Die drei Könige zu Heimsen (Uhland 1815)

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Textdaten
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Autor: Ludwig Uhland
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Titel: Die drei Könige zu Heimsen
Untertitel:
aus: Gedichte von Ludwig Uhland, Seite 316–318
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
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Quelle: MDZ München = Commons.
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[316]
2. Die drei Könige zu Heimsen.

Drei Könige zu Heimsen, wer hätt’ es je gedacht!
Mit Rittern und mit Rossen, in Herrlichkeit und Pracht!
Es sind die hohen Häupter der Schlegelbrüderschaft,
Sich Könige zu nennen, das gibt der Sache Kraft.

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Da thronen sie beisammen und halten eifrig Rath,

Bedenken und besprechen gewalt’ge Waffenthat:
Wie man den stolzen Greiner mit Kriegsheer überfällt
Und, besser als im Bade, ihm jeden Schlich verstellt.

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Wie man ihn dann verwahret und seine Burgen bricht,

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Bis er von allem Zwange die Edeln ledig spricht.

Dann fahre wohl, Landfriede! dann, Lehndienst, gute Nacht!
Dann ist’s der freie Ritter, der alle Welt verlacht.

Schon sank die Nacht hernieder, die Kön’ge sind zur Ruh,
Schon krähen jetzt die Hähne dem nahen Morgen zu,

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Da schallt mit scharfem Stoße das Wächterhorn vom Thurm,

Wohlauf, wohlauf, ihr Schläfer! das Horn verkündet Sturm.

In Nacht und Nebel draußen, da wogt es wie ein Meer
Und zieht von allen Seiten sich um das Städtlein her;
Verhaltne Männerstimmen, verworrner Gang und Drang,

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Hufschlag und Rossesschnauben und dumpfer Waffenklang!


Und als das Frühroth leuchtet und als der Nebel sinkt,
Hei! wie es da von Speeren, von Morgensternen blinkt!
Des ganzen Gaues Bauern stehn um den Ort geschaart,
Und mitten hält zu Rosse der alte Rauschebart.

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Die Schlegler möchten schirmen das Städtlein und das Schloß,

Sie werfen von den Thürmen mit Steinen und Geschoß.
„Nur sachte! – ruft der Greiner – euch wird das Bad geheitzt,
Aufdampfen soll’s und qualmen, daß euch’s die Augen beitzt!“

Rings um die alten Mauern ist Holz und Stroh gehäuft,

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In dunkler Nacht geschichtet und wohl mit Theer beträuft,

Drein schießt man glüh’nde Pfeile, wie raschelt’s da im Stroh!
Drein wirft man feur’ge Kränze, wie flackert’s lichterloh!

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Und noch von allen Enden wird Vorrath zugeführt,
Von all den rüst’gen Bauern wird emsig nachgeschürt,

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Bis höher, immer höher die Flamme leckt und schweift,

Und schon mit lust’gem Prasseln der Thürme Dach ergreift.

Ein Thor ist frei gelassen, so hat’s der Graf beliebt,
Dort hört man wie der Riegel sich leise, lose schiebt.
Dort stürzen wohl, verzweifelnd, die Schlegler jetzt heraus?

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Nein! friedlich zieht’s herüber, alswie in’s Gotteshaus.


Voran drei Schlegelkön’ge, zu Fuß, demüthiglich,
Mit unbedecktem Haupte, die Augen untersich;
Dann viele Herrn und Knechte, gemachsam, Mann für Mann,
Daß man sie alle zählen und wohl betrachten kann.

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„Willkomm! – so ruft der Greiner – willkomm in meiner Haft!

Ich traf euch gut beisammen, geehrte Brüderschaft!
So konnt’ ich wieder dienen für den Besuch im Bad;
Nur Einen miss’ ich, Freunde! den Wunnenstein, ’s ist Schad’!“

Ein Bäuerlein, das treulich am Feuer mitgefacht,

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Lehnt dort an seinem Spieße, nimmt Alles wohl in Acht:

„Drei Könige zu Heimsen, – so schmollt es – das ist viel!
Erwischt man noch den vierten, so ist’s ein Kartenspiel.“