Die Stiftung von Heiligkreuz

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Textdaten
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Autor: Zimmermann
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Titel: Die Stiftung von Heiligkreuz
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 469–473
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Die Stiftung von Heiligkreuz.

Drei Stunden von Heidelberg, und eine Stunde von Weinheim, an der herrlichen Bergstraße, liegt das Dorf Großsachsen, welches sich bis in das liebliche Thälchen „Heiligkreuzerthal“ genannt, erstrecket. Ein sehr angenehmer Weg, links dichtes Gebüsch, in welchem sich hunderte von Nachtigallen hören lassen, rechts der „Apfelbach“ mit mehreren schönen Mühlen und grünenden Wiesen, führet in das, eine halbe Stunde entfernte, von Bergen eingeschlossene Dörflein „Heiligkreuz.“ Am Eingange des Dörfleins, rechts, vom Bache bespült und vom Friedhofe umgeben, stehet die Kirche, wovon das Chor und der Thurm aus alten Zeiten herstammen.

Von der Entstehung dieser Kirche, geht folgende Sage:

Zur Zeit, als Deutschlands Grenze durch Ludwig XIV. noch nicht geschmälert worden und das starke Straßburg noch von Deutschen besetzt war, lebte in dem oben beschriebenen [470] Thale, wo jetzt die Kirche steht, ein Bauer, welcher einen einzigen Sohn hatte. Wie es heute dort noch gebräuchlich ist, so hatte auch dieser schon, in einem Nebenbau, seine Taglöhnerfamilie wohnen. Trotz dem Unterschiede des Reichen und Armen, des Herrn und Taglöhners, lebten sie miteinander in gutmüthiger, altdeutscher Redlichkeit. Des Bauern Sohn „Hansjörg“ entzweite sich mit seinem Vater, lief fort, und wurde Reichssoldat. Nach zwei Jahren erfuhr der Vater, daß sein verlorener Sohn in Straßburg diene und freute sich, daß sein Einziger noch bei Leben sey.

Auch die Familie des Taglöhners nahm herzlichen Antheil an der Nachricht; besonders aber des Taglöhners einziger „Jörgnickel,“ der treue Jugendgefährte des „Hansjörgs.“

Um diese Zeit träumte nun dem „Jörgnickel,“ daß er zu Straßburg auf der Brücke einen großen Schatz gefunden hätte. Morgens erzählte er diesen Traum seinem Vater, welcher aber, da er den großen Schatz nicht sah, nichts aus dem Traume machte. Allein der Vater wurde aufmerksamer, als ihm der Sohn denselben Traum, am andern Morgen, abermals mittheilte. Bedenklicher wurde dem Vater die Sache, als er am dritten Morgen hörte, daß sein „Jörgnickel“ zum drittenmale dasselbe geträumt hatte.

Endlich besprach er sich mit seinem Sohne und sagte: „Höre! unsers Bauern Sohn, dein Kamerad „Hansjörg“ ist in Straßburg; wenn du dem Bauern sagtest, du wolltest seinen Sohn besuchen, so wird er dir gerne Geld und Fleisch, Brod und Käse mit auf den Weg geben. Findest du den Schatz, so werden wir glücklich, und findest du ihn nicht, so hast du doch Straßburg gesehen!“

Der Bauer horchte hoch auf und war über die Freundschaft zu seinem Sohn voller Freude. – Es wurde sogleich ein ganzer Zwergsack voll Dürrfleisch, Handkäse, Brod und auch Geld zusammengepackt. „Jörgnickel“ machte sich, von vielen Segenswünschen begleitet, auf den Weg und kam am dritten Tage bei Straßburg an. Anstatt des oft fürchterlichen: „Wer da?“ erscholl eine bekannte Stimme von dem Wachtposten: „Jörgnickel! grüß dich Gott!“ – Der Erstaunte sah richtig seinen Freund „Hansjörg“ mit der Hellebarte vor sich stehen.

[471] Zuerst wurden die vielen Grüße, unter Hinweisung auf den Zwergsack, ausgerichtet und dann bemerkt, daß die Wache bald abgelöst würde. Als der Posten abgelöst war und die beiden Freunde sich in der großen Stadt, in einem Wirthshause, unter Zuzug des väterlichen Mundvorraths, gütlich thaten, sprach Hansjörg: „Sage Jörgnickel, wie kamst du auf den Einfall, hierher zu gehen?“ Dieser sagte nun offen und ehrlich, daß sein dreifacher Traum die Veranlassung gewesen wäre, jedoch, daß er auf der Brücke keinen Schatz, trotz aller Aufmerksamkeit, gefunden habe. Unser Reichssoldat war schon aufgeklärt und lachte über den Traum und sprach: „Gerade so habe ich dreimal nach einander geträumt, in dem Garten meines Vaters, unter dem großen Holderstock, hätte ich einen herrlichen Schatz gefunden, und darum gehe ich doch nicht heim. Doch es ist recht, daß du hier bist. Wir wollen recht lustig seyn und dann gehest du wieder in den Odenwald, grüßest Vater, Mutter und die Deinen herzlich und sagst, daß ich nach einem Jahre komme!“ Nach zwei Tagen ging „Jörgnickel“ wieder fort, kam zur Freude der Seinigen gesund an und richtete Alles pünklich aus. – Als er mit dem Vater allein war, erzählte er, daß er keinen Schatz gefunden, aber auch von „Hansjörg“ einen ähnlichen Traum erzählt bekommen habe. – Dem Vater war die Sache nicht gleichgültig. In der Nacht nahm er sein Grabscheit, ging zu dem bekannten Holderbusche und fand einen großen, eisernen Hafen voll Geld. Dieses Geld hielt er verborgen, kaufte sich nur langsam nach und nach eigenes Gut und wurde ein vermögender Mann. Da aber sein ehemaliger Bauer und dessen Sohn gestorben waren, kaufte er auch noch dessen Gut und übergab es seinem Sohne.

Als er aber auf das Todesbett kam, ließ ihm sein Gewissen keine Ruhe und er entdeckte seinem Beichtvater, daß er ehemals in seines Bauern Garten einen großen Schatz gefunden und behalten habe. Der Beichtvater gab ihm den Trost, weil man doch nicht bestimmt wüßte, wem das Geld gehört hätte, er solle für die Ruhe seiner Seele, zu Ehren des heiligen Kreuzes, eine Kirche stiften.

Dieses geschah und somit starb der Mann beruhigt. Heutigen [472] Tages aber steht noch die Kirche und von ihr erhielt das dabei entstandene Dörflein „Heiligkreutz“ seinen Namen.

Mit dieser Sage steht aber eng in Verbindung die Sage von den „Teufelstrappen.

Es ist bekannt, daß dem Teufel nichts widerwärtiger ist, als das Kreuz. Da er aber vernahm, wie ein Bauer eine Kirche zu Ehren des heiligen Kreuzes gestiftet habe, entwarf er Pläne, wie er dieses Vorhaben hintertreiben könnte.

Was kann ein Teufel nicht? – Er merkte bald, daß der Schulze des Thälchens über das Vermächtniß des ehemaligen Taglöhners erbost war, weil er sah, wie diese Familie täglich reicher, er aber sogar ärmer wurde. Der Teufel spornte die Gläubiger des Schulzen mächtig an und als der bald ganz verarmte Schulze in die Enge getrieben war, erschien ihm Satan, als Jäger gekleidet, und brachte ihn bald dahin, einen Vertrag mit ihm einzugehen.

Der Vertrag wurde folgendermaßen abgeschlossen: Der Teufel mußte auf jedes Verlangen dem Schulzen eine jede beliebige Summe Geldes bringen, dagegen mußte der Schulze die Erbauung einer Kirche zum heiligen Kreuz verhindern. Würde aber die Kirche gebaut, ehe der Schulz stürbe, so verfiele derselbe dem Teufel lebendig. Lange Zeit verhinderte der reich und übermüthig gewordene Schulze den Bau der neuen Kirche, aber endlich bestund der Bischof auf den Bau, und gegen alle Einwendungen des Schulzen wurde derselbe nun angefangen.

Kaum war der erste Stein gemauert, als Herr Satan erschien und den Schulzen abholen wollte. Doch durch vernünftige Vorstellungen, daß doch nicht ausgemacht wäre, der Bau dürfte nicht beginnen, und daß er jedenfalls, ehe die Einrichtung der Kirche statt finde, deren Abbruch wieder bewirken würde, ließ der Teufel sich beruhigen.

Alle aufgewandte Mühe des Schulzen war vergebens. Der Tag der Einweihung erschien. Das Volk aus dem Odenwalde und der Bergstraße strömte herbei, nur der Schulze hoffte noch voll Angst jeden Augenblick auf einen hochbezahlten Einhaltsbefehl. Jedoch, sobald die Einweihung begonnen hatte, entstund ein fürchterliches Gebrüll und Geheul in der Luft, die Frommen [473] erschracken sehr und drangen aus der Kirche. O Schrecken! der Teufel kam in höllischer Freude, beladen mit dem verzweifelten Schulzen im Galopp daher.

Bis vor zehn Jahren konnte der aufmerksame Wanderer, nur einige hundert Schritte von der Kirche, in einem Granitfelsen die Geisentrappen unter dem Namen „Teufelstrappen“ sehen, über welchen der Teufel mit seinem Schulzen davon sprengte.

Jetzt ist der schaurige Felsen herausgebrochen.

(Nach mündlicher Ueberlieferung mitgetheilt von Lehrer Zimmermann.)