Die sociale und politische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten:Seite 3

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Die sociale und politische Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten
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geworden, der Politiker stirbt im Congress, der Geschäfts­mann in seinem Comtoir, von einer Klasse von Rentiers wie in Europa ist keine Rede.

     Es ist bezeichnend für den Gährungscharakter, in wel­chem sich Alles noch befindet, dass von einer amerikanischen Nationalität kaum gesprochen werden kann, dass ein Ver­such, das amerikanische Volk zu charakterisiren, fast aus­schliesslich auf Negationen angewiesen ist, wenn es gilt, sein Wesen dem europäischen Bewusstsein näher zu bringen. Diese Schwierigkeit ist namentlich bei der Schilderung des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens eine ausserordent­liche. Während in Europa der Kampf gegen irgend eine feste Macht, gegen irgend welche Klassenprivilegien den In­halt des politischen Lebens bildet, fehlt es in den Vereinigten Staaten an einem solchen festen Kern, an einer geschlosse­nen Macht, welche das Princip des Stetigen den es fort­während zu vernichten bestrebten Mächten des Wechsels und neuer Entwickelungen gegenüber verträte. Man hat die Republik mit dem Meere verglichen, dem ewig auf- und abwallenden, und die ewige Bewegung, welche das Meer ewig rein erhält, auch als Lebensbedingung der Republik betont. Aber auch im Meere giebt es Strömungen und die Gesetze der Stürme werden mit jedem Jahre klarer. So finden sich auch in den Vereinigten Staaten stetige und ge­waltige Faktoren, welche den Stürmen zu Grunde liegen oder welche die unter der Oberfläche sich vollziehende Entwickelung zu neuen Gestaltungen bedingen.

     Zu diesen Faktoren gehören vor Allem die verschiedenen Nationalitäten, ja Rassen, aus denen das amerikanische Volk weniger besteht als sich langsam emporbaut. Wer Sealsfield’s