Die lange Bank

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Textdaten
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Autor: Johann Karl Wilhelm Geisheim
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Titel: Die lange Bank
Untertitel:
aus: Gedichte, Zweites Bändchen.
S. 133–136
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: Josef Max & Komp.
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Erscheinungsort: Breslau
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[133]
Die lange Bank.


Kegel, Freunde, müßt ihr schieben,
Schieben, was man schieben muß;
Auf die lange Bank, ihr Lieben,
Schiebet nicht der Zeit Genuß.

5
Pflückt die Rosen, schlürft die Reben,

Küsset, herzet, was ihr liebt;
Aber lustig, lustig leben
Kann nur der, der nichts verschiebt.
Chor: Denn am Bankend’ oben

10
          Sitzt der Klappermann.

          Bruder, aufgeschoben
          Ist nicht aufgehoben;
          Endlich muß man dran.

Unser Leben ist ein Garten,

15
Und wir sollen Gärtner sein;

Tausend Blumen giebt’s zu warten,
Pflege brauchen Ros’ und Wein.
Bock, der Gärtner, hat Vergnügen
Morgens schon an Sang und Trank.

20
Hark’ und Spaten läßt er liegen,

Schiebt sie auf die lange Bank.

[134]
Chor: Doch am Bankend’ oben

          Sitzt der Klappermann.

25
          Bruder, aufgeschoben

          Ist nicht aufgehoben;
          Endlich muß man dran.

Gärtner trägt so manchen Gulden
In den kreuzfidelen Krug,

30
Hat zwar minder Geld, als Schulden,

Und noch trank er nie genug.
Zahlung, Mäßigung alltäglich
Zwar verheißt er, reuekrank;
Doch beim Zapfen unbeweglich,

35
Schiebt er’s auf die lange Bank.

Chor: Doch am Bankend’ oben
          Sitzt der Klappermann.
          Bruder, aufgeschoben
          Ist nicht aufgehoben;

40
          Endlich muß man dran.


Neulich um den alten Gatter
Hatt’ er einen harten Strauß,
Mit dem Nachbar, dem Gevatter,
Und dabei fiel grob er aus.

45
Längst verwünschet er die Feindschaft,

Doch zu sühnen alten Zank,
Herzustellen Zaun und Freundschaft,
Schiebt er auf die lange Bank.

[135]
Chor: Doch am Bankend’ oben
50
          Sitzt der Klappermann.

          Bruder, aufgeschoben
          Ist nicht aufgehoben;
          Endlich muß man dran.

Hochzeit wollt’ im Lenz er machen,

55
Und es harrte sein die Maid,

Denn des Eh’stands sieben Sachen
Hielt die treue längst bereit.
Doch, beweglich wie die Welle,
Schiebt die Wiege wank und schwank

60
Gärtner Bock, der Junggeselle,

Annoch auf die lange Bank.
Chor: Doch am Bankend’ oben
          Sitzt der Klappermann.
          Bruder, aufgeschoben

65
          Ist nicht aufgehoben;

          Endlich muß man dran.

Seine Sünden abzubüßen,
Fällt ihm zwar nicht selten ein,
Und oft denkt er dran beim süßen,

70
An das Herz gedrungen Wein;

Fühlt den Unbestand auf Erden
Tief, je mehr er Flaschen trank,
Doch ein neuer Mensch zu werden,
Schiebt er auf die lange Bank.

75
[136]
Chor: Doch am Bankend’ oben

          Sitzt der Klappermann.
          Bruder, aufgeschoben
          Ist nicht aufgehoben;
          Endlich muß man dran.

80
Also allgemach verdorben

Ist der gute Gärtner Bock;
Bis er endlich ist gestorben,
Welkend, wie sein Rebenstock.
Schiebt drum Arbeit, Lieb’ und Leben

85
Und Erhebung, wenn es sank,

Schiebet, Freunde, Ros’ und Reben
Nimmer auf die lange Bank.
Chor: Denn am Bankend’ oben
          Sitzt der Klappermann.

90
          Bruder, aufgeschoben

          Ist nicht aufgehoben;
          Endlich muß man dran.