Die drei goldnen Brodchen zu Pomsen

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die drei goldnen Brodchen zu Pomsen
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 341-343
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[341]
395) Die drei goldnen Brodchen zu Pomsen.[1]
Mündlich. Frei beh. im Freimüthigen 1814. S. 209.

Zwei Stunden von Grimma an der von hier nach Leipzig führenden Straße liegt das alte Schloß Pomsen. Dasselbe gehörte wie mehrere in der Nähe liegende Dörfer vor Alters der adeligen Familie von Ponickau. Einst war das Haupt dieses Geschlechtes mit seinem Herrn, dem Markgrafen von Meißen in den Türkenkrieg gezogen und hatte seine treue Hausfrau Sarah schwangern Leibes zurückgelassen. Nach einiger Zeit kam sie mit einem Söhnlein nieder, und als sie nun eines Morgens kurz nach Sonnenaufgang mit demselben in ihrem Schlafgemach in dem großen Ehebette lag und Niemanden bei sich hatte – denn Dienerschaft besaß sie nur wenig, weil ihr Gemahl abwesend und sie selbst nicht eben reich war – da sieht sie auf einmal, wie sich die schwere Thür von selbst geräuschlos öffnet und zu derselben in langen [342] Reihen ein Zwergvolk hereinkommt. Die kleinen Leute sind prächtig gekleidet und haben offenbar einen Hochzeitszug vor. An der Spitze der Paare zieht ein Musikchor, dessen Mitglieder wie die ganze Gesellschaft kaum zwei Spannen hoch sind, dann folgen Bräutigam und Braut und deren Eltern und so fort die Hochzeitsgäste immer in bunter Reihe. Sie schreiten bis zu dem ungeheuren Ofen, der den dritten Theil des Zimmers einnimmt, und begeben sich in den Raum, der zwischen den sechs Füßen desselben gewissermaßen eine Art Halle bildet. Hier stellen sie sich paarweise auf und tanzen nach den lieblichen, obgleich leise tönenden Weisen der kleinen Musiker Tänze, deren Reigen und Touren irdischen Augen bisher unbekannt geblieben waren. Nachdem sie nun endlich genug der Freude gehuldigt, schicken sie sich zum Abzug an und verlassen diese sonderbare Tanzhalle wieder ganz auf dieselbe Weise. Wie sie nun an dem hohen Himmelbette der ganz in tiefes Erstaunen versenkten Schloßherrin vorüberziehen, da bleibt auf einmal der kleine Bräutigam stehen, verbeugt sich tief und sagt ihr, er danke ihr im Namen seiner Brüder für die Heimath und den ruhigen Aufenthalt, den sein Volk bisher auf ihrem Schlosse genossen habe, sie hätten, weil es ihnen unter der Erde zu finster gewesen, einmal bei lichtem Sonnenschein ihr Vermählungsfest feiern wollen und zum Danke für die genossene Gastfreundschaft wolle er ihr hiermit drei goldene Brodchen überreicht haben. Diese solle sie wohl aufheben, denn so lange wie diese Brodchen noch im Besitze ihrer Familie[2] sein würden, werde dieselbe grünen und blühen und immer an Reichthum und Glück zunehmen. Damit zog die Zwerghochzeit ab. Die Schloßherrin verfiel vor Schreck in einen tiefen Schlaf, als sie aber erwachte, da lagen die Brodchen auf der Bettdecke und sie sah, daß sie [343] nicht geträumt hatte. Nicht lange hernach kam ihr Eheherr mit Beute reich beladen aus dem Kriege zurück, und Beide ließen nun, damit die Brode nie verloren gehen sollten, dieselben in den einen Thurm des Schlosses Pomsen einmauern. Hier blieben sie auch bis zum 30jährigen Kriege, da kamen einmal die Feinde in’s Dorf und plünderten und brannten das Schloß an, der Thurm stürzte zusammen und die Brodchen waren verschwunden, und seit dieser Zeit schien das Glück die Familie Ponickau verlassen zu haben, denn sie verlor ein Gut nach dem andern, und zuletzt auch Schloß Pomsen.


  1. Ziehnert Bd. III. S. 247. setzt jedoch diese Sage fälschlich in das ebenfalls bei Grimma gelegene Dorf Otterwisch.
    Moser bei Pönicke, Album d. Ritterg. Sachsens. H. XI. S. 30 erzählt nach der im Kirchenbuche zu Pomsen durch M. Steinhäußer niedergelegten Erzählung dieser Begebenheit, jene Erscheinung der Zwerghochzeit habe im J. 1685 Statt gefunden, während Johann Christoph II. von Ponickau Besitzer des Schlosses gewesen sei; die Geschenke hätten aus zwei Brödchen und einem Goldreif bestanden, und seien zusammen in den Schloßthurm eingemauert worden, dort aber im J. 1726 mit diesem durch einen Blitzstrahl in Flammen aufgegangen und seitdem sei der Wohlstand der Familie so zurückgegangen, daß diese 1782 das Rittergut, nachdem es fast 250 Jahre lang in ihrem Besitz geblieben, hätte veräußern müssen. Lyser, Abendl. 1001 Nacht Bd. I. S. 56 sq. versetzt die Sage fälschlich nach Schwaben und erzählt sie von einem Ritter von Bomsen.
  2. Nach einer andern Version der Sage hätte der Zwergkönig je eines dieser Brode für ihre drei Söhne bestimmt und gesagt, dieselben würden drei Schlösser erwerben. So wäre also blos ein Brod nach Pomsen gekommen. Eins dieser Schlösser soll vom Feuer, das andere vom Wasser zerstört worden sein, das dritte aber noch bei der Familie sein.