Die Wasserkräfte des Riesengebirges

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Textdaten
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Autor: Bw.
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Titel: Die Wasserkräfte des Riesengebirges
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 239-240
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[239] Die Wasserkräfte des Riesengebirges, welche ihre Energie bis jetzt nur im Schadenstiften zu bethätigen pflegen, endlich zu bändigen und den Anwohnern nutzbar zu machen, ist der Zweck von Bestrebungen, zu denen sich neuerdings eine Anzahl volkswirtschaftlicher und Finanzkräfte zusammengethan hat. Die Ueberschwemmungen am Fuße des Riesengebirges, welche hier bei der Höhe, Steilheit und dem Schneereichtum der Abhänge schlimmer als bei andren Gebirgen aufzutreten pflegen, betreffen allein im Bobergebiete 10 000 bis 11 000 Hektare und richten oft ungeheuren Schaden an, der sich auf keine andere Weise mit Sicherheit vermeiden läßt als durch die Anlage sogenannter Thalsperren, in denen die plötzlich steigenden Wassermengen sich ohne Schaden sammeln können. Der angesehenste Hydrotechniker Deutschlands, dem u. a. die Thalsperren des Wuppergebiets ihre Entstehung verdanken, Geh. Rat Prof. Intze, bereiste auf Veranlassung Berliner Interessentenkreise die Flußläufe des Riesengebirges und sprach sich mit Bestimmtheit für die Ausführbarkeit und Nützlichkeit von Thalsperren in denselben aus. Da die in solchen künstlichen Becken aufgestauten Wassermengen nicht nur zur Wasserversorgung benachbarter und selbst entfernterer Städte, sondern auch zur Umsetzung in nutzbare Kraft mittels Turbinen verwertbar sind, so kann aus einem heutigen Mißstand, wie ihn z. B. die 88er furchtbare Ueberschwemmung im Queisgebiet zeigte, leicht eine nutzbringende Anlage für lange Zeiten hinaus geschaffen werden, wenn nur die einmaligen, nicht geringen Baukosten solcher Thalsperren aufzubringen sind. Da der Staat an solchen hydrotechnischen Werken bereits im Elsaß, an der Ruhr und Wupper sich beteiligt hat, so wird auf seine Mitwirkung auch in Schlesien zu rechnen sein, zumal die Verhältnisse hier in technischer Hinsicht besonders günstig liegen.

Diese zuerst in engeren Kreisen verbreiteten Projekte haben schnell die Zustimmung der weitesten Interessentenschichten gefunden. Man denkt lebhaft daran, im ganzen Iser- und Riesengebirge eine derartige Aufschließung der natürlichen Kraftquellen des Landes zu befördern. Elektrische Kraft und Lichtanlagen sollen im Anschluß an große Turbinen-Werke entstehen, auch ein Netz von Kleinbahnen, mit dem die angrenzenden Landesteile zur Hebung der Landwirtschaft zu überziehen sind, würde eine Kraft am billigsten durch hydraulisch erzeugte elektrische Ströme erhalten. Die Gräflich Schaffgotsch’sche Kameralverwaltung zu Hermsdorf soll bereits mit der Ausarbeitung einschlägiger Projekte beschäftigt sein, und die Firma Siemens u. Halske in Berlin hat schon einen Teil der Wasserkraft des Bober bei Christianstadt im Interesse der Gemeinde Grünberg

[240] nutzbar gemacht. Die in 1000voltigen Drehstrom umgewandelte Energie wird 25 km weit fortgeleitet und dient vorläufig zur Speisung von etwa 5000 Lampen und einer Anzahl Elektromotoren.
Bw.