Die Strumpffabrik von Gottlieb Hecker und Söhne in Chemnitz

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Titel: Die Strumpffabrik von Gottlieb Hecker und Söhne in Chemnitz
Untertitel:
aus: Album der Sächsischen Industrie Band 1, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 1, Seite 130–131
Herausgeber: Louis Oeser
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
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Erscheinungsort: Neusalza
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Album der Sächsischen Industrie Band 1 0257.jpg

Strumpffabrik von Gottlieb Hecker u. Söhne in Chemnitz.

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Die Strumpffabrik von Gottlieb Hecker und Söhne in Chemnitz.
(Mit Abbildung.)


Dieses Etablissement wurde von Gottlieb Hecker aus Schönhaide im Erzgebirge begründet, der 1759 in Chemnitz Bürger ward und anfänglich sich blos mit dem Vertrieb von rohen Cattunen, weißen Piques und Canevas (einem ¾ Ellen breiten gemustert gewebten leinenen Stoff) beschäftigte.

Im Jahre 1794 nahm er seine beiden Söhne Georg Karl und Gottlieb Wilhelm in das Geschäft und von da an datirt die jetzige Firma Gottlieb Hecker und Söhne, welche sich, nachdem seit längerer Zeit die Fabrikation von baumwollenen Mützen, Strümpfen und Handschuhen aufgefaßt worden war, bald eines guten Rufes in Rußland, Italien, Niedersachsen und Preußen erfreute.

1803 starb Gottlieb Hecker. Zollverhältnisse und Mode benachtheiligten in den Jahren 1814 bis 1818 den Geschäftsbetrieb empfindlich und dieses veranlaßte 1822 den Austritt von Gottlieb Wilhelm Hecker, an dessen Stelle der jetzige Chef des Geschäfts, ältester Sohn von Georg Karl, Herr Adolph Hecker, eintrat. Derselbe cultivirte, die bisherige Bahn verlassend, vorzugsweise den überseeischen Absatz und förderte durch sachkundige Nachahmung des englischen Fabrikates denselben auf eine Weise, der bald den bisherigen Besuch der Braunschweiger und Leipziger Messe unnöthig machte (1830).

Im Jahre 1835 starb der damalige Chef Georg Karl Hecker und Herr Adolph Hecker setzte nun in Gemeinschaft mit seinem Schwager, Herrn Eduard Händel, der seit 1829 der Firma angehörte, im Jahre 1848 sich aber zurückzog, den überseeischen Absatz mehr und mehr ausdehnend, das Geschäft fort, in welches er im Jahre 1849 Herrn Julius Hahmann und 1852 seinen ältesten Sohn, Herrn Karl Hecker, die jetzigen Theilhaber, eintreten ließ.

Nachdem die Firma auf verschiedenen Ausstellungen, zu Leipzig, Dresden, Berlin, München und Paris, die ersten und zweiten (Berlin) Preise erhalten hatte (die Londoner Ausstellung war aus principiellen Gründen nicht beschickt worden), fand sie sich, gleich einigen anderen Concurrenten in Limbach und Stollberg, nach Prüfung der Fortschritte der französischen und englischen Concurrenz in der Maschinenfabrikation, veranlaßt, 1852 auch diesen Zweig versuchsweise aufzufassen. Sie errichtete zu weiterer Verfolgung dieses Zweckes 1854 das auf der Waisenstraße zu Chemnitz, dem Bahnhof gegenüber gelegene Fabrikgebäude, welches die beiliegende Abbildung zeigt.

Dasselbe enthält im Haupthaus die nöthigen Räume für Comptoir, Garn- und Waarenlager, Formerei, drei hydraulische Pressen, Appretur und Packraum. Das Hin- und Herschaffen der Waaren wird in demselben durch einen Aufzug vermittelt, den die im Nebengebäude befindliche Dampfmaschine in Bewegung setzt. – In diesem Hause wird die Waare, nachdem sie von der Bleiche gekommen, geformt, gepreßt und zum Versandt fertig gemacht, wobei sieben bis acht Männer und zwanzig bis fünf und zwanzig Mädchen beschäftigt sind.

Im Comptoir und Lager stehen sechs Gehülfen, theils Commis, theils Lehrlinge, den Geschäftsinhabern zur Seite.

Das an jenes anstoßende Nebenhaus, durch ein dreißig Ellen langes, und zehn Ellen breites [131] Glasdach Licht erhaltend, wird zur Fabrikation benutzt, die je nach Geschäftsgang von fünfzig bis siebenzig Individuen, meist Mädchen, besorgt wird. Es sind daselbst bis jetzt

englische Rundstühle zur Anfertigung von Strümpfen und Socken,
französische Rundstühle zur Anfertigung von Jacken, Hosen und Tricots,
englische mechanische breite Stühle, für Sachsen patentirt, die theils elastische Ränder, theils mit selbstthätiger Minderung Strümpfe und Hosen machen; ferner
Spuhlmaschinen und Nähemaschinen aufgestellt, die sämmtlich von einer sechspferdigen Dampfmaschine in Bewegung gesetzt werden.

Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Firma jeder neu auftauchenden Erfindung im Gebiete der Fabrikation durch Maschinen durch praktische Versuche zu folgen, ohne daß sie deshalb die Hausindustrie vernachläßigt, deren Erzeugnisse noch immer ihren Hauptabsatz bilden. Die Firma beschäftigt, das Garn größtentheils selbst an die Arbeiter liefernd, je nach Bedarf, zu diesem Zwecke zwischen 3–500 Stühle in den verschiedenen Dörfern des Erzgebirges.

Die baumwollenen Garne, die zu der Maschinen- und Handfabrikation nöthig sind, werden größtentheils von sächsischen Spinnereien geliefert. Das Bleichen und Färben der Strümpfe wird auf dem Lande von selbstständigen Etablissements der betreffenden Branche besorgt.

In seiner jetzigen Organisation produzirt das Haus Gottlieb Hecker und Söhne hauptsächlich baumwollene Strümpfe, Socken, Unterjacken, Unterhosen und Handschuhe, so wie einige Artikel in feiner Kammwolle.

Der Vertrieb wird theils durch Agenten an den Haupthandelsplätzen der Welt, theils durch schriftliche und persönliche Cultivirung der alten Verbindungen ermittelt, was durch das jährliche persönliche Erscheinen der Haupteinkäufer in Chemnitz erleichtert wird.

Eigene Verkaufscommanditen und eigends besoldete Reisende hat das Haus nicht. Die Hauptabsatzmärkte findet es wie die übrige sächsische Strumpfwaarenindustrie in Nord- und Südamerika, doch ist es durch seine Verbindungen nicht ausschließlich auf diese Länder verwiesen, sondern hat sich Abnehmer überall zu verschaffen gewußt, wo überhaupt seine Artikel gebraucht werden.