Die drei Federn (Löhr)

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Textdaten
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Autor: Johann Andreas Christian Löhr
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Titel: Die drei Federn
Untertitel:
aus: Das Buch der Maehrchen für Kindheit und Jugend, nebst etzlichen Schnaken und Schnurren, Band 2, S. 152–155
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Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: [1820]
Verlag: Gerhard Fleischer d. Jüng.
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Kinder- und Jugendbibliothek München und Commons
Kurzbeschreibung:
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[152]
17. Die drei Federn.

Es hatte ein König drei Söhne, unter welchen der Jüngste für ein Bißchen dumm gehalten wurde, weil er so still und friedlich war. Hätte er mehr Lärm und wirkliches dummes Zeug gemacht, so würde man ihn schon für klug gehalten haben, wohl gar für eine Art Teufelskerl, oder für ein Genie.

Der Vater wußte nicht recht, wem von den Söhnen er das Reich hinterlaßen sollte, da wollte er denn sehen, wer das meiste Glück hätte. So schickte er denn seine drei Söhne in die Welt, und sagte, wer ihm das feinste Stück Linnen mitbrächte, sollte das Reich haben. Sie möchten darnach in der Welt umher suchen und könnten dabei auch noch Mancherlei hören und sehen, was ihnen gut wäre.

[153] Der König nahm drei Federn, blies sie eine nach der andern aus den Fenster seines Schloßes in die Luft. Die eine flog nach Abend, dahinaus mußte der älteste Sohn ziehn; die zweite flog nach Morgen, das war der Weg für den zweiten; die dritte fiel auf einen großen Stein herab, der nicht weit von dem Palaste war. Da mußte denn der dritte Sohn zu Hause bleiben, und wurde darüber noch von den Brüdern geneckt, daß er nun bei dem Stein das feine Linnenwebe suchen möchte, da hätt ers ganz nahe.

Die beiden ältern Brüder zogen hin, und der dritte aber setzte sich auf den Stein und weinte bis zum Abend. Da kam es ihm vor, als ob sich der Stein hin und her schöbe, und zuletzt war er auch fortgeschoben, und nun kam eine Marmorplatte mit einem Ring zum Vorschein. Als die aufgehoben war, fand er eine Treppe, die stieg er hinab und kam in ein großes unterirrdisches Gewölbe, da saß ein Mädchen am Webstuhl und webte Linnengarn.

Das Mädchen sah ihn in die Augen und fragte: „hast du geweint?“ – „Ja! sagte er, ich habe sehr geweint;“ und erzählte nun wie übel es ihm ginge. Da schenkte ihm das Mädchen ein Stück der allerfeinsten Leinwand und sagte: „feiner bringen es deine Brüder gewiß nicht!“

Als er wieder auf die Erde hinauf kam, war er eben so lange Zeit weggewesen als die Brüder, und wußte nicht, wie das zuging, denn es kam ihm vor, als sei er nur ein Stündchen unter der Erde gewesen.

Da nun Jeder dem Vater sein Stück Linnen vorzeigte, war des Jüngsten seins noch einmal so fein als der Andern ihre Stücken.

Nun hätte dem Jüngsten das Reich gehört, das machten ihm aber die Brüder streitig und meinten, es müße noch eine Probe gemacht werden.

[154] Da verlangte der König den schönsten Teppich. Wer den bringe, der solle das Reich haben. Der König blies die drei Federn in die Luft, und da ging es wieder wie das erstemal. Diese flog nach Abend, jene nach Morgen und die dritte fiel wieder auf denselben Stein. Da lachten die Brüder den Jüngsten wieder aus, daß der abermals da bleiben müße. Dasmal aber weinte er nicht, sondern hob den Stein auf und ging in das Gewölbe. Da saß das Mädchen und webte einen Teppich aus den allerfeinsten Faden mit brennenden Farben und wunderschönen Blumen, den gab sie ihm.

Als die drei Brüder nun ihre Teppiche zeigten, war des Jüngsten seiner so schön, daß man die andern Teppiche nicht ansehen mochte. Aber die Brüder stritten wieder und meinten, aller guten Dinge müßten drei sein.

So sagte denn der König, wer die schönste Jungfrau heimbrächte, bekäme das Reich. Darauf ging es mit den drei Federn abermals so wie vorher.

Da ging der Jüngste wieder in das Gewölbe und klagte dem Mädchen sein Leid. Das aber hieß ihn in dem Gewölbe weiter gehen, da fände er die Schönste auf Erden. Er fand aber nur große Kammern voll Gold und Edelsteinen und einen großen Frosch, der an einem Teich saß, der sprach: umfaße mich und versenk dich mit mir im Waßer. Das sagte der Frosch ihm dreimal, da that er es denn; aber kaum hatten sie das Waßer berührt, so hielt er die schönste Jungfrau auf Erden in seinem Arm, gegen welche die Jungfrauen der Brüder ordentlich garstig aussahen.

Aber das Reich machten ihm die Brüder noch einmal streitig, und sagten, der solle das Reich haben, deßen Jungfrau bis zu dem Ring hinaufspringen könne, der mitten im Saale hing. Die Jungfrauen der beiden ältern Brüder sprangen und sprangen, aber vergeblich. [155] Die Jungfrau des dritten aber hatte den Ring mit dem ersten Sprunge ganz leicht erlangt.

Die Brüder wollten ihm dennoch das Reich nicht laßen, aber der König sagte: „Nun sei es genug!“ und der dritte bekam das Reich, und heirathete die Jungfrau.

Da wurden die Brüder zornig gegen ihre Jungfrauen und jagten sie fort, weil sie ihnen das Reich nicht hatten erspringen können.