Fremersberg

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Textdaten
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Autor: Georg Zetter
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Titel: Fremersberg
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aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 209–212
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[209]
Fremersberg.

Der Teufel ist ein eigner Degen;
Einst wollt’ er auch, wie große Herrn,
Der süßen Frühlingsruhe pflegen
Auf einem Berg, der Hölle fern.

5
Bald war der Lustsitz auserkoren:

Ein schmuckes Schloß mit Thurm und Schanz’,

[210]

Das sah mit seinen hohen Thoren
So recht in’s Herz des Schwabenlands,
Und rings ein Wall von grünen Bäumen,

10
Durchschallt von frischem Drosselschlag, –

Viel’ tausend Blumen in den Räumen –
Es war ein Plätzchen, wie’s in Träumen
Das Herz sich gern erschaffen mag.

Bald war der Hofstaat ganz bequemlich

15
Im alten Schlosse einquartiert.

Dem Teufelspack gefiels vornehmlich,
Und Jeder lebte ungenirt.
Wer nennt sie Alle, die da kamen,
Die Herren mit und ohne Namen?

20
Die Fürstlein und die Excellenzen,

Die Hochgeöhrten mit den Schwänzen,
Die Dirnen mit entlaubten Kränzen,
Die Herrn Magister und Diplomaten,
Die Herrn Minister und Magistraten,

25
Und all den Plunder von Teufelsgnaden?

Wer kennt sie alle die kleinen Fräckchen,
Wer kennt sie alle die kleinen Geckchen,
Die Dummen und die Schlauklugen,
Sammt Denen, die als Sündenfleckchen

30
Noch die Tonsur zur Schau trugen?


Da war ein Jubel sonder Ende,
Und jede Nacht zum Tag erhellt;
Es war, als hätten Geisterhände
Des alten Brocken Felsenwände

35
Im Schwabenlande aufgestellt.

Die rothen Feuergarben flogen
Versengend in das Thal hinein,
Die Sterne selbst am Himmelsbogen
Erglühten in dem Höllenschein.

40
Schwarzgraue Katzenweiber hocken

Miauend an der dunkeln Glut,
Des Teufels Mutter dreht am Rocken

[211]

Die glüh’nden Fäden mit Frohlocken
Und singt ein Sprüchlein wohlgemuth.

45
Rothaugige Teufelsdirnen lesen

Im dichten Walde Reisig auf,
Die Einen binden ihn zu Besen,
Die Andern schneiden Fratzen drauf;
Denn auf dem Besen, wie bekannt,

50
Macht gern der Herr den Ritt in’s Land.

Hui, welche Lust, wenn solch ein Pferd
Mit Pruhsten in die Lüfte fährt,
Bis es, von einem Stern entzündet,
Als glüh’nde Asch’ im All verschwindet,

55
Und man den Reiter mit tollen Fratzen

Kopfüber sieht zur Erde platzen!
So geht es, bis der Morgenstrahl
Ein Ziel dem tollen Spuke setzt.
Was Wunder, daß das Volk im Thal

60
Ob solchem Graus, ob solcher Qual,

Im tiefsten Herzen sich entsetzt?
Da ward berathen und gesonnen:
„Wie wenden wir’s zu dieser Frist?
Versieget ist der Segensbronnen,

65
Was wir gewonnen, ist zerronnen,

Die Hölle hält uns rings umsponnen,
Hilf uns, Marie! hilf, Jesu Christ!“

Und sieh! da ward zu guter Stunde
Ein gutes Wort in’s Werk gesetzt:

70
Ein Kirchlein bau’n sie auf dem Grunde,

Wo sich die Hölle müd’ gehetzt;
Ha, wie die Kuppel glänzt und loht
Im Morgen- und im Abendroth!
Und aus dem Thale ziehn die Schaaren

75
Mit baarem Haupt den Berg hinan,

Voran ein Greis mit Silberhaaren,
Ein Priester, festlich angethan;
Zwei Knaben, Kreuze tragend, schreiten
Im weißen Chorhemd ihm zur Seiten. –

[212]
80
Der Teufel lauscht im nahen Hag,

Und eh’ er ahnt, was kommen mag,
Ist er, durch Kreuzeskraft, zu Hand
Tief in die Thalschlucht schon gebannt.
Horch, wie er ächzt! ihn drückt die Last,

85
Ihn drückt der Fluch zu Boden fast. –

Und sieh’! da kehrt zur selben Stunde
Ein neuer, schöner Frühling ein;
Es lenzt und schwillt in jedem Grunde,
Die Blumen wuchern in die Runde,

90
Und Nachtigallen schlagen drein.


Und steht ihr auf des Schlosses Wall
Und späht hinab ins grüne Thal,
Wo sich, in hoher Berge Mitten,
Die Bäume ihrer Frucht entschütten,

95
So hört ihr wohl ein ängstlich Klagen

Dumpf an die Felsenwände schlagen;
Den Sturmwind, meint ihr? – Wollt erlauben
Das ist des Teufels Racheschnauben.

Friedrich Otte (Zetter)
(zu Mühlhausen im Elsaß).