Ein Feinschmecker

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Textdaten
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Titel: Ein Feinschmecker
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 199–200
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[193]
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Ein Feinschmecker.
Nach einem Gemälde von E. Roskovics.

[199] Ein Feinschmecker. (Zu dem Bilde S. 193) Der Kohl ist das Lieblingsfutter der Hasensippe. Der Lampe im Felde und das Kaninchen im Hofe fressen ihn über alles gern. Der kleine „Hans“ auf unserem Bilde, der Liebling der schmucken Gärtnerin, zeigt jedoch besondere [200] Geschmackslaunen. Er läßt das saftige Kohlblatt, das ihm seine Herrin, vorhält, unbeachtet und beginnt an der Rose, die in ihrem Mieder steckt, herumzuknabbern. Der leckere Patron lebt im Ueberfluß und ist aus Uebersättigung zu einem Feinschmecker geworden. Es ergeht ihm just wie so vielen Menschen, die im Ueberfluß leben und, da sie keinen rechten Hunger spüren, sich das Naschen angewöhnen. Sie trinken und essen dann alles mögliche, Perlen in Essig aufgelöst und Veilchen und Rosen in Zucker. Glücklicher sind jedoch diejenigen, denen das Schicksal, freilich ohne sie in Notdurft zu versetzen, einen derben Strich durch die Feinschmeckerei macht; denn eine echte gesunde Lebensfreude blüht dem Menschen bei Brot und dem Hasen bei Kohl. Diese Weisheit scheint der Langohr auf unserm Bilde schon durch seinen Naturinstinkt herauszuwittern, denn während er noch an der Rose knabbert, schielt er schon mit dem einen Auge nach dem saftigen Kohlblatt hinüber. Es liegt also eine Moral auch in dieser dem Leben abgelauschten Tiergeschichte, die auf unserem Bild so ansprechend dargestellt ist.