Die Zerstörung von Helfenstein

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die Zerstörung von Helfenstein
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 185-187
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[185]
207) Die Zerstörung von Helfenstein.
Deutsches Nationalmuseum 1834. Lief. XI. Poet. beh. v. Segnitz. Bd. I. S. 343. sq.

Wenn man bei Tolkewitz in der Nähe von Pillnitz über die Elbe setzt, so kommt man in das Dorf Niederpoiritz und wendet sich dann rechts den Grund hinauf nach dem Rittergute Helfenberg, in dessen Nähe auf einem Hügel die Ruinen der alten Burg Helfenstein, die auch Rothfels (von ihren ehemaligen Besitzern den Dehn-Rothfelsern) oder die Hilfenburg hieß, liegen, die früher unter dem Volke den wendischen Spottnamen Babaricy, die Burg des Weiberkerls (Barbar) führte, weil die Schloßherrn wegen Entführung von Wendenmädchen berüchtigt waren. Wann die Zerstörung dieser Burg fällt, weiß man nicht, als Ursache derselben aber erzählt man folgende Begebenheit. Der letzte Besitzer der alten Burg hat eines Tags als Vasall von seinem Lehnsherrn den Befehl erhalten, mit in den Krieg zu ziehen, und also schweren Herzens von seiner jungen wunderschönen Gemahlin davonziehen müssen, seinem Bruder aber, der in der Nähe eine andere Burg besaß, sein Schloß und Habe, natürlich auch seine Gemahlin zur Beschützung empfohlen. Dieser ist aber ein böser Ritter gewesen, der allen Lastern gefröhnt hat, und der schlimmsten Raubritter einer im Lande; der ist gar oft in die Burg seines Bruders geritten und hat die schöne Schwägerin so lange getröstet, bis er sich sterblich in sie verliebt hat, hat auch weder seiner Verpflichtung gegen den entfernten Bruder, noch der Achtung, die er seiner frommen Schwägerin schuldig war, gedacht, sondern derselben frech seine Liebe entdeckt und verlangt, sie solle ihm zu Willen und ihren Gatten untreu sein. Die hat ihn aber kurz abgewiesen und gedroht, es ihrem Manne, wenn er heimgekehrt sei, zu [186] entdecken. Da hat er ihr die erdichtete Märe vom Tode ihres geliebten Gatten in ferner Schlacht zugehen lassen und nach einiger Zeit seine schändlichen Anträge erneuert, ist aber abermals zurückgewiesen worden und es hat ihm die fromme Burgfrau für immer den Besuch von Helfenstein untersagt. Unter schweren Drohungen ist er davon geritten, allein nicht lange hat es gedauert, da hat er eine furchtbare Gewitternacht benutzt, ist mit seinen Raubgesellen unbemerkt gen Helfenstein gezogen und hat die Burg erstiegen und, nachdem die wenigen Getreuen, die sich zur Wehre gesetzt, gefallen waren, seine Schwägerin trotz ihres Sträubens ergriffen, sie mit auf’s Roß genommen und ist eilig davon gejagt; diese aber, weil sie keine Hilfe und Rettung mehr gehofft, hat die Gelegenheit ersehen und ist in der Nähe eines bei Helfenstein gelegenen Brunnens vom Rosse heruntergeglitten und eilig entflohen, wie sie sich aber umgeschaut und jenen ihr schon so nahe gesehen, daß kein Entkommen mehr möglich gewesen, hat sie ihre Seele dem Herrn empfohlen und sich in den Brunnen gestürzt. Der böse Schwager aber, wüthend, daß sein Bubenstück mißlungen, und den Zorn seines Bruders fürchtend, ist umgekehrt und hat das Schloß von seinen Raubgesellen in Brand stecken lassen, dann aber ist er, wie von den Furien der Rache gejagt, davongeritten. Weit leuchtete aber die Brandfackel in die umliegenden Thäler hinein und auch ein Trupp Reisige, der seines Weges zog, gewahrte sie, das waren der Herr von Helfenstein und seine Mannen, die heim aus fernen Kämpfen zogen. Sie jagten wohl, was die Pferde laufen mochten, allein sie kamen doch erst an den Thoren an, als Alles zerstört und bis auf wenige Mauern niedergebrannt war, und ein alter verwundet zurückgebliebener Knappe berichtete seinem Herrn die schreckliche Kunde. Da hat dieser sein Schwert und Schild abgelegt und ist in ein Kloster gegangen, für die Seele seiner treuen Gattin zu beten, sein schändlicher Bruder aber hat nirgends im Lande Schutz finden können, sondern die Strafe hat ihn bald ereilt [187] und er hat mit seinen Genossen seine Unthat auf dem Rade büßen müssen.