Die Wunder der Coulissenwelt

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Textdaten
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Autor: H. v. C.
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Titel: Die Wunder der Coulissenwelt
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 649–651
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Bühnentechnik im Neuen Theater zu Leipzig
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[649]
Die Wunder der Coulissenwelt.
Das Chaos hinter den Coulissen. – Der Schnürboden und sein Takelwerk. – Die Versenkungen. – Der Fahrstuhl des Maschinisten. – Die Beleuchtungsapparate. – Blitz und Donner. – Der Einschlagapparat. – Die Windmaschine. – Der Regen.


Wenn im prachtstrahlenden Zuschauerraum eines neuen Theaters die staunende Menge vor den Geheimnissen des Vorhangs sitzt, in den Garderobezimmern die Künstler und Künstlerinnen des Dramas, der Oper oder des Ballets für das verkündete Spiel die Glieder geschmückt haben, der Dirigent an sein Orchesterpult, der Souffleur in seinen Kasten eilt und der Director Regisseure und Maschinenmeister, wie der Capitän eines Schiffs Officiere und Steuerleute, auf ihre Posten stellt und „alle Mann an Bord“ ruft, – in solchen Augenblicken ist die Bühne ein unnahbares Heiligthum, und wenn der Vorhang endlich sich erhebt, steht sie vor uns als das Spiegelbild all’ der Natur und Kunst, die draußen in der Welt seit Ewigkeit den Rahmen für das große Bild darstellen, welches „Leben“ heißt.

Und welche Erscheinung der Natur, welche Gestaltung der Kunst kann sich heutzutage der Nachahmung auf der Bühne entziehen? Keine! Ueber wogendem Meere raucht der Feuerberg [650] und über Wald und Au schimmert das Alpenglühen, daß man zur Lorgnette greift, um das Wunder zu beobachten; in die Felsenschlucht leuchtet der aufgehende Mond und über der endlosen Wüste geht so majestätisch die Sonne auf, wie Tausende auf den Sitzen der Logen es im Leben nie gesehen; vom Markt sieht man in die langen Straßen der Städte, und im Park erfreut uns der köstliche Blumenflor und darüber das Wolkenspiel am blauen Himmel; ja, noch mehr – die Gewitternacht erschüttert uns, Blitze leuchten, Donner rollen, Winde heulen und das schwankende Schiff versinkt in den Wogen, daß uns im Herzen graut; und noch nicht genug: Geister steigen aus der Erde, Genien fliegen durch die Luft, wie von himmlischen Melodien getragen; ja, die Hölle selbst kann vor unsern Augen toben, lodern und versinken und ein Paradies niederschweben aus der Höhe, um den grausigen Abgrund zu bedecken, – denn nichts ist den Beiden unmöglich, die hier in Eintracht walten, der Decoration und der Maschinerie.

Wollten wir aber am Morgen nach solch’ einer erscheinungsreichen Nacht die Bühne betreten, um hinter das Geheimniß all’ der Herrlichkeiten und Schrecknisse zu gelangen, so würden wir leicht in ein wildes Durcheinander von Coulissen und Versetzstücken, Hinterwänden und Requisiten gerathen und nur ein Grauen verspüren, wo wir Aufklärung suchten. Wie ganz anders ist dies bei einer noch unberührten Bühne, die, in ihrer Vollendung dastehend, aber noch frei von aller Bekleidung, allem Decorationsschmuck, welche wohlgeordnet in ihren Magazinen aufbewahrt sind, uns den Blick freigiebt in all’ die kunstreiche Gliederung, die so großartige Bewegung von Massen und Einzelnem in geregeltester Ordnung möglich macht. Ein solcher Blick ist uns jetzt noch auf der Bühne des neuen Theaters zu Leipzig gewährt, und wir glauben, unsere Leser werden uns um so lieber zu einem Morgenbesuch bei derselben folgen, als sie von allen Sachverständigen als eine Musteranstalt im Maschinen- und Decorationswesen anerkannt wird.

Wie jungfräulich unberührt, wie rein und blank ist Alles in dem hellen Bau! Noch uneingeweiht, aber auch noch unentweiht jeder Raum dieses Tempels! Der Blick frei überall bis in’s Herz hinein. Den Zuschauerraum füllt noch das Gebälke der Gerüste vom Boden bis zur Decke an und der Schall rastloser Werkzeuge dringt zu uns herüber; aber auf der Bühne ist Friede und Ruhe: sie ist fertig und bereit, jeden Augenblick sich in den gebotenen Schmuck zu werfen und ihre Wunder zu entfalten. Und wie seltsam nimmt sie sich dabei aus! Schauen wir von der Stelle des Souffleurkastens aus empor, so erscheint es uns, als ob da ein hänfener Regen mit gewaltigen Eisentropfen losgelassen werden sollte: so hängen von der Decke des Schnürbodens bis weit herab zum Bühnenboden die Schnüre mit den Gewichten, welche zum Herab- und Hinaufziehen der Hinterwände bestimmt sind. Zwischen diesen standhaften Regenstrahlen hindurch erkennen wir an den Coulissen- und Hinterseiten der Bühne vier Maschinengalerien übereinander aufsteigen. Auf einer später nur dem Maschineriepersonal zugänglichen steinernen Wendeltreppe gelangen wir zur ersten Galerie, welche die Höhe der Soffiten einnimmt, d. h. der Leinwandstreifen, welche als Himmel oder Decke zwischen den beiden Coulissenreihen das Bühnenbild nach oben begrenzen. Von einer Seite dieser Galerie zur anderen laufen quer über diesen Maschinenraum der Bühne hin sechs schwindelnde Stege oder Brücken, von welchen aus die Beleuchtung der Soffiten, die Flugmaschinen und sonstigen höheren Ueberraschungen geleitet werden. Zu den übrigen Galerien bis zum Schnürboden hinauf gelangt man auf Holztreppen; die Fußböden all’ dieser Galerien und Brücken sind leichtes Lattenwerk, so daß von oben bis unten Alles hübsch durchsichtig ist in diesen Hallen.

Werfen wir auf einer dieser vier Galerien einen Blick an die Wand zur linken oder rechten Seite der Bühne, so könnten wir uns einbilden, uns auf einem Schiff zu befinden, so massenhaft laufen Taue, Seile und Schnurbündel daran aufwärts, um mächtige Segel zu halten; und es ist auch so etwas, nur daß hier die Segel jene großen Hinterwände und Versetzstücke vorstellen, welche, in ihrer ganzen Ausdehnung in Rahmen gespannt mit Hülfe die Last beherrschender Gewichte nieder- und aufgeführt werden. Gewichtsstückreihen zu handlichem Bedarf sehen wir auf jeder Galerie, und die großen Gewichtsmassen der schweren Hintergründe laufen in besonderen Holzkasten zu beiden Seiten der Bühne vom Schnür- bis zum Bühnenboden. Welches Geschäft für den Seiler dabei heraussprang, mögen einige Zahlen verrathen. Wenn wir nämlich alle die Taue und Seile, welche in der Ober- und Untermaschinerie zur Benutzung eingezogen worden sind, aneinander binden wollten, so würden nur fünfundsechszig Ellen an der Strecke von vier deutschen Meilen fehlen, die man damit abmessen könnte, d. h. diese Bühne beanspruchte siebenundvierzigtausend neunhundert fünfunddreißig Ellen von der hänfenen Arbeit des Rückschritts, welcher allein den Seiler vorwärts bringt.

Wir verlassen die erhabene Lattenpromenade, um uns wieder auf den sicheren Boden der Bühne zu begeben. Sicheren Boden? Keinen Schritt sind wir auf ihm sicher. Mit ausgesuchtester Tücke hat der Maschinenmeister ihn so eingerichtet, daß er uns in die Unterwelt da verschwinden lassen kann, wo wir es am wenigsten vermuthen. Den vier Galerien der Obermaschinerie entsprechen vier Untermaschinerie-Räume, nämlich drei Versenkungsabtheilungen und darunter der Kellerraum, des Schnürbodens Antipode. Gleich der erste Versenkungsraum zeigt uns an den großen Winden und Walzen mit mächtigem Tauwerke, daß man hier nichts Kleines im Schilde führt. Ueber die ganze Bühne laufen lange, durchgehende Versenkungen, mittels welcher man in großer Gesellschaft verschwinden und in welche man ganze Prospecte, wenn deren Emporziehen störend sein sollte, in die Tiefe abgehen lassen kann; für Personen kann dieselbe nach beliebigem Bedarf verkleinert werden. Soll aber ein Aeußerstes geschehen, so kann sämmtliches den Bühnenboden tragendes stehendes Gebälk in kürzester Zeit herausgenommen, ein hängendes an dessen Stelle gebracht und dann, auf des Schicksals Wink, die ganze Bühne zwischen Coulissen und Hinterwand mit Einem Schlage versenkt werden. Für das bescheidenere Auftreten oder Verschwinden einzelner Gespenster dienen zwei ebenfalls ganz neue kleine transportable Versenkungen, deren jede ein Mann dirigiren kann. Dazu ist eine „schräglaufende Versenkung“ gefügt, eine äußerst sinnige Maschinerie, die irgend ein unheimliches Wesen der Tiefe auf die unheimlichst langsame Weise aus der runden Oeffnung eines durch sogenannte Jalousieklappen gebildeten Versenkungsbodens gleichsam herauswachsen läßt, und zwar langsam vorwärtsschwebend bis zur völligen Erscheinung über der Bühne. Das Verschwinden des betreffenden Unholdes kann auf dieselbe sanfte Weise geschehen, wenn derselbe nicht mit Ach und Krach abfahren soll, was ebenfalls gemacht werden kann. Eine ganz neue Einrichtung sind auch die sogenannten Fahrstühle für den Maschinenmeister; dieselben befördern ihn in einem Augenblick von der Bühne aus in die Unter- oder Obermaschinerie, wo irgend in der Versenkung oder im Prospect- und Soffitenbereiche einer Hemmung und Störung augenblicklich abgeholfen werden muß.

Die nämliche Beachtung, wie diese, nehmen als ebenfalls ganz neue Einrichtungen die Coulissenbeleuchtungs- und Gasregulirungsapparate in Anspruch. Trotz der ziemlich langen Fahrrinne der Coulissenwagen folgen die Gasrohre jeder Bewegung derselben. Am unteren Theile des Eisenblechkastens, welcher die Lampen mit den Färbungsgläsern hält und umschließen kann, ist ein neuer Verfärbungsapparat angebracht, indem mittels einer konischen Schraube leicht und geräuschlos die bestimmten Gläser in den Beleuchtungskreis geschoben werden. Sehr interessant sind auch die Apparate zur Regulirung der Beleuchtung. Der eine, an der linken Bühnenwand hinter den Coulissen angebrachte Apparat dient zur Regulirung der Lichtstärke der sechs Reihen Soffitenlampen, denen das Gas in langen Schläuchen von den Maschinerie-Galerien her zugeführt wird; der andere Apparat setzt einen Mann in den Stand, die Beleuchtung des großen Kronleuchters im Zuschauerraume, die Beleuchtung der Rampe, der Coulissen und der Versetzstücke, sowie die der etwaigen Kronleuchter auf der Bühne von einem Kasten aus und zwar auch so zu reguliren, daß die eine Seite der Bühne in Dunkel gehüllt und die andere zugleich in das hellste Licht gesetzt werden kann. Auch den Blitzschlauch hat derselbe Mann in seiner Gewalt.

Den Blitzschlauch? Ja wohl! Für das übrige Donnerwetter sorgt der Maschinenmeister in gar absonderlicher Weise. Wenn so ein Sturm der Natur auf der Bühne ausbricht, wie schauerlich erscheint das im Zuschauerraume, – und wie gemüthlich ist’s hinter den Coulissen! Die Scene verfinstert sich und der Wind erhebt sich – denn die Maschinisten am Regulirungskasten und bei den Coulissen sorgen dafür, daß erst rothe, dann blaue Gläser oder Gazeschirme vor die sich mehr und mehr leise zurückziehenden [651] Gasflammen kommen, immer dichtere dunkle Gazestücke von dem Soffitenhimmel niedersinken – bis „des Donnrers Wolken hangen schwer herab auf Ilion“[WS 1] – während ein harmloser Mann die Kurbel eines trommelartigen Rades handhabt, von dessen Welle Latten ausgehen, deren zugespitzte Enden an durch Gewichte festangespannter Leinwand hinstreichen. Je nachdem diese „Windmaschine“ in Bewegung gesetzt wird, läßt sie die Sprache der Lüfte vom Sausen bis zum Pfeifen und Heulen vernehmen, genau wie der Dichter es vorgeschrieben. Schon gruselt’s dem zartnervigen Publicum der Logen und die Galerie lauscht freudig der vielversprechenden nächsten Zukunft entgegen. Da tritt ein Mann mit der Sicherheit des Künstlers an einen Tisch, als dessen Platte ein großes Trommelfell dient, das rings am Tischrahmen fest angespannt ist. Ueber dieser wunderlichen Tischplatte erhebt sich ein Gestell, von welchem herab viele kleine und größere mit Leder oder Leinwand überzogene hölzerne Kugeln so an Schnuren hängen, daß sie, falls sie etwa auf dem Tischtrommelfell das Tanzen ankommen sollte, nicht durch ihre eigenen Sprünge herabgeworfen werden können. Dieses Tanzen ist aber ihr ganzer Zweck und wird dadurch bewirkt, daß der besagte sichere Mann mittels ein paar Handeln oder Pauken- oder große Trommelschlägel das Tischfell nach Vorschrift bearbeitet. Je nachdem er sanft berührend oder stärker betastend oder tapfer daraufschlagend zu Werke geht, wird ein fernher nahendes Rollen des Unwetters, ein erhabener Donner mit seinem Widerhall an den Festen des Himmels oder ein Donnerkrach mit wildem Dröhnen der Wolkenwände erfolgen, und um so majestätischer wird das Vergrollen und Verrollen am erschütterten Firmamente lauten, je länger die kleinen Kugeln auf dem Felle der „Donnermaschine“ herumhüpfen.

Das Gewitter verlangt jedoch mehr: ein Blitz leuchtet auf und auch das geht natürlich zu, denn wenn man eine Vorrichtung hat, daß über ein winziges Pünktchen Gaslicht durch Berühren einer Klappe an einem Gasschlauch plötzlich ein Gasstrahl dahinfahren muß, der augenblicklich durch Schließung der Klappe wieder erlischt, so muß dies in der finsteren Bühnennacht blitzartig wirken. Durch mehrmaliges Oeffnen und Schließen einer Klappe hintereinander wird das Gewitter noch schwerer gemacht; wenn aber gar das Aeußerste geschehen soll, wenn es einschlagen muß, dann bleibt dem Mann an einem hohen viereckigen Holzkasten nichts übrig, als die Schnur zu ziehen, welche das oberste Querbret voll großer und kleiner Kieselsteine oder steinernen Kugeln zum Umkippen bringt: die krachende Last fällt auf ein darunter querliegendes Bret, das etwa nur Zweidrittheil des Kastens ausfüllt, also Raum genug offen laßt, daß die einmal im Schuß befindliche Steinmasse auf ein in entgegengesetzter Richtung darunter ebenfalls geneigt laufendes Bret stürzt und von dem wieder auf eins und so ein Dutzend Male fort, bis die letzten nachrollenden Klumpen den untersten Raum des Kastens erreicht haben. Furchtbar ist die Wirkung dieses einfachen Naturspiels; Blitz, Donner und Krach haben das Ihre geleistet, und es ist nun nothwendig, daß der Regen losgeht, erst sanft, dann immer rauschender, bis zum Gießen, und auch das geschieht, ohne daß sich Jemand einen Finger dabei naß macht. Wir können sogar mit zwei Regen dienen, die ein Mann mit Gemüthsruhe leisten kann. Ein langer Holzkasten, ähnlich wie der Einschlagapparat, nur so eingerichtet, daß er in der Mitte seiner Länge, wie eine Sanduhr, umgedreht werden kann, ist ebenfalls mit etwa einem Dutzend Querbrettern durchzogen; diese schließen jedoch den Raum ganz und sind dafür selbst so durchlöchert, daß eine auf dem obersten Brette aufgeschüttete Viertel- oder halbe Metze Erbsen langsam hindurchfällt bis auf das unterste Bodenbrett. Ist sie unten angekommen, so dreht man die Maschine herum, und der Regen geht von Neuem seinen schönen, geregelten Gang. Ungestümer durch des Menschen Hand ist er zu machen, wenn die Erbsen (oder auch Schrotkörner) in einer viereckigen Blechröhre laufen, die um den Kranz eines Rades befestigt ist; innerhalb der Röhre treten, wie bei der Einschlagmaschine abwechselnd links und rechts Querbrettchen, hier Querstreifen von Blech, die Hälfte bis Zweidrittel des Raums einnehmend, hervor, und wenn nun mittels der Kurbel das Rad gedreht wird, so fallen oder schlagen die Erbsen oder Schrote, mit denen man eine Abtheilung der Röhre gefüllt hat, von Blech zu Blech mit einem Geräusch, an welchem Jedermann einen tüchtigen Platzregen erkennt, genau wie er im Buche steht. Und soll nun post nubila Phoebus (denn „nach Regen folget Sonnenschein“) der Erde wieder leuchten, so stellt man alle Unwettermaschinen bei Seite, läßt die Gasflammen der Rampen, Coulissen und Soffiten wieder durch das blaue und rothe Glas zum hellen Lichte zurückkehren und kann, wenn auch die Gazewolken sich in ihre Behälter verzogen haben, mittels elektrischen Lichtes Tagesklarheit über die ganze froh aufathmende Bretterwelt verbreiten.

Ehe wir von unserer jungfräulichen Bühne und den Wundern ihrer Coulissenwelt Abschied nehmen, betrachten wir im Vorbeigehen noch ihre drei prachtvollen Vorhänge, von denen der erste der Haupt-, der zweite der Zwischenacts- und der dritte der Verwandelungsvorhang ist. Ob für Fälle von Bühnenbränden auch hier, wie im Drurylanetheater zu London und im Münchener Hoftheater, ein Vorhang von Eisenblech bereit sein wird, die Bühne vom Zuschauerraum hermetisch abzusperren, wissen wir noch nicht; das aber wissen wir, daß nicht, wie einst im Londoner Coburg-Theater, ein Vorhang von Spiegelglas dem gesammten Publicum sein eigenes Bild entgegenwerfen wird, weil die Bühne selbst es sich nicht nehmen läßt, diese Bespiegelung zur Aufgabe ihres ganzen Wirkens zu machen. Möge dies stets in edler, wahrhaft kunstwürdiger Weise geschehen!

H. v. C.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Friedrich Schiller, „Kassandra“, Schlußvers.