Drei Rosen auf Einem Stiel

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Textdaten
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Autor: Ernst Meier
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Titel: Drei Rosen auf Einem Stiel
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 202-204
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[202]
57. Drei Rosen auf Einem Stiel.

Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Töchter, die konnten sich nicht gut mit einander vertragen; daran war aber besonders die Eine Schuld. – Eines Tages wollte der Vater auf den Markt gehen und fragte die Töchter: „was soll ich Euch mitbringen?“ Da wünschte sich die eine ein schönes Kleid, die andre, welche die bravste war, drei Rosen auf Einem Stiel. „Wenn ich die nur bekommen kann,“ sagte der Vater und gieng fort und kaufte auf dem Markte ein neues Kleid; aber so viel er sich auch unterwegs und nachher auf dem Markte nach Rosen umsah, so konnte er doch keine gewahr werden.

Endlich, als er schon wieder auf dem Heimwege war, sah er in einem Garten einen blühenden Rosenstrauch, und da waren auch gerade drei Rosen auf Einem Stiel beisammen, wie es die Tochter sich gewünscht hatte. Da stieg er in den Garten und brach sich die Rosen ab. Aber mit einem Male stand da ein schwarzes, haariges Ungeheuer und sagte: „was machst Du da in meinem Garten?“ Der Mann erzählte nun, daß er eine Tochter habe, die sich drei Rosen auf Einem Stiel gewünscht habe, und bat, daß er diese Rosen, die er schon so lange gesucht, mitnehmen dürfe. Da sagte das Thier: „ja, Du darfst sie mitnehmen, mußt aber dafür Morgen um die und die Stunde mit deiner Tochter hieherkommen, sonst wirst Du sterben.“ Da versprach der Mann, daß er wiederkommen wollte, und gieng mit seiner Rose heim und führte am andern Tage die Tochter her; [203] verspätete sich aber ein wenig. Indessen war es eben noch Zeit. Da fand er in dem Garten einen Tisch schön gedeckt und mit Speisen reichlich besetzt; und er setzte sich mit seiner Tochter hin und aß; und als sie fertig waren, erschien auch das Thier und fragte: ob das die Tochter sei, welche sich die drei Rosen gewünscht? Und als der Vater ja sagte, sagte das Ungeheuer: „nun, so kannst Du nur wieder nach Haus gehen; deine Tochter aber muß hier bleiben.“

Da gieng der Vater allein heim und ließ seine Tochter voll Sorge zurück. Das Ungeheuer aber führte sie alsbald in ein schönes Gartenhaus und zeigte ihr die herrlichsten Schmucksachen von Gold und Silber und Edelsteinen, von denen sie sich auswählen durfte, was ihr gefiel; und als sie das gethan hatte, sagte das Ungeheuer: „jetzt kannst Du auch wieder heimgehen, mußt aber morgen um die und die Zeit wieder hier sein!“ Ja, das wollte das Mädchen auch gern, und kehrte vergnügt zu ihren Eltern zurück.

Da ärgerte sich aber die andre Schwester über den kostbaren Schmuck, und hielt ihr Schwesterlein am folgenden Tage, als es wieder in den Garten wollte, aus Neid so lange auf, daß es zu spät kam. Wie es nun in den Garten trat, war Niemand da zu sehen und zu hören. Da rief es ganz ängstlich: „liebes Thierle, wo bist?“ Da hörte es zur Seite in dem Graben etwas wimmern und winseln („gilfen“) und gieng darauf zu, und sah das Thier drin liegen. „Ach, seufzte das Unthier, wärst Du nicht bald gekommen, so hätte ich sterben müßen.“ – Dann kroch es aber heraus, streifte sich mit einem Male den haarigen Pelz [204] herunter und stand da als ein schöner junger Mann. Da waren beide seelenvergnügt und hielten Hochzeit und lebten glücklich mit einander bis an ihr Ende.

Anmerkung des Herausgebers

[313] 57. Drei Rosen auf einem Stiel. Mündlich aus Tübingen. Verwandt ist bei Grimm das Löweneckerchen, Nr. 88, und weiter auch [314] im Allgemeinen: Hans mein Igel und das Eselein. Im Pentamerone entspricht das Zauberkästchen II, 9.