Die Sage vom Schloß Wieladingen

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Textdaten
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Autor: Joseph Anton Rueb
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Titel: Die Sage vom Schloß Wieladingen
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 152–154
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Originaltitel:
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Quelle: Commons und Google
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[152]
Die Sage vom Schloß Wieladingen.

Oberhalb dem waldigen Thale der Hauensteiner Murg, ungefähr eine Stunde vor ihrer Ausmündung in den Rhein zwischen Laufenburg und Seckingen, liegt auf sonniger Höhe das Dörfchen Wieladingen und unfern davon, in wildromantischer Umgebung, befinden sich die Trümmer des gleichnamigen Schlosses der ehemaligen Herren von Wieladingen, die, wie die meisten dieser Adelsgeschlechter, schon vor dem 15. Jahrhundert erloschen und deren Namen nur diese Mauern und wenige Urkunden aus den Jahren 1268, 1297, 1314 und 1529 erhalten haben. –

Wenn der Besucher sich der Ruine naht, so wähnt er die zerrissenen Mauern und den hoch über den Wald emporragenden Thurm, der von steiler Felswand sich erhebt, jeden Augenblick zusammenstürzen und in das tief eingeschnittene, schluchtenartige Thal, durch welches die Murg in ihrem mit Felsblöcken angefüllten Bette tosend dahinschäumt, hinabsinken zu sehen. Möchte dieses auch von den zum Theil noch in halber Höhe stehenden Ring- und Burghof-Mauern eher eintreffen, so ist dies doch keineswegs der Fall bei dem aus mächtigen, theils länglich, theils viereckig behauenen Granitbruchsteinen ausgeführten Thurm, der 112 Fuß im Umfang und etwa eben so viel in der Höhe haltend, obgleich der schützenden Bedeckung beraubt und, wie ein Theil des übrigen Mauerwerks, mit Nadel- und Laubholz malerisch bewachsen, noch wenig Spuren drohenden Verfalles zeigt, und wenn nicht Menschenhände seine [153] Vernichtung herbeiführen, noch Jahrhunderte allen zerstörenden Natureinflüssen trotzen wird.

Von diesem einstigen Schlosse hat man folgende Sage:

Die Bewohner dieser in frühern Zeiten von dichten Waldungen umgebenen Burg waren Raubritter, die, begünstigt durch ihre Lage und so nahe dem durch Verkehr belebten Rheinthale, ein sträfliches, jedoch für sie einträgliches Gewerbe trieben. Einer derselben besaß eine Tochter, die allgemein als Musterbild weiblicher Vollkommenheit sowohl an Geist als Körper galt, ohne daß jedoch Bewerber um sie sich eingefunden und anzumelden getraut hätten, weil sie der Habsucht des Vaters willkommene Beute geworden wären. – Auch der Sohn eines angesehenen, entfernter wohnenden Ritters hörte von der schönen Tochter des Wegelagerers im Murgthale und faßte den Entschluß, verkleidet und als armer Fremdling dieselbe zu sehen und kennen zu lernen. Es gelang ihm, in das Schloß aufgenommen zu werden und einige Tage Aufenthalt darin zu erlangen, während welcher Zeit er Gelegenheit fand, des Schloßbewohners einzige Tochter zu sehen, ja sie einmal selbst ohne Zeugen zu sprechen, wobei er sich zu erkennen gab und, hingerissen von ihrer Schönheit und Huld, ihr offen seine innige Liebe gestand. Auch die Jungfrau schien für den schlanken kräftigen Jüngling Zuneigung zu fühlen und beide gelobten sich unverbrüchliche Treue. Der junge Ritter ging wieder in seine Heimath zurück und machte hierauf verschiedene Kriegszüge mit, nach deren Beendigung ihn eine unwiderstehliche Sehnsucht nach der holden Bewohnerin des Schlosses Wieladingen ergriff. Er gelobte eine wohlthätige Stiftung zu gründen, wenn er die Geliebte seines Herzens noch gesund und unwandelbar in ihrer Treue finden würde, doch als er daselbst ankam, fand er das Schloß zerstört, als gerechte Strafe für die verübten Raub- und Gewaltthaten des zügellosen Bewohners desselben; weil es, wie man ihm erzählte, der Ritter nicht habe übergeben wollen, sei es zuletzt angezündet worden, wobei sämmtliche Bewohner, darunter auch die Tochter, theils durch das Schwert, theils in den Flammen ihren Tod gefunden. Als der junge Ritter den Tod seiner Geliebten vernahm, rannte er im ersten Anfall der Verzweiflung noch einmal zum zerstörten Schlosse zurück [154] und stürzte sich von da in die Wellen der wildfluthenden Murg hinab, die ihn für immer verschlangen. Sein Geist soll aber bis heute in der Gegend umirren, denn oftmals sehe man eine edle Gestalt den Wald durchziehen und händeringend zur öden Burgruine hinaufjammern. Doch thue der Geist nie Jemanden Etwas zu Leid, es schiene vielmehr, als ob er die Menschen fliehe. Daß er so lange umgehe, sagen die Leute, käme daher, weil sein Gelübde zur Gründung einer wohlthätigen Stiftung nicht erfüllt worden sey.

Klein-Laufenburg. Joseph Anton Rueb.