Die ersten Erstürmer von Leipzig

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Titel: Die ersten Erstürmer von Leipzig
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[672] Die ersten Erstürmer von Leipzig. Allgemein hat es bis jetzt als feststehend gegolten, daß Major Friccius, welcher am 19. Oct. 1813 mit seinem Bataillon als stürmender Sieger durch das äußere Grimmaische Thor in die Stadt Leipzig eindrang, zugleich der Erste gewesen sei, der von den Freundesheeren die innere Stadt betrat. Eine Mittheilung, die der Gartenlaube soeben zugeht, macht jener tapfern Schaar wenigstens diese Ehre streitig. Der jetzige preußische Hauptmann a. D. Herr Mayer, zu Dortmund in Westphalen, damals freiwilliger Jäger im Jägerdetachement des Fusilirbataillons des 1. pommerischen, gegenwärtig 2. preußischen Infanterieregimentes „König von Preußen“, erzählt nach der „Tagesgeschichte“ der genannten Truppenabtheilung den Hergang an jenem Sturmtage wörtlich wie folgt und steht mit seinem Namen für die Wahrheit des Berichtes ein:

„Das Füsilierbataillon des 1. pommerischen Regimentes und sein Jägerdetachement waren vom Geschick vorzugsweise ersehen, den Schlußstein dem ewig denkwürdigen Heldenwerke hinzuzufügen, welches Preußens Krieger an diesem Schreckenstage durch die Erstürmung Leipzigs vollbrachten. – Der Feind war auf dem Rückzuge nach dem Naustädter Thore, als etwa 20 Füsiliere und 10 freiwillige Jäger unter Leitung der Lieutenants von Hohendorff und von Sommerfeld die Esplanade erreichten und nachzügelnde Feinde, welche bei dem daselbst aufgefahrenen Wagen-Train sich aufhielten, verjagten. Sie erbrachen eine kleine, in der Stadtmauer angebrachte Pforte und wurden auf solche Weise die ersten, welche von den vielen tausend Stürmenden die Stadt Leipzig betraten. Mit Hurrah schritt dies Häuflein auf einer langen zum Markte führenden Straße vorwärts; mit tausendfachem Hurrah wurde seine Siegeslust von Leipzigs Bewohnern erwidert, welche aus allen Fenstern mit Tüchern ihren Befreiern ein herzliches Willkommen entgegen jubelten. Doch stutzen mußten die Braven, als links beim Einbiegen auf dem Markte Hunderte von Bärenmützen in Reih und Glied sichtbar wurden; aber an diesem Tage wurden vor dem Angriffe die Feinde nicht gezählt, und deshalb machte die kleine Schaar sich fertig die Feuerröhre auf die Menge zu richten. Da indeß die vermeintlichen Feinde in ruhiger Haltung blieben, die Gewehrkolben zum Zeichen friedlicher Absicht nach oben richteten und ein Adjutant mit weißem Tuche winkend näher kam und die Träger der Bärenmützen als die Garde des in Leipzig gebliebenen Königs von Sachsen bezeichnete: so wurde der Marsch unter der Führung eines jungen Leipziger Bürgers in Begleitung einer jetzt schon ziemlich großen Schaar von Einwohnern nach dem Commandanten-Hause fortgesetzt, vor welchem der Gouverneur der Stadt, der General Bertrand, nebst sieben französischen und polnischen Generalen und mehreren hundert Stabs- und Subaltern-Officieren und Gemeinen sich versammelt hatten. Der Gouverneur ging dem Lieutenant von Hohendorff entgegen, übergab demselben seinen Degen und erklärte sich und die ihn umgebenden Officiere kriegsgefangen mit dem Ersuchen, daß es ihm vergönnt bleiben möge, in dem seither bewohnten Commandanten-Hause bis auf weitere höhere Entscheidung bleiben zu dürfen, welches demselben auch sofort gestattet wurde.“

Wir theilen diese interessante Notiz mit, indem wir dazu ausdrücklich bemerken, daß sie der Ehre und dem Verdienst des Majors Friccius und seiner tapfern Landwehrmänner nicht den geringsten Eintrag thun soll und kann, da ihre That ein Heldenwerk bleibt, ob sie nun die Ersten oder die Zweiten in dem siegjubelnden Leipzig gewesen sein mögen.