Die sociale und politische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten:Seite 19

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Die sociale und politische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten
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das Schicksal oder Fatum: „Die deutschen und irischen Millionen haben wie der Neger eine grosse Menge Guano in ihrer Bestimmung. Man fährt sie über den atlantischen Ocean hinüber, man ladet sie über Amerika ab, zu graben und sich zu plagen, das Getreide billig zu machen und dann vor der Zeit sich niederzulegen, um einen Flecken grünen Grases auf der Prairie hervorzurufen.“ Der Philosoph von Concord würde heute wohl dieses Urtheil modificiren, wo sein sich für das Centrum der Civilisation ansehendes Boston seinem Sumner, den besten Ausdruck der Kultur und des Gewissens von Neuengland, von Carl Schurz die Leichen­rede halten lässt. Doch es gab eine Zeit, wo jenes Urtheil volle Berechtigung hatte, wo der Deutsche wie der Irländer nur dazu da schien, um Kanäle zu graben, den Urwald zu klären und den Arbeitslohn herabzudrücken. Wie im prak­tischen Leben, so wurde auch im politischen der Deutsche wie der Irländer von dem Anglo-Amerikaner, dem damaligen Leiter der Geschicke des Landes, nur als Werkzeug zur Aus­führung seiner Pläne benutzt und angesehen. Zur Zeit, als Deutsche und Irländer gemeinschaftlich das Stimmvieh der demokratischen Partei bildeten, konnte von Gleichstellung mit den amerikanischen Herren keine Rede sein; welche in ähnlicher Weise auf jene Ausländer herabblickten, wie diese selbst wieder auf die nicht stimmberechtigten, weil ihrer un­geheuren Mehrzahl nach in Sclaverei befindlichen Neger. Von Belohnung für Parteidienste durch höhere Aemter war kein Gedanke; man findet vor 1852 kaum einen deutschen Namen in den gesetzgebenden Körpern der Einzelstaaten, und selbst in den grösseren Städten brachten es die Deut­schen selten höher als Konstabler, Aldermann und Friedensrichter.

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