Die Memoiren der Glückel von Hameln/Viertes Buch

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[125]
Viertes Buch.

Nun, meine Tochter Channa – sie lebe – ist aufgewachsen und ist gar ein kluges Kind gewesen, wovon ich vielleicht weiter berichten werde.

In derselben Zeit ist ein ostindisches Schiff, worauf gar viele rohe Diamanten gewesen sind, dem König von Dänemark zu Händen gekommen, welches in Glückstadt gewesen, und ein jeder Bootsgesell hat Diamanten gehabt. Also sind Juden nach Glückstadt gezogen und haben gekauft und ist schöner Vorteil daran gewesen.

Zwei Juden haben gewußt, daß ein Bürger in Norwegen eine große Partie von solchen Diamanten gehabt hat. Also haben sie leider bösen Plan miteinander gemacht und zusammen Gemeinschaft gemacht auf das Haus, in dem die Diamanten gewesen sind. Mich dünkt, es ist ein Bäcker gewesen, dem sie gar wenig gekostet haben. Also sind die beiden unsauberen Genossen nach Norwegen gekommen und haben bald gesucht und geforscht nach dem Bürger, der die Diamanten gehabt hat.

Sie haben sich in sein Haus gemacht, sind endlich mit ihm bekannt geworden und sind gewahr worden, wo der Bürger seinen Schatz hat, sind ihm darüber gegangen und haben ihm alles miteinander weggenommen. Der Bürger hatte sie in seinem Hause beherbergt. Am nächsten Tag frühmorgens sind sie aus dem Hause gegangen und haben sich ein Schiffchen gedungen und sind der Meinung gewesen, sie hätten ihre Sache gar wohl verrichtet.

Aber Gott der Allmächtige hat solches nicht haben wollen und der Bürger ist früh aufgestanden und hat nach seinen zwei Gästen gefragt. Da hat der Hausknecht gesagt, [126] sie wären frühmorgens, ganz früh, aus dem Haus gegangen. Dem Bürger hat etwas auf dem Herzen gelegen, denn wer so einen Schatz hat, ist allezeit besorgt dafür.

Also ist er über seine Kiste gegangen, worin er seinen Schatz gehabt hat, hat aber nichts gefunden. Alsbald hat er sich wohl gedacht, daß ihm das seine beiden Gäste getan haben. Flugs ist er an das Meer gelaufen und hat Schiffer gefragt, ob sie nicht zwei Juden wegfahren gesehen haben. Also haben sie ihm gesagt: ja, der und der Schiffer hat sie vor einer Stunde weggeführt. Hat er alsbald ein Schiff gedungen, mit vier Rudern besetzt und sind nachgefahren und in nicht langer Zeit haben sie das Schiff mit den Dieben in Sicht bekommen.

Die Diebe haben auch gesehen, daß man sie verfolgt, da sind sie gegangen und haben den ganzen Schatz ins Meer geworfen. Kurz, der Bürger hat sie eingeholt und sie haben mit ihm zurückfahren müssen, obwohl nun die Diebe sehr mit dem Bürger geschrien haben: »Gedenk, was du tust, wir sind ehrliche Leute. Man wird nicht finden, daß wir von dem Deinigen etwas haben. Du tust uns so einen Schimpf an, wir werden es wissen, uns an dir zu rächen.« Denn sie hatten es darum ins Wasser geworfen, weil sie dadurch meinten besser leugnen zu können.

Aber es steht geschrieben in unseren zehn Geboten: »Du sollst nicht stehlen.« Darum hat ihnen auch Gott – er sei gelobt – nicht geholfen und sie sind wieder an den Ort gebracht worden, wo sie hergekommen sind. Sie haben zwar alles geleugnet, nachdem man sie nackt ausgezogen und alles durchsucht hatte. Aber es hat ihnen nichts geholfen. Man hat ihnen starke Folter angetan, bis sie endlich gestanden haben, daß sie es getan haben, und als sie gesehen haben, daß man ihnen nachgekommen ist, haben sie es ins Meer geworfen. Und sie waren der Meinung, daß, wenn man sie untersuchen werde und nichts bei ihnen findet, dann könnten sie mit ihrem Leugnen davonkommen.

Aber, wie schon erwähnt, Gott hat es nicht haben wollen. Nun sind sie beide zum Galgen verdammt worden. [127] Der eine Dieb hat schnell den Christenglauben angenommen, der andere aber ist sein Leben lang ein frommer Mensch gewesen. Er hat auch einen frommen Vater und eine fromme Mutter gehabt, er ist von Wandsbeck gewesen. Derselbe hat seinen Glauben nicht changieren wollen und lieber sterben als abfallen wollen. Ich habe ihn und seine Eltern wohl gekannt und er hatte sich sein ganzes Leben als ein frommer, ehrlicher Mann gehalten. Er muß von dem anderen verführt worden sein, der sein ganzes Leben nichts Gutes gewesen ist. Also hat sein Ende leider so sein müssen. Seine Seele ist sicher ins Paradies gekommen, denn er hat sich wirklich in einer Stunde das Jenseits erworben. Ich will ihn, um der Ehre seiner Familie wegen, nicht nennen, aber in Hamburg weiß man wohl die ganze Geschichte. Gott – er sei gelobt – wird sicher die Heiligung seines Namens angenommen haben und daß er seine Seele für Gott – er sei gelobt – geopfert hat, da er doch so wohl hätt davonkommen können als wie sein Geselle. Aber er hat das Gebot erfüllt: »Liebe Gott mit deiner ganzen Seele,« und so ist sicher sein Tod eine Sühne für all seine Sünden gewesen. Darum soll sich ein jeder ein Exempel nehmen und sich nicht von der Versuchung verführen lassen vonwegen des leidigen Geldes.

Es ist nicht genug, daß man denkt, man will Gott – er sei gelobt – »mit der ganzen Seele« dienen; es ist das zwar ganz gut. Wenn es dazu kommt, sein Leben herzugeben für die Heiligkeit Gottes – er sei gelobt – so gehört es für jeden Juden, solches zu bedenken und zu tun. Wie Rabbi Akiba – er ruhe in Frieden – gesagt hat: »O, daß mir doch die Gelegenheit käme, wann ich es erfüllen kann, nun die Gelegenheit da ist, soll ich es nicht erfüllen?«

Aber es steht auch dabei »und mit deinem ganzen Vermögen«. Das ist das Geld, mit dem man Gott – er sei gelobt – dienen soll.

Damit ist nicht allein gesagt, daß man von seinem Geld große Almosen geben soll, um Gott – er sei gelobt – zu dienen, was Gott – er sei gelobt – gar lieb ist. Aber nach meinem geringen Verstand ist dieses sicher: [128] so wohl man von Gottes wegen – sein Name sei gepriesen – seine Seele opfern soll, also gehört es auch, sein Geld zu opfern von Gottes wegen – sein Name sei gepriesen. »Es gibt Menschen, denen ist ihr Geld lieber als ihr Körper.« Aber nur das ist recht gedient, »mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen«, wenn man das leidige Geld nicht achtet, und wem Gott seinen Reichtum gibt, daß er ihn recht anlege und die Verwaltung gut versieht, wie ich schon geschrieben habe, und falls ihn die Versuchung jeweils verführt und er sieht Geld, das nicht sein ist, und dadurch viel Böses kommen kann und sogar Lebensgefahr darauf steht, und daß ein Menschenkind Körper und Seele gefährdet um Geldes wegen, das finden wir leider alle Tage. Also ist es auch recht, daß unsere Weisen gesagt haben, daß mancher lieber hat das leidige Geld als seinen Körper. Und sogar die Seele hängt er auch an das verfluchte Geld, wie dem Menschen geschieht, dem Gott – er sei gelobt – Geld gibt und ihn zum Verwalter macht, und er weiß nicht damit umzugehen. Sein betrübtes und verstocktes Herz und die leidige Versuchung lassen es leider nicht zu, daß er bei seinem Leben sein Geld auf die großen Zinsen anlegen kann, die unermeßlich und unschätzbar sind. Und er hat lieber, daß er nach seinem Tod seinen Kindern große Reichtümer läßt, als daß er sich seinen Anteil für sich nimmt, wie doch steht: »Jeder ist sich selbst ein Nächster.«

Und noch eine große Nichtigkeit sieht man in der Welt. Es sind Leute da, die gar keine Kinder haben und sind doch so erpicht auf das Geld und verschließen ihre Hand vor den Armen und Bedürftigen, und sie wissen doch, daß sie so großen Reichtum haben, daß sie all ihre Tage genug haben, und doch sorgen sie und wollen nicht gern von ihrem Geld nehmen und haben nimmer genug.

Von ihnen heißt es: »Es ist noch keiner gestorben, der nur die Hälfte seiner Wünsche erreicht hat.«

Auf dieselbigen Leute hat auch König Salomo – er ruhe in Frieden – gesagt, wie in Koheleth steht: »Da ist [129] ein einzelner und hat keinen zweiten, auch hat er weder Sohn noch Bruder, und doch ist seines Mühens kein Ende.«

Nun, dieses ist auf Leute gesagt, die Kinder oder keine Kinder haben und haben großen Reichtum.

Was sollen wir aber nebbich von den Armen sagen oder von den Leuten, die Reichtümer gehabt haben und sind von eitel reichen Leuten ausgesprazt?[1]

Sollte man meinen, ihre Taten, wenn sie einmal von Geldes wegen was Schlechtes tun, zu verschonen? Daß man – Gott behüte – daran dächte! Aber der Arme, der Bedürftige, der Verarmte überhaupt sollen eingedenk sein, daß sie den Lohn, dessen sie in jener Welt gewärtig sind, nicht zergehen lassen mit ihren Sünden in dieser Welt. Daß der Arme sich denken sollte: »Ich will dem Reichen sein Geld stehlen. Er hat so gar viel und ich hab ja nichts, und ich bin so gut ein Mensch als der Reiche, ich muß ja auch leben. Gott – sein Name sei gelobt – hat uns zusammen beschaffen.« Also könnte der Arme nebbich auch denken: »Ich hab viel Geld gehabt und bin drum gekommen. Ich will sehen, wieder Geld zu bekommen, es mag mit Recht oder mit Unrecht sein.«

Gott soll sich über dieselbigen Leute erbarmen und sie vom bösen zum guten Wege weisen, daß sie das Ewige für das Zeitliche annehmen und alles in Liebe empfangen, wie ich schon geschrieben und erwähnt.

Gott – er sei gepriesen – den einen erniedrigt er, den anderen erhöht er; also hat sich ein jeder wohl vorzusehen und besonders Kaufleute, daß sie nicht ewig Tag und Nacht an ihren Geschäften hängen, sondern auch lernen und nicht die heilige Thora darüber vergessen.

Gleichwie geschrieben steht: »Viele Gedanken sind im Herzen des Menschen, nur die Beschließung Gottes, ,sie' ist ewig.«[2] H ist Hillel, J ist Josef und Aleph ist Elieser. Von [130] diesen drei Buchstaben habe ich eine Deutung sagen hören: Zur bestimmten Zeit wird Gott – er sei gelobt – alle Armen vor Gericht bringen und wird sie fragen, warum sie auf der Welt keine Thora gelernt haben. Antwortet der Arme: »Herr der Welt, du weißt ja wohl, ich bin arm gewesen und hab mich Tag und Nacht mühen müssen, daß ich mich und meine Frau und meine Kinder ernährt habe.«

So sagt Gott – er sei gelobt: »Bist du denn ärmer gewesen als Hillel?« Denn wir finden geschrieben, daß alle, die haben wollen ins Lehrhaus gehen, um zu lernen, mußten dem Diener alle Tage einen Groschen geben. Einmal am Freitag hat der gute Hillel gern wollen ins Lehrhaus gehen und hat keinen Groschen gehabt, dem Diener zu geben. Also hat er sich an das Fenster geklammert, erwartend, daß er die Halacha lernen hören wollte. Also ist auf den guten Hillel nebbich ein großer Schnee gefallen, der ihn ganz bedeckt hat. Es ist gegen Schabbes gewesen und es haben die Leute im Lehrhaus nicht gewußt, warum als es ist so finster geworden. So hat man auf die Gasse herausgesehen und hat ersehen, daß der gute Hillel nebbich ganz mit Schnee zugedeckt und erfroren gewesen ist. So hat man gesagt, der Diener soll flugs Feuer anmachen und den Hillel daran legen, ob man ihn wieder zurechtbringen kann. So hat der Diener gesagt: »Es ist schon Sabbat.« Haben die Weisen – ihr Andenken sei gesegnet – gesagt: »Ei, Hillel ist wohl wert, daß man seinetwegen den Sabbat entweiht.« Also hat man ihn wieder belebt.

Also macht das göttliche Gericht die Armen dafür verantwortlich, wenn sie keine Thora lernen oder nichts Gutes tun. Denn Hillel ist so arm gewesen, daß er sogar den Groschen dem Diener zu geben nicht gehabt hat. Und doch hat er nicht verfehlt, Thora zu lernen.

Und besonders Hillel, der ein solcher Schriftgelehrter gewesen, daß, wenn er hätte wollen, hätte er im Diesseits schon von seiner Thora was genießen können, wenn er nur von den Leuten hätte Geschenke nehmen wollen. Man hätte ihm sein Haus voll Silber und Gold geschüttet, denn er ist, wie bekannt, einer unserer größten Tanaïten gewesen.

[131] Aber er hat nichts begehrt, als Thora zu lernen, und hat mit seiner Armut fürlieb genommen und sich ganz auf Gott – er sei gelobt – verlassen. Also bedeutet Hillel, daß die Armen zur Verantwortung gezogen werden.

Danach bringt man die Bösen, die sich im Diesseits hübsch geführt haben, Dirnen nachgelaufen sind und sich hübsch gegen sie geziert und in allen Sünden befangen gewesen, die bringt man auch vors Gericht und fragt sie, warum sie so viel Böses getan und so ausschweifend gewesen sind. So sagt der Böse: »Mein Herr der Welt, ich bin gar ein hübscher Mensch gewesen und darum hat mich die Versuchung auch verführt, und Weiber haben sehr nach mir gelüstet, daß ich hab müssen ihren Willen tun.« Also sagt man: »Bist du denn schöner als der fromme Josef und hast du größere Verführung gehabt als der fromme Josef, da er bei seines Herrn Weib im Hause gewesen ist, die ihm abends und morgens seine weißen Hemden geschickt und einen goldenen Kamm, daß er sein Haar sollt damit ausstrählen, und anderes Geschmeide außer der großen Anreizung und der Worte, die sie ihm gegeben hat?« Und der gute, gerechte Josef hat doch nicht gewollt und hat seinen bösen Trieb überwunden, weil er sich nicht verunreinigen wollte, wie es heißt: »Er hörte nicht auf sie, bei ihr zu liegen, mit ihr zu sein.« Das ist zu verstehen, er hat nicht wollen bei ihr liegen auf dieser Welt, weil er nicht mit ihr sein wollte auf jener Welt, und ist nebbich darüber so jämmerlich ins Gefängnis gekommen. Und wenn nicht Gott mit seinem großen Erbarmen gewesen wäre, hätt er können ums Leben kommen. Doch er hat es nicht geachtet und sein böser Trieb hat ihn nicht beherrschen können. Also bedeutet der fromme Josef, daß die Bösen zur Verantwortung gezogen werden.

Was soll ich lang davon schreiben? Unsere Weisen haben schon viel davon in den Moralbüchern geschrieben.

Danach werden die dicken, fetten Reichen gebracht, die ihre Zeit als verbracht haben mit gut essen und gut trinken und Gott und seine Gebote nicht geachtet haben. Also werden sie auch gefragt werden, warum sie keine Thora [132] gelernt und sich nicht mit Guttaten bemüht haben. Also sagen sie zur Antwort, daß sie wegen ihrer Geschäfte und ihres großen Reichtums keine Zeit gehabt haben[WS 1]. So fragt man sie: »Habt ihr denn mehr Reichtümer als Elieser, der Sohn des Charsom?« Der hat so viele Städte auf dem Festland gehabt und wieder so viele Städte auf dem Meer und viele Schiffe auf dem Meer gehen gehabt und hat sich doch nicht hindern lassen in seiner Thora.

Also bedeutet der gute Elieser, daß die Reichen zur Verantwortung gezogen werden.

Also sieht man wohl, daß unsere Verantwortungen auf jener Welt wenig helfen werden und daß das Beste ist: »Du mußt dich ganz an den Ewigen, deinen Gott halten.«

Nun, wieder von unseren Sachen anzufangen. Ich bin ins Kindbett gekommen mit meinem Sohn Reb Mordechai, und Gott gebe, daß sein Ende so glücklich und wohl wäre wie seine Geburt. Aber was hilft es; der Höchste hat schon alles beschlossen, wie es sein soll.

Ich habe schon in meinem dritten Buch geschrieben von der Erlösung, auf die wir gehofft haben, und schon erwähnt, daß mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – uns zwei Fässer zugeschickt hatte und vermeinte, damit zusammen nach Palästina zu ziehen, wenn ganz Israel sich dort versammelt. Aber da er nun gesehen hat, daß nichts daraus geworden ist, ist er von Hameln fortgezogen und hat sich mit meiner Schwiegermutter nach der Stadt Hildesheim zu wohnen begeben. Selbes ist eine hübsche, fromme Gemeinde gewesen und nur fünf Meilen von Hameln gewesen.

Also haben sie einige Zeit dort gewohnt. Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat seine Eltern gar sehr geliebt und gar in Ehren gehalten, also hat er – er ruhe in Frieden – mich gebeten: »Mein Glückelchen, laßt uns nach Hildesheim ziehen und Vater und Mutter besuchen. Du hast sie seit mehr als zwölf Jahren nicht gesehen.« Ich bin es zufrieden gewesen. So haben wir unsere Magd und unseren Jungen genommen und drei [133] Kinder und sind nach Hildesheim gezogen. Ich habe meinen Sohn Reb Mordechai gesäugt, er ist noch kein Jahr alt gewesen. Der Junge, der mit uns gewesen ist, hat Samuel geheißen. Er ist gar ein schöner Junge gewesen, und man hat ihn den feinen Schmul geheißen, denn wir haben noch einen Jungen bei uns gehabt, denselben haben die Kinder den groben Schmul geheißen. Also sind wir nach Hildesheim gekommen, mein Schwiegervater und meine Schwiegermutter – das Andenken der Gerechten gesegnet – haben große Freude mit uns gehabt, denn mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist ihr jüngstes Kind gewesen, und es ist uns – Gott sei Lob – sehr wohl gegangen.

Nun, wir haben mitgenommen, was wir gemeint haben, daß in Hildesheim eine Ehrenbezeigung sein wird, und haben es ihnen mitgebracht. Wir sind etwa drei Wochen dort gewesen und haben uns miteinander gefreut, danach sind wir fröhlich und friedlich wieder heimgereist.

Mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat uns ein Kännchen geschenkt, das ist ungefähr zwanzig Reichstaler wert gewesen, welches uns doch so lieb gewesen, als wenn er uns hundert Reichstaler gegeben hätte. Nun, mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist damals ein reicher Mann gewesen von mehr als zwanzigtausend Reichstalern und hatte all seine Kinder verheiratet. Und die Reise hat uns über hundertfünfzig Reichstaler gekostet. Und wir sind so vergnügt gewesen mit dem Kännchen von zwanzig Reichstalern, das uns mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten zum Segen – gegeben hat, als wenn es hundert Reichstaler gewesen wären. So sind wir vergnügt gewesen, nicht als wie die Kinder jetzt sind, die von den Eltern gern alles Haut und Haar hinwegnehmen, alles, und fragen nicht, ob sie es tun können oder nicht.

Also sind wir wieder nach Hause gekommen und haben unsere Kinderchen allesamt gesund gefunden. Mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat einige Jahre in Hildesheim gewohnt. Es hat ihn [134] dort in vier oder fünf Jahren bei zehntausend Reichstaler gekostet. Obschon sie keine große Haushaltung gehabt haben, so haben sie doch große Ausgaben gehabt, und die guten Leute haben gesehen, daß Hildesheim keinen Zweck für sie hat. Also sind sie von Hildesheim nach Hannover ins Haus zu meinem reichen Schwager Lipmann gezogen, wo sie auch geblieben sind und mit gutem Namen und in gutem Alter gestorben sind, wovon ich ein Mehreres berichten werde.

Also wir sind in gutem Handel gesessen. Mein ältestes Kind ist meine Tochter Zipora gewesen, welche nun bald zwölf Jahre alt gewesen ist.

Also hat Reb Löb, der Sohn von Reb Anschel, der in Amsterdam gewohnt hat, uns die Heirat vorgeschlagen mit meinem nachmaligen Schwiegersohn Kossmann, dem Sohn des Reb Elia Cleve – das Andenken des Gerechten gesegnet.

Nun, weil doch mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – zweimal im Jahr nach Amsterdam gezogen ist, hat er sich beeilt und ist wohl sechs Wochen früher gezogen als er zu ziehen pflegte, und hat an den Heiratsvermittler geschrieben, er müßte ohnehin nach Amsterdam ziehen, also wollt er sehen, was zu tun wäre.

Damals ist Krieg gewesen, so daß Reb Elia Cleve hat fortziehen müssen und er ist mit seinen Leuten nach Amsterdam zu wohnen gezogen.

Wie nun mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nach Amsterdam gekommen ist, ist das Gerücht hierher gekommen, daß mein Mann sich mit Reb Elia Cleve verschwägern sollte. Dieses ist am Posttag gewesen, daß die Leute die Briefe an der Börse gelesen haben. Viele Leute haben es nicht glauben wollen und es ist viel Geld an der Börse verwettet worden. Der eine hat so gesagt, der andere hat so gesagt, und viele haben nicht glauben wollen, daß die Heirat geschehen sollte. Denn Reb Elia Cleve ist ein sehr reicher Mann gewesen und hat den Namen gehabt für hunderttausend Reichstaler und mehr, was auch die Wahrheit gewesen ist.

[135] Und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist noch ein junger Mann gewesen, und wir sind erst aufgekommen und haben ein Häuschen mit Kinderchen – Gott behüte sie – gehabt. Aber was der Höchste beschließt, das muß sein und muß doch geschehen, ob es Menschen auch nicht gern sehen. Vierzig Tage, bevor das Kind geboren wird, wird im Himmel ausgerufen: »Derjenige soll die Tochter von demjenigen nehmen.«

Also hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – sich verschwägert mit dem reichen Reb Elia Cleve. Mein Mann hat meiner Tochter zweiundzwanzighundert Reichstaler holländisches Geld nachgegeben und sie haben die Hochzeit nach einundeinhalb Jahr festgestellt, und die Hochzeit sollte in Cleve sein. Und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – sollte zur Hochzeit einen Beitrag von hundert Reichstalern geben.

Wie nun die Zeit der Hochzeit gewesen ist, sind wir zusammen nach Cleve gezogen: ich, mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – und ein säugendes Kind hab ich gehabt, und meine Tochter Zipora, die Braut, und Reb Meir aus der Klaus, welcher jetzt Vorsitzender des Rabbinerkollegiums in der Gemeinde Friedberg ist, und unser Diener, der feine Schmul, und eine Dienerin.

Also sind wir mit einer großen Suite zu Gutem zur Hochzeit gezogen. Von Altona zu Schiff in Gesellschaft von Mordechai Cohen und Meir Iliusch[3] und Ahron Tudelche.[4] Was wir für eine lustige Reise gehabt haben, kann ich nicht erschreiben.

Also sind wir friedlich in aller Lustigkeit und Vergnüglichkeit nach Amsterdam gekommen. Es ist aber wohl noch drei Wochen vor der Hochzeit gewesen. Wir sind bei dem erwähnten Reb Löb Hamburger gewesen.

Wir haben alle Wochen mehr als zwölf Dukaten verzehrt, aber wir haben dieses nicht geachtet, denn in den drei Wochen, die wir vor der Hochzeit in Amsterdam [136] gewesen sind, hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – die halbe Mitgift verdient gehabt.

Vierzehn Tage vor der Hochzeit sind wir mit Pauken und Tanz mit mehr als zwanzig Leuten nach Cleve gereist und sind wohl und mit Ehren empfangen worden. Wir sind in ein Haus gekommen, das fast eine königliche Wohnung gewesen ist und in aller Art wohl möbliert wie ein Herrenhaus. Nun, den ganzen Tag hat man keine Ruhe gehabt von vornehmen Männern und Frauen, die alle gekommen sind und die Braut sehen wollten. Und in Wahrheit ist meine Tochter gar schön gewesen und hat nicht ihres Gleichen gehabt.

Nun ist große Zurüstung zu der Hochzeit gewesen. Damals ist in Cleve der Prinz gewesen, und damals hat noch der älteste Prinz gelebt, welcher Kurprinz gewesen ist. Und dieser ist ein junger Herr von ungefähr dreizehn Jahren anzusehen gewesen. Aber nicht lange danach ist der älteste Kurprinz gestorben und dieser ist an seiner statt Kurprinz geworden.

Auch sind dort Prinz Moritz und andere Fürsten und Vornehme gewesen. Alle haben sagen lassen, daß sie bei der Kopulation sein wollten. Also hat sich sicher der Vater des Bräutigams, Reb Elia Cleve, schon vorher eingerichtet auf solch hohe Gäste. Am Hochzeitstage gleich nach der Trauung war eine gute Kollation zugerichtet von allerhand Konfitüren und allerhand guten fremden Weinen und fremden Früchten.

Nun kann man sich wohl denken, was für ein Durcheinander und Wesen als da gewesen ist und daß der Vater des Bräutigams, Reb Elia – er ruhe in Frieden – und all seine Leute all ihre Gedanken nur darauf gerichtet haben, die vornehmen Gäste zu traktieren und wohl zu akkommodieren. Sie haben sogar nicht Zeit gehabt, einer dem anderen die Mitgift zu liefern und zuzuzählen, wie es Sitte war.

Also haben wir unsere und der Schwiegervater Reb Elia – er ruhe in Frieden – seine Mitgift in Beutel getan und versiegelt, daß man sie nach der Hochzeit zählen sollte.

[137] Wie man nun mit Braut und Bräutigam unter dem Trauhimmel gewesen ist, hatte man in dem großen Durcheinander vergessen, den Ehevertrag zu schreiben. Nun, was hat man tun sollen? Alle Vornehmen mit dem jungen Prinzen sind dagestanden und wollten zusehen. Also hat der Vorsitzende des Rabbinerkollegiums Reb Meir gesagt, der Bräutigam sollte einen Bürgen stellen und sich verpflichten, daß er gleich nach der Hochzeit seiner Braut wolle einen Ehevertrag schreiben lassen, und der Vorsitzende des Rabbinerkollegiums hat den Ehevertrag aus einem Buch gelesen. Also ist die Trauung geschehen.

Nach der Trauung hat man alle Vornehmen in Reb Elias, des Bräutigams Vaters, großes Prunkgemach geführt, welches ist mit goldenem Leder ausgeschlagen gewesen. Drinnen ist ein großer Tisch gestanden, worauf lauter königliche Leckerbissen gewesen sind. Also hat man die Vornehmen nach ihrem Rang traktiert. Mein Sohn Reb Mordechai ist ein Kind von ungefähr fünf Jahren gewesen; es ist kein schöneres Kind in der ganzen Welt zu ersehen gewesen. Und wir haben ihn gar schön und sauber gekleidet. Alle die Vornehmen haben ihn schier aufgefressen. Besonders der Prinz, Gott erhöhe seinen Ruhm, hat ihn stets bei der Hand gehalten.

Wie nun die Vornehmen von den Konfekten und Früchten gegessen und auch wohl von den Weinen getrunken hatten, hat man den Tisch abdecken lassen und hinaus getan. Dann sind einige verkleidet hineingekommen und haben sich präsentiert und gar schön allerhand Possen gemacht, die zu einer Ergötzlichkeit gedient haben.

Zuletzt haben die Verkleideten einen Totentanz gemacht, der sehr schön gewesen ist. Auf der Hochzeit sind auch viele vornehme Portugiesen gewesen, darunter einer, der hat Mocatta geheißen, der ist ein Juwelier gewesen, der hat gar ein schönes goldenes Uehrchen, mit Diamanten besetzt, gehabt. Es ist auf fünfhundert Reichstaler gekommen. Der Vater des Bräutigams, Reb Elia, hat das Uehrchen von dem Mocatta gefordert und wollte es dem Prinzen schenken. [138] Aber ein guter Freund ist dabei gestanden, der hat solches verhindert und hat gesagt: »Wozu soll dir das? Du willst dem jungen Prinzen so ein großes Geschenk machen? Wenn es noch der älteste Kurprinz wäre, so ließe es sich noch tun.«

Aber wie schon erwähnt, ist der alte Kurprinz gestorben und der junge an seiner statt gekommen, welcher nun auch Kurfürst ist. Aber wenn Reb Elia, der Vater des Bräutigams, zu dem Freund gekommen ist, der ihm gewehrt hatte, dem jungen Prinzen das Geschenk zu geben, hat er es ihm allemal mit einem großen Zorn vorgehalten. Und in Wahrheit, wenn Reb Elia, der Vater des Bräutigams, dem jungen Prinzen das Geschenk gegeben hätte, er hätte es ihm vielleicht in Ewigkeit nicht vergessen, denn solch große Herren, die vergessen solche Sachen nicht. Nun, »wer um Vergangenes klagt, bittet umsonst«.

Aber der junge Prinz samt dem Fürsten Moritz und allen Vornehmen sind alle gar vergnügt weggegangen und es hat in hundert Jahren kein Jude solche Ehre gehabt. Also ist die Hochzeit in Lustigkeit und Freude beendet gewesen.

Nach der Hochzeit bin ich nach Emmerich gefahren, auf das Grab von meiner Schwester Hendel – sie ruhe in Frieden. Was ich für Kummer und Herzweh gehabt habe, ist nur Gott – sein Name sei gelobt – bekannt, und es ist immer mehr schade, daß so ein junger, über die Maßen schöner Mensch die schwarze Erde kauen sollte. Sie ist keine fünfundzwanzig Jahre alt gewesen. Aber was hilft es? Was der Wille Gottes ist, müssen wir uns gefallen lassen. Sie hat einen Sohn und eine Tochter hinterlassen. Der Sohn ist gar ein braver junger Mensch gewesen und hat gar gut gelernt, ist aber leider unverheiratet gestorben, was Freunde und Fremde sehr bedauert haben.

Nun, einen Tag nach der Hochzeit haben wir uns wieder mit aller Vergnüglichkeit auf unsere Rückreise begeben und sind wieder nach Amsterdam gezogen, damit wir wieder den Weg nehmen sollten, den wir hergekommen [139] sind. Wie es heißt: »Und er ging auf ,seine' Reisen.« Also sind wir wieder nach Amsterdam gekommen und sind ungefähr vierzehn Tage dort gewesen, damit mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – dort noch etwas gehandelt hat. Darauf sind wir von Amsterdam nach Delfzyl gezogen. Da muß man über das Meer, das heißt den Dollart, denn der stärkste Mensch, der das Meer nicht gewöhnt ist, muß dort todkrank werden. Denn es ist gar ein Wirbel und das Schiff wird sehr gerumpelt. Also sind wir in das Schiff gekommen und haben unser Gesinde in der Kajüte gelassen, das ist so viel wie ein Haus, und ich und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – haben uns von dem Schiffer ein kleines Kämmerchen gedungen, in dem wollten wir allein sein. Und in der Wand von dem Kämmerchen ist ein Loch hinaus gewesen, das hat man können auf- und zumachen. Aus dem Loch hat man können in die Kajüte sehen und heraus und hineintun, was man begehrte.

Wie wir nun in unser kleines Kämmerchen gekommen sind, sind drin zwei Bänke gewesen, daß man sich hat darauflegen können. Also sagt mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – zu mir: »Glückelchen, da leg dich hübsch auf eine Bank und ich will dich gut zudecken. Hüte dich und sei vorsichtig, reg dich nicht und lieg ganz still, so wird dir das Meer nicht schaden.« Ich bin niemals drüber gefahren, aber mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist oftmals über den Dollart gefahren und ist darin erfahren gewesen. Ich habe meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – zwar gefolgt und mich still hingelegt, aber in der Kajüte ist meine Dienerin mit meinem säugenden Kind drin gewesen und wir haben gar ein böses Wetter und konträren Wind gehabt. Das Schiff ist sehr hohl gegangen und alle, die in dem Schiff gewesen, sind todkrank gewesen, und alle haben – mit Vergebung – speien müssen. In Wahrheit, es ist so keine Krankheit in der Welt gewesen. Ich halte dafür, daß Todesnot nicht größer sein kann. Ich hab es zwar nicht gespürt, so lange ich still gelegen bin, nur ist meine Magd auch [140] krank gewesen und hat sich nicht regen können und hat mein Kind nebbich bei sich gehabt.

Das Kind ist vielleicht auch nicht wohl gewesen und hat angefangen zu heulen und zu kreischen. Die Magd hat sich nicht regen können und hat das Kind nebbich heulen und kreischen lassen.

Aber ich als eine Mutter, die Mitleid mit ihrem Kind hat, hab es nicht länger zuhören können und hab müssen von meinem Lager aufstehen und habe das Kind durch das Loch zu mir hereingezogen und es bei mir an die Brust gelegt.

Aber mein Gott, wie ist mir so weh geworden; es ist mir stracks Todesnot angegangen. Ich habe gedacht, daß sicher mein Ende da sein werde, und habe angefangen das Sündenbekenntnis zu sagen, so gut ich gekonnt habe und so viel ich auswendig gewußt habe. Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist auf seinem Lager still gelegen und hat wohl gewußt, daß dies keine sterbliche Krankheit ist und daß, sobald man nur die Füße auf das Festland stellt, die Krankheit weg ist.

Wie ich nun so das Sündenbekenntnis sage und meine ganze Andacht auf Gott – er sei gelobt – gerichtet habe, ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gelegen und hat gelacht. Ich hab das gehört und gedacht, ich lieg da in Todesnot und mein Mann liegt da und lacht. Obschon ich darüber sehr zornig gewesen bin, so ist diesmal keine Zeit gewesen, mit meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – zu zanken. Ich hab nicht die Kraft gehabt, ein Wort zu reden. Also habe ich nebbich in meiner Krankheit liegen bleiben müssen, was ungefähr noch eine halbe Stunde gewährt hat, bis wir ans Land gekommen und aus dem Schiff gestiegen sind. Also ist unsere Krankheit, Gott sei Dank, mit eins weg gewesen.

Nun ist es ganz Nacht gewesen, als wir nach Delfzyl gekommen sind. Wir haben in kein Wirtshaus kommen können und auch in keines Juden Haus. Es ist gar häßliches Wetter gewesen, so daß wir uns geängstigt haben, [141] wir müßten die Nacht auf der Straße liegen bleiben. Und am anderen Tag haben wir einen Fasttag haben müssen, denn es ist Vorabend vor dem Neujahrsfest gewesen. Wir sind den ganzen Tag im Schiff gewesen und keiner hat einen Bissen gegessen und wir sind krank und matt von dem Meer gewesen. Also hat es uns nicht schmecken wollen, daß wir sollten ungegessen und ungetrunken auf der Gasse liegen bleiben.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist endlich nachts in das Haus eines Juden gegangen, dessen Bruder die Tochter von Chajim Fürst – er ruhe in Frieden – gehabt hat, und hat ihn gebeten, er möchte uns doch über Nacht in sein Haus nehmen, damit wir nur mit den Kindern unter Dach kommen können. Der Hausherr hat gleich gesagt: »Kommt in Gottes Namen. Mein Haus ist für euch offen. Ein gutes Bett kann ich euch geben, aber Essen hab ich nicht.« Denn es ist spät gewesen und seine Frau ist nicht zu Hause gewesen. Sie ist in Emden gewesen. Also ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – froh gewesen, daß wir nur ein Nachtlager gehabt, und er ist mit Freude zu uns gekommen und hat uns in das Haus gebracht, aber wir haben wahrhaftig kein Essen oder Trinken gehabt, denn es ist schon alles zu Bett gewesen. Wir haben noch ein bisselchen Brot bei uns gehabt, das haben wir den Kindern gegeben. Nun, ich hab Gott gedankt, daß ich zu Bett gekommen bin; ich hab ein gar gutes Bett gehabt, das ist besser als Essen und Trinken gewesen.

Am nächsten Tag, dem Fasttag, dem Vorabend des Neujahrsfestes, haben wir uns zeitig aufgemacht und sind nach Emden gezogen und sind zu Gast gewesen bei Reb Abraham aus Stadthagen. Derselbe und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – sind nahe Verwandte gewesen. Der Vater von Abraham Emden war Reb Mausche Kramer von Stadthagen und ist der Vetter von meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gewesen. Also sind wir das Neujahrsfest in Emden gewesen und haben [142] gar gute Feiertage gehabt und haben ganz und gar an unseren Dollart vergessen.

Der Reb Abraham ist ein braver Mann gewesen. Nicht allein daß er uns wohl traktiert und alle Ehre der Welt angetan hat, hat er auch an seinem Tisch noch sechs Plettengäste sitzen gehabt, die haben von allem essen und trinken müssen, wie wir auch, und ich kann wohl sagen, daß ich solches von keinem reichen Mann noch gesehen habe.

Am Ausgang des Neujahrsfestes sind wir wieder zusammen von Emden weggezogen in der Absicht, wir könnten noch vor dem Versöhnungstage daheim sein.

So sind wir ganz früh nach Wittmund gekommen. In Wittmund haben wir ein Schiff nach Hamburg gedungen. Eine Tagreise von Wittmund liegt ein Ort, der heißt Wangeroog. Dort müssen die Schiffe anlegen und Maut bezahlen und sich erfrischen. Wie wir nun nach Wangeroog kommen, sagt uns der Schiffer: »Wo wollt ihr Leute hin?« Sagt mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet: »Wir wollen nach Hamburg.« Sagt der Schiffer: »Hütet euch und seid vorsichtig. Ihr könnt nicht fortkommen, denn das ganze Meer ist voller Kaperschiffe. Sie nehmen alles weg, was sie kriegen können.« Nun ist es nahe zum Versöhnungstag gewesen und wir hatten dem Schiffer schon zehn Reichstaler auf das Schiff gegeben, die haben wir verfallen lassen müssen und uns wieder nach Wittmund begeben und den Versöhnungstag müssen in Wittmund sein. Wir sind Gäste bei Breinle gewesen, sie ist auch ein Geschwisterkind von meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gewesen. Also haben wir mit ihnen geredet, wie wir fortkommen könnten. Denn zu Wasser haben wir nicht fortkommen können wegen der Seeräuber und zu Land war alles voll Soldaten, wo man hingekommen ist. Also haben wir uns mit den Leuten in Wittmund beredet.

Die Witwe Breinle ist von Hamburg gewesen, die Tochter von Reb Löb – er ruhe in Frieden – in Altona, und gar eine kluge, fromme Frau, und besonders so nahe verwandt mit meinem Mann – das Andenken des Gerechten [143] gesegnet – und wir sind allezeit gute Freunde und Bekannte gewesen.

Sie hat getan, was möglich war, um uns fortzuhelfen. Endlich ist doch der Schluß geblieben, daß wir nach dem Versöhnungstag sollten zu Land heimfahren, und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – sollte nach Aurich, um von dem General Buditz einen Paß zu nehmen. Denn der General Buditz hat bei unterschiedlichen Königen und Herzogen gedient und war bei allen sehr beliebt gewesen, so daß wir mit seinem Paß sicher durchkommen konnten. Und zum Ueberfluß wird Meir Aurich erwirken, daß der General Buditz uns einen wackeren Offizier mitgibt, der als ein Salvaguardia mit uns zieht. Also ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nach Aurich gereist und ist einen Tag vor dem Versöhnungsfest wieder gekommen, als wir haben zu essen anfangen wollen. Es ist alles nach seinem Wunsch eingerichtet gewesen. Er hat auch einen Korporal, einen wackeren, ehrlichen Menschen, mitgebracht, der mit uns bis gegen Hamburg gezogen ist. Gleich nach dem Versöhnungsfest haben wir einen Wagen dingen müssen bis nach Oldenburg. Da haben wir schier müssen Wagen und Pferde bezahlen, denn es hat sich keiner wagen wollen. Ein jeder Fuhrmann hat Angst gehabt für seine Pferde. Nun ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – in großer Sorge gewesen, wie wohl zu denken ist, und er ist gar unmutig gewesen. Ich habe müssen mein gutes Reisekleid austun und alte Lumpen antun müssen. Reb Meir, dessen ich schon gedacht habe, ist bei uns gesessen und hat zu meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gesagt: »Mein Reb Chajim, warum seid ihr so unmutig und warum verkleidet ihr eure Frau so scheußlich?« Sagt mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet: »Gott weiß, daß ich mich nicht achte, selbst wenn ich Geld bei mir führe, auch nicht. Ich fürchte nur für das Weibsvolk, für meine Frau und die Magd.« So sagt Reb Meir: »Dafür brauchst du keine Sorge zu haben, und ohne Spaß, Reb Chajim, ihr irrt euch in eurer [144] Frau. Ihr hattet nicht gebraucht sie so scheußlich anzukleiden, man hätt ihr doch nichts getan.«

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist über Reb Meir sehr böse gewesen, daß er Scherz getrieben hat, während ihm – er ruhe in Frieden – doch sehr wehe war. Nun sind wir nach Mitternacht von Wittmund ausgezogen und die Breinle und alle Leute in Wittmund sind ein gutes Stück Weg mit uns gegangen und haben uns ihren besten Segen nachgesagt. Also sind wir friedlich nach Oldenburg gekommen. Was brauch ich zu schreiben, was wir in Bremervörde und anderen Plätzen ausgestanden haben. Aber unser getreuer Korporal und guter Paß, Gott zuvor, hat uns bis daher geholfen.

Wie wir nun zu Oldenburg angekommen sind, hat der ganze Ort gekribbelt und gewimmelt von Soldaten und es ist uns wieder nicht wohl gewesen. Unser Wagen, den wir von Wittmund mitgenommen haben, hat nicht mit uns weiterfahren wollen, auch wenn wir ihm alles Geld der Welt gegeben hätten.

Also ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gelaufen und hat gesehen, daß er auf einem Dorf, zwei Meilen entfernt, einen Wagen bekommen hat und hat ihn mit teurem Geld bezahlen müssen. Nun sind wir aus Oldenburg hinausgezogen und abends glücklich in das Dorf gekommen und auch über Nacht dort geblieben. Von dem Dorf wollten wir einen Wagen weiter nehmen.

Also sitzen wir bei Nacht bei dem Feuer und unser Wirt und andere Bauern sitzen auch bei dem Feuer und schmauchen Tabak. So kommt die Rede hin und her auf Ortschaften, auf eines und das andere. Da fängt ein Bauer an von dem Herzog von Hannover zu reden und sagt: »Mein Herr hat auch zwölftausend Mann nach Holland geschickt.«

Also ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – sehr froh gewesen, wie er gehört hat, daß er im hannoverschen Lande war, denn die Lüneburger Herzoge halten ihr Land gar rein und kein Soldat darf ein Huhn kränken, geschweige etwas anderes. [145] Also hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gefragt, wie weit Hannover von diesem Dorf sei. Sagt der Bauer: acht Meilen. Also hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – mit dem Bauer ausgerechnet, daß er noch gute Zeit hätte und noch vor dem Laubhüttenfest könnte in Hannover sein, wenn er am nächsten Tag abreist.

Also hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gleich einen Wagen gedungen und wir sind am Abend weggezogen. Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat so eine Freude gehabt, daß es sich just so treffen sollte, daß er mit Frau und Kindern das Gebot: »Du sollst Vater und Mutter ehren« erfüllen konnte und an den Feiertagen bei seinem Vater und bei seiner Mutter sein konnte. Nach all unserer ausgestandenen Unruhe, Sorge und Nöten sind wir in guter Vergnüglichkeit vor Hannover gekommen. Mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist uns entgegengekommen wie ein Engel, wie der Prophet Elias, mit einem Stecken in der Hand und mit einem schneeweißen Bart bis an den Gürtel und seine Backen ritzerot. Kurz, wenn man einen alten schönen Mann abmalen sollte, hätte man ihn nicht schöner malen können. Was wir nun sämtlich für eine Seelenfreude von diesem Anblick gehabt haben und wie vergnüglich wir die ersten Tage des Laubhüttenfestes gelebt haben, ist nicht zu beschreiben. Aber gleich an den Halbfeiertagen sind wir weiter nach Hamburg gefahren.

Obschon mein Schwiegervater und meine Schwiegermutter – sie ruhen in Frieden – gern gehabt hätten, daß wir alle Feiertage bei ihnen geblieben wären, so wäre es uns doch nicht gelegen gewesen, und wir haben ihnen die Gründe angegeben.

Also sind wir ganz vergnügt von ihnen gezogen und haben sie, ach, alle beide, in dieser Welt nicht wiedergesehen. Gott wolle mich ihre Fürsprache genießen lassen, daß er mich nach dieser sündigen Welt im Paradies bei ihnen sein läßt. Obschon wir unseren Korporal gern von uns geschickt [146] hätten und ihn gut lohnen wollten, so hat er uns doch gar sehr gebeten, wir möchten ihn doch mit nach Hamburg nehmen, denn er hätte so viel von Hamburg gehört und wäre sein Lebtag nicht dort gewesen.

Also da er sich auf dem Weg so gar wohl gehalten hat, hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – es ihm nicht versagen können und ihn mit nach Hamburg genommen. So sind wir am Vorabend des Feiertages glücklich nach Hamburg gekommen und haben Gott sei Dank unsere ganze Familie in guter Gesundheit gefunden, wofür dem Höchsten zu danken ist. Aber die Reise von meinem Haus bis zurück zu meinem Haus hat uns über vierhundert Reichstaler gekostet.

Aber wir haben es nicht viel geachtet, denn wir sind – Gott sei Dank – in großen Geschäften gesessen.

»Gelobt sei Gott, der seine Gnade und Wahrheit nicht von uns genommen hat und uns bis jetzt geholfen hat.«

Mit Gottes Hilfe sind wir nun nach ausgestandener Mühe wieder in unserem Haus gewesen.

Also hat einer geheißen Reb Mausche, der einige Zeit in Helmstaedt gewohnt hat. Das ist, wie mich dünkt, fünf Meilen von Hildesheim. Dort ist eine hohe Schule, so daß es ein böser Ort ist. Und der Reb Mausche Helmstaedt hat eine Ausweisung bekommen und hat aus Helmstaedt weg müssen. Also ist er nach Pommern gezogen und hat sich Stettin zum Aufenthalt erwirkt. Er hat mächtige Schutzbriefe bekommen und auch die Münze in Stettin bekommen, so daß er und sonst keiner in Stettin liefern durfte. Und es hat darin gestanden, wie teuer «sie die Mark fein annehmen sollen. Von der Regierung ist ein Kommissarius darüber gesetzt worden.

Nun hat der Reb Mausche Helmstaedt nicht sein Eigen gehabt, um so ein großes Werk einzurichten.

Also hat er an meinen Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – geschrieben und hat seinen Schutzbrief mitgeschickt und darum angehalten, ob mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ihn wollte [147] mit Silber versehen. Dann sollte mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – an der Münze Anteil haben und an allen Juwelen, die er kaufen oder verkaufen würde.

Es ist ein mächtiger Ort gewesen und es hat vielleicht seit hundert Jahren und mehr kein Jude dort gewohnt. Aber es sind oft gar viele Juden hingereist, welche gar billige Kaufgelegenheit an Perlen und anderen Edelsteinen bekommen haben. Es sind auch viele Edelsteine verkauft worden, und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat auch seine Rechnung gemacht, daß an den Dritteln, die in Stettin geschlagen werden, hübscher Verdienst ist. Und wenn man hunderttausend solcher Drittel gehabt hätte, hätte man sie gut für neue Lüneburger und Braunschweiger Drittel verwechseln können.

Also hat ihm mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – geschrieben, wenn er sich ehrlich und redlich halten wollte, so wollte mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – mit ihm Gemeinschaft machen.

Ehe er nach Stettin zu wohnen gekommen ist, hatte er einige Jahre in Berlin gewohnt und ist dort viel Geld schuldig geblieben, was wir aber leider nicht gewußt haben.

Wir haben wohl gewußt, daß er kein reicher Mann ist, doch haben wir nur gesehen, daß er in einer so mächtigen Stadt seinen Aufenthalt hat und daß er gar gute Schutzbriefe hat, und das ganze Land war für ihn offen, so daß er und seiner zehn noch hätten zu gutem Ziel kommen können. Aber wir sind nur durch unseren großen Schaden zu Befund gekommen, wie weiter folgen wird.

Mein Sohn Nathan war damals ein junger Mann von etwa fünfzehn Jahren, den wir nach Stettin geschickt haben, um ein wenig mit zuzusehen. Also haben wir angefangen, große Partien Silber zu schicken und er hat sie auch bald nach der Münze geliefert und uns bald die stettinischen Drittel geschickt, welche wir auch in einer Börsezeit gleich verkaufen konnten. Es ist auch hübscher Verdienst daran gewesen, zeitweise zwei am Hundert und auch mehr oder [148] etwas weniger, je nachdem der Kurs an der Börse für Drittel gewesen ist.

Wir haben auch unterschiedliche Partien Perlen bekommen; ist auch hübscher Verdienst daran gewesen, so daß wir ganz zufrieden gewesen sind. Kurze Zeit vorher bin ich mit meiner Tochter Esther ins Kindbett gekommen; ungefähr ein Jahr davor.

Nun sind uns für unseren Sohn Nathan einige Heiraten vorgeschlagen worden. Darunter auch die Waise des reichen Gemeindevorstehers Reb Elia Ballin. Ferner ist uns auch geredet worden und fast schon ausgeführt worden die Heirat mit der Tochter des reichen Reb Samuel Oppenheim[5].

Aber das ist von Gott zurückgehalten worden, daß es nicht geschehen ist, denn wir haben alle beide sollen unsere Mitgift nach Frankfurt am Main bei meinem frommen Schwager Reb Isaak erlegen. Wir haben nun allezeit einige tausend bei demselben Schwager in Edelsteinen liegen gehabt. Und der reiche Reb Samuel sollte seine Mitgift auch nach Frankfurt am Main schicken, wie er auch getan hat. Aber es ist Winterszeit gewesen, da ist ein großes Hochwasser gewesen, und das Geld ist vierzehn Tage länger unterwegs gewesen, als die bestimmte Zeit gewesen ist. Zwischen dessen haben unsere Vermittler sehr gedrängt und nicht ablassen wollen von der Heirat mit der oben genannten Waise. Nun hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gedacht: »Ich bekomme keinen Brief von meinem Bruder Reb Isaak aus Frankfurt am Main, daß er laut Akkord das Geld bekommen hat. Sicher wird der reiche Reb Samuel Oppenheim andere Gedanken bekommen haben. Nun sollen wir die Heirat mit der Waise auch fahren lassen? Da säßen wir zwischen zwei Stühlen im Dreck.«

Also haben wir uns resolviert, die Heirat zu Gutem mit der oben genannten Waise zu tun.

Die Mutter der Waise hat sich verschrieben für viertausend Reichstaler Banco neben aller Aussteuer, und wir [149] haben unserem Sohn Nathan 2400 Reichstaler Banco gegeben. Also ist die Verlobung zu Gutem ausgemacht worden.

Acht Tage danach kriegen wir einen Brief von meinem Schwager Reb Isaak – das Andenken des Gerechten gesegnet – daß das Geld angekommen wäre. Mein Mann sollte gleich und ohne Verspätung eine Vollmacht schicken, aber es ist zu spät gewesen.

Mein Mann das Andenken des Gerechten gesegnet – hat seinem Bruder geschrieben und sich exküsiert, weil es doch vierzehn Tage über die bestimmte Zeit gewesen, da hätte er gemeint, daß der reiche Reb Samuel anderen Sinnes geworden wäre. Weil ihm diese Partie angestanden hätte, so hätte er auf Unsicherheit hin die Partie nicht zurückgehen lassen mögen. Er wünsche dem reichen Reb Samuel mit seiner Tochter, daß er auch in aller Vergnüglichkeit eine Partie antreffen möge.

Aber, mein Gott, was für eine Antwort ist auf diesen Brief gekommen von meinem Schwager Reb Isaak – das Andenken des Gerechten gesegnet – was für einen Zorn hat der Mann – er ruhe in Frieden – in seinem Brief erwiesen. Das mag ich nicht schreiben.

Nun, geschehene Dinge sind nicht zu ändern. Wir sind mit unserer Heirat ganz wohl zufrieden gewesen, denn es ist in Wahrheit eine prinzipale Heirat gewesen. Der Vater der Braut, Reb Elia – er ruhe in Frieden – ist gar ein wackerer, ehrlicher Mann gewesen, der mit manchem Juden und Nichtjuden befreundet gewesen ist. Er war viele Jahre bis zu seinem Tode Vorsteher in unserer Gemeinde und viertausend Banco Geld ist auch eine schöne Mitgift gewesen.

Und wenn Gott – er sei gelobt – dem Ehepaar so das Glück gegeben hätte, daß sie so gestiegen wären, wie der reiche Reb Samuel von Tag zu Tag gestiegen ist und je länger je mehr in die Höhe gekommen ist, so wäre alles gut gewesen.

Aber der große barmherzige Gott, der teilt seine Gaben und seine Müdigkeit aus, an wen es seiner Herrlichkeit [150] beliebt, wovon wir unverständige Menschen nicht reden können, und müssen dem guten Schöpfer für alles danken.

Wie nun mein Sohn Nathan ein Bräutigam gewesen ist, haben wir ihn heimkommen lassen, damit er seiner Braut ein Geschenk gibt, welches auch mit einer prinzipalisch vornehmen Mahlzeit geschehen ist, und der Anfang war, Gott sei Dank, von allen Seiten in großer Freude. Vierzehn Tage danach ist mein Sohn, der Bräutigam, wieder nach Stettin gezogen.

Wir haben als weiter Geschäfte gemacht mit Reb Moses Helmstaedt. Aber er ist falsch gewesen, und das falsche Herz kann es nicht erwarten, wenn sie Geld haben, ob es ihnen gehören mag oder nicht, wenn sie nur Meister darüber sind. So sie es in Händen haben, schreiben sie es sich schon als ihr eigenes zu, wie wir, Gott erbarme sich, haben erfahren müssen.

Sein erstes Unglück hat davon angefangen, daß er dem Kommissarius oder Kassierer hat wollen einen Irrtum unterschieben in der Höhe von tausend Reichstalern. Und zwar so, als wenn sich der Kassier geirrt hätte, was er zwar nicht gestehen wollte, und behaupten wollte, daß er recht hat. Er hat angefangen, mit dem Kassier bei dem Tribunal von Stettin zu rechten, was viel Geld gekostet hat. Danach ist er ein aufgeblasener, dicker, ausgestopfter, hochmütiger Bösewicht gewesen und hat stets zehn- bis zwölftausend Reichstaler Banco unter Händen gehabt.

Doch hat er sich keine Rechenschaft gegeben, daß selbiges Geld nicht sein ist, und daß er es demjenigen wieder zustellen muß, der es ihm kreditiert hat, wie es einem ehrlichen Mann zu bedenken gehört.

Aber seine Gedanken müssen nicht weiter gegangen sein, als daß er so viel Geld vor sich gesehen hat. Also will er sich damit lustig machen, weil er es hat. Er hat sich eine vornehme Kalesche mit zwei der besten Pferde, so in Stettin zu bekommen gewesen, zugelegt und hat zwei, drei Diener und Dienerinnen gehabt und hat wie ein Fürst gelebt, und doch ist sein Verdienst nicht sehr groß gewesen. [151] Und besonders, wie ich schon geschrieben, hat er vorher, ehe er nach Stettin gekommen ist, in Berlin gewohnt und hat wegen Schulden und Uneinigkeit von dort wegziehen müssen. Aber der aufgeblasene Narr, da er des guten Reb Chajim Hameln sein Geld in der Hand gehabt, hat er sich nicht länger enthalten können und hat vielleicht gedacht: »Ich muß meinen Feinden in Berlin zeigen, was ich für ein Mann geworden bin.«

Und er hat sich seine Kalesche mit vier Pferden genommen und zwei- bis dreitausend Reichstaler in Drittels mitgenommen. Zum Schein hat er an uns geschrieben, er wollte in Berlin Drittels gegen Dukaten auswechseln und uns von Berlin die Dukaten mit der Post schicken. Solches geschieht nun gar häufig, denn es differiert um ein Prozent, daß er besser täte, in Dukaten zu schicken. Zudem wären die Kosten auf der Post bei weitem nicht so groß als mit Drittels. Das wäre alles gut und wohl zu tun gewesen. Aber als mein guter Reb Moses Helmstaedt nach Berlin gekommen ist, hat er angefangen mit seinem Geld zu klappern, denn Natur und Geld lassen sich nicht verbergen. Dieses sind seine Kreditoren, Juden und Nichtjuden, gewahr worden und haben meinen guten Reb Moses in Arrest nehmen lassen.

Kurz, was soll ich mich aufhalten, er hat nicht aus Berlin fort gekonnt. Es hat ihn achtzehnhundert Reichstaler Geld gekostet. Damit ist dem guten Chajim Hameln sein Geld hinweggegangen. Er ist wieder nach Stettin gereist, hat aber an Reb Chajim Hameln keine Dukaten noch Drittels geschickt. Damals hat er mehr als zwölftausend Reichstaler Banco von uns gehabt. Endlich haben wir für zweitausend Reichstaler Drittels wieder gekriegt, und Reb Moses hat als geschrieben, man soll Silber schicken, sonst muß die Münze ledig stehen.

Mein Sohn Nathan, wenn er auch gesehen hat, daß ihm die Sache nicht ansteht, hat doch nichts schreiben dürfen, denn all seine Briefe sind aufgebrochen worden. Endlich hat er uns doch mit Kaufleuten entbieten lassen, daß mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – [152] nicht anderes tun soll, als nach Stettin kommen. Damals ist Isachar eben von Kurland hierher gekommen. Obschon ich die ganze Historie von Isachar sollte schon früher geschrieben haben, denn er ist vor mehr als zehn Jahren bei uns gewesen, so will ich es sparen und ihn besonders beschreiben. Es ist nichts daran gelegen, ob seiner früher oder später gedacht wird.

Also hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – zu Isachar gesagt: »Du mußt mit mir nach Stettin, ich muß sehen, was dort los ist.« Also sind sie zusammen nach Stettin gekommen und wollten mit Reb Moses Helmstaedt abrechnen. Aber er hat sie aufgehalten von einem Tag zum anderen und meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – einen kleinen Betrag Wechsel auf Hamburg gegeben und etwas Gold und Perlen. Kurz, mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat sich nicht länger aufhalten lassen wollen. Reb Moses Helmstaedt hat mit ihm rechnen müssen. Da haben gefehlt fünftausendfünfhundert Reichstaler Banco, die er in seiner Rechnung nicht hat herbeibringen können. Nun kann man sich wohl denken, daß meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – dabei gar weh gewesen ist.

Also hat er zu meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gesagt: »Hör zu, Bruder, ich sehe wohl, daß dir die Rechnung nicht gefällt, daß ich mit dem Deinigen in Stockung bin, was ich dir auch nicht verdenken kann. Ich habe gefehlt, daß ich dir das Deinige festgerannt habe. Sorge nicht, ich will dir Wechsel von meiner Hand geben, und es soll keine anderthalb Jahre währen, da sollst du deine völlige Bezahlung haben. Komm mit mir herauf in mein Bethaus.«

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – geht mit ihm hinauf in sein Bethaus, welches er in seinem Haus gehabt hat. Da nimmt er die heilige Thorarolle aus dem heiligen Schrein und nimmt sie in seinen Arm und schwört bei allen heiligen Buchstaben und anderen Sachen, die ich nicht vergeblich schreiben mag, er wolle zu den Zeiten, wenn die [153] Wechsel verfallen sind, meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ehrlich bezahlen. Er habe wohl zu bezahlen, er wäre nur in Stockung, und wenn mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – bezahlt wäre, dann wollte er schon weiter machen, daß er wohl zufrieden sein sollte. Und solcher Worte mehr, die nicht wert sind, das Papier damit anzufüllen.

Obschon dieses meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nicht geschmeckt hat, und Isachar lauter Zorn gewesen ist und mit Gewalt wollte, daß mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – mit ihm prozessieren sollte, so hat es doch mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nicht tun wollen, vor dem Tribunal in Stettin zu prozessieren; dazu ist Schweden ein böser Ort gewesen.

Also ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – betrübt mit seinen Wechseln weggezogen und also nach Hamburg gekommen und hat mir die betrübte Zeitung gebracht. Obschon er – er ruhe in Frieden – mir solches nicht gern hat sagen wollen, so hat solches doch vor mir nicht verschwiegen bleiben können.

Damals habe ich eben getragen meinen Sohn Reb Löb – Geld hin und dazu schwanger obendrein! – und man kann wohl denken, wie uns zumute gewesen, denn keine vierzehn Tage zuvor haben wir durch einen Bankrott in Prag fünfzehnhundert Reichstaler Geld eingebüßt und an einen Kaufmann von Hamburg tausend Reichstaler.

Mein Sohn Nathan ist ein Bräutigam gewesen. Er hat in ungefähr einem halben Jahr Hochzeit halten sollen und das hat uns ungefähr dreitausend Reichstaler gekostet. Kurz, wir haben gerechnet, daß uns dieses Jahr mehr als elftausend Reichstaler sind aus Händen gegangen. Wir sind sozusagen noch junge Leute gewesen und haben erst ein Kind verheiratet gehabt und haben unser Häuschen mit Kindern gehabt – Gott behüte sie – daß es uns sehr weh gewesen ist, unseren ehrlichen Namen zu erhalten, und haben noch alles müssen geheimhalten. Ich bin aus Gram darüber ganz kränklich [154] gewesen, habe aber vor der Welt meine Schwangerschaft dafür vorgewendet. Aber »ein Feuer brannte in meinem Innern«. Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat mich getröstet und ich hab ihn getröstet, so gut wir gekonnt haben.

Es ist eben gegen die Frankfurter Messe gewesen, daß mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat dort sein müssen, denn er ist zu jeder Messe dort gewesen. Er ist – er ruhe in Frieden – am Donnerstag morgens von Stettin gekommen und gleich am Freitag hat er wieder nach Frankfurt fort gemußt. Also ist er mit traurigem Gemüt von mir fortgegangen.

Ehe er weggezogen ist, habe ich Isachar um Gottes willen gebeten, er sollt mit ihm ziehen. Weil er – er ruhe in Frieden – so gar unmutig gewesen ist, hab ich ihn nicht gern wollen allein ziehen lassen. Aber Isachar, wie er allerwegen seine Bosheit bewiesen, hat er auch da getan, und wollte nicht mitziehen, wenn nicht mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ihm hätte versprechen müssen, er wolle ihm zwei von hundert geben von allem, was er einkauft oder verkauft.

Was hat man tun sollen? Ich habe meinen Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nicht allein ziehen lassen wollen und haben deshalb Isachar allen seinen Willen tun müssen.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat mit mir geredet und mich um Gottes willen gebeten, ich sollt weiter nicht daran denken, denn es ist ja nun nicht zu ändern. Und ich hab ihm müssen die Hand geben, daß ich es vergessen will, und mein Mann hat mir auch zugesagt, daß er nicht mehr daran denken will, wiewohl wir von den Wechseln wenig gehalten haben, so wie wir auch wirklich von all dem Geld nicht mehr als den einen Wechsel bezahlt bekommen haben. Von den anderen allen hat er seine Unterschrift geleugnet und es hat uns noch mehrere hundert an Unkosten gekostet.

Also ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – am Vorabend des Sabbat nach Harburg gekommen [155] und ist den Sabbat dort gelegen, bis gegen Sabbat Ausgang die Post von Harburg abfährt, und hat mir von Harburg einen großen Brief geschrieben, eitel Trost, daß ich mich doch sollt zufriedengeben. Gott – sein Name sei gelobt – werde uns an anderer Stelle alles wieder geben, welches auch geschehen ist. Und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist in der Stadt Frankfurt angelangt und hat solch gute Messe gehabt, wie er all seine Tage nicht gehabt hat. Er hat auf dieser Messe viele Tausende verdient, wofür dem Höchsten gedankt sei, der seine Gnade und Barmherzigkeit nicht von uns abgetan hat und allezeit zu der Wunde eine Heilung geschickt hat; wenn ich mir diesmal auch gedacht habe, daß keiner in der Welt ist, der mehr Kummer und innerliche Sorgen hat als ich, und nicht betrachtet habe, daß die ganze Welt ist voll Pein, ein jeder findet das sein.

Gleichwie ein Philosoph gewesen ist, der ist auf der Gasse gegangen, begegnet ihm einer von seinen guten Freunden, welchen er grüßt und fragt, wie es ihm geht.

Der Freund dankt ihm und sagt: »Mein lieber Freund, es geht mir sehr schlecht. Ich habe mehr Sorgen und Anliegen, als einer in der ganzen Welt.«

So sagt der Philosoph: »Nun, mein guter Freund, wenn du willst, so komm mit mir auf das Dach, so will ich dir alle Häuser in der ganzen Stadt weisen, und will dir sagen, was in jedem Haus für Sorge und Unglück steckt. Und wenn es dir beliebt, so nimm all deine Sorgen und wirf sie unter all die Sorgen und nimm dir die heraus, die du willst. Vielleicht kannst du was finden, was dich vergnügt.«

Also gehen sie zusammen auf das Dach. Der Philosoph zeigt seinem Freund in diesem Haus das Unglück und in jenem Haus jenes Unglück. »Tu nun also, wie ich dir gesagt habe.«

Also hat dem Philosoph sein Freund gesagt: »Ich seh doch wohl, daß in jedem Haus Ungemach und Sorgen stecken, so viel und vielleicht mehr als die meinen. Ich will das meinige behalten.« [156] Also sind unsere menschlichen Gedanken, daß ein jeder meint, daß er am meisten zu leiden hat. Darum ist nichts besser als die Geduld. Denn wenn Gott der Allmächtige will, kann er gar bald alles von uns abnehmen.

Nach derselbigen Zeit ist mein Vater – das Andenken des Gerechten gesegnet – gar krank gewesen an der Krankheit Zipperlein – Gott behüte – aber es ist eine Krankheit zu seinem Tod gewesen. Er hat angefangen anzuschwellen und ist mehr als ein Vierteljahr auf seinem Schmerzenslager darniedergelegen. Wir sind alle Nacht bei ihm gewesen, oft bis gegen Mitternacht, daß wir allemal gemeint haben, sein Ende abzuwarten.

Endlich, wie er nun bald an der Zeit gewesen ist, daß Gott – er sei gelobt – ihn hat aus dem Zeitlichen ins Ewige nehmen wollen, also war es einmal in der Nacht, daß wir, mein Mann und ich und meine Mutter beisammen sitzen. Es ist gar spät in der Nacht gewesen. Ich bin hoch schwanger gewesen, so hat meine Mutter gemacht, daß ich und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – heimgegangen sind. Wie wir ungefähr eine Stunde gelegen sind, kommt jemand aus dem Haus von meinem Vater – das Andenken des Gerechten gesegnet – zu klopfen. Mein Mann – des Andenken des Gerechten gesegnet – sollte doch gleich in das Haus meines Vaters – das Andenken des Gerechten gesegnet – kommen. Nun sind wir gewohnt gewesen, daß solches gar oft geschehen ist. Also hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nicht leiden wollen, daß ich mitgehen sollte. Er hat mich überredet, daß ich liegen bleiben sollte. Wenn er sähe, daß es – Gott bewahre – nötig wäre, wollte er nach mir schicken. Ich hab mich überreden lassen und bin liegen geblieben und bald hart eingeschlafen. Wie nun mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – in das Haus meines Vaters kommt, ist er im selben Augenblick verschieden gewesen. Es ist ungefähr um Mitternacht gewesen.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat nicht leiden wollen, daß man mich aufwecken sollte, und [157] hat gesagt, es wäre Zeit genug, wenn man mich erst in zwei bis drei Stunden aufweckt. Aber wie ich in meinem besten Schlaf gewesen bin, kommt etwas dreimal an meine Tür zu klopfen, als wenn das ganze Haus umfallen sollte. Ich spring gleich aus dem Bett heraus und frage, wer da klopft. Aber keine Stimme und keine Antwort; es ist keiner, der antwortet. So werfe ich gleich meine Robe über und lauf nach dem Haus meines Vaters – das Andenken des Gerechten gesegnet – wo ich finde, was schon erwähnt ist. Nun kann man wohl denken, wie mir zumute gewesen ist und was für Kummer wir zusammen gehabt haben. Aber was hat alles geholfen? Ich habe meinen guten Vater missen müssen, welcher aber mit gutem Namen und in gutem Alter gestorben ist. Es ist am 24. Tebeth gewesen, daß er uns und allen Lebenden das Leben hinterlassen hat. Ich habe mich lange Zeit nicht zufriedengeben können, bis mir Gott – er sei gelobt – nach Ablauf der dreißigtägigen Trauerzeit einen jungen Sohn beschert hat und sein Name Löb ist wieder geboren worden.

Aber es scheint, daß seine Geburt viel Widerwärtigkeit angezeigt hat, denn als er auf die betrübte Welt gekommen war, ist er bis vierundzwanzig Stunden also gelegen und hat gekrächzt, so daß die Hebamme und alle Weiber nicht anders gemeint haben, daß man das Kind nicht wird aufbringen können. Aber dem lieben Gott, dem hat es so gefallen, daß sich das Kind alle Tage gebessert hat, daß es aufgewachsen ist und daß ich mich mit dem Kind also an Stelle meines lieben Vaters getröstet habe.

Und ich bin sehr erfreut mit dem Sohn gewesen.

Meine liebe Mutter ist mit drei Waisen sitzen geblieben. Mein Vater – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat doch meiner Mutter das ihr zugesicherte Wittum von sechzehnhundert Reichstaler Geld und jeder Waise ungefähr vierzehnhundert Reichstaler Geld gelassen. Und die Waisen hätten mehr gehabt, nur sind sie um mehr als tausend Reichstaler gekommen, wie ich vielleicht noch schreiben werde. [158] Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – und mein Schwager Reb Josef haben nichts zu erben begehrt, obwohl sie ein jeder vertragsmäßig auf die Hälfte des Erbteiles eines Sohnes Anspruch gehabt haben. Doch haben sie gar nicht begehrt, sich danach umzusehen, und alles für meine Mutter und ihre Waisen stehen lassen. Und mein Mann und mein Schwager Reb Josef haben meinen Bruder Reb Wolf, ein Jahr, nachdem mein Vater – das Andenken des Gerechten gesegnet – gestorben war, verlobt mit der Tochter des Jakob Lichtenstadt. Er ist als ein gar braver, wackerer Mann bekannt gewesen. Er war bis zu seinem Tod Landesvorsteher und ist ein sehr reicher Mann gewesen. Aber endlich hat er Streitigkeiten gehabt mit seinem Stiefsohn Reb Abraham Lichtenstadt, so daß er am Ende seiner Tage in seinen Vermögensverhältnissen zurückgegangen ist. Mein Schwager Reb Josef ist mit meinem Bruder Reb Wolf zu dem Verlobungsmahl gezogen, und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist mit ihm die andere Leipziger Messe auf seine Hochzeit gezogen mit Isachar, welcher damals Diener bei uns gewesen ist. Und mein Schwager Reb Josef und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – sind als auf ihre eigenen Unkosten gereist und haben meiner Mutter keinen Heller Kosten angerechnet. Als mein Schwager Reb Josef mit dem Bräutigam von dem Verlobungsmahl zurückgekommen ist, hat er Wunder erzählt, wie vornehm alle Dinge gewesen sind und wie herrlich alles hergegangen ist; denn damals ist Reb Jakob Lichtenstadt – er ruhe in Frieden – noch auf seiner Höhe gewesen.

Nun ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – mit dem Bräutigam auf die Hochzeit gezogen, welche auch in allen Ehren vor sich gegangen ist.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist wieder heimgereist und mein Bruder mit seiner Frau ist noch einige Zeit dort verblieben.

Als mein Vater – das Andenken des Gerechten gesegnet – verstorben war, hat er das Seinige alles in Juwelen stecken gehabt, und es haben sich mein Mann – das Andenken [159] des Gerechten gesegnet – und mein Schwager Reb Josef bemüht und haben eine Lizitation gemacht und alles verkauft, damit meine Mutter die Waisen hat ausgeben können, wenn ihr etwas Gutes vorgekommen ist. Wie sie auch nicht lange danach meine Schwester Mate in Leipzig verlobt haben mit dem Sohn des reichen Reb Model, dem gelehrten Rabbinatsassessor. Und die Hochzeit ist hier in Hamburg gewesen. Es ist bekannt, was der gelehrte Assessor Reb Model für ein vornehmer Mann gewesen ist, und seine fromme Frau Peßle hat sicher seit den Müttern Sara, Rebekka, Rahel und Lea ihresgleichen in der ganzen Welt nicht gehabt. Es ist fast keine Frau gewesen, die ihr geglichen hat in Frömmigkeit und Gottesfurcht, und sie ist besonders eine tüchtige Frau gewesen, die das Geschäft geführt hat. Sie hat ihren Mann und ihre Kinder reichlich ernährt sowohl wie sie in Wien als wie sie in Berlin gewohnt haben.

Der reiche Reb Model ist allezeit ein bettlägeriger Mann gewesen, der wenig Handel treiben konnte; doch ist er – er ruhe in Frieden – klug und weise gewesen, daß die ganze Welt von ihm zu sagen gewußt hat, und er ist auch bei dem Kurfürsten von Brandenburg – Gott erhöhe seinen Ruhm – sehr beliebt gewesen, welcher einmal gesagt hat: »Wenn dem Mann seine Füße so wären wie sein Kopf, so hätte er keinesgleichen.«

Er und sie sind in Berlin in Ehre und Reichtum gestorben. Es sind Wunder zu lesen gewesen in dem Testament, das sie – sie ruhe in Frieden – gemacht hat.

Ich mag nichts davon schreiben; wer es lesen will, kann es noch bei ihren Kindern finden, denn sie haben solches sicher nicht weggeworfen.

Nun ist noch meine jüngste Schwester Rebekka nebbich übrig geblieben, welche zwar auch gar eine gute Heirat gemacht hat und gekriegt hat den Sohn meines Schwagers Reb Löb Bonn, welcher – er ruhe in Frieden – gar ein wackerer Mann gewesen ist. Er ist viele Jahre Vorsteher in seiner Gegend gewesen und hat auch einen hübschen Reichtum gehabt Derselbige Reb Löb ist mit seinem Sohn Reb Samuel [160] hierhergekommen und hat hier Hochzeit gemacht und alles ist in Ehre und Lust und Freude beendet worden.

Man hat meiner lieben, frommen Mutter nicht angemerkt daran wie sie Hochzeiten gemacht hat, daß sie nebbich eine Witwe gewesen ist, sondern es ist alles so in Ehren und herrlich zugegangen, wie wenn mein Vater – das Andenken des Gerechten gesegnet – noch gelebt hätte. Es ist keiner von den Ersten in der Gemeinde ausgeblieben, jeder ist ihr zu Ehren gekommen.

Nach der Hochzeit ist mein Schwager Reb Löb wieder nach Hause gereist und kein halbes Jahr danach ist er den Weg alles Menschlichen gegangen. Er ist in Reichtum und bei gutem Ruf gestorben; aber danach ist mein Schwager Reb Samuel Bonn mit meiner Schwester nach Bonn zu wohnen gezogen in das Haus seines Vaters – das Andenken des Gerechten gesegnet; er hat dort wohl gewohnt und jedem viel Gutes getan. Sie haben ihn auch an Stelle seines Vaters – das Andenken des Gerechten gesegnet – zum Vorsteher gemacht.

Aber einige Zeit danach ist Krieg gewesen mit Seiner Majestät dem König von Frankreich, mit Seiner Majestät dem Kaiser und mit Holland. Es sind Franzosen vor Bonn gekommen und haben Bonn eingenommen, und sein Haus, das Erbe des Vaters – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist mit anderen Häusern alles verbrannt und geplündert worden. Also ist er nebbich um all das Seine gekommen und hat sich nicht länger dort aufhalten können. Also ist er nach Hamburg gekommen. Es wäre viel davon zu schreiben, wie er wieder zurechtgekommen ist und leider wieder zurückgekommen ist.

Es ist unnütz, hier davon zu schreiben. Er ist nebbich ein rechter, frommer Mensch gewesen und sehr gottesfürchtig. Gott – sein Name sei gelobt – wolle ihm und ganz Israel aus all ihren Nöten helfen und auch seinen Kindern, die in Reichtum und Ehren geboren und erzogen und auch verheiratet worden sind und denen teils leider das Glück gar nicht wohl gewollt. Gott – er sei gelobt – in seinem [161] Erbarmen und in seiner großen Gnade wolle sich wieder über sie alle erbarmen. Darauf ist gesagt: es soll sich keiner glücklich nennen bevor er stirbt, wie eine Geschichte hiervon folgen wird.

Es ist einmal ein mächtiger König gewesen, der hat an seinem Hof bei sich allezeit einen Philosophen gehabt, der hat Solon geheißen. Der König hat von dem Philosophen gar viel gehalten, wie derselbe auch in Wahrheit ein großer Weiser gewesen ist. Einmal geht der König Krösus hin und läßt sich königliches Gewand antun und läßt seine ganze Hofhaltung in großer Pracht zu sich kommen, aufzuwarten, und alle in ihren besten Kleidern. Er läßt seine besten Edelsteine hinlegen und seine Schatzkammer öffnen. Also läßt er seinen Philosophen Solon auch rufen, daß er zum König kommen soll. Wie nun Solon zum König Krösus kommt, kniet er und beugt sich vor dem König, wie sich das gebührt. Also sagt der König zu dem Philosophen: »Mein lieber Solon, hast du auch wohl observiert all unseren Reichtum und Ehren und solch große Herrlichkeit? Und hast du wohl dein Lebtag einen glücklicheren Menschen gesehen als ich bin?«

So sagt der Philosoph zum König: »Mein gnädiger König, ich habe alles wohl observiert, aber ich kann dich doch nicht so glücklich schätzen wie ein Bürger zu Athen gewesen ist. Derselbe hat zehn Kinder gehabt, die er bei seinem Leben wohl erzogen hat, und er ist gar ein reicher Mann gewesen und hat seine Kinder alle mit Ehren zu großen Leuten gegeben. Er und seine Kinder haben dem Vaterland große Treue und Dienste getan. Also nicht allein daß sich der Bürger zu Athen hat in großer Aestimation gesehen, desgleichen hat er auch seine Kinder bis in sein hohes Alter in großer Herrlichkeit und Reichtum und Ehre gesehen, und ist also glücklich gestorben. Denselben schätze ich glücklicher als Ihre königliche Majestät. Es ist zwar nicht ohne, daß der König besitzt großen Reichtum, Herrlichkeit und Ehre, aber Ihre Majestät sind noch ein junger König. Man weiß nicht, wie sein Ende sein wird. Es kann [162] sein, daß ein anderer König oder ein anderer Fürst mit dem König einen Krieg führen wird, er kann ihn bezwingen, so daß er ihn von seinem Reichtum, Land und Leuten wegjagte und ihn vielleicht gar um sein Leben brächte. Weiß er sich denn glücklich, wenn sein Ende – wo Gott vor sei – sehr unglücklich und miserabel wäre?« So sagt der König Krösus: »Solon, was dünkt ihr euch, daß ihr eine Privatperson mit seiner Glücklichkeit unserer Majestät vorzieht.« – »Eure königliche Majestät,« sagt Solon, »weil jener glücklich gestorben ist, und es soll sich keiner rühmen, als bis er sein Ende sieht. Es kann sein und ist zu wünschen, daß dem König seine Glückseligkeit bis an sein Ende bleiben kann, aber es kann auch sein, daß es gehn kann, wie ich dem König schon gesagt hab.«

Also erzürnt sich der König sehr und er nimmt seinen goldnen Stab und stößt Solon damit hinweg und befiehlt ihm, nimmermehr an seinen Hof zu kommen.

Also ist der gute Solon hinweggegangen. Es ist etliche Jahre angestanden, daß der König Krösus in seiner Herrlichkeit und Glückseligkeit also fortgelebt hat und an seinen guten, klugen Philosophen nicht mehr gedacht hat. Aber eine Zeitlang danach hat der König Krösus einen Streit bekommen wegen etlicher Grenzverletzung. Aber es hat nicht lange gewährt, daß dieser Streit zum blutigen Krieg ausgeschlagen ist, welcher etliche Jahre gewährt hat. Aber endlich hat Krösus den kürzeren ziehen müßen und hat die Schlacht verloren und sein Gegenpart – ein anderer König – hat den Krösus gefangengenommen. Nachdem derselbige König dem Krösus sein ganzes Land hat eingenommen und alles wohl besetzt hatte, ist er mit dem gefangenen König Krösus wieder in sein Land gezogen. Seine Räte und Kriegsobersten haben Rat gehalten über den König Krösus, was man ihm für einen Tod antun soll. Also haben sie ihn endlich alle einträchtig zum Feuertod verdammt, daß man ihn verbrennen soll. Also ist alle Zurüstung zu einem so großen Werk gemacht worden, und es ist viel Volk von weit und breit dazu gekommen, um [163] zu sehen, daß man den mächtigen König Krösus verbrennen soll. Also ist ein großer Scheiterhaufen von Holz gemacht worden, und dabei haben allerhand gebalsamierte Öle und wohlriechende Sachen gestanden, die zugleich mit dem König Krösus verbrannt werden sollten, damit er königlich verbrannt werden sollte. Und der andere König, der Krösus überwunden hatte, der ist im Fenster gelegen und hat zugesehen, daß man den Krösus zu seiner Verbrennung geführt hat. Wie man nun den Krösus also führt, wird er seines getreuen klugen Philosophen eingedenk und daß er ihm gesagt hat, es sollt sich keiner glückselig schätzen, ehe er gestorben ist. Also fängt er bitterlich zu rufen an und zu schreien: »Ach, Solon, wie wahr hast du gesagt, daß sich keiner vor seinem Ende soll glücklich schätzen.«

Der König, der ihm das warme Bad ohne Wasser hat zurichten lassen, ist im Fenster gelegen und hat gehört daß Krösus so bitterlich geredet und geschrien. Also hat er seine Diener, welche bei ihm gestanden sind, gerufen, daß sie flugs laufen und sagen, man soll allsobald den Krösus noch einmal vor den König bringen, welches allsofort geschehen ist.

Wie nun Krösus vor seinen Überwinder kommt, fällt er auf seine Knie. Der König heißt ihn aufstehen, er hätte etwas mit ihm zu reden. Und er fragt ihn: »Mein Krösus, man hat dich in deiner Todesnot geführt, was hast du geredet und so bitterlich geschrien?«

Also erzählt er ihm alles mit seinem Philosophen Solon, wie er seine Rede verachtet und ihn von sich gestoßen, und wie er in seiner Hoffart und in seinen bösen Werken verblieben wäre bis in diesem Augenblick. »Da ich die Todesnot hab vor mir gesehen, da hab ich an meinen getreuen klugen Philosophen gedacht: daß sich soll keiner vor seinem Ende glückselig schätzen. Und aus großen Todesängsten habe ich ihm diese etlichen Worte zugerufen.«

Der König hat dies gnädiglich und voll Erbarmen angehört und gedacht: »Krösus ist einmal auch ein großer [164] König gewesen und Gott hat ihn in meine Hand gegeben. Wer weiß, ich bin doch auch noch nicht gestorben, es möchte mir einmal auch so gehen.« Und er hat den König Krösus wieder begnadigt und hat ihm sein Leben, sein Land und seine Leute wieder gegeben.

Darum, wenn schon es uns Menschen ganz wohl ergeht, sollen wir uns nicht übernehmen und uns bedenken, daß wir nicht wissen, wie unser Ende ist oder sein wird, wie man aus dieser Geschichte gelesen hat.

Nun, meine Mutter hat ihre Kinder alle in Reichtum und Ehre verheiratet gehabt und in aller Vergnüglichkeit. Als mein Vater – das Andenken des Gerechten gesegnet – gestorben war, ist meine Mutter ungefähr 44 Jahre alt gewesen. Obzwar ihr unterschiedliche gute Partien vorgekommen sind, daß sie wieder einen Mann hätte nehmen können, daß sie wieder in großen Reichtum gekommen wäre; aber die liebe, fromme Frau hat sich niemals darein begeben wollen. Sie ist lieber also sitzen geblieben, mit dem wenigen, was sie nebbich noch übrig behalten hat und hat sich allein still beholfen und sich mit dem wenigen sauber und schön ernährt. Doch hat sie in ihrem eigenen Häuschen gewohnt und ihre große Magd bei sich gehabt und hat geruhig und wohl gelebt.

Und es ist zu bitten, daß wenn Gott ja strafet so eine Frau, wenn sie, Gott bewahre, ihren ersten Mann verliert, dann wolle doch der gütige Gott ihr auch so einen Sinn eingeben.

So vergnüglich als diese liebe Frau lebet und so viel Gutes als sie von dem Bisselchen tut und wie geduldig sie in allem ist, so ihr Gott – er sei gelobt – alles zuschickt, da wäre viel davon zu schreiben. Und sie ist so in Ehren sitzen geblieben. Gott – er sei gelobt – soll geben, daß sie es ausführen soll bis zur Zeit, da unser Messias kommen wird.

Die Vergnüglichkeit, die wir Kinder und ihre Enkel von der lieben Frau haben, ist nicht zu sagen. Gott – er sei gelobt – soll sie bis hundert Jahr gesund lassen. [165] Danach haben wir meine Tochter Channa verlobt mit dem Sohn von meinem Schwager Reb Abraham – das Andenken des Gerechten gesegnet.

Ob wir nun die Heirat gern oder nicht gern getan haben, so ist sie doch von Gott – er sei gelobt – beschert gewesen, denn meine Schwiegermutter – sie ruhe in Frieden – hat es haben wollen. Nun ist es gegen die Messe von Frankfurt am Main gegangen. Also ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hingereist und auch Reb Jochanan und Reb Mendel und Löb Goslar.

Also, wie die Messe aus gewesen ist, haben sie gleich von Frankfurt nach Leipzig gemußt. Wie sie nun in die Gemeinde Fulda gekommen sind, ist Reb Jochanan da krank geworden und in vier, fünf Tagen gestorben.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – und Reb Mendel und auch Reb Löb Goslar haben wollen zusammen bei ihm bleiben, aber der fromme, brave Reb Jochanan – er ruhe in Frieden – hat es nicht leiden wollen, und so sind sie nach Leipzig gezogen.

Sein Sohn Reb Ahron ist bei seinem Vater geblieben, welcher mit ihm nach Frankfurt gereist war. Aber ehe sie nach Leipzig gekommen sind, haben sie leider die böse Kunde vernommen, daß Reb Jochanan – er ruhe in Frieden – tot ist. Nun kann man sich wohl denken, was für ein Schreck unter den Leuten gewesen ist.

Also hat sich auch bald Reb Mendel in Leipzig gelegt, der Sohn des vornehmen Michael Speyer aus der Gemeinde Frankfurt. Er ist sieben bis acht Tage gelegen und leider auch gestorben. Was für eine Bestürzung und Durcheinander in Leipzig gewesen ist, ist leicht zu denken.

Wir haben alle die betrübte Nachricht nach Hamburg bekommen. Nicht genug, daß sie den Kummer haben vor sich sehen müssen, daß der junge, wackere Mensch, welcher noch keine 24 Jahre gewesen ist, so schnell von der Welt gekommen ist, so ist auch sein Schwiegervater Reb Moses, der Sohn des Nathan, auch in Leipzig gewesen und hat [166] nicht gewußt, wie er ihn auf einen jüdischen Friedhof bringen konnte, denn es ist sehr bös und gefährlich in Leipzig gewesen. Kurz, mit großer Mühe und hoher Vermittlung und vielem Geld haben sie durchgesetzt, daß man die Leiche hinweggeführt hat. Also haben sie die Leiche nach Dessau geführt, welches die nächste jüdische Gemeinde von Leipzig gewesen ist; sechs Meilen von Leipzig. Das hat mehr als tausend Reichstaler gekostet und sie haben noch Gott gedankt, daß sie ihn aus Leipzig bekommen haben.

Zwischendessen haben sich mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – und Löb Goslar in Leipzig auch fast auf den Tod gelegt und sind gar krank gewesen. Also haben sich Löb Goslar und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – müssen mitten aus der Messe herausführen lassen in krankem Zustande nach Halberstadt. Mein Mann hat Moses Schnaudhan und Isachar bei sich gehabt. Wie sie nach Halberstadt gekommen sind, ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gar krank gewesen, so daß man ihn aufgegeben hat. Also hat Isachar an mich geschrieben und mich getröstet, ich sollte mich nicht erschrecken, es wäre nicht so gefährlich. Und Isachar hatte meinen Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – so lange gedrängt, daß er den Brief hat unterschreiben müssen. Aber da hat einer eine Unterschrift sehen sollen – kein Mensch hat einen Buchstaben erkennen können.

Nun kann man wohl denken, wie mir und meinen Kindern zumute gewesen ist. Den Brief hab ich am ersten Tag vom Wochenfest bekommen und am Vorabend sind all unsere Familienväter von Leipzig heimgekommen und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nicht. Man kann sich wohl denken, was für einen Schrecken wir gehabt haben. Es ist sogar kein Brief gekommen. Alle Familienväter sind, ehe sie in ihre Häuser gegangen sind, zu mir gekommen und haben mich getröstet, ich sollte mich zufriedengeben, es würde alles gut werden. Und sie haben ihr Bestes geredet, um mich zu beruhigen. Aber was [167] hat es helfen mögen? Man kann sich wohl denken, was wir für einen Feiertag gehabt haben. Nun, es ist Feiertag gewesen und ich hab nichts tun können.

Aber gleich den Tag nach dem Feiertag hab ich gleich meinen Sohn Reb Mordechai genommen und Jakob, den Sohn des Reb Chajim Polak, und Chawa, die hab ich nach Halberstadt geschickt, ob sie meinen Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – noch lebend finden möchten. Ich habe – Gott sei es nicht vorgerückt! – fasten lassen und lernen und andere Sachen getan mit Buße, Gebet und Almosen, so gut ich gekonnt habe. Gott – sein Name sei gelobt – hat sich auch erbarmt und meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – geholfen, daß er ein bisselchen zurecht gekommen ist.

Er hat einen Wagen für sich dingen lassen. Er ist bei Reb Isaak Kirchhain in Halberstadt gewesen, der hat ihm ein Bett mitgegeben, daß er sich im Wagen hat legen können, und noch einen Wagen, auf dem sind seine Wärter gefahren. Bei ihm in seinem Wagen ist nicht mehr als einer gewesen, der nach ihm gesehen hat. Also ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – krank und kümmerlich nach Hause gekommen. Aber wir haben doch alle den lieben Gott höchlich gelobt, daß er ihn uns gegeben hat und nicht der Erde. Gott – er sei gelobt – hat ihm sein Leben noch sechs Jahre verlängert, und er hat noch zwei Kinder verheiratet, wie folgen wird.

Aber ich habe vergessen und hätte viel früher schreiben sollen vom Tode meines Schwiegervaters – das Andenken des Gerechten gesegnet – welcher viel früher gewesen ist.

Als mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – von seiner Krankheit von Leipzig gekommen ist, war es mehr als drei Jahre zuvor, daß mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – krank geworden ist, an welcher Krankheit er auch gestorben ist. Also hat man meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – geschrieben: »Siehe dein Vater ist krank.« [168] Also hat er sich gleich von seinen Geschäften losgemacht und ist selbst nach Hannover gezogen, um den Vater in seiner Krankheit zu besuchen und ist wohl drei Wochen dort gewesen.

Mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – war ein Mann von achtzig Jahren, dem seine Kräfte ohnedem vergangen sind. Er hat gemeint, er werde stracks sterben, wenn er nur meinen Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – sehen werde, denn mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist sein jüngstes Kind gewesen und er hat ihn sehr lieb gehabt, »denn er war der Sohn seines Alters«.

Aber als mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – gesehen hat, daß sein Sohn Reb Chajim drei Wochen bei ihm geblieben ist, und es Gott noch nicht gefallen hatte, daß er ihn zu sich genommen hätte, so sagt mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet: »Mein Sohn, ich habe dich hierherkommen lassen, denn ich bin der Meinung gewesen, daß du bei meinem Ende sein solltest. Aber du bist ein großer Geschäftsmann und bist schon drei Wochen bei mir gewesen. Du hast das Deinige getan. Ich befehle mich Gott, ziehe du in Gottes Namen wieder heim in dein Haus.« Obschon sich mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – darin geweigert hat und bei seinem Vater bleiben wollte, so hat es ihm sein Vater doch befohlen, daß er hat heimziehen müssen. Die anderen Kinder, die bei ihm gewesen sind, sind auch wieder jedes in sein Haus gezogen.

Ehe mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – wieder nach Hause gekommen ist, ist dieses geschehen:

Meinem Bett, in dem wir gelegen sind, gleich gegenüber ist noch ein kleines Bett gestanden, in dem meine Kinder gelegen sind. Also ist auch meine Tochter Channa darin gelegen und ist ein Mädchen von elf Jahren gewesen. Also bin ich morgens zum Morgengebet aufgestanden und ins Bethaus gegangen, also kommt das Kind, meine Tochter [169] Channa, von der Kammer heruntergelaufen, ganz erschrocken und kann nebbich vor großem Schrecken sich nicht regen. Das Gesinde fragt sie: »Channa, was fehlt dir? Warum siehst du so erschrocken aus?«

Sagt das Kind: »Ach Gott, ich bin aufgewacht und wollte sehen, ob die Mutter noch liegt. Da hab ich in ihrem Bett einen alten Mann mit einem großen Bart liegen sehen. Ich hab mich so sehr erschrocken und bin aus dem Bett gesprungen und die Treppe heruntergelaufen. Hab mich doch nach dem Bett umgesehen, da hat der alte Mann seinen Kopf aus dem Bett aufgehoben und hat sich als nach mir umgesehen.«

Ich komme aus dem Bethaus heim, da ist noch ein Gewisper und ein Geschwätz unter meinem Gesinde. Ich hab sie gefragt und wissen wollen, was los ist. Aber keiner hat was sagen wollen.

Zwei Tage danach ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – heimgekommen und ist kaum acht Tage zu Hause gewesen, da hat er Briefe bekommen, daß sein Vater, der fromme Reb Josef tot ist[6]. Nun, soll ich schreiben von den Klagen und dem Weinen, die mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – getan hat. Es ist nicht zu beschreiben.

Gleich nach den sieben Trauertagen hat er sich zehn Rabbiner gedungen und ein eigenes Zimmer in seinem Hause genommen, in dem man nur die Gebetversammlung gehalten hat, und Tag und Nacht nichts anderes darin getan hat als gelernt.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist das ganze Jahr nicht außer Haus gekommen, und hat es als abgewartet, daß er kein Seelengebet versäumt hat. Zwölf Wochen nach dem Tode meines Schwiegervaters ist mein Schwager Reb Isaak – das Andenken des Gerechten gesegnet – in Wesel gewesen. Sein Sohn Reb Samuel hat dort Hochzeit gemacht. Also ist er auf das Grab seines [170] Vaters nach Hannover gezogen und alle Brüder sind auch nach Hannover gekommen und haben meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – geschrieben, er solle auch gleich nach Hannover kommen. Also ist er frühmorgens aufgestanden und nach Harburg gefahren und hat so viele Leute gehabt, wie er zur Gebetversammlung gebraucht hat. Kurz, er hat bis Hannover kein Seelengebet versäumt, obschon es ihn viel Geld gekostet hat. Wie er nach Hannover gekommen ist, hat er das Testament gelesen.

Es ist Wunder zu sehen gewesen, was das mit Gottesfurcht und Weisheit ein Testament gewesen ist. Also haben sie erzählt, was für einen Tod mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – eingenommen hat, mit großer Weisheit, »sanft wie durch einen Kuß«, wie denn alle seine frommen Kinder so gestorben sind.

Den Nachlaß, den mein Schwiegervater – das Andenken des Gerechten gesegnet – hinterlassen hat, haben sie, wie im Testament bestimmt war, verteilt. Keiner hat gegen den anderen ein ungebührlich Wort geredet. Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist nur acht Tage in Hannover gewesen und hat seine liebe Mutter getröstet, so gut er gekonnt hat. Obzwar er seine Mutter sehr darum gebeten hat und sie gern mit nach Hamburg genommen hätte, so hat die fromme Frau doch mit keinem Gedanken gewollt und wollte sich von ihrem frommen, redlichen Mann nicht trennen, nicht im Leben und nicht im Tod. Zwei Jahre danach ist sie auch gestorben und bei ihrem Mann zu Grab gekommen. Sie ist eine Frau von zweiundachtzig Jahren gewesen. Kurz, das ist ein so liebes, gesegnetes Ehepaar gewesen, wie man ihresgleichen nicht findet. Gott – er sei gepriesen – wolle uns ihr Verdienst genießen lassen. Und Gott gebe, daß wir unsere Jahre in so gutem Alter zugebracht hätten. Aber es hat dem Höchsten anders gefallen. Nach dem ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nach Amsterdam gereist und es ist ihm eine Heirat mit meinem späteren Schwiegersohn Moses Krumbach vorgeschlagen worden. [171] Nun, mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat sich zu dieser Heirat allzu geschwind resolviert, wie noch folgen wird. Wie die Verlobung geschehen war, hat es mir mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – geschrieben. Die Verlobung ist in Cleve bei dem Schwiegervater meiner Tochter, Reb Elia Cleve, gemacht worden, denn derselbe hat eine Vollmacht von dem reichen Reb Abraham Krumbach, dem Vater meines künftigen Schwiegersohnes, gehabt. Aber ehe ich die Briefe von meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gekriegt habe, daß meine Tochter eine Braut gewesen ist, habe ich von einigen Seiten Briefe gehabt, in denen man uns gewarnt hat, uns zu hüten und die Heirat nicht zu tun, denn der Knabe hätte viele und viele Fehler.

Aber keinen Tag darauf habe ich von meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – Briefe erhalten, daß die Verlobung geschehen sei und daß er sich bald auf den Weg hierher begeben werde.

Nun kann man sich wohl denken, wie mir zumute gewesen ist und welche Freude ich von der Verlobung gehabt habe. Nun, ich hab nichts tun können, bis mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nach Hause gekommen ist. Die andere Woche ist mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – nach Hause gekommen und ist der Meinung gewesen, ich werde ihn mit großer Freude empfangen und wir würden uns zusammen über die Heirat sehr freuen. Aber mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat es konträr gefunden. Anstatt dessen bin ich ihm mit großer Schwermut entgegengegangen und konnte meinen Mund kaum auftun.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat mir wohl ansehen können, daß mir etwas fehlte. Doch er und ich, wir wollten unsere glückliche Zusammenkunft nicht stören. Also sind einige Tage hingegangen, daß wir einer dem anderen von der Heirat nichts gesagt haben. Inzwischen kriegt mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – auch Briefe von seinem gar guten [172] Freund, welcher ihm auch schreibt, daß er gehört hat, daß wir die Heirat tun wollten. Also sollten wir sie in Vorsicht nicht tun oder wir sollten den Jüngling erst sehen.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist darüber sehr erschrocken und sagt zu mir: »Um Gottes willen, Glückelchen, du mußt auch davon wissen, denn ich habe es an deinem Unmut gemerkt.« Also habe ich meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – alle Briefe vorgewiesen, welche ich, bevor er nach Hause gekommen war, bekommen hatte.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – war sehr erschrocken und hat sich gegrämt, denn man hat auf den Menschen gar zu viel geschrieben, alle Fehler der Welt hat man an ihm beschrieben. Wir haben uns keinen Rat zu geben gewußt. Die Heirat war verabredet. Also habe ich an die Mutter des Bräutigams, Jachet, geschrieben, es gedenkt mich noch, fast in den folgenden Worten: Ich hab ihr und allen freundlich Glück gewünscht und dann geschrieben, es wären uns von einigen Seiten Briefe zugekommen, welche uns schreiben, daß der Bräutigam viele Fehler hat, was wir als Lügen ansehen wollen. Wenn das so ist, dann bitten wir sehr, sie sollten den Bräutigam, wie Sitte, zum Verlobungsmahl zu seiner Braut schicken; wenn wir nun sehen, daß alle Verleumder und Lügner wären, wie wir nicht anders hoffen, dann werden wir den Bräutigam mit Lust und Freude und in aller Vergnüglichkeit empfangen und werden ihm Geschenke geben und es an aller Ehre nicht fehlen lassen. Sollte es aber – Gott behüte – sein, daß es ja Wahrheit wäre, so bitte ich, ihn nicht zu schicken, denn wir werden unser Kind nicht so scheußlich betrügen. Sollten sie aber gedenken, ihren Sohn doch zu schicken, weil wir ohnedies so nahe Freunde und verschwägert sind, und sollten glauben, daß wir auf die Fehler nicht achten werden und geschehen lassen, was schon geschehen ist – so sollten sie solches doch nicht tun. Was sollte man tun, wenn es – Gott behüte – ja wahr ist? Man müßte es von beiden Seiten verschmerzen und sie könnten alle Fehler [173] der Welt meiner Tochter anhängen – und solche Redensarten mehr.

Nun kann man sich wohl denken, wie der reichen Jachet, der Mutter des Bräutigams, der Brief in der Nase gekribbelt hat, wie sie ihn bekommen hat. Nun, was soll ich mich aufhalten, sie hat wieder voll Geringschätzung und Zorn geschrieben, sie hätte im Sinn gehabt, ihren Sohn bald zu seiner Braut zu schicken. Aber nun sie sehen, was wir schreiben, wenn wir ihren Sohn sehen wollten, dann sollten wir selber kommen und einen nach Metz schicken. Nun ist die Zeit lange mit eitel verdrießlichem Briefwechsel hingegangen, ohne daß wir zu einem festen Entschluß haben kommen können. Und besonders ist großer Krieg gewesen zwischen Seiner Majestät dem König von Frankreich und Deutschland, so daß einer zum anderen nicht gut kommen konnte.

Zwischendessen haben wir mit meiner Tochter Channa in aller Vergnüglichkeit Hochzeit gemacht.

Auch habe ich zu schreiben vergessen, daß lange zuvor die Hochzeit meines Sohnes Nathan mit der Waise Mirjam, der Tochter von Reb Elia Ballin, in Lust und Freude gehalten worden ist.

Mein Schwiegersohn Koßmann und meine Tochter Zipora sind auch hingekommen und wir haben ihnen alle ihre Unkosten wieder gegeben und noch Geschenke dazu. Auch ist Reb Jakob Hannover mit seiner Frau Suesse auf die Hochzeit gekommen und sonst viele fremde Leute, so daß es gar eine vornehme Hochzeit gewesen ist. Es sind mir in demselben Jahr mehr als zehntausend Reichstaler Banco aus den Händen gekommen. Gelobt sei Gott, der gibt und nimmt, der getreue Gott, der unseren Schaden allemal wieder so reichlich ersetzt. Und wollte Gott – er sei gelobt – er hätte mir die Krone meines Hauptes gelassen, es wäre kein glücklicheres Ehepaar in der Welt gewesen.

Aber um unserer Sünden willen sind all die Nöten, die der große gnädige Gott über uns beschlossen hat, und [174] er hat auch meinen Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – zu sich in das Ewige genommen in alle Vergnüglichkeit, und uns in der vergänglichen mühseligen Welt gelassen. Und ist der Schöpfer zu bitten, daß unser Ende nach seinem Willen und Wohlgefallen sein soll und wenn es dem Höchsten dann beliebt und wohlgefällig ist, uns in das Paradies zu bringen. Amen.

Nachdem mein Mann, wie ihr gehört, wieder von Hannover gekommen ist und der Nachlaß von seinem Vater – das Andenken des Gerechten gesegnet – geteilt war, ist es ungefähr zwölf Wochen nach dem Tode seines Vaters gewesen.

So bin ich schwanger gewesen mit meinem Sohn Reb Josef. Die ganze Zeit, da ich getragen habe, hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – immer gehofft, daß ich einen Sohn haben werde, damit er seines Vaters Namen wieder bekommt, was auch, Gott sei Dank, geschehen ist.

Und ich will meinen lieben Kindern hierbei ein Exempel schreiben, das Wahrheit ist. Falls junge Weiber schwanger sind, und sie sehen etwas von Früchten oder sonst etwas, sei es was es sei, was sie sehen, was Essensspeise ist und sie darauf nur irgend einen Gedanken haben, dann sollen sie nicht davongehen. Sie sollen davon essen und nicht ihren dummen Köpfen folgen wollen und sagen: »ei, es wird ihr nichts schaden«. Es kann – Gott behüte – Lebensgefahr darauf stehn. Außerdem kann – Gott behüte – das Kind im Mutterleib auch entstellt werden, gleichwie ich es an mir selbst gefunden habe.

Ich habe all mein Lebtag über die Weiber gespottet und gelacht, wenn ich gehört habe, daß eine Frau nach etwas gelüstet hat und es hätte Schaden getan. Ich hab ganz keinen Glauben daran haben wollen. Im Gegenteil, oft und oft, wenn ich schwanger war und ich bin über den Markt gegangen und habe alle schönen Früchte gesehen, habe ich sehr wohl gemarktet, und wenn sie mir zu teuer [175] gewesen sind, habe ich sie stehen lassen. Und in Wahrheit, das hat mir keinen Schaden getan.

Aber nicht alle Zeiten sind gleich. Das bin ich jetzt, als ich meinen Sohn Reb Josef getragen habe, ganz anders gewahr worden. Denn es hat sich zugetragen, als ich mit meinem Sohn Reb Josef im neunten Monat war, daß meine Mutter etwas bei einem Advokaten zu tun gehabt hat, der auf dem Pferdemarkt gewohnt hat. So bittet mich meine Mutter, ob ich nicht mit ihr gehen könnte, wiewohl solches gar ein weiter Weg von meinem Hause gewesen ist. Es ist kurz vor dem Nachmittagsgebet gewesen, und ist im Anfang des Monates Kislew gewesen. Ich hab es meiner Mutter nicht abschlagen können, da ich noch ganz frisch gewesen bin.

Also bin ich mit meiner Mutter in die Stadt gegangen. Wie wir bald zu dem Advokaten seinem Haus kommen, gegenüber da wohnt eine Frau, die hat Mispeln zu verkaufen. Ich hab die Mispeln allezeit gar gern gegessen. Also sag ich zu meiner Mutter: »Mutter, vergiß doch nicht, wenn wir wieder zurückgehen, will ich welche von den Mispeln kaufen.«

Nun, wir gingen fort zu dem Advokaten und verrichten, was wir zu tun gehabt haben. Wie wir aber fertig sind, ist es sehr spät gewesen und schier Nacht gewesen, daß wir also unseres Weges sind vor uns gegangen und beide an die Mispeln vergessen haben. Wie ich nun nach Hause komme, fange ich an, an die Mispeln zu denken, und denk in mir selber, und es tut mir bang, daß ich vergessen habe, die Mispeln zu kaufen. Doch hab ich es eben nicht groß geachtet, nicht mehr, als wenn einer etwas gerne ißt, das er nicht hat. Abends hab ich mich gut und wohlgemut gelegt. Aber nach Mitternacht hab ich Wehen bekommen und die Hebamme holen lassen müssen und einen jungen Sohn bekommen.

Man hat meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – gleich das Botenbrot gesagt,[7] welcher [176] eine große Freude gehabt hat, daß er den Namen seines frommen Vaters – das Andenken des Gerechten gesegnet – so schnell wieder gehabt hat. Aber den Weibern, die bei meinen Kindesnöten bei mir gewesen sind, habe ich angesehen, daß sie die Köpfe mächtig zusammengesteckt haben und mächtig sehr geheimnisvoll geredet. Ich wollte nicht nachlassen und wollte wissen, was los ist. Endlich hat man mir gesagt, daß das Kind über seinen ganzen Leib und den Kopf voll brauner Flecken wär; sie haben mir ein Licht an mein Bett bringen müssen, daß ich es gesehen hab. Nicht allein, daß das Kind voll solcher Flecken gewesen ist, es ist dagelegen wie ein Häufchen Lumpen und hat nicht Hand noch Fuß gerührt, als wenn ihm sollte, Gott bewahre, gleich die Seele ausgehn. Es hat nicht saugen wollen und nicht sein Maul auftun.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat solches auch gesehen, und wir haben uns sehr gegrämt. Solches alles ist Mittwoch in der Nacht geschehen, und am Donnerstag danach hätte sollen die Beschneidung sein, aber wir haben keine Apparence dazu gesehn, denn das Kind ist täglich schlaffer geworden.

Also ist der Sabbat gekommen, wir haben zwar für Freitag zu Nacht den Empfang abgehalten, haben aber keine Besserung an dem Kind gespürt. Am Sabbat Ausgang, als mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – Wochenweihe gemacht hatte, ist meine Mutter bei mir gewesen. So sag ich zu meiner Mutter: »Mutter, ich bitte dich, laß mir meine Sabbatsfrau zu mir kommen, ich will sie wegschicken.«

Also fragt mich meine Mutter, wohin ich sie schicken wollte. Sag ich zu meiner Mutter: »Ich hab mich die ganze Zeit bedacht, was das doch mit dem Kind mit den Flecken ist, und daß es so schlaff ist. So hab ich mir überlegt, ob es nicht Schuld ist, daß ich nach den Mispeln gelüstet habe und hab sie nicht bekommen können. Und wirklich bin ich ja dieselbe Nacht ins Kindbett gekommen. Ich will die Frau hinschicken, sie soll mir für ein paar Schilling Mispeln [177] holen. Ich will dem Kind ein bisselchen davon in den Mund streichen. Vielleicht wird Gott – er sei gelobt – sich erbarmen und seine Hilfe geben, daß es besser wird.«

Meine Mutter ist sehr bös auf mich gewesen und hat gesagt: »Ewig hast du solche Possen in deinem Kopf. Es ist ein Wetter, als wenn Himmel und Erde zusammenfallen sollten und die Frau wird in dem Wetter gewiß nicht hingehen. Und es ist auch man eitel dummes Zeug.« Also sag ich: »Meine liebe Mutter, tut mir den Gefallen und schickt die Frau hin. Ich will ihr geben, was sie verlangt, nur daß ich die Mispeln bekomme. Mein Herz ist sonst nicht ruhig.«

Also haben wir die Frau rufen lassen und sie hingeschickt, sie sollte etliche Mispeln holen. Nun, die Frau ist hingelaufen, es ist ein weiter Weg gewesen, und ist in der Nacht ein Wetter gewesen, daß man keinen Hund sollte hinausjagen. Die Zeit ist mir gar lang gewesen, bevor die Frau wieder gekommen ist – wie es doch immer ist: wenn man ein Ding gern hätte, dann währt einem jeder Augenblick eine Stunde lang.

Endlich ist die Frau gekommen und hat die Mispeln gebracht.

Nun weiß man wohl, daß die Mispeln kein Essen für so ein Kind sind, denn sie schmecken säuerlich. Also hab ich meiner Wartfrau befohlen, sie sollt das Kind aufwickeln und sich mit dem Kind vor den Ofen setzen und soll ihm ein bisselchen von den weichen Mispeln in den Mund streichen.

Obschon mich alle wegen meiner Dummheit ausgelacht haben, so hab ich doch darauf verblieben und sie hat dasselbe tun müssen. Wie die Wartfrau dem Kind von den sauren Mispeln ins Mäulchen streicht, tut das Kind sein Mäulchen so begierig auf, als wenn es alles auf einmal hineinschlucken wollte und saugt also begierig hinab das Weiche von einer ganzen Mispel, nachdem es doch zuvor nicht sein Mäulchen auftun wollte, um einen Tropfen Milch oder sonst ein Zuckerpäppchen, wie man den Kindern macht, zu sich zu ziehen. [178] Darauf gibt mir die Wartfrau das Kind auf mein Bett, um zu sehen, ob es saugen will. Alsobald, als das Kind an die Brust kommt, fängt es stracks an zu saugen, wie ein Kind von einem Vierteljahr, und von damals an bis zur Beschneidung sind auch alle Flecken von seinem Körper und Gesicht weg gewesen. Außer einem Flecken, der ihm an seiner Seite stehen geblieben ist, und der so groß ist, wie eine breite Linse. Und das Kind ist bis zu seiner Beschneidung frisch und gesund gewesen und ein wohlgestaltes Kind, welches man zur rechten Zeit gejüdischt hat. Es ist ein gar vornehmes Beschneidungsmahl gewesen, wie es in langer Zeit nicht in Hamburg gewesen ist. Und obschon wir damals durch einen Bankrott 1000 Mark Banco von dem Portugiesen Isaak Vas[8] verloren haben, so hat mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – alles nicht geachtet vor Freude, daß ihm der Sohn geboren gewesen.

Also meine lieben Kinder, es ist zu sehen, daß es nicht lauter Irrtum ist mit Weibergelüsten und man soll es nicht allezeit verachten.

Nach der Zeit bin ich wieder mit einem Kind schwanger geworden, womit es mir sehr übel ergangen ist. Denn als ich im siebenten Monat war, so hab ich – Gott bewahre, es bleibe fern von uns – ein Wechselfieber bekommen, welches sehr unnatürlich gewesen ist. Wenn ich es morgens bekommen hab, hab ich vier ganze Stunden kalt gehabt und danach vier Stunden Hitze bekommen, danach hab ich vier Stunden mit Verlaub Schweiß bekommen, welches mir noch ärger als Hitze und Kälte gewesen ist.

Nun ist wohl zu bedenken, wie mich das abgemartert hat. Ich hab keinen Bissen essen können, obschon man mir alle köstlichen Leckerbissen gebracht hat.

Einmal bittet mich mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ich sollt doch mit ihm ein wenig auf den Wall gehen, welcher nicht weit von unserem Haus [179] gewesen ist, da es Sommertag und sehr schönes Wetter gewesen ist, um mich ein wenig zu divertieren, und damit mir nachher das Essen besser schmecken werde.

Also sag ich: »Ihr wißt ja wohl, daß ich nicht die Kraft habe, um zu gehen.« So sagt der liebe Mann: »Ich und die Wärterin wollen dich führen.«

Also hab ich mich überreden lassen und hab mich so auf den Wall führen lassen und mich auf das grüne Gras niedersetzen lassen.

Inzwischen wir aus gewesen sind, hat mein Mann Todros bestellt gehabt, welcher ein Koch bei Texeira gewesen ist und hat ein Essen bereiten lassen, das würdig gewesen ist, auf dem Tisch des Königs zu stehen, und hatte befohlen, wenn es fertig ist, sollte man uns heimrufen, welches auch geschehen ist, und mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat gedacht, wenn ich nach Hause kommen werde und mein Tisch wird ohne mein Wissen gar schön gedeckt sein und ich werde ein so vornehmes Mahl finden, dann werde ich Appetit zum Essen kriegen.

Aber mein Gott und Herr! Sobald ich nach Hause gekommen bin und ich in das Zimmer gekommen bin, in dem das Essen gestanden hat, ist mir gleich eine Ohnmacht angewandelt, sobald ich es nur gerochen hab, und habe um der Barmherzigkeit willen gebeten, mich oder das Essen aus dem Zimmer zu tun.

So habe ich mich ganze zwei Monate gequält, daß ich keine Kraft oder Macht in mir gehabt habe und mir oft gedacht habe: »Lieber Herr, wenn meine Zeit kommen wird, daß ich mein Kind haben soll, dann hab ich weder Kraft noch Macht, mir zu helfen.«

Aber als es zu der Zeit gekommen ist, da ich mein Kind hab sollen zur Welt bringen, so hat mir der getreue Gott so gnädiglich geholfen, daß ich das Kind fast sonder Schmerzen gehabt habe, als wenn es von mir gefallen wäre. Ob nun solches die große Hitze getan hat, die ich stets in mir gehabt hab, und das liebe Kind so schnell von [180] mir getrieben hat? Da nun das liebe Kind auf die Welt gekommen war, ist es zwar ein schönes, wohlgestaltes Kind gewesen, aber das Kind hat leider bald – es bleibe fern von uns – gleich mir das Fieber gehabt.

Obschon wir nun Doktores und alle menschliche Hilfe gern angewandt haben, so hat solches doch alles nicht helfen wollen. Es hat sich also vierzehn Tage in dieser Welt gequält, und danach hat es Gott – er sei gelobt – zu sich genommen und seinen Anteil wieder zu sich an seinen Ort gebracht und uns unseren betrübten lehmgeschaffenen Anteil vor uns liegen lassen und mich eine betrübte Kindbetterin ohne Kind gelassen. Ich habe noch zwei-, dreimal Anfälle von dem Fieber gehabt, aber bevor ich aus dem Kindbett gekommen bin, bin ich frisch und gesund gewesen. Danach bin ich mit meiner Tochter Hendelchen ins Kindbett gekommen. Zwei Jahre danach mit meinem Sohn Sanwel, auch mit meinem Sohn Reb Moses, mit meiner Tochter Freudchen und mit meiner Tochter Mirjam, welche beiden Jüngsten ihren Vater nicht viel gekannt haben.

Was soll ich viel schreiben, was zwischen der Zeit passiert ist. Denn alle zwei Jahre hab ich ein Kind gehabt und mich viel gequält, wie die Ordnung ist, wenn man so ein Häuschen mit Kindern beisammen – Gott behüte sie – hat. Und wir haben allezeit gedacht, daß kein Mensch schwerere Last hätte und sich mehr mit Kindern geplagt hätte als ich. Aber ich Unverständige habe nicht gewußt, wie mir so wohl gewesen ist, wenn ich meine Kinderchen um meinen Tisch sitzen gehabt hab, »wie Oelbaumsprossen um deinen Tisch herum«. Nun, was soll man tun, »meiner Sünden gedenk ich.«

Nun, meine herzlieben Kinder, da seht ihr die Geschichte eures Vaters Reb Chajim Hameln – das Andenken des Gerechten gesegnet. Wie gut und wie schön wäre es gewesen, wenn uns Gott – er sei gelobt – beisammen gelassen hätte, daß wir unsere Kinderchen hätten unter den Trauhimmel geführt. Aber was soll ich sagen und was soll ich sprechen! Meine Sünden haben das verursacht – ich Sündigerin hab [181] es nicht verdient. Also alles Gott – er sei gelobt – befohlen, wie weiter folgen wird.

Mein Sohn Reb Mordechai ist aufgewachsen, gar ein schöner Jüngling geworden und gar ein geratenes, feines Kind. Gott, der soll es ihm bezahlen, wie er das »Ehre Vater und Mutter« gehalten. In Summa ist er in allen Sachen wohl geraten gewesen. Er ist mit meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – in Leipzig gewesen, und wie dieser die Krankheit Kolik bekommen hat, haben alle Leute, die in Leipzig gewesen sind, nicht Wunder genug zu sagen gewußt, was er alles an seinem Vater getan hat. Die ganze Nacht ist er über ihm gelegen, hat fast nicht geschlafen, nicht gegessen oder getrunken; ist zwar seine Schuldigkeit gewesen, bei seinem Vater so zu tun, aber mein Sohn ist noch gar jung gewesen. Nun, Gott – er sei gelobt – hat ihm geholfen, daß sie zu Gutem wieder zusammen gesund heimgekommen sind.

Nun, mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – ist kein starker Mann gewesen. Deshalb hat er sich geeilt, die Kinder – sie sollen leben – zu verheiraten, und den Tag besorgt, der uns leider begegnet ist. Also ist mein Sohn Reb Mordechai verlobt gewesen mit der Tochter des reichen Vorstehers Reb Moses, dem Sohn des Reb Nathan.

Mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – hat ihm zweitausend Reichstaler dänische Kronen mitgegeben, und Reb Moses, der Sohn des Reb Nathan hat seiner Tochter dreitausend Reichstaler in dänischen Kronen gegeben. Die Hochzeit haben wir zusammen auf unser beider Kosten gemacht. Sie hat uns zusammen ungefähr dreihundert Reichstaler gekostet. Wir haben ihnen zwei Jahre Kost gegeben und ihn mit seiner Frau bei mir gehabt. Aber kein halbes Jahr danach ist leider für meinen Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – seine Zeit gekommen und unser Maß von Sünden ist voll gewesen, daß Gott – er sei gelobt – meinen frommen Mann – das Andenken [182] des Gerechten gesegnet – genommen hat, die Krone unseres Hauptes.

Im Jahre 1689 ist der Zorn Gottes – gelobt sei er – auf uns gekommen und er hat das Teuerste weggenommen, indem mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – leider gestorben ist und mich mit acht Waisen hat sitzen lassen. Auch die vier verheirateten Kinder hätten ihren getreuen Vater noch gar nötig gehabt. Nun, was soll ich reden, und was soll ich sagen! Gott hat unsere Sünde getroffen.

So einen lieben Mann und meine Kinder, so einen braven, reinen, frommen Vater zu verlieren und uns wie eine Herde ohne Hirten zu lassen!

Ich hab mir als gedacht, ich werd so glückselig und die erste sein, und daß Gott mich zuerst würde zu sich nehmen, denn ich bin allezeit zu Lebzeiten von meinem Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – kränklich gewesen. Und wenn mir was gefehlt hat, dann hat sich der fromme Mann allezeit gewünscht, daß er möchte der erste sein, denn er hat allezeit gesagt: »was sollte ich mit den lieben Kindern tun?« welche er so gar überaus herzlich geliebt hat. Aber es ist scheinbarlich zu sehen, daß es seine Frömmigkeit gewesen ist, daß ihn Gott – er sei gelobt – früher von der Welt genommen hat, daß er – er ruhe in Frieden – in Reichtum und Ehre gestorben ist und nichts Böses vor sich gesehen hat. Er hat großen Reichtum gehabt, und seine Kinder, die er verheiratet hat, hat er in Reichtum und Ehre verheiratet. Er – er ruhe in Frieden – ist selber ein wackerer, weit bekannter Mann gewesen und also von dieser Welt in Reichtum und Ehre geschieden. Er hat seinen Kindern gelassen, daß sie haben ehrlich zurechtkommen können, und man kann von ihm sagen, daß er glücklich gestorben ist, wie Solon in seiner Geschichte gesagt hat.

Mich hat er leider in Elend gelassen und mir ist täglich neues Unglück geschehen, womit ich ordentlich mein fünftes Buch anfangen werde, welches leider ein Buch wie das Klagelied um Zion ist und ein bitter schreiendes Buch. [183] Obschon mir mein Mann – das Andenken des Gerechten gesegnet – Geld und Gut genug gelassen hat, so ist doch alles gegen den großen Verlust nicht zu rechnen gewesen.

Nun wollen wir das vierte Buch schließen. Gott soll uns erfreuen in den Tagen unserer Not und du einziger Gott wollest dich über meine Waisen erbarmen. Amen und Amen.

Ende vom vierten Buch.
  1. Ausgestoßen.
  2. Das hebräische Wort für »sie« ist »hja« (sprich: hie). Die folgende Deutung schließt an das h als den Anfangsbuchstaben von Hillel, j als den Anfangsbuchstaben von Josef und das Aleph als den Anfangsbuchstaben von Elieser (nach jüdischer Orthographie) an.
  3. ? Vielleicht ein Sefardi Ulhoa.
  4. Bei Kaufmann »Todelche« ohne Identifikation.
  5. Der Wiener Hoffaktor Samuel Oppenheimer.
  6. 30. Jänner 1677.
  7. Vergl. Seite 53.
  8. Vermutlich identisch mit dem am 15. Cheschwan 1728 verstorbenen Isaak Vas de Miranda. (Vergl. M. Grünwald: »Portugiesengräber«, S. 126.)

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: kaben


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