Die Deutschenhetze

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Rudolf Lavant
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Deutschenhetze
Untertitel:
aus: In Reih und Glied
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: J. H. W. Dietz
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 102–104
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Die Deutschen Hetze Heft 128.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[102]
Die Deutschen-Hetze.

(1891.)

Ob ihre Zunge nun von Fusel,
Ob sie vom Traubenblute schwer –
Wir sehn vom gleichen blöden Dusel
Erfaßt die Völker um uns her.

5
Ob sie des Zaren Unterthanen,

Ob eine Republik ihr Ruhm –
Sie alle hassen den Germanen
Und fluchen dem Germanenthum.

Und ob sie sich Romanen nennen,

10
Ob slavisch ihre Mutter sang,

Ob Länder sie und Ströme trennen –
Sie schwören uns den Untergang.

[103]
Man liest es klar in ihren Blicken,

Wenn es die Lippe auch verhehlt,

15
Daß sie am dumpfen Haß ersticken,

Der wider Deutsches sie beseelt.

Ja, selbst im Reich der edlen Czechen,
Am Moldaustrand, im goldnen Prag,
Muß man sich hüten, deutsch zu sprechen,

20
Sonst fliegt der Stein, sonst fällt der Schlag,

Indeß sie alle Huld verschwenden
Aus Deutschenhaß mit Mund und Hand
An vier verbummelte Studenten,
Die das Quartier latin gesandt.

25
Wir haben auch ein Preßgesindel,

Das wund und lahm die Finger schreibt
Und einen gutbezahlten Schwindel
Mit deutscher Macht und Größe treibt.
Doch das ist Alles Schaum und Blase,

30
Von der des Volkes Tiefen frei,

Man hält das Tuch sich vor die Nase
Und geht, so schnell man kann, vorbei.

Man weiß, es ist an dieser Klippe
Noch kein gerader Sinn zerschellt;

35
Zu Deroulède und seiner Sippe

Hat unsre Schreier man gesellt.
Man läßt sie patriotisch rasen
Vom judenfreien Vaterland,
Doch findet man in ihren Phrasen

40
Nur Ungeschmack und Unverstand.


[104]
Ja, wär’ es so im Land der Franken

Und hegte im Palast und Zelt
Die gleichen friedlichen Gedanken
Der Moskowiter Slavenwelt,

45
Wir würden nur darüber scherzen,

Wenn es im Hexenkessel braust –
So schießt das Blut uns heiß zum Herzen
Und ungewollt ballt sich die Faust.

Die Juden scheucht man durch Gesetze,

50
Hinaus in Fremde, Nacht und Noth,

Doch käm es erst zur Deutschenhetze
Uns schlügt ihr ohne Weit’res todt!
Doch ist es klug, den Leu zu necken?
Zwar rastet er und schlummert noch,

55
Doch könntet ihr ihn schließlich wecken –

Und seine Tatze kennt ihr doch?


Anmerkungen (Wikisource)

Ebenfalls abgedruckt in:

  • Der Wahre Jacob 1891 Nr.128 (Seite 1033)