Die Schlacht auf den katalaunischen Feldern

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Titel: Die Schlacht auf den katalaunischen Feldern
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 34,35
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[04]
Die Gartenlaube (1892) b 004.jpg

Thorismund wird nach der Schlacht auf den katalaunischen Feldern von den Westgothen zum König erhoben.
Nach einer Zeichnung von A. Zick.

[34] Die Schlacht auf den katalaunischen Feldern. (Zu dem Bilde S. 4 und 5.) Seit dem Jahre 434 saß hinten im heutigen Ungarn, zwischen Donau und Theiß, in einem großen befestigten Lager Attila, der Sohn Mundzuks, als der Oberherrscher des gewaltigen Hunnenreiches und der ihm unterworfenen germanischen und slavischen Völker. Lange mochte der eroberungssüchtige Fürst nach einem Vorwand gespäht haben, die Reiche des Westens zu überfallen – als sich ihm endlich, etwa um das Jahr 450 eine Gelegenheit dazu bot.

Im Herbste sammelte er sein Heer. Donauaufwärts ging der Zug, dann von Regensburg an den Rhein, der im Frühling 451 überschritten ward. Am 6. April wurde Metz verbrannt, im Juni Orleans belagert. Indessen hatte der römische Feldherr Aëtius, der Befehlshaber über den letzten Rest römischen Staatsgebiets in Gallien, ein nicht unbeträchtliches Heer aus Römern, Franken, Burgundern und Alanen zusammengebracht. Aber er konnte gegen Attila doch das Feld nicht halten, wenn er nicht von den mächtigen Westgoten Unterstützung erhielt, und diese zögerten merkwürdig lange. Erst als die Gefahr ganz nahe war, schlossen sie mit Aëtius ein Bündniß, ihr Heer trat aber nicht unter seinen Befehl, es blieb unter dem seines eigenen Königs Theoderich.

In der weiten Ebene der „katalaunischen Gefilde“ sammelte dann Attila seine gesammte Macht zur entscheidenden Schlacht. Lange wogte der Kampf unentschieden hin und her. Da fiel König Theoderich, und nun kannte die Wut der Westgothen keine Grenzen mehr. In vernichtendem Sturme warfen sie alles vor sich nieder, fast wäre es ihnen gelungen, Attila selbst niederzumachen, bis in die Nacht hinein tobte der Streit. Manche Abtheilung gerieth [35] in der Hitze des Gefechts mitten unter die Feinde, und auch Thorismund, Theoderichs Sohn, verirrte sich bis dicht vor Attilas Lager, das er für das gothische hielt. Alsbald war er von einer Ueberzahl umringt, aber er wehrte sich tapfer und schlug sich, obwohl verwundet, sammt seiner Begleitung durch.

Attila hatte sich in sein Lager zurückgezogen, er war besiegt, aber nicht überwunden, es hätte noch viel Arbeit gegeben, hätte man ihn vernichten wollen. Aber das sollte nicht sein, und daß es ihm gelang, mit den noch immer ansehnlichen Resten seines Heeres fast ungestört zu entkommen, daran trug das Ereigniß mit die Schuld, welches der Künstler auf unserem Bilde wiedergegeben hat.

Noch auf dem Schlachtfelde hatten die Gothen an der Stelle des gefallenen Theoderich dessen Sohn Thorismund zum König ausgerufen, indem sie, von dem Rechte des bewaffneten Volkes Gebrauch machend, ihn nach alter Sitte auf einen Schild erhoben und ihn so auf lebendigem Throne allem Heeresvolke zeigten, während dieses zum Zeichen des Beifalls in laute Zurufe ausbrach und mit den Speeren und Schwertern gegen die Schilde schlug. Thorismund, dessen Tapferkeit sich eben noch so glänzend bewiesen hatte, mag dieser Ehre vollauf würdig gewesen sein. Indessen er war wohl der älteste, aber nicht der einzige Sohn seines Vaters, ein Bruder hatte in der Schlacht mitgekämpft und vier saßen zu Hause in Toulouse. Das Recht der Erstgeburt war damals in den germanischen Reichen keineswegs maßgebend für die Thronfolge. So mochte Thorismund nicht sicher sein, ob auch alle die ihm in einer zwar althergebrachten, aber doch tumultuarischen Weise übertragene Königswürde anerkennen würden. Darum zog er mit seinen Mannen ab, und Attila konnte sich soweit erholen, daß er im darauffolgenden Jahre Italien selbst seinen unheimlichen Besuch abzustatten vermochte.

Wie gut aber Thorismund seine Brüder kannte, das zeigte sich bald. Nur zwei Jahre nach der grossen Schlacht wurde er von zweien derselben erschlagen!