Die Wehklage im Erzgebirge

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die Wehklage im Erzgebirge
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 505-506
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[505]
568) Die Wehklage im Erzgebirge.
Mündlich. Lehmann a. a. O. S. 784.

Im Erzgebirge gibt es ein Gespenst, die sogenannte Klagefrau oder Klagemutter, diese geht vor das Haus, wo [506] ein Kranker liegt, und fängt an jämmerlich zu heulen; will man nun wissen, ob derselbe stirbt oder nicht, so wirft man vor die Thüre von oben ein Tuch herab, das demselben gehört, nimmt jene, die nun zu heulen aufhört, dasselbe mit fort, so stirbt er, läßt sie es aber liegen, so findet das Gegentheil statt. Im Voigtlande kommt dasselbe Gespenst auch vor und dort sagt man, dasselbe habe die Gestalt eines großen weißen Ballen und wälze sich so auf der Straße fort.

Im Jahre 1626 beim großen Sterben wohnte R. Köhler, ein Schuster, in Oberwiesenthal am Markte; da er sich nun Abends zur Ruhe legt, hört er ein jämmerliches Geheul auf dem Markte, daß er davon nicht schlafen kann. Er sieht hinaus und wird gewahr, daß es um den Holzstoß eines gegenüberwohnenden Nachbars so winselt und jammert (es lagen darin zwei Sterbende, wie er des folgenden Morgens zuerst erfahren). Er spricht: „ja heule nur zu, daß Dir was Anderes in den Rachen fahre!“ und legt sich wieder nieder. Gleich kommt das Heulgespenst vor die Kammer, heult noch gräßlicher, und er fährt mit Furcht und Grausen in’s Bett hinein, sein Weib verweist ihm aber seine Verwegenheit, warum er bei so elenden Sterbezeiten so frech hinaus geschrieen, dann fangen sie an mit einander zu beten. Das Heulding fährt hinauf auf den Oberboden und von da zum Fenster in das Quergäßchen hinunter und heult wieder auf’s Neue vor des Büttels Thür, und Morgens erfuhr er, daß auch darin ein Patient am Tode läge. Der Schuhmacher selbst hat indeß noch über 30 Jahre gelebt.