Die beiden Knaben

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Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Die beiden Knaben
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 205-206
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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[205]
Die beiden Knaben.


Ein jüngrer und ein ältrer Bube,
Die der noch frühe Lenz aus der betrübten Stube
Vom Buche zu dem Garten rief,
Vielleicht, weil gleich ihr Informator schlief,

5
Geriethen beid an eine Grube,

In der der Schnee noch nicht zerlief.
Ach Bruder! sprach der kleine Bube,
Was meynst du, ist das Loch wohl tief?
Ich hätte Lust – – Was? Lust hinein zu springen?

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Du mußt doch ausgelassen seyn.

Versuch es nicht und spring hinein,
Du könntest dich ums Leben bringen.
Wir können uns ja sonst noch wohl erfreun,
Als daß wir uns und unsern Kleidern schaden,

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Und kindisch Schnee und Eis durchwaden.

Und kömmst du drauf zum Vater naß hinein:
So hast dus da erst auszubaden.
Doch keine Redekunst nahm unsern Knaben ein.
„Wer wird im Schnee denn gleich ersaufen?“

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Und kurz und gut, er sprang hinein,

Und ließ sichs wohl in seiner Grube seyn;
Doch kaum war er vor Kälte fortgelaufen:
So sprang der Philosoph so gut, wie er, hinein.

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     Dieß ist die Kunst der strengen Moralisten.

25
Bekannt mit dem System, und von Grundsätzen voll,

Beweisen sie das, was man lassen soll,
So froh, als ob sie nichts von den Begierden wüßten.

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Sie sind von besserm Ton, als wir.

Sie bändigen ihr Herz durch die Gewalt der Schlüsse.

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Uns Armen ist die Thorheit süsse;

Doch ihnen ekelt nur dafür.
Wir lassen sie, wenn wir sie unternehmen,
Aus gutem Herzen andern sehn,
Und denken nicht daran, daß wir uns so vergehn.

35
Sie aber, die gelehrt sich aller Thorheit schämen,

Begehn die That, die sie uns übel nehmen,
Aus Tugend eher nicht, als bis wir es nicht sehn.