Die verbannten Bauerburschen

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Textdaten
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Autor: Heinrich Gottlob Gräve
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Titel: Die verbannten Bauerburschen
Untertitel:
aus: Volkssagen in der Lausitz, in: Neues Lausitzisches Magazin, Sechszehnter, Neuer Folge dritter Band, S. 133–134
Herausgeber: Joachim Leopold Haupt
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1838
Verlag: Heyn’sche Buch- und Kunsthandlung
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Erscheinungsort: Görlitz
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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Neues Lausitzisches Magazin 16 NF3 1838.pdf
Bearbeitungsstand
fertig
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9. Die verbannten Bauerburschen.

Auf den von Kamenz nach Gersdorf über das Dorf Gölenau hinführenden Weg geht man ungefähr eine Viertelstunde vom letzten Orte, durch ein mit mancherlei Gesträuch bewachsenes Büschchen, nach welchem man zu einem kleinen Teich gelangt. Die Gegend nennt man im Allgemeinen das gölenauer Weidig. Das ist ein unheimlicher Ort. Aechzen und Seufzen, Zischen, Schnarren und Pfeiffen, manchmal mit Weheklagestimmen vermischt, ertönt, wunderbare Gestalten in der Luft, im Wasser und auf der Erde zeigen sich, in des einsamen Wanderers Blicken, ihn auf mancherlei Art und Weise zu necken, irre zu führen und sodann mit schadenfrohem Hohngelächter zu verlassen. Oft hucken die hämischen Geister dem Waller auf, beschweren ihn mit bedeutender [134] Last, ihn nicht eher verlassend, als bis er durchschwitzt und ermüdet niedersinkt und einen barmherzigen Samariter, der ihn aufhebt, erwarten, oder sich unter Aengsten und Mühen mit zermalmten und zerstoßenen Gliedmaßen ins nächste Dörfchen schleppen muß. Nicht selten erscheint sogar ein scheußliches Ungeheuer, welches, wie Kaliban in Shakespears Sturm, weder Mensch noch Fisch ist, und verfolgt in großer Eidechsengestalt den Reisenden, tritt ihm, schreitet er vorwärts, in den Weg, versperrt selbigen, wenn er rückwärts will und schießt, gleich einem Stachelschweine seine Pfeile auf ihn ab, welche, obgleich unempfindbar, doch Beulen Blutstriemen und Wunden auf dem Leichname zurücklassen. Die Ursache dieses Spuks ist diese.

1537 am Vorabende des Christtages zog eine Gesellschaft junger, wüster Burschen, wie man sie auf unsern Jahrmärkten noch jetzt überall sehen und hören kann, in das freundliche Landstädtchen Pulßnitz und kehrten in der vierten Nachmittagsstunde wiederum in ihre Heimath, das Dorf Neukirch zurück. Wegen des zu viel genossenen Weines aber und da noch überdieß ein heftiges Schneegestöber eingetreten war, kamen sie im Taumel von der rechten Straße ab. Unwirrsch darob machte sich ihr Grimm durch Schimpfen und Fluchen Luft, wovon sie ein des Weges mit seinem Sakristan kommender Mönch, welcher in Gersdorf Amtsverrichtungen hatte, auf eine freundliche Art und Weise abmahnen wollte. Allein, Hohn und Spott wurde ihm von der wilden Rotte zu Theil, welche ihre Worte reichlich mit Schneeballen besiegelte.

Da ergrimmte der Heilige in Zorn, wie ehemals der Prophet Elisa, und verbannte sie in jenen Teich, wo sie bis heut noch ihr loses Spiel treiben, wogegen weder Beten noch Fluchen des Reisenden hilft.