Die Zerstörung von Oberlauda

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gottschalck
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Titel: Die Zerstörung von Oberlauda
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 630–632
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Die Zerstörung von Oberlauda.

Das Bergschloß Oberlauda bewohnten sonst welche vom niedern Adel, die sich von Lauda nannten. Schon im Jahre 1163 kommt, als Zeuge in einer Urkunde, ein Heinricus de Luden vor.

Am Charfreitage des Jahres 1525 zogen die aufrührischen Bauern von Scheflersheim, nachdem sie daselbst das Frauenkloster ausgeplündert und verbrannt hatten, nach Merkelsheim, wo sie ihr Hauptquartier aufschlugen. Von hier aus schickten sie einen Haufen nach dem Städtchen Unterlauda, welcher sich mit den dortigen Bürgern vereinigte, noch selbigen Tages mit ihnen nach Oberlauda zog und die Burg zur Uebergabe aufforderte. Die Burg Lauda war damals an mehrern Orten schadhaft, und wurde von dem Würzburgischen Oberamtmann Philipp von Rüdt bewohnt, der in diesem kritischen [631] Augenblicke, außer seiner Familie, nur noch Siegmund von Jobal, Erasmus von Fechenbach und einige Knechte bei sich hatte. Als nun Rüdt Miene machte, sich zu vertheidigen, warfen die Bauern Feuer in die Burg und zündeten sie solcherweise an, bei welcher Gelegenheit sie die Frau des Rüdt mit ihren Kindern gefangen nahmen, rein ausplünderten und sie noch weiter gemißhandelt hätten, wenn es nicht der Oberanführer der Bauern, Florian von Geyer, verhindert hätte. Rüdt, der sich den Bauern nicht übergeben wollte, zog sich mit seiner wenigen Mannschaft in den Thurm der Burg und wehrte sich dort so lange mannhaft, bis der Wind das Feuer der brennenden Burg gegen den Thurm jagte, so daß auch in diesem das Holzwerk anfing zu brennen. Bald war der Fußboden des Zimmers, in welchem er sich aufhielt, durchgebrannt und er fiel mit seinen sämmtlichen Leuten darin hinunter, wo sie so lange harren mußten, bis alles im Thurme ausgebrannt war. Tags darauf hörte man sie um Hülfe rufen, worauf sie die Bauern, sämmtlich lebendig und nur wenig beschädigt, herauszogen und, trotz dieser wunderbaren Errettung, durch die Spieße gejagt hätten, wenn sich nicht einer der Hauptleute, Namens Kunz Beyer, der Gefangenen sehr thätig angenommen hätte. Jetzt wurden ihnen die Hände auf den Rücken gebunden und sie sämmtlich auf Wagen ins Hauptquartier nach Merkelsheim geführt. Da sie aber hier Gefahr liefen, von den Bauern todtgeschlagen zu werden, brachte man sie nach Mergentheim, wo sie bis nach der Schlacht bei Königshofen in einem festen Thurme eingesperrt blieben.

Was der Brand von der Burg übrig gelassen hatte, wurde zuerst ausgeplündert, dann völlig zerstört. Für dieses barbarische Betragen mußten die Bauern schon einige Tage nachher büßen, denn am Pfingstdienstage bekam Hans Truchseß zu Waldburg das Städtchen Lauda mit Akkord, und ließ sogleich zwei Bürger und den dortigen Pfarrer, Namens Leonhard Beys, enthaupten. Am 20 Juli 1525 kam Bischof Konrad III., geb. von Thüngen, von Würzburg nach Lauda, um die Unterthanen wieder in Pflicht zu nehmen, und ließ bei dieser Gelegenheit noch acht Einwohnern die Köpfe abschlagen und die übrigen um 550 fl. strafen.

[632] Seit dieser Zeit liegt die Burg wüste und gegenwärtig sieht man nichts mehr von ihr, als einen sehr breiten tiefen Graben, welcher einen Hügel von beträchtlichem Umfange umgibt, der mit Weinstöcken bepflanzt ist, denen die Reste der Grundmauern der Burg zu Terrassen dienen.

(Aus Gottschalks „Ritterburgen und Bergschlösser Deutschlands“ 6. Band. S. 177.)