Die Herren Gehülfen im Buchhandel

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Autor: Karl Friedrich Pfau
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Titel: Die Herren Gehülfen im Buchhandel
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Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Hygieia-Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans einer Faksimileausgabe von 1977 auf den Commons
Kurzbeschreibung: Moralisierende Anweisung für ausgelernte Buchhandelslehrlinge
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[1]

Die
Herren Gehülfen
im
Buchhandel.


Leipzig.
Hygieia-Verlag.


[3] Welches Sehnen und Hoffen erfüllt die Seele eines jungen, im letzten Jahre der Lehrzeit befindlichen Lehrlings; mit welcher Ungeduld sieht er dem letzten Tage seiner Lehrzeit entgegen, also jenem Zeitpunkte, von welchem ab er aus einem unselbständigen Wirkungskreise in einen neuen, selbständigen eintreten soll! Mit dem Schluß der Lehrjahre ändern sich die Lebensverhältnisse des jungen Mannes. Mit dem Erlös aus seiner eigenen Thätigkeit hat er nunmehr die an ihn herantretenden Ansprüche und Bedürfnisse zu befriedigen, anstatt, wie seither, die Bestreitung der Kosten für seine Lebensbedürfnisse aus den Mitteln seiner Eltern zu bewirken.

So löblich und erstrebenswert und an sich notwendig diese neue Lebensphase einerseits ist, so schwerwiegend und bedeutsam ist sie andererseits für die ganze Zukunft des jungen Mannes.

Der die Lehre verlassende Zögling wird sich jetzt in erster Linie die Frage vorzulegen haben: hast du deine Lehrzeit mit jenem Eifer und mit jenem Ernste ausgefüllt und ausgenützt, um daraus die erforderliche Selbstzufriedenheit zu schöpfen, und weiter, hast du dir, als notwendige Folge hiervon[WS 1], genügende Kenntnisse angeeignet, um beruhigten Sinnes der Zukunft in’s Auge schauen zu können?

In den wenigsten Fällen indes werden solche Gedanken und Reflexionen die Brust eines jungen Mannes erfüllen.

Vielmehr und zwar in völliger Verkennung der außerordentlichen Wichtigkeit und Tragweite, die diese Fragen für das Wohl und Wehe desselben in sich schließen, behält nur der eine Gedanke, die „so schreckliche Zeit der Lehrjahre überwunden zu haben“, die ausschließliche Oberhand.

[4] Begegnen diese Fragen aber dort, wo sie entstehen, noch irgend welchen Zweifeln, so kann und muß nichts natürlicher erscheinen, als daß diese Zweifel gehoben werden, daß die vorhandenen Lücken ausgefüllt, das Fehlende so gut und so weit angängig, noch nachgeholt wird.

In der Natur der Sache liegt es begründet, daß die Zeit der Lehrjahre besondere Rücksichten in sich schließen. Als unbezahlter Lehrling legt der junge Mann dem Chef entweder gar keine, zum mindesten aber nur ganz geringfügige Verpflichtungen auf; als bezahlter Arbeiter hingegen sind die einstigen freiwilligen gegenseitigen Zugeständnisse zu ebensolchen ernsten und bindenden Verpflichtungen geworden. Durch den seitens des nunmehrigen Gehülfen beanspruchten Gehalt, als Lohn für seine Arbeit, absorbiert er einen bestimmten Teil des Gesamtverdienstes des Chefs, der unter Umständen einen relativ sehr hohen Prozentsatz desselben ausmachen kann.

Mit dem Eingehen eines bestimmten Engagements, also eines Verhältnisses, das gegenseitige Rechte entstehen läßt und ebensolche Verpflichtungen auferlegt, finden naturgemäß auch alle jene Rücksichten, die als ein unveräußerliches Gut, als ein unantastbares Recht der Lehrzeit gelten dürfen, ihren endgültigen Abschluß.

Mit dieser veränderten Sachlage im Leben des jungen Commis beginnt die neue Daseins-Phase desselben. Hat dieser während seiner Lehrzeit wenig gelernt, hat er sich zu einem fleißigen und brauchbaren Mitarbeiter nicht ausgebildet, so wird er seiner Stellung nur zu bald wieder verlustig gehen.

Der Chef hat nicht nach dem Warum und Wie der Nichtausbildung zu fragen, für ihn und seine Interessen spricht nur die Leistungsfähigkeit des von ihm bezahlten Arbeiters.

Bei Eintritt eines solchen Falles beginnt das erste Leid des jungen Mannes, schon aus dem Grunde, weil die erste Stellung mehr oder weniger unter der Mitwirkung und unter der Befürwortung des Lehrprinzipals gesucht und gefunden wurde.

Je leichter nun die Erlangung der ersten Stellung von Statten ging, um so größere Schwierigkeiten pflegen sich einzustellen, wenn ein zweites Unterkommen gesucht werden soll und gesucht werden muß.

[5] Wenn letzterer Fall zur Geltung gelangt, dann ist des Jammerns und Wimmerns kein Ende. –

Ist indessen mit der einmal vorhandenen Thatsache zu rechnen, dann wird sich die ausschließliche Sorge auch darauf richten müssen, das fehlende und lückenhafte Wissen auszufüllen und die mangelnden Kenntnisse und Fähigkeiten nach Möglichkeit zu ersetzen.

Hier kann freilich nur Fleiß, Strebsamkeit und Ausdauer zum Ziele führen und vor ferneren üblen und peinlichen Erfahrungen bewahren.

Wo aber das Streben nach Vervollkommnung ersichtlich ist, wird ein verständiger Prinzipal gern jede Rücksicht üben, um so dem jungen Manne Gelegenheit zu bieten, das Fehlende, wenn auch allmählig nur, nachzuholen.

Die Anerkennung und Würdigung des Strebens und Weiterarbeitens eines jungen Mannes wird seitens des Chefs selten fehlen und ausbleiben und es bedarf keiner besonderen Argumente dafür, von welch’ wohlthätigem Einfluß auf die weitere Entwickelung eines jungen Gehülfen das Wohlwollen und die Fürsorge seines Lehrprinzipals sein muß.

Für den jungen Mann dagegen erwächst daraus die Pflicht, die ihm gebotenen Vorteile und Vergünstigungen sich zu eigen zu machen, und nicht in gedankenloser Zerfahrenheit die weitere Gestaltung seines Schicksals dem Zufall zu überlassen.

In seinem ureigensten Interesse vermeide er es ganz besonders, seine freie Zeit in buntgemischter, für ihn vielleicht direkt verderblicher Gesellschaft zu verbringen.

Ja, die Vergnügungen! Welch’ verderbliche Folgen vermag ein ungeeigneter Verkehr für den jungen Mann nur zu häufig nach sich zu ziehen.

Während die ohnedies schon geringe freie Zeit zur wirklichen Erholung, zu einem Spaziergange und dadurch zur Weiterausbildung verwendet werden sollte, wird diese zumeist in Wirtshäusern, bei Alkohol und Kartenspiel etc. verbracht, und hier nur zu dem Zwecke, die Gesundheit zu ruinieren, Geist und Körper vorzeitig stumpfsinnig und alt zu machen, mit einem Worte, den Lebensfaden mit bewußtem Willen abzukürzen.

[6] Daß durch einen solchen Lebenswandel tausendfach die Wurzeln zu einem späteren unsoliden und energielosem Dasein gelegt werden, eine Thatsache, wofür Beispiele uns in unserer Jugend der Gegenwart tagtäglich entgegenstarren, bedenkt man nicht. Nicht selten sieht man diese jungen Herrchen, wenn sie abends, – nein, früh am Morgen – nach Hause eilen, in einem nahezu ganz trostlosem Zustande!

Müde, verlebt, angeheitert und zuweilen ganz besinnungslos sieht man sie daheim schleichen, ein nicht gerade sehr erfreuliches Bild von den künftigen Vertretern des Menschengeschlechts.

Und wie kann bei einer solchen Sachlage andern Morgens, wenn die Arbeit beginnen und das Interesse des Chefs wahrgenommen werden soll, – Lust und Liebe, Interesse und tieferes Verständnis für die Einzelheiten des Geschäfts vorhanden sein!

Solche Zustände sind höchst bedauerlich und betrübend, und im Strudel des Lebenskampfes ist schon so manche jüngere Lebenspflanze, ohne Sang und Klang, zu Grunde gegangen. Den an sie herantretenden Versuchungen und Verführungen vermochte der junge Mann nicht mit genügendem inneren Halt zu widerstehen; von einer Stufe zur andern erweiterte sich das Verhängnis, das endlich zum Verfall führte.

Den Eltern und Erziehern entzieht sich in ungezählten Fällen die genauere Kenntnis der Vorgänge und Ursachen. Außer dem Verlust unzähliger Opfer und jahrelanger Mühen verbleibt ihnen nunmehr nur noch eines – die Betrübnis und das Herzeleid. –

Nach dieser Seite hin könnte nun ungemein segensreich gewirkt werden, insofern, als durch Beschaffung geeigneter, jedermann leicht zugänglicher Versammlungspunkte, also im eigentlichen Sinne des Wortes, ausgesprochener Gesellschaftshäuser, eine dem Körper und dem Geiste wohlthuende Unterhaltung und Zerstreuung geboten würde.

Diese Plätze und Lokale der Leitung verständiger Männer unterstellt – und auf diesem an sich so einfachen und so leicht möglichen Wege würde ein unendlich großes Stück der sozialen Frage gelöst werden können!

Doch malen wir nicht allzusehr grau in grau! Gott sei Dank, so sagen wir, bilden die Herren Gehülfen im Buchhandel in der [7] weit überwiegenden Majorität einen kräftigen und gesunden Stand und nur ein relativ geringer Prozentsatz ist entfernt von dem rechten Wege.

Dieser erfreuliche Zustand erklärt sich daraus, daß die dem Buchhandel angehörenden Elemente durchweg den besser Gebildeten angehören, weil, wie männiglich bekannt, in unserem Berufe an die Mitarbeiter verhältnismäßig höhere Ansprüche hinsichtlich der Leistungen gestellt werden, als dies in vielen anderen Berufsfächern der Fall und durch die gegebenen Fälle erforderlich ist.

An diese besseren Elemente brauchen wir uns mit unseren Ausführungen nicht zu wenden. Wir haben es nur mit jenem, glücklicher Weise kleinerem Teile zu thun, dem das volle Verständnis für unsern so schönen Beruf mangelt, und der, in völliger Verkennung seines eigentlichen Lebenszweckes, sich einer ungebundenen, zügellosen Ausgelassenheit hingiebt.

Auf allen Gebieten sucht man durch neue und verständige Einrichtungen das Wohl und Wehe unserer Berufsangehörigen zu fördern und zu unterstützen und im Besonderen die Zukunft der Fachgenossen zu sichern.

Schenke man doch der Gegenwart mit ihren so außerordentlich harten Ansprüchen eine etwas erhöhte Beachtung und Aufmerksamkeit, das würde uns als eine höchst verdienstliche Aufgabe gelten; aus dem Grunde, weil eine in ruhigen und gesicherten Bahnen verlaufende Gegenwart mit logischer Sicherheit aus sich selbst heraus der Zukunft die Bahnen ebnet.

Gerade nach dieser Seite hin fänden die bestehenden, an sich äußerst segensreich wirkenden Unterstützungs- und Altersversorgungs-Institute eine ebenso dankbare wie ersprießliche Erweiterung ihrer der Humanität gewidmeten Bestrebungen.

An anderer Stelle werden wir demnächst einmal auf diese so außergewöhnlich wichtige Frage des Näheren eingehen, von dem Gesichtspunkte geleitet, damit der Sache zu dienen und überzeugt davon, daß es nicht die „schlechtesten Früchte sind, woran die Wespen nagen“. –

Doch wir sind etwas abgeschweift von unserer eigentlichen Materie; kehren wir darum zu ihr zurück.

[8] Der jüngere Gehülfe ist sich über die fernere Gestaltung seiner Zukunft noch sehr im Unklaren.

Wem das Glück zu teil wurde, durch irgend welche günstigen Konjunkturen frühzeitig der Sorge um die Lebensbedingungen enthoben zu werden, wem die Aussicht und die Hoffnung von Anfang an gegeben ist, dereinst einmal in das väterliche Geschäft eintreten, oder eine schon bestehende, vielleicht ganz angesehene Firma erwerben zu können, ein solcher Gehülfe wird schwerlich in die Lage kommen, die eigentlichen Entwickelungsphasen eines ernsten Lebens kennen zu lernen. Wem dieses Glück dagegen nicht zu teil wurde, wer den Kampf des Lebens voll und ganz aufzunehmen hat, der hat sich frühzeitig zu rüsten und zu festigen gegen all’ die Gefahren und Hindernisse, die im Laufe der Jahre an ihn herantreten werden.

Das beste Rüstmittel des Lebens nun ist ein solider, streng reeller Charakter und in Verbindung mit diesem tüchtige Kenntnisse und Erfahrungen innerhalb seines Berufs- und Wirkungskreises. Wo diese Vorbedingungen in vertrauter Weise sich vereinigt vorfinden, können auch die Grundlagen der Zukunft als gesicherter gelten, wird auch der Lebensweg der Betreffenden in ruhigeren, abgegrenzteren Bahnen sich vollziehen.

Solide, feste Charaktereigenschaften sind nun nicht ein Etwas, was man sich so leicht aneignen kann, wie, um ein Beispiel anzuführen, etwa die Benutzung und die Anwendung irgend eines Handwerkszeuges oder irgend etwas anderem. Hier wird die Anwendung allmählig nur zu einer mechanischen Beschäftigung, die nicht immer des Nachdenkens und Überlegens erfordert.

Anders bei der Ausbildung und der Befestigung des Charakters.

Psychologen und erfahrene Pädagogen neigen der Ansicht zu, daß das eigentliche Wesen des Charakters, nach der guten oder bösen Seite hin, erbliche Anlage sei, daß also der Mensch sich in späterer Zeit eben nur so gestaltet, wie er von allem Anfang, also von der Geburt an, veranlagt gewesen sei.

Diese Meinung mag und kann nur in einer sehr bedingten Weise als richtig gelten, dem alten Erfahrungssatze gemäß, daß jeder Mensch der Besserung fähig sei, daß er aber auch, im Kampfe um die Existenz, schwach und matt, und demgemäß willenlos werden kann. In letzterem Zustande vermag er die jeweiligen Verhältnisse [9] nicht zu bemeistern, vielmehr wird er von denselben ins Schlepptau genommen und dem mehr oder weniger günstigem Schicksal anheim gegeben.

So ist’s in frühen, so in späteren Lebensperioden. Die Jugend ist die Zeit des Lernens. In ihr werden die Grundlagen für die Zukunft gelegt. Der Jüngling, die Jungfrau, die aus dem engeren Kreise der Familie heraus in’s öffentliche Leben treten, sie haben nun die Probe der äußeren Prüfungen zu bestehen bez. den in ihnen aufgespeicherten Fonds an Willens- und Charakterstärke zu kapitalisieren.

Die Gefahren, die dem jungen Manne und neuerdings auch dem jungen Mädchen – seitdem diese im öffentlichen Erwerbs- und Verkehrsleben mehr Verwendung finden – entgegentreten, sind sehr umfassende und es bedarf in der That einer merklichen Willenskraft, um allen Anfechtungen gegenüber Stand zu halten.

Der wichtigste Grund, der in ungezählten Fällen dem Verfalle zuführt, liegt in der Ungleichheit der Ausgaben zu den Einnahmen.

Die Gegenwart ist, wie wir alle wissen, sehr anspruchsvoll. Genußsucht und Völlerei sind Trumpf, Bescheidenheit aber etwas zu Abgeschmacktes, um sich Anerkennung noch erringen zu können.

Von allen Seiten umringen den jungen Mann die Versuchungen; Vereinsmeierei, Sport und allerhand andere gesellschaftliche Verpflichtungen füllen jede nur verfügbare freie Minute aus und häufig genug findet er, oder denkt er wenigstens, kaum Zeit zur ruhigen Aufnahme seiner Mahlzeiten zu haben.

Natürlich ist’s mit der Zeit allein nicht gethan. Diese Vergnügungen und Extravakanzen kosten Geld, viel Geld, vielfach mehr als der Jüngling verdient und verdienen könnte und das Ende von dieser Geschichte – à près cela le déluge.

Die gesteigerten Ansprüche an die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Individuums sind nicht gerade geeignet, Seele und Leib sehr zu stärken und zu kräftigen. Vielmehr muß das Gegenteil die natürliche Konsequenz bilden, ein Zustand, der wiederum, und aus ebenso natürlichen Gründen rückwirken muß auf jede einzelne Thätigkeit.

So kämpft der junge Mann jetzt schon einen furchtbaren Kampf und er befindet sich schon jetzt in einem Zustand, der ihn für später [10] willen- und energielos machen muß, zu einer Zeit, wo erst im eigentlichen Sinne des Wortes der Lebensernst seine Brust erfüllen sollte.

Unter solchen Verhältnissen ist natürlich, wenn überhaupt, nur sehr wenig an ein weiteres Studium zu denken. Das früher Erlernte wird nicht befestigt und erweitert, sondern nur mühsam zusammengehalten. Es genügt ihm, so vermeint er, wenn er die alltäglichen Aufgaben nur so geradehin zu erfüllen vermag.

Ein Mehr ist nicht notwendig. „Er wird ja ohnehin zu schlecht bezahlt.“ Daß Wissen und Bildung Macht und ein Kapital ist, das später fruchtbringend wirken soll, gelangt kaum zur Erwägung, viel weniger aber wird dieser Thatsache im eigenen Interesse nachgestrebt und sie nach bestem Vermögen bethätigt und ausgeführt.

Die beste Bürgschaft dafür, allen künftigen Stürmen des Lebens wacker Stand zu halten, bleibt darum ein stetes Maßhalten in allem und eine bescheidene, anspruchslose Befriedigung der Lebensbedürfnisse.

Ist diese Grundlage vorhanden, so wird sie zu einer Quelle der inneren Befriedigung werden für jedermann, auch in den Zeiten, in denen die hochgehenden Wogen und Wellen des Daseins das Lebensschiff früher zu zerschellen scheinen.

Die vorstehenden retrospektiven Betrachtungen gewinnen eine lichtvollere Seite, sofern ein junger Mann sein Hauptaugenmerk auf seine fernere Ausbildung richtet.

Veranlassung hierzu liegt um so mehr für ihn vor, als die daraus hervorgehenden Vorteile doch lediglich ihm allein und ausschließlich[WS 2] zu gute kommen.

Bei normaler Arbeitszeit, bei regelmäßigem Schlaf und jenen Stunden, die er auf seine körperliche und geistige Erholung und Erhebung verwenden muß, verbleiben, wenn auch nicht sehr zahlreiche, aber immerhin einige Stunden, die fruchtbringend angelegt werden können.

Wöchentlich zwei Stunden auf das Studium der englischen, ebenso viele der französischen Sprache verwenden, unter Zuhülfenahme [11] einer guten Grammatik [1], regelmäßig ferner eine Stunde Litteraturgeschichte [2], Korrespondenz und Handelskunde treiben, Hand in Hand mit der Lektüre gediegener Werke aus dem Gebiete der Geschichte, Geographie – unsere zahlreichen Bibliotheken geben hierzu reiche Gelegenheit – wird auch A. von Humboldt’s Grundsatz: „Ein gutes Buch ist der beste Freund“ bald zur vollen Wahrheit machen, und ein guter Freund birgt immer nur Vorteile für den Anderen in sich. –

Nun gehet hin – und denkt und handelt darnach.


     Wir empfehlen u. A.:
  1. Plötz-Kares, Lehrgang der englischen und französischen Sprache (Herbig, B.)
  2. Kluge’s, Scherer’s oder König’s Litteraturgeschichte. Schiebe-Odermann’s Handelsbriefe etc.

Ab. Methner Nachf. in Meißen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: hervon
  2. Vorlage: aus schließlich