gestanden, als der Baum seine Aeste zur Erde senkte, wie ein geschlagener Haushahn seine Flügel, und als das Wasser, das seine Zweige trugen, auf den Jünger wie mit Kannen herabgoß. Da bemerkte der letztere, daß draußen auf dem Felde die Sonne schien und er aus dem Regen unter die Traufe gekommen war. Er griff daher rasch nach seinem Stabe und lief dem Herrn und den übrigen Jüngern nach.

Der Herr Jesus sah ihn an und schwieg; der Jünger aber schlug die Augen nieder und erröthete.

Zum Wahrzeichen allen Zweiflern läßt der Baum seine Aeste hangen bis auf den heutigen Tag.