Die Freuden der Gegenwart

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Amalie von Imhoff
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Freuden der Gegenwart
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1798, S. 301 - 303
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1798
Verlag: J. G. Cotta
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[301]
Die Freuden der Gegenwart.


Lasset die Rosenumkränzeten Stunden
Bei den ätherischen Schwingen uns fassen,
Schnell wie vorüber die Eilenden fliehn.
Wenn wir sie läßig entschlüpfen uns lassen,

5
Sind auch auf immer die Holden verschwunden,

Welche sich zürnend dem Trägen entziehn.
     Haschet im Fluge den Augenblick,
     Freunde, er kehret euch nimmer zurück.

Laßt in die jugendlich flatternden Haare

10
Blühende Zweige der Myrthe uns schlingen,

Fesselt die Locken mit sanfter Gewalt,
Eh von der Scheitel mit sparsamen Ringen
Endlich gebleichet vom Hauche der Jahre
Silbernes Haar in dem Nacken uns wallt.

15
     Haschet im Fluge den Augenblick,

     Freunde, er kehret euch nimmer zurück.

[302]

Lasset, vergönnet uns Phöbus die Leier,
Heiter sie immer und fröhlich ertönen,
Freuden der Gegenwart singe sie nur,

20
Diese nur kann mit dem Schicksal versöhnen,

Denn um das künftige wallet ein Schleier,
Und es verweht der Vergangenheit Spur.
     Haschet im Fluge den Augenblick,
     Freunde, er kehret euch nimmer zurück.

25
Lasset den Leidenden tröstend sich sagen:

„Zukunft, die ferne, nur krönet mein Hoffen,
Heitere Hofnung betrüget den Schmerz –“
Jedem Geschenke der Gegenwart offen,
Jeglicher Freude mit zitterndem Schlagen

30
Bebe das leise bewegliche Herz.

     Haschet im Fluge den Augenblick,
     Freunde, er kehret euch nimmer zurück.

Aber, o laßt uns den Becher der Freuden
Immer mit mäßiger Lippe berühren,

[303]
35
Wenn ihn die Hore, die Freundliche, reicht;

Nie im Genusse sich selbst zu verlieren,
Und in den Armen des Glückes bescheiden,
Weise zu bleiben ist weniger leicht.
     Bringe den fliehenden Augenblick

40
     Nimmer die quälende Reue zurück.
F.