Ein Hofnarr in tausend Nöten

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Titel: Ein Hofnarr in tausend Nöten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 100
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[100] Ein Hofnarr in tausend Nöten. Aus dem Dresdener Archiv wird vom Archivrat Distel ein ergötzliches Schreiben des Hofnarren Fröhlich an seinen Herrn, den Kurfürsten Friedrich August von Sachsen, veröffentlicht. Fröhlich versichert zunächst den königlichen Herrn seiner treuen Anhänglichkeit in überschwenglichen Wendungen, die einem Shakespeareschen Clown Ehre machen würden. Der König habe ihn durch seine Huld und Gnade dermaßen verwöhnt, „daß keine Seemuschel oder Auster in dem tiefen Meeresgrunde so feste an den Felsen angewachsen und sich daran halten kann, als mein Herz an der felsenfesten Gnade Eurer Majestät hanget. Denn wenn ich alle Gnadenbezeigungen aus diesem engen Blatte namhaft machen sollte, welche gleich einem Strom auf mich dürren Stockfisch zeithero zugeflossen und dadurch ich so geschmeidig geworden bin, als ein in Butter zerlassenes Ei oder wie ein neunmal aufgewärmtes Sauerkraut, so wäre es ebenso viel, als wenn mir einer zumutete, ich sollte an einem Tage von hier bis Gibraltar laufen und morgen wieder zu Mittag hier sein“. Der arme Narr, der sich unterzeichnet als „allerunterthänigster von Kummer und Schulden ausgemergelter armer, doch hochweiser Bürgermeister von Narrendorf“, erkennt es in seinem Schreiben an, daß er seine frühere Schuld noch nicht abgetragen hat. „Es gehet mir jedoch nicht wenig zu Herzen, daß ich mein bürgermeisterliches hohes Wort nicht halten und mich mitsamt dem Darlehen meinem allervornehmsten Herrn Gläubiger zu Füßen werfen könne, inmaßen mir dann der Kummer dermaßen zusetzt, daß, da ich sonsten täglich mit vier Kannen Wem mich habe beholfen, ich jetzo mit sechs Maß kaum auskommen kann, zu geschweigen, daß meine Magd täglich acht Groschen mehr Marktgeld für die Küche fordert und haben will.“ Nachdem Fröhlich so seine „bittere Not“ geklagt, giebt er seinem Bittgesuch folgende de- und wehmütige Gestalt: „Dahero komme ich armer Schelm an die Banco meines einmal wie das andere freundlichen Herrn Creditoris und klopfe mit dem Hammer meines Elends an das Comptoir meines allergütigsten Herrn Banquiers mit mehr als fußfälliger, mit mehr als barmherziger, ja mit mehr als miserabler Bitte, Ew. Maj. gernheu mich bärenhäuterischen Debitoren mit eben einem solchen Geldsacke, wie der vorige mit dem Darlehen gewesen, nun schon vollends zu Boden zu werfen, daß ich das Aufstehen bis aus die Leipziger Neujahrsmesse vergessen möge, da ich dann, ehender aber nicht, verspreche, daß ich mich wieder werde erholet haben und will ich sodann alle beide Geldsäcke, den vorigen und den jetzigen, wieder bringen und trotz einem Bürgermeister jedem ehrlichen Kerl unter die Augen gehen. Ich bitte ja gar zu entsetzlich sehr, E. M. gewähren mich doch meine Bitte, wenn es möglich ist; denn ich bin ärger als mein kleiner Prinz; wenn der was haben will, so zerrt er so lange, bis ich’s ihm gebe.“

Ob der neue Geldsack durch die Gnade des Kurfürsten-Königs in Fröhlichs Narrenhäuschen in Dresden gewandert ist, darüber schweigen die Quellen des Archivs.