Die Luchsenburg (Gräve)

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Textdaten
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Autor: Heinrich Gottlob Gräve
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Titel: Die Luchsenburg
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aus: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 142–144
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Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: F. A. Reichel
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Erscheinungsort: Bautzen
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Quelle: MDZ München, Commons
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[142]
LXI. Die Luchsenburg.

Nicht weit auf dem in der Gegend des Landstädtchens Elstra befindlichen Hochstein, ist die sogenannte Luchsenburg, ein mit Steinen angefüllter und mit verschiedenen Holzarten – meistentheils Nadelholz – dicht bewachsener Platz, wo der Teufel, welcher in jenen finstern Zeiten noch häufig als Jäger herumging und das edle Weidwerk, gleich einem gestrengen Ritter, handhabte, weil er daselbst einen Luchs geschossen, ein Jagdschloß, dem er den Namen Luchsenburg beilegte, erbaut hatte.

Hier weilte er oft mit seinem Hofstaate und jagte daselbst mit solchem Getöse und Lärm, daß den armen Erdwürmern Hören und Sehen verging und in eigentlicher Bedeutung die Haare zu Berge standen. Die zu dem ewigen Schwefelpfuhl Verdammten machten die Treiber und die untergeordneten Teufel (diaboli minorum gentium) hatten die Ehre als Forstmeister, Hof- und Jagdjunker dem Vergnügen beizuwohnen; andere hingegen, die unter [143] ihnen standen, (plebs diabolorum) als Ober- und Unterförster, Piqueurs, Fußknechte und Rüdenbuben Dienste zu leisten; die Stelle der Hunde aber vertraten die Seelen von ehemaligen Gaunern, falschen Spielern, Eidbrüchigen, Kupplern, Spionen, Denuncianten, Demagogenriechern u. dgl. Keines Sterblichen Fuß durfte es wagen, zu dieser Zeit, wenn die Jagden abgehalten wurden, den Forst zu betreten, indem er sonst Augenblicks ein Kind des Todes geworden seyn oder – wem das Glück wohl wollte und Beelzebub bei guter Laune war – wenigstens in gräulicher Thiergestalt den Ort verlassen haben würde.

Dem nachher zum Heiligen erhobenen Hubertus mißfiel dieses Teufelsspiel, und er beschloß, als ein frommer fleckenloser Mann, wenn auch nicht dem Höllenhund und seinen Vasallen den Garaus zu machen, doch aber wenigstens ihn aus der Gegend zu verbannen und deren Bewohnern sicheres Geleit zu verschaffen.

Es war also am Tage Egydi, als der fromme Mann durch Fasten und Beten gestärkt, entsündigt durch Weihwasser, versehen mit Talismanen und behangen mit Amuleten, sich auf den Weg machte, wo er denn schon in der Ferne das rasende Horridoh, Hussah und Halihali der Höllenrotte und ihrer jauchzenden Meute vernahm; daher er rasch ans Werk zu gehen beschloß. Er lehnte sich an eine Buche, sprach den Jagdsegen und bald faßte kein Hund ein Schwein, keiner stellte den Edelhirsch, der beste Finder verlor die Spur und wie an einen Fels geschleuderte Erbsen prallten die Kugeln von Haut, Balg und Fell des [144] Wildes, und Haasen, Füchse und Rehe schienen ihre Feuerscheu verloren zu haben. Fürst Satan schob – wie gemeiniglich große Herren zu thun pflegen – die Ursache des Mißlingens auf die Schuld seiner Untergebenen; denn bald sollte der Wind nicht wahrgenommen, bald der Wechsel nicht gehörig angegeben, die Hunde nicht richtig auf die Spur gebracht, ihnen ein unpassender Ort angewiesen, bald dieses, bald jenes von seinen Leuten vergessen worden seyn. Kurz, er war ganz übler Laune, welche sich aber in wilden, ausgelassenen Zorn verwandelte, als ein braver Zwanzigender in gehöriger Schußweite heraustrat, den er – als geübter Schütze – auf’s Blatt traf und dieser sich – gleichsam ihn höhnend – unverletzt umwendete und ruhig zu Holze ging. Dieß nun war ihm unerklärbar, ob ihm gleich einleuchtend wurde, daß ihm von einem Mächtigern, als er, ein Weidemann müsse gesetzt worden seyn, wovon er jedoch den Urheber nicht zu errathen vermochte, denn der ihm nahe stehende Hubertus blieb unsichtbar vor seinen Augen.

Wüthend nun, daß ihm dieses Räthsel unauflösbar blieb, hob er sogleich die Jagd auf, schickte sein Gefolge zur Hölle, zertrümmerte das durch Geisterhände geschmackvoll erbaute Schloß und beschloß, diese Gegend nie mehr zu besuchen.

Daher rühren nun die wild unter einander geworfenen Steine; daher wird zum dauernden Gedächtnisse am Tage Egydi die Jagd eröffnet.