Die beiden Geizhälse

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Heinrich Seidel
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die beiden Geizhälse
Untertitel:
aus: Gesammelten Schriften Band VII: Glockenspiel, S. 230–232
Herausgeber:
Auflage: 6. Tausend
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Liebeskind
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[230]
 DIE BEIDEN GEIZHÄLSE.


Ein Geizhals, der in Kufa lebte
Und die Vollkommenheit erstrebte
Ein Meister seiner Kunst zu werden,
Dem ward die Kunde, dass auf Erden

5
Kein grössrer Geizhals sei zur Zeit

Als in Bassora Abu Said.
Alsbald ein heilger Wissensdrang
Ihn nach Bassora’s Mauern zwang.

Demüthig und bescheidentlich

10
Stellt er sich dort dem Meister vor

Und spricht: „Ein Schüler bittet dich,
O leih’ ihm ein geneigtes Ohr.

[231]
Du wirst ihm gütigst nicht verwehren,

An deiner Kunst sich zu belehren.“

15
„Willkommen!“ sprach nun dieser Mann.

„Doch, dass ich dich bewirthen kann,
Lass eilig uns zum Markte laufen,
Um Lebensmittel einzukaufen.“
Zum Bäcker ging’s: „Wie ist dein Brod?“

20
„O Herr, so frisch und weich wie Butter!“

„Ei nun da hat es keine Not!
Doch Butter ist ein bessres Futter.
Weil dieser er sein Brod vergleicht,
Nicht Freundchen? das begreift sich leicht;

25
Drum lassen wir den Brodkauf sein,

Und holen lieber Butter ein.“
Zum Milchverkäufer ging es dann:
„Wie ist die Butter, lieber Mann?“
„So süss und schmackhaft, frisch und weich

30
Und dem Olivenöle gleich,

Dem köstlichsten, das nur zu haben!“
„So wollen wir an Oel uns laben,
Denn dieses muss doch besser sein.“
Zum Oelverkäufer ging’s hinein:

35
„Wie ist dein Oel?“ „O Herr, fürwahr,

Wie Brunnenwasser frisch und klar!“

[232]
„Ei, ei,“ so sprach der Geizhals nun,

„Jetzt weiss ich endlich was zu thun:
Wir wollen uns an Wasser laben,

40
Weil dies das Beste, was zu haben:

Wie sich das passt und herrlich fügt –
Ich hab’, soviel für uns genügt,
Zu Haus’ ne ganze Kufe stehn –
Da wollen wir schlampampen gehn!

45
Die leckre Mahlzeit soll uns frommen!“

Und also ist es auch gekommen!
Sie soffen Wasser wie die Schläuche,
Bis ihnen kullerten die Bäuche.

Sodann mit manchem Dankeswort

50
Hat sich an seinen Heimathsort

Der Mann aus Kufa froh entfernt,
Vergnügt, dass er so viel gelernt.


Sound-icon.svg


Download der Sprachversion dieses Artikels Dieser Quellentext existiert auch als Audiodatei. (Mehr Informationen zum Projekt Gesprochene Wikisource)
Datei speichern | Lizenz