Die Internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Leipzig

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Textdaten
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Autor: E. F.
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Titel: Die Internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Leipzig
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 647
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Gartenlaube (1893) b 632.jpg

Die Internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Leipzig.
Nach einer Originalzeichnung von C. Kiesling.

Die Internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Leipzig. (Zu dem Bilde S. 632 und 633.) Zu den ältesten Bauten Leipzigs zählt der Kuhthurm, der sich um Eingang zu dem Vororte Lindenau erhebt. Vor acht Jahrhunderten zum Schutze der auf benachharten Wiesen weidenden Viehherden errichtet, war er in letzter Zeit der Sitz einer laudwirthschaft- licheil Verfuchsauftalt, Dicht an diesen Bau schließt sich ein Grlllldftück von etwa t^0:I0 Onadratmetern .Fläche, das, voll .eiliein Gürtel pracht- voller Banmgrnppen eingerahmt, jahrzehntelang in stiller Ahgeschiedenheit lag und felbft dem größten Theil der Leipziger Bürger so gut wie ml- bekannt war. .Und doch ift es eine Perle voll landschaftlichen Reizes, in der nnmittelbarften Nähe der Altstadt, werth) . ^unl Anziehungsplinkt der Taufende zu werden; die nach des Tages Last und Mühe in frischer Lnft, in Gottes freier Natnr anfathnlell möchten. Das hat man in jüngster Zeit. erkannt und darnm. beschloffell, dieser Perle würdige Eillfafnlng zu geben, Anf denl Kllhthurmgrundftiicke soll sich demnächst ein Palmeil- garten erheben, .und die weiten Wiefell, die sich zwischen Lindenau und Leipzig erstrecken, beäbfichtigt man in große Wafferbecken, die fogenallllten „ Elfterbafstns“,-)..zu verlvandeln,

Ein glückliches Zusammentreten von Umständen brachte es mit sich, daß wir schon hellte die vorallsfichtliche Wirkung der geplanten Anlagen lllls vergegenwärtigen löllltell; denn das Kuhthllrnlgrllndftück wurde in diesem Frühjahr llud Sommer zum Schallplatz einer überaus regell gärtnerischen Thätigkeit,

In diesem Jahre feiert der „Leipziger Gärtner-Verein“ das fünfzig- jährige Illbelsest seiner Grülldllllg, und feilte Mitglieder faßten. den Ent- schlaf), dieses Fest mit einer .Internationalen Inhiläums-Gartellball-Alls- ftellung zu verbuchen; in dankenswerther Weife wurde ihllen zu dieselll Zwecke die Ulllgebllllg des Knhthllrnls zur Verfügung gestellt, und Leipziger Gärtner schritten lttllt mit llnverdrosseneln Fleiß und echtem Kunstsinn all...^ Werk und .zauberten in der kllrzell Zeit voll'. wenigen Monaten nicht llnr eine „Ausstellung sondern einell wirklichen Lustgarten inmitten der pöll der Natur gegebellell Parkeinfaffung hervor.

Ill der That war diese Allssteklnllg, zu welcher in. .der Zeit vom 25. '..lllgllft bis 5. September Tallfellde und Abertanfeude voll nah und fern herbeiströmten eine langdschaftliche Sehenswürdigkeit ersten Rmlges, Das beweiseil die natnrgetrenen Abbüdllllgen llllseres Zeichners, denen leider eines - die Farbenpracht sehlt, die wir auch .durch Worte nicht zu ersetzen permöchten. Wandelte lllan aus den Kieswegen dlirch die weiten Anlagen, so entzückten stets llelle Bilder das Ange, und es war. schwierig, einell Standpllllkt zu finden, voll denl alls lllan das Ganze am besten überschallen konnte. Alll günstigsten erwies sich der Ausblick. von dem alll änßersteu Ende aufgestellten Pavillon, unter dem. eine Wasserkllskade hervorbrach, und auch unser Zeichner hat diese Anficht von der „Grotte“ aus zum Hallptftück feiner Darftellllllg gewählt, Drei Leipziger Klinftgärtner, I. C. Hanisch, Albert Wagner und Otto Mann, hatten sich hier in die Anfgabe getheilt, die weiten ehemaligen landwirthschaft- lich.en Versuchsfelder in eine entzückende Gartellanlage ;zu verwaltdelm zwischen deren Balllll-, Strand)- und Bllllllengrnppell die gefälligen Aus- ftelllmgshallen Kioske und Pavillon... malerisch hervorragten Alle Welt theile, alle Zollen des Erdreichs hatten znr Schlnückllng dieser Rasellstächell beigetragen. In den Gruppen der Nadelhölzer standen traut vereint .neben .der ehrwürdigen aussterbenden Eibeunseres Nordens und denl dllftigen Wachholder die Cypressell Asiens, die Wellingtoniell Kaltformens und die fylllmetrischen Araucarien Dazwischen erhoben Palmen aller Art ihre Wedel; llllter alten deutschell Eichen sah man das größte Kraut der Erde,. die riesige Bauane, i.ckllsa .unsere, deren gewaltige Blätter der Wind Denissen hatte, daß sie dahillflatterten wie zerfetzte Standarten, und tief im Grase staken die Zwergoräugell Chinas mit ihren goldenen Früchten

Nicht minder reich an Ueberraschungen und lehrreich in hohem Grade [648] war ein Gang an den Teich und Bach der Ausstellung; denn hier schwammen auf dem klaren Spiegel oder nmsänmtell das User allerlei seltene Wasser- und Sumpfpstallzen hier wiegte sich, alle überragend, der schlanke goldene Bambus Ostasiens.^ Auf künstlichen Felsen fand man Anlagen von Alpenp stanzen, und unter ihnen sahen wir neben dem schönen Edelweiß auch .eine Blüthe der Cackina aealklis, der Wetterdistel, die als Wetter. prophetin unter unserell heimischen Pstanzen gilt diesmal aber nur selten ihre weißen Zllllgenblüthell entfaltete, denn nur zu oft zogen über denl Himmel dieses Luftgartens düstere Regenwolken dahin. Emen Gegensatz zu dieser einfachen deutschen Distel bildeten die stachligen fremdländischen Kakteen, die einell stangenhoch, mit lveißell Haaren bedeckt, die anderen dicht auf dem Boden wie friedliche Igelfamilien zu- fammengerollt.

Im Mittelpunkt dieses Panoramas erhob sich der Königspavillon, ein Schmuck, den der „Verein für Kunsthandwerk Albrecht Dürer Zu Leipzig“ beigetragen hatte - ein mit prachtvollen Möbeln, Gobelins, Glasgemälden, Standuhren und anderen Erzeugnissen des blühenden Leipziger Kllllstgewerbes ausgestatteter Raum.

Der Ausblick voll dem Kaskadenpavilloll würde durch Baumgruppen eingeschränkt, hinter ihnen lenchtete aber die mächtige Kuppel der Haupthalle der Ausstellung. Die Front dieser Halle bildete einen besonderen Theil der Ausstellung, der mit prachtvollen Rasen- und Blumenteppichanlagen Otto Moßdorfs, des Vorsitzenden des Leipziger Gärtner-Vereins, geschmückt war. Betrat man das Innere der Ausstellungshallen so entzückten neue reizvolle Arrangements das Auge. Unser Zeichner hatt versucht das Innere des Palmenhanses von I. C. Hanisch wiederzugeben. Die Blllmellsreunde unter unsereil Lesern mögen sich hier die Farbenpracht hinzudenken, welche eine äußerst kiinstlerische Gruppierung herrlicher Blumen und der nicht minder in allen Regenbogenlichtern glühenden Blattpstanzen hervorzntnsen verlllag !

In der Ausstellungshalle von Moritz Iaeob, die einen Säll- lellgang darstellte, kollllte lllall llehen Photographien gellluge- ller .Gartenalllagen eine stilll- lllungsvolle Grotte mit Moosen und Farnen betrachten und in einenl von Albert Wagner er richteten, mit getrockneten Palm- blätterll gedeckten Kiosk eine Grnppe reizender Arauearieu bewundern Eilles sehr regen Zuspruchs erfreute sich liauielltlich von seilen der. Frallenwelt die Abthellung für Binderei. Die Aussteller. hatten ver- schiedene Aufgabeu zu lösell: es waren Preise allsgesetzt für die schönsten Trauerkrällze, Kreuze,. Blumeykisten,Lorbeerkränze , Tafelaufsätze, Bild- dekoratiouell 2c. Auch für eine vollständige Ballgarmitur winkte eine große silberne Medaille: geschmackvolle Gebnrtstags- und Ballsträuße warell gleichfalls ^vochanben, und wie viele schöne Angell blickten aus den voll- ständigen Bruutschmuck, der zwanzigmal vertreten war. Ob da die Preise gerecht vertheilt werden konnten? Der Geschmack ist ja sehr verschieden, Was lins beim Anblick der Kinder der Flora besticht, das ist nicht nur ihre Seltenheit, sondern auch ihre Schönheit, und siir Wertschätzung der letzteren giebt es kein feststehendes Gesetz. Die Hllldigungen der Menge schwanken je nach der Mode, und was heute als Schönstes verhimmelt wird, kallll morgen nnbeachtet bleiben. Damit muß auch .der Gärtner rechnen und vieles zu bringen sllchell, llm jedenl etwas zu bringen Das

thnt auch unser deutscher Gartenbau, und seine Leistungen auf der Leipziger Ausstellung waren so vielseitig, daß. kein Besllcher sie unbe-. friedigt verlassen hat. Und wer an Blllmen und Blättern achtlos ..vorüber- ging, aus den mußte weuigstells die herrliche Landschaft bezanbernd wirken. Nach wenigen Tagen siel diese Herrlichkeit zusammen, aber hosten wir, daß sie wie ein Phönix wieder erstehen iind bald für immer um den alteil Kuhthurm blühen werde! E. F.