Die Sage vom Baldreit

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Sage vom Baldreit
Untertitel: {{{SUBTITEL}}}
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 208–209
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[208]
Die Sage vom Baldreit.

Der Name Baldreit rührt von einem erlauchten Kurgaste her, der einst, gichtbrüchig in einer Sänfte ins Bad gekommen, unvermuthet bald von dannen geritten ist. Früh Morgens vor Sonnenaufgang ist der Fürst (ein Pfälzer) frisch und fröhlich erwacht, ohne Schmerz und Weh; da hat er seine, gleichsam neugebornen Gliedmaßen in sein Festgewand gehüllt, ist leisen [209] Trittes in den Stall gegangen, um sein Lieblingsroß zu satteln, und wie er, dem Knechte rufend, das vor Lust laut wiehernde und stampfende Thier in den Hof zieht, um aufzusitzen, da erwachen Wirthsleute und Gäste. Schon hat der Fürst, der gestern noch am Krückenstock einherhinkte, den linken Fuß im Bügel: der Wirth macht am Fenster in seiner Schlafstube ein so verblüfftes Gesicht, als nur je einer seines Gleichen gemacht haben mag; die Wirthin bezeigt ihm von hinterrücks ihren Unwillen, daß er das Aufstehen des hohen Gastes verschlief; der Hausknecht aber kann nicht schnell genug die Thorflügel aufreißen, denn im nächsten Augenblick wird der freisame Reitersmann in raschem Schwung auf dem muthigen Roß sitzen, und dann ist kein Halt mehr, sondern fort geht es, und des Herrn kräftige Stimme gehört dazu, daß nicht unter dem Getöse sein lachendes Wort: „Wie bald reit’ ich doch!“ verhalle. Nur die erste und die zwei letzten Silben wurden nicht gehört, und die Herberge heißt seitdem zum Baldreit; doch kehren längst schon keine Fürsten und Herren mehr darinnen ein, und von allem Glanz blieb nur der Namen übrig, der, nebenbei bemerkt, im Munde des Volkes sehr häufig „Baldreich“ lautet, was für ein Armenbad spaßhaft genug klingt. Wenn jedes Gasthaus in Baden den Namen davon führte, daß ein Gast unvermuthet schnell sich auf und davon gemacht hat, dann gäb’ es keinen Hof und keinen Schild mehr, sondern überall die Aufschrift: zum Baldfahr oder Baldlauf; aber beim Baldreit war eben das Wunderbare, daß der Gast durchgegangen ist, und dennoch seine Zeche bezahlt hat.

(Karlsruher Zeitungs-Corresp. vom 1. Juli 1845.)