Die Helden vom Kappeler Thal

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Die Helden vom Kappeler Thal
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 68–69
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
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Die Helden vom Kappeler Thal.

An herrlichen Weinbergen vorüber, durch Gärten voll üppiger Obstbäume und ganze Wälder von Kastanien, auf einem Teppich frischgrüner Wiesen zwischen einer Menge von Bächen und Quellen dahin, welche nach und nach die oft sehr wilde Acher bilden, zieht sich der Weg durch dieses Thal, welches in einer Strecke von wenigen Stunden eine Fülle der herrlichsten Scenen entfaltet und an romantischer Pracht mit manchen der bekanntesten Schweizerthäler wetteifern dürfte. Kappel unter Rotteck, ein wohlhabender Flecken, liegt dicht am Fuße des Berges, auf welchem die Trümmer des alten Schloßes Rotteck liegen, von dem wir oben die Sage vom tapfern Burggeiste mittheilten. Von hier aus zog einst manch tapferer Ritter gegen die Wälschen und Sarazenen, aber die Wiege der Helden ist längst in Schutt zerfallen. Das zum Flecken gehörige Thal ist ziemlich schmal und in seinem obersten Theile schon bedeutend rauh, wird aber von einem kräftigen, kernteutschen Menschenschlage bewohnt. Das haben im Jahr 1796 die Franzosen derb genug empfinden müßen. Denn hier fanden sie ein kleines Tyrol. Auch hier gibt es nämlich Scharfschützen, so gut wie dort. Mehremale versuchten die feindlichen Truppen hier einzudringen, wurden aber allemal, mit einem Verluste von Kanonen und Fahnen, blutig zurückgeworfen. Die Kappeler behaupten, eine weiße Frauengestalt sey ihren Schaaren vorangeschwebt und habe sie wunderbarlich geschützt vor dem Feuer der Franzosen. Ob’s ein Fräulein aus dem benachbarten Mummelsee gewesen, oder eine selige Rittersfrau von einer der alten Burgen dieses Thales, oder gar eine demselben besonders gnädige Heilige, darüber sind die Meinungen verschieden. – Uebrigens nahmen die Weiber dieses Thales, nach echt altteutscher Weise, selber den thätigsten Antheil an den Kämpfen und Gefahren ihrer [69] Männer; eine Tapferkeit, von der sie schon früher einmal wackere Proben abgelegt. Als nämlich im Jahr 1777 ein angesehener Bauer dieser Gegend, wegen Wilderei, ins Oberkircher Amtsgefängniß geworfen wurde, bewaffneten sich die Weiber mit Heu-, Mist- und Ofengabeln, Stangen, Besen etc. und zogen bei nächtlicher Weile nach Oberkirch, überfielen in tiefster Stille die Wachen am Thor und am Thurm, nahmen sie gefangen, (die Wächter mochten im ersten Schrecken meinen, alle Hexen der Yburg seyen herabgekommen) befreiten den Wilderer aus seinem Kerker und führten ihn im Triumphe heim in ihr Thal zurück.

D. H.