Die drei Schlösser (Uhland)

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Textdaten
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Autor: Ludwig Uhland
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Titel: Die drei Schlösser
Untertitel:
aus: Gedichte von Ludwig Uhland, Seite 260–262
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
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Originalherkunft:
Quelle: MDZ München = Commons.
Kurzbeschreibung:
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[260]
Die drei Schlösser.


Drei Schlösser sind in meinem Gaue,
Die ich mit Liebe stets beschaue;
Und ich, der wohlbestellte Sänger,
Durch Feld und Wald der rasche Gänger,

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Wie sollt’ ich schweigen von den Dreien,

Die sich dem Gau zum Schmucke reihen?

Das erst’ ist kaum ein Schloß zu nennen,
An wenig Trümmern zu erkennen,
Versunken dort am Waldeshange,

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Sein Name selbst verschollen lange,

Denn seit nicht mehr die Thürme ragen,
Verging nach ihm der Wandrer Fragen.
Doch schreckt dich nicht durch Waldes Dichte
Der Zweige Schlagen in’s Gesichte:

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Dort, wo des Beiles Schläge fallen,

Einsame Waldhornklänge hallen,
Dort kannst du Wundermähr’ erfragen
Von Mauern, welche nicht mehr ragen.
Ja! setzest du im Mondenscheine

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Dich auf’s verfallene Gesteine:

So wird die Kund’, auch unerbeten,
Dir vor die stille Seele treten.

Das zweite meines Dreivereines,
Es scheint ein Schloß, doch ist es keines.

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Du siehst vom hohen Bergesrücken

Es stolz im Sonnenstrale blicken,
Mit Thürmen und mit Zinnen prangen,
Mit tiefem Graben rings umfangen,
Voll Heldenbilder aller Orte,

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Zween Marmorlöwen an der Pforte:

Doch drinnen ist es öd’ und stille,
Im Hofe hohes Gras in Fülle,
Im Graben quillt das Wasser nimmer,
Im Haus ist Treppe nicht, noch Zimmer,

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Ringsum die Epheuranken schleichen,

Zugvögel durch die Fenster streichen.
Dort saßen mit der goldnen Krone
Voreinst die Herrscher auf dem Throne,
Von dortaus zogen einst die Helden,

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Von denen die Geschichten melden.

Die Herrscher ruhn in Gräberhallen,
Die Helden sind im Kampf gefallen;
Verhallet war der Burg Getümmel,
Da fuhr ein Feuerstral vom Himmel,

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Der reiche Schatz verging in Flammen,

Gemach und Treppe fiel zusammen.
Inwendig ward das Schloß verheeret,
Doch außen blieb es unversehret.
Sobald erlosch der Edeln Orden,

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Ist auch ihr Haus verödet worden.

Doch wie noch die Geschichten melden
Der Herrscher Namen und der Helden:
So sieht man auch die Thürm’ und Mauern
Mit ihren Heldenbildern dauern.

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Auch wird noch ferner manch Jahrhundert
[262]

Das hohe Denkmal schaun verwundert
Und jenes Schloß auf Berges Rücken
Verklärt im Sonnenstral erblicken.

Dann zwischen beiden in der Mitte,

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Ein lustig Schlößlein, stellt das dritte;

Nicht stolz auf Berges Gipfel oben,
Doch auf dem Hügel, sanft gehoben;
Nicht in des Waldes finstern Räumen,
Doch unter frischen Blüthenbäumen;

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Mit blanken Mauern, rothen Ziegeln,

Mit Fenstern, die wie Sonnen spiegeln.
Es ist zu klein für die Geschichte,
Zu jung für Sagen und Gedichte.
Doch ich, der wohlbestellte Sänger,

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Durch Feld und Wald der rasche Gänger,

Ich sorge redlich, daß nicht länger
Das Schlößlein bleibe sonder Kunde.
Zur Morgen- und zur Abendstunde
Umwandl’ ich es mit meiner Laute,

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Und wenn dann Klelia, die Traute,

An’s Fenster tritt mit holdem Grüßen:
So will in mir die Hoffnung sprießen,
Daß eine Kunde, drin Geschichte
Sich schön verwoben mit Gedichte,

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Daß solche Kunde bald beginne

Von Klelia’s und Sängers Minne.