Die drei Handwerksburschen (Meier)

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Textdaten
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Autor: Ernst Meier
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Titel: Die drei Handwerksburschen
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 230-233
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Begriffsklärung Andere Ausgaben unter diesem Titel siehe unter: Die drei Handwerksburschen.


[230]
64. Die drei Handwerksburschen.

Es saßen einmal drei Handwerksburschen ganz still und traurig in einem Wirthshause beisammen; denn sie konnten keine Arbeit bekommen und hatten nur noch fünf Kreuzer mit einander zu verzehren. Und wie sie nun so dasaßen, trat ein fremder Herr zu ihnen hin und fragte, warum sie denn so betrübt wären? Da klagten sie dem Manne ihre Noth, daß ihr Geld zu Ende sei und sie gar nichts verdienen könnten. Sprach der fremde Herr zu ihnen: „ei, deshalb dürft ihr nicht so traurig sein, da ist wohl noch Rath zu schaffen! Wenn ihr mir einen Gefallen thun wollt, so soll euch das Geld nie ausgehen.“ Da fragten sie: was denn das wäre? Darauf sagte der Fremde: „ihr dürft nichts weiter reden, man mag euch fragen, was man will, als diese Worte: der erste von Euch muß immer antworten: „„wir alle drei!““ der zweite: „„um’s Geld!““ der dritte: „„und so ist’s recht!““ Wenn ihr das thut, so werdet ihr keine Noth mehr leiden.“

[231] Da sahen die Handwerksburschen sich verwundert an und wollten’s nicht wagen, weil sie sich fürchteten; allein da der fremde Herr versicherte, daß ihnen kein Leid dadurch geschehen werde, so versprachen sie es ihm und erlaubten ihm sogar, daß er ihnen eine Ader aufschlug, worauf dann ein jeder mit seinem eigenen Blute dieß Versprechen unterschrieb. Darauf verschwand der Mann.

Die drei Handwerksburschen hatten aber, seitdem sie mit ihrem Blute unterschrieben, die Sprache verloren und konnten gar nichts mehr hervorbringen, als die Worte: „wir alle drei,“ was der eine sprach, worauf dann jedesmal der andere versetzte: „um’s Geld!“ und der dritte hinzufügte: „und so ist’s recht!“ Alsbald fühlten sie aber, daß ihre Taschen voll Geld waren; deshalb besuchten sie nur gute Gasthäuser und ließen sich das Eßen und Trinken schmecken und bezahlten Alles wie vornehme Herrn, indem sie von dem hingegebenen Gelde, wenn’s zuviel war, nichts wieder zurücknehmen wollten. – So kamen sie auch einmal in ein vornehmes Wirthshaus und setzten sich an den Tisch. Da fragte der Wirth, ob sie etwas zu trinken haben wollten? „Wir alle drei!“ sagte der eine. „Das kann ich mir denken!“ antwortete der Wirth. „Um’s Geld!“ versetzte der Zweite. „Ja freilich, sagte der Wirth; umsonst ist der Tod.“ – „Und so ist’s recht!“ fügte endlich der dritte Handwerksbursch hinzu. „Das versteht sich!“ sprach der Wirth und lachte und gieng hin und holte für jeden einen Schoppen Wein. Und als sie den Wein getrunken hatten, fragte der Wirth wieder: ob sie auch etwas eßen möchten? „Wir alle [232] drei!“ sprach der erste, und dann der zweite: „um’s Geld!“ der dritte: „und so ist’s recht!“ – Da sah der Wirth groß auf, und auch die Gäste, die da waren und das mit anhörten, verwunderten sich über die sonderbaren Leute; denn sie brachten weiter nichts vor, als eben diese drei Redensarten.

In demselben Wirthshause übernachtete aber auch ein reicher Kaufmann, der führte viel Geld bei sich und schlief dicht neben ihnen an. Da hörten sie um Mitternacht ein Geräusch in dem Nebenzimmer und ein Geschrei, was aber alsbald still ward. Dann vernahmen sie ganz deutlich die Stimme des Wirthes, der befahl, daß man die Geldsäcke forttragen sollte, und sie konnten nun wohl denken, was da geschehen sein mochte, blieben aber mäuschenstill liegen, weil sie angst hatten. – Wie es nun Tag wurde und Alles aufstand, gieng der Wirth in das Zimmer, wo der Kaufmann geschlafen, und erhub ein Geschrei: „Mörder! Mörder!“ und lief zum Gericht und zeigte es an, daß ein Kaufmann über Nacht in seinem Hause ermordet worden sei, und daß er schweren Verdacht gegen drei Handwerksburschen hege, die dicht neben dem Kaufmann geschlafen hätten.

Da kam das Gericht herzu und fand den Kaufmann in seinem Blute liegen, nahm dann auch sogleich die drei Handwerksburschen gefangen und fragte sie: ob sie den Mann ermordet hätten? Da sagte der erste: „wir alle drei!“ der zweite: „um’s Geld!“ der dritte: „und so ist’s recht!“ – „Ei, ihr gottlosen Menschen!“ rief der Richter, und befahl, daß man sie fortführte. Und weil man in ihren Taschen so viel Geld fand, wie man es sonst bei Handwerksburschen [233] nicht antrifft, und sie ganz unverholen die Mordthat bekannten, so wurden sie zum Tode verurtheilt und zum Richtplatze hinausgeführt. Als sie nun aber geköpft werden sollten, da rief eine unsichtbare Stimme: „halt!“ Und mit einem Male fühlten die Handwerksburschen, daß sie wieder reden konnten und erzählten nun Alles, wie es ihnen ergangen war und wie sie nichts weiter, als die drei Antworten auf alle Fragen hätten geben können; zugleich aber zeigten sie den Richtern an, daß der Wirth selbst den Kaufmann umgebracht und seine Geldsäcke ihm weggenommen habe. Da wurde der Wirth festgesetzt, und als man das Geld mit dem Namen des ermordeten Kaufmanns bei ihm fand und seine Schuld offenbar war, erhielt er seine Strafe; die drei Handwerksburschen aber zogen nach der Angst, die sie ausgestanden, fröhlich von dannen und hatten nun Geld genug ihr Lebenlang.

Anmerkung des Herausgebers

[315] 64. Die drei Handwerksburschen. Mündlich aus Lustnau. Bei Grimm entspricht das vollständigere und im Einzelnen abweichende Märchen: die drei Handwerksburschen. Vgl. Müllenhoff a. a. O. S. 150, der betrügerische Wirth, und S. 457, die drei gelernten Königssöhne.