Dreihunderttausend mehr

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gerstäcker
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Titel: Dreihunderttausend mehr
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 56
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[56] Dreihunderttausend mehr. Als in dem letzten, furchtbaren amerikanischen Kriege die Südstaaten eine letzte verzweifelte Anstrengung machten, da rief Abraham Lincoln auch den Norden zu erneuten Kämpfen auf. Sechshunderttausend Mann waren schon vorangeschickt und hatten blutige Schlachten, besonders bei Richmond, geschlagen. Abraham Lincoln forderte dreihunderttausend mehr, und der Feind wurde, während die Bürger des Nordens von allen Seiten herbeiströmten, vernichtet.

General Moltke fordert ebenso jetzt, wie wir lesen „dreihunderttausend mehr“.

Von allen Seiten strömen unsere Leute zu den Waffen, sie verlassen Haus und Heerd, in die glorreichen Spuren der schon Vorausgegangenen zu treten und den so herrlich begonnenen Kampf gleich herrlich zu Ende zu führen. Jeder kennt das Opfer, das er bringt; Jeder kennt aber auch den Preis, um den gerungen wird und der Deutschland zufallen muß.

Diese Einmüthigkeit des Wollens und der Opferfreudigkeit ruft mir ein Gedicht in Erinnerung, welches bei dem obenerwähnten Aufruf Lincoln’s von einem Amerikaner gedichtet wurde. Es paßt so sehr auf unsere gegenwärtigen Verhältnisse, daß ich mir nicht versagen kann, es in nachfolgender Uebersetzung wiederzugeben.
F. Gerstäcker.

          Dreihunderttausend mehr.
Wir kommen, Vater Abraham, dreihunderttausend mehr,
Von Mississippis wildem Strom und von Neu-England her.
Wir ließen Pflug sind Arbeit stehn und Weib und Kind zurück,
Mit Herzen voll zum Springen, doch – die Thrän’ im Aug’ zerdrückt.
Wir dürfen auch zurück nicht schau’n – vor uns liegt Pflicht und Ehr’ –
Wir kommen Vater Abraham, Dreihunderttausend mehr.

Und wenn Du auf die Hügel blickst, die dort im Norden steh’n,
So kannst du lange, staub’ge Reih’n, die sich bewegen, seh’n,
Und scheucht der Wind den Schleier fort, der auf dem Zuge liegt,
Mit Sternen und mit Streifen hoch das theure Banner fliegt.
Und Bajonnete blitzen drein, im Arme das Gewehr,
So kommen, Vater Abraham, Dreihunderttausend mehr.

Und siehst Du weit das Thal hinauf, das sonst der Pflug durchzieht,
Da treten uns’re Burschen schon in Reihe und in Glied,
Und Kinder klein und ungeschickt, die lernen draus im Feld
Die Arbeit, die für’s Vaterland den Ackergrund bestellt.
Und überall stehn Gruppen, ach, der Abschied war so schwer!
Wir kommen, Vater Abraham, Dreihunderttausend mehr.

Du riefst uns, und für Vaterland und Freiheit gutgewillt,
So zogen wir zum Kampf herbei, zu Richmonds Blutgefild
Und muß es sein – zum Tod! Doch giebt uns Gott der Herr den Sieg,
So brechen wir des Feindes Trotz in diesem blut’gen Krieg.
Sechshunderttausend Herzen brav marschirten vor uns her –
Wir kommen, Vater Abraham, Dreihunderttausend mehr.

Emmons.