Oelmühle im Borghettothale bei Bordighera

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Autor: Woldemar Kaden
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Titel: Oelmühle im Borghettothale bei Bordighera
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 199
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[181]
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Oelmühle im Borghettothale bei Bordighera

Nach der Natur gezeichnet von H. Nestel.
[199] Oelmühle im Borghettothale bei Bordighera. (Zu dem Bilde S. 181.) „In einem kühlen Grunde –“ … auch die italienische Landschaft kennt Stimmungsbilder, welche dem so echt deutschen Lied vom rauschenden Mühlenrad entsprechen. H. Nestel führt uns ein solches in Frühlingsbeleuchtung vor. Dieser kühle Grund findet sich in den Bergen, die das Mittelmeer längs der berühmten Riviera säumen, er führt den Namen Val di Borghetto, nach einem kleinen Flecken benannt, und läuft an dem sehr malerischen Nestchen Vallebuona, der Deutsche würde Gutenthal sagen, vorüber. Daß wir in Italien sind, zeigt uns die Vegetation. Von den Palmen, von den Orangen- und Citronengärten Bordigheras kommen wir her, auf den Hügeln breiten die Blumen ihre Schirme, Oleander säumen die Bäche, der Duft des Ginsters, des Rosmarins, der Rauke und des Leutisens füllt die Luft. Was aber der ganzen Gegend ihren eigentlichen Charakter verleiht, das ist der silberblättrige Oelbaum. Zwei Drittel des gesamten Kulturlandes von Taggia bis Nizza sind mit Olivenbäumen bepflanzt. Ihre Kultur ersetzt in dieser Gegend die Getreidekultur, seit im 11. Jahrhundert der Oelbaum zuerst hier angepflanzt wurde und Oelmühlen errichtet wurden. Auch die Mühle im Borghettothal ist eine Oelmühle, sehr malerisch, aber sehr ursprünglich. Denn wenn man die edle Frucht auch heute nicht mehr in Säcke füllt, die man zwischen zwei Balken preßt, so ist ihre Behandlung, genau wie die der Traube in diesen weltfernen Orten, recht miserabel. Zur Reinigung wird das gewonnene Oel nur zu oft noch in Gruben (trogli) gefüllt, die im Grunde der Mühlen gegraben und mit Schiefer ausgemauert sind. Wer von diesem Oele essen muß, singt keine „Müllerlieder“ mehr, aber auch der Oelmüller ist ein klang- und poesieloser Mann, meist ein armer Teufel, Wie der Olivenbauer selber, der die eine Hälfte des Jahres in überschwenglichen Hoffnungen, die andere zumeist in Trauer über die nicht erfüllten verbringt. Bordighera, das einst Vorort der kleinen selbständigen Republik „Otto Luoghi“ war, zu der auch Borghetto und Vallebuona gehörten, ist dagegen durch seine Gartenkulturen berühmter. Man erzielt hier allein durch den Verkauf von österlichen Palmenzweigen einen Jahresgewinn von 60 000 Lire, aus den Veilchen- und Orangenblüten einen solchen von 20 000.
Woldemar Kaden.