Die Kämpfe bei Gmünd, Staufen und Eßlingen (1449)

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Textdaten
Autor: Unbekannt
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Titel: Die Kämpfe bei Gmünd, Staufen und Eßlingen
Untertitel:
aus: Geschichtliche Lieder und Sprüche Württembergs.
Herausgeber: Karl Steiff und Gebhard Mehring
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1912
Verlag: W. Kohlhammer
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
S. 32–36
Kurzbeschreibung: Städtefeindlicher Reimpaarspruch aus dem Städtekrieg 1449
Siehe auch Schwäbisch Gmünd

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[32]

 Nr. 7.

Die Kämpfe bei Gmünd, Staufen und Eßlingen.

     In Gotes nomen vach ich an
etwas tichten, ob ich kan,
was geschach in der zit,
von Crists geburt als man scribt

5
tusent und vierhundert jar

nün und vierzig, ob ich tar
sprechen fri und sicherlich,
do her von römschen rich
etlich stet sich uf mit über muot

10
zuo kriegen mit dem adel guot.

Fürbaß wil ich sprech[en] baß,
mit ganzem ernst so merken das.
Mit dem lebendigen Got
beguonden sie zuo triben spot

15
in mangem gotzhus, als man sol

Gots fronlichnam gnaden vol
in monstranzen halten schon,
dar umb er uns den ewigen lon
geben wil mit reichem schal –

20
dem sagen wir lob und bitten all,

daß er uns halt an sorgen fri
vor der großen buobri,
die das sacrament so here
schütten uß in bösen geren

25
umb des schnöden guotes sold.

Got nit ungerochen wolt
laßen staun, als ich glob,
den selben edeln gnaden rob.
Sie branten clöster manigfalt;

30
tof, crisam und [was] man halt

in der hailigen cristenhait,
dem teten sie allem groß lait
beidü fruo und spat.
Nun merkent, wie es umb sie gat.

35
[33] Von Wirttenberg ain herr hoch geborn

dem tet das übel in herzen zorn,
grauf Ulrich man in nemen sol,
er traib den luchs in sin hol.

     (Niederlage der Gmünder.)
     Uß Gemünd die fraidigen man

40
zochen viel gar fer hin dan

gen Walchsteten in das elend wit,
do fand man die dochter bi der brüt.
Sie hetens angeschlagen,
sie wölten fer hin dan jagen

45
die Rechberger frech und unverzacht;

sie gedauchten nit, es ist in lait
armbrost tr[a]gen und büchsen vil,
banzer, isenhuot one zil
und ander ir gezelt.

50
Sie schluogen sich zuo feld

und wolten Walchsteten schießen.
Die rechböck beguond es verdrießen;
der hirß mit sinen hornen
fuert den raien vornen

55
mit graufen frien rittern und knechten;

er beguond gar künlich fechten
und ward gar grimlich stoßen,
die fratzen lekten ain bloßen.
Herr Ulrich von Rechberg ain ritter guot,

60
Junkherr Ulrich von Rechberg hoch gemuot,

Junkherr Wilhalm von Rechberg uß Wisenstain,
Juncherr Vit von Rechberg, den ich main,
– von Hochenrechberg ist ir stam,
all vier gevetter, als ich vernam –

65
die kamen dar geritten all

wid waren frist mit friem schal;
sie wölten sich ergetzen
und die buren letzen.
Der zug von dem adel fri

70
der het nach ordnung ain frölich kri:

„stich ab und niem gefangen kain!“
Der puren fechten das was klain,
ir waren siben hundert wol,
das sprich ich, als ich billich sol;

75
die waren verzagt, als ich sach,

sie fluochen zuo Walchsteten an den bach,
an der flucht wurden sie erstochen,
do wart ir brennen gerochen
und ander muotwil groß.

80
Ir hoptman von in schoß

das fenlin mit großer not,
todes forcht im das gebot.
[34] Ir wurden erschlagen, mi[nn]er nit,
zwai hundert und och da mit

85
zwai hundert gefangen in der schar.

Des nam sich herr Ulrich eben war
von Rechber[g] geborn ain ritter guot,
er het ains könen helden muot,
das ist war one spot;

90
dem sant der lebendig Got

wisheit vil und strengen muot,
das volk hielt er in großer huot,
daß er mit in nit würd zespot,
das lob sol man geben Got.

95
Wann er zuo Göppingen ain hoptman was,

an sanct gilgentag, merken baß,
.     .     .     .     .     .     .     .     .     .     .     
büschen vil und ander pflanz
ließen die von Gmünd hi bi.

     (Ueberfall bei Staufen.)

100
Got uns allen gnädig si,

daß er uns helfen rechen
das haidinisch kirchen brechen,
das die von Giengen, Now und ir genoßen
hond geton clain und großen.

105
Das vernamen die von Haydenhain

mit iren hoptlüten edel rain.
Die hetens wol besunnen,
daß die Gotes find waren kumen
gen Stoffen in den kirchof clain,

110
merks eben, wie ichs gemain;

ir waren sechzig an der zal,
die wurden erschlagen überal,
wenig [ließen] sie ir leben,
fufzechen schon und (merken!) eben

115
fuerten sie gefangen hain;

der ketzer fröd die ward clain.

(Streit mit Eßlingen; Gefecht bei der Blienshalde.)
     Der von Eßlingen wil ich nit vergeßen:
in irem raut sint sie geseßen
und hond [erdacht] ain nuen zol.

120
Nun sprich ich das und waies och wol,

daß sie kain zol sund hon,
wann sind alles gelaites on.
Anders hochmuoz wil ich schwigen,
den sie mit Got dem herren triben,

125
mit clöstern, kirchen und dem adel fri.

Ir herren, luogent wie im si!
wölent ir nit werden das,
nach dem so grifends fürbaß;
wann ir den segen hönd enpfangen

130
vor andern flaischin mannen,

den Isac, der alte man,
Jacob sinem sune gan,
daß ir die hailigen cristenhait
schirmen sond und fri gelait

135
machen den rainen priestern sin,

witwen und armen kindelin
helfen zuo dem rechten.
Fürbaß wil ich sprechen.
Die richstet ganz mit irem punt,

140
die sp[r]achen all uß gemainem munt:

[35] „wir wöllen brennen wit und brait
grauf Ulrichen von Wirtenberg zuo lait
die Gefilder und das Ramstal guot.“
Das tetends als in über muot.

145
Das wölt Got nit verhengen;

von Kirchen ain bot kam rennen
gen Göpingen zuo dem hopt fri.
Der herr von Hochen loch was och dau bi
mit andern rittern und knechten;

150
ir muet der stuend nach fechten

mit den groben puren,
die in iren muren
niement hund zuo genoßen;
zwar sie legten ainen bloßen

155
an irem haim garten.

Die herren nit lenger warten,
sie ilten bald und schnel
und kamen zuo in in das feld
ob Bliens halden uf der wit.

160
„Ilend her, es ist an der zit,

daß uns die puren nit entrinen!
wir wölen er und guot gewinen
hie uf disem witen plon,
ich hoff, es sül uns wol ergon,“

165
in Gotes namen sprakens an.

Do sach man manigen könen man
sper und stangen br[e]chen;
Got wolt sich selber rechen
du[r]ch den adel hoch gemuot.

170
Als ir fechten das was guot,

sie stachen manigen recken sur,
als in nider scluog der schur:
von Ulm Walchter Echinger,
von Nördlingen Jeronomus Bopfinger

175
und ander stet knappen

mit iren hopt trappen;
ir wurden fil erstochen
am mentag in der wochen
nest nach aller selen tag

180
(es ist war, als ich sag);

ir wurden och fil gefangen,
gen Eslingen war sie belangen.
Da haim sagten sie die mere,
wie ir kunig her stochen were,

185
Walther Echinger mit siner rot,

die selen all begnade Got!

(Weitere Kämpfe mit Eßlingen und Gmünd.)
Ich hon noch ains über[sehen],
mit der warhait wil ichs jehen:
von Eslingen die suren recken

190
den herren wölten sie schrecken

von Wirtenberg kuen und hoch geborn;
zwar mir tuot im herzen zorn,
daß die tumen laien
im land begernent raien,

195
als ob sie kaiser were,

uf min tru, es bringt mir swere.
Sie wolten reben howen,
baidü man und frowen
an Sanct Michels also here:

200
ir ungefel was nit ferre.

U[ß] Göppingen kam geritten
ain edler harst nach könem siten,
die gaben in das leser lon:
ir wurden erschlagen eben und schon

205
sechs und zwainzig, waiß ich wol;

do enpfiengen sie den zol,
das red ich unvermiten.
[36] Och so wil ich bitten,
daß ir wöllent ane schoen

210
die hailigen edel junkfroen

Sant Barbaren mit andacht groß,
die ir raines pluot vergoß
umb den lebendigen Got;
an iren tag wurden zespot

215
uß Gemünd wol funfzig man,

die heten schwizer hosen an;
sie wurden alle geschlagen ze tod,
der hoptman zuo Göppingen das gebot.

Anmerkungen (Wikisource)

Das historische Lied befasst sich aus der Perspektive von Fürsten und Adel mit Niederlagen des Städtelagers 1449. Es wurde wohl Ende 1449/Anfang 1450 möglicherweise von einem den Herren von Rechberg nahestehenden Autor niedergeschrieben.

Steiff/Mehring stützten sich ganz auf die Edition von Gustav Ehrismann in der Germania 31 (1886), S. 311-314 Commons der den Text aus einer Kleinheubacher Handschrift entnahm. Es handelt sich um die um 1450 in Schwaben entstandene Renner-Handschrift Frankfurt a. M., Stadt- und Universitätsbibliothek, Ms. germ. qu. 6, Blatt 239v-242r Handschriftencensus, Birgitt Weimann, Die mittelalterlichen Handschriften der Gruppe Manuscripta germanica, Frankfurt a.M. 1980, S. 17-19 online. Die Handschrift wurde 2012 online gestellt: UB Frankfurt (Link zum Textbeginn).

Von den geschilderten Begebenheiten fanden zwei auch sonst häufig Beachtung: die Schlacht bei Waldstetten am 1. September 1449 und das Gefecht an der Plienshalde bei Esslingen. Zur Niederlage bei Waldstetten siehe die Zusammenstellung zeitgenössischer Quellen bei Graf sowie immer noch Stälin, Wirtembergische Geschichte Bd. 3, S. 479. Die wichtigste Quelle ist ein Schreiben im Nördlinger Stadtarchiv, zusammengefasst in den Regesten der Markgrafen von Baden Google Book Search, USA bzw. Commons. Siehe auch Klaus Graf, "Werfende Handwerke" aus Gmünd. Unfriedliches aus der Vergangenheit der Stadt, in: Gmünder Tagespost 7. Mai 1983, S. 14 Commons

Chronikalische Quellen zur Schlacht bei Waldstetten:

Zum Gefecht an der Plienshalde (oder am Mutzenreis) am 3. November 1449 siehe Stälin S. 482 und Thomas Fritz, Ulrich der Vielgeliebte (1441-1480). Leinfelden-Echterdingen 1999, S. 102. Zu dem Denkmal für die Gefallenen in der Oberhofenkirche Göppingen siehe: Die Deutschen Inschriften Bd. 41: Die Inschriften des Landkreises Göppingen, bearb. von Harald Drös, Wiesbaden 1996, S. 47 Nr. 65.

Zum Städtekrieg und den erwähnten Schlachten siehe ausführlich Gabriel Zeilinger, Lebensformen im Krieg. Eine Alltags- und Erfahrungsgeschichte des süddeutschen Städtekrieges 1449/50, Stuttgart 2007

Zum städtefeindlichen Diskurs in der Reimpublizistik 1449 siehe Graf: Feindbilder zwischen Stadt und Adel.