Die Cichorienfabrik von Wilh. Bader in Goldbach

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Titel: Die Cichorienfabrik von Wilh. Bader in Goldbach
Untertitel:
aus: Album der Sächsischen Industrie Band 1, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 1, Seite 33–34
Herausgeber: Louis Oeser
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
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Erscheinungsort: Neusalza
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Album der Sächsischen Industrie Band 1 0061.jpg

Cicorienfabrik von Wilhelm Bader in Goldbach.

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Die Cichorienfabrik von Wilh. Bader in Goldbach.
(Mit Abbildung.)


Seit man die Ueberzeugung gewann, daß die Kaffee-Surrogate nicht nur unschädlich, sondern in ihrer Wirkung auf den menschlichen Organismus ganz gleich mit der des Kaffee’s sind, ja, ganz abgesehen von ihrer bedeutenden Wohlfeilheit, vor diesem noch den Vorzug haben, selbst bei dem häufigsten Genuß nicht überreizend auf die Nerven zu wirken, stieg auch der Gebrauch dieser Surrogate bei allen Klassen der Bevölkerung mit jedem Tage mehr, so daß Sachsen bald das Quantum nicht mehr erzeugen konnte, welches von seiner Bevölkerung consumirt wurde. Man berechnet, daß in Sachsen und Schlesien jährlich für 2,500,000 Thaler dergleichen Surrogate verbraucht werden, wovon Sachsen früher noch nicht den vierten Theil fabrizirte, und folglich namhafte Summen dafür in das Ausland gingen.

Die Rücksicht auf Obiges, und Angesichts der großen Erfolge der schon bestehenden ähnlichen Fabriken, veranlaßte Herrn Wilhelm Bader, welcher als Civil-Ingenieur von 1837 bis 1850 bei den mehrsten sächsischen Eisenbahnen, und von 1845 an auch bei ausländischen thätig gewesen, und dabei seinen Schatz vielseitiger Kenntnisse rastlos vermehrt hatte, im Jahre 1850 die rühmlich bekannte Cichorienfabrik in Goldbach zu gründen.

Wohl war der Beginn dieses Etablissements mit außerordentlichen Schwierigkeiten und Kosten verknüpft, indem es nicht nur von Grund aus neu erbaut werden mußte, sondern sich auch bedeutende Wasserbauten nöthig machten. Und als Alles hergestellt war, begann das heiße Ringen mit dem Vorurtheil der Menge, welches bei der Einführung eines neuen Fabrikats nie ausbleibt, und zugleich war eine mit mächtigen Mitteln ausgerüstete Concurrenz zu bekämpfen. Die vielseitigen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen des Begründers und seine eiserne Willenskraft überwanden alle Schwierigkeiten; das erforderliche, sehr bedeutende Betriebskapital wurde durch Herbeiziehung eines Assoçies verstärkt und so geht dieses Unternehmen einer immer schöneren Entwickelung entgegen.

Das Etablissement hat eine freundliche Lage am Fuß des Heidelberges und an dem Ufer der Wesenitz, zwischen den Dörfern Goldbach und Harthau, sowie zwischen der sächsisch-schlesischen Eisenbahn und der von Dresden nach Bautzen führenden Chaussee, und ist es von Bischofswerda ohngefähr eine kleine Stunde entfernt. Noch befinden sich in seiner Nähe die Dörfer Groß- und Klein-Drebnitz und Weickersdorf. Man genießt von hier eine freundliche Aussicht auf die Gebirge bei Neustadt und Stolpen, wo sich vorzüglich der sagenreiche Valtenberg mit seinem in Sonnenglanz weithin leuchtenden König-Johanns-Thurm auszeichnet.

Das Etablissement besteht aus zehn Gebäuden:

ein Mühlen- und ein Brennereigebäude mit Cichorien-Brennapparat;
ein Gebäude mit Papierfärberei, mit Glätterei, Druckerei und Papierniederlagen;
ein Darrhaus, zum Runkelrübendarren;
zwei Dampfhäuser mit zwei Dampfkesseln;

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ein Böttchereigebäude mit Fässerniederlage;
ein Magazingebäude.

Außerdem noch:

ein Wohngebäude und eine Scheune mit Wagenschuppen.

Unter den meisten Gebäuden befinden sich große Keller zur Lagerung der Cichorien. Noch gehören dazu ein Blumen- und ein Grasegarten und circa 11 Scheffel Feld und Wiesen.

Die Fabrikation beschränkt sich lediglich auf Kaffee-Surrogate, wie: Paquet-Cichorien in wenigstens hundert verschiedenen Packungen, Runkelrüben-Kaffee in Mehlform, Korn-, Gersten-, Walzen-, Eichel-, Mais- und sogenannten homöopathischen Gesundheits-Kaffee u.s.w.

Der Absatz verbreitet sich über ganz Sachsen, Schlesien und die preußische Niederlausitz und ist für alle Fabrikate von Tag zu Tage der Art im Steigen begriffen, daß den Ansprüchen nicht immer rechtzeitig genügt werden können und bedeutende Erweiterungen des Etablissements sich nothwendig machen.

Die Mühlen und Brennapparate werden durch die Wesenitz getrieben, welche bei circa zwölf Fuß Gefälle ohngefähr dreißig Pferdekraft entwickelt.

Beschäftigung finden in dem Etablissement fortwährend 40 bis 45 Leute, nehmlich: 2 Comptoiristen, 1 Maschinist, 1 Reisender und 40 bis 45 Fabrikarbeiter.

Zu den Etablissements gehören noch:

ein Comptoir und Niederlage in Bischofswerda;
eine ausgedehnte Cichorien- und Rüben-Darranstalt in Breslau,

von wo aus gebrannte Cichorien und Rüben in die Fabriken von Berlin u.s.w. versandt werden.

Besitzer dieser so fröhlich aufblühenden Anstalt sind der Gründer, Herr Wilhelm Bader, zugleich Vorstand des land- und forstwirthschaftlichen Vereins in Bischofswerda, und Herr Reinhold Jähnichen.

Für die Umgegend ist dieses Etablissement in sofern höchst segensreich, als durch dasselbe nicht nur eine Menge zu schweren ländlichen Arbeiten unbrauchbare Personen dauernde und lohnende Beschäftigung findet, sondern auch der früher ganz vernachlässigte, jetzt aber als sehr lohnend sich herausstellende Runkelrübenbau von Jahr zu Jahr mehr in Ansehen kommt.