Ein Wink

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: H. A. von Berlepsch
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein Wink
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 432
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Schweiz, ein Asyl in Kriegszeit
Blätter und Blüthen
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[432] Ein Wink. Heute, wo ganz Deutschland von Kriegsgetümmel erfüllt ist, der Kern seiner Jugend unter den Waffen steht und der Ausbruch der thatsächlichen Feindseligkeiten begonnen hat, ohne daß man noch absehen kann, wohin sie führen, ist die Summe derer nicht klein, die, sei es um ihrer schwachen Nervenconstitution willen, sei es im Allgemeinen ihres leidenden Körperzustandes wegen, sei es aus absolutem Ruhe- und Friedens-Bedürfniß, sich mit dem Gedanken vertraut machen, Haus und Hof (oder wer solches nicht selbst besitzt, die Besorgung seiner Angelegenheiten) irgend einem mit mehr Fassung, Ruhe und größerer Nerven-Widerstandsfähigkeit ausgerüsteten Freunde und Anwalt zu übergeben und eine Gegend für den Sommeraufenthalt zu suchen, die voraussichtlich noch einige Zeit vom allgemeinen Weltbrande verschont bleiben dürfte.

In dieser Beziehung sind, wie dies die Gartenlaube bereits hervorgehoben hat, Aller Augen auf die keiner diplomatisch-abgegrenzten Partei angehörende, neutrale Schweiz gerichtet, und schon jetzt geschehen Anfragen von Deutschland aus dorthin, um im Falle des Entschlusses gehörig unterrichtet zu sein. Daß in diesem Sommer die Schweiz, die aus den Reisemonaten Juni bis October jährlich eine Einnahmequelle von vielen Millionen Franken zieht, keine brillanten Geschäfte mit den Geldbeuteln der Touristen machen wird, darüber ist man einig. Aber deshalb wird die Schweiz eben nicht ohne Fremde sein, sondern es wird sich theilweise ein Aequivalent durch die vor den Kriegsunruhen sich flüchtenden Friedensleute herausstellen, wenn es auch vielleicht seinem Gesammt-Geldumsatze nach nicht das bietet, was ein guter Reise-Sommer im Frieden dem Lande einbringen würde. Der Schweizer ist übrigens nichts weniger als Umstürzler und Revolutionär, für den man ihn noch hier und da im Auslande hält; es kann vielmehr kein friedliebenderes und conservativeres Volk in ganz Europa geben als die Schweizer, so daß der Fremde in der Schweiz unangefochtener und sicherer lebt als irgendwo anders.

Ein altes bekanntes Sprüchwort heißt: „Point d’argent, point de Suisse,“ zu Deutsch: „Kein Geld, kein Schweizer,“ was etwa so viel sagen soll, als: „Wo kein Geld zu verdienen ist, da ist auch kein Schweizer zu haben.“ An dem Worte ist Wahres und Unwahres, nicht mehr und nicht minder, als wie man sagen könnte: „Kein Geld, kein Amerikaner,“ „Kein Geld, kein Pariser, Londoner, Petersburger“ etc. etc. Die Jagd nach Geld ist allgemein und wahrlich in Deutschland nicht geringer, als anderswo. Wer auf der breiten Heerstraße läuft, nun freilich, der muß zahlen, in der Schweiz wie am Rhein und in England und überall, wo er fremd ist; aber wer einigen Anhalt hat, wer die Leute kennen lernt, der wird finden, daß es in der Schweiz nicht schlimmer ist, als anderswo.

Dies jedoch schließt nicht aus, daß derjenige, welcher die Schweiz für längere Zeit zum Aufenthalte zu nehmen gesonnen ist, vorher ruhigen Blickes, vielleicht an der Hand eines Freundes oder Landsmannes, das Terrain genau recognosciren sollte, auf dem er sich zu bewegen gedenkt. In diesem Falle wird ein Jeder, und wenn er über den allergesegnetsten Geldbeutel der germanischen Christenheit zu verfügen hätte, dennoch neben den Anforderungen, die er an Lage, Leistung und Comfort seiner Wohnung stellt, auch die financielle Seite gebührend in’s Auge fassen. Es handelt sich hier nicht darum, für eine Nacht, ein Essen oder ein Frühstück in diesem oder jenem Hotel einer Uebertheuerung auszuweichen, – auf solche muß man zur Zeit der allgemeinen Touristen-Wanderung im Voraus gefaßt sein und sie ruhig in Kauf nehmen, ohne sich im Reisegenusse stören zu lassen, – es handelt sich um einen monatlichen oder mehrmonatlichen Aufenthalt, sei es im Gasthofe oder im Pensionshause oder in der Privatwohnung, und das damit verbundene, mehr oder minder entsprechende Behagen.

Nun der Kernpunkt dieser Zeilen. Nicht Jeder hat einen Freund oder Verwandten oder Landsmann in der Schweiz, an den er sich wenden könnte, und falls er wirklich einen solchen hat, ist dieser vielleicht nicht im Fall, die umfassende Auskunft geben zu können, die man verlangt. Ich lebe seit fast zwanzig Jahren in der Schweiz und glaube, ihre Localitäten, Zustände, Einrichtungen und auch ein gut Theil ihrer Leute kennen gelernt zu haben, – sowohl solche, mit denen man frisch gerade und loyal verkehren kann, die, wie man sagt, rechte Leute sind, – als auch solche, die – anders sind.

In den letzten Wochen haben Freunde und Benutzer meines Reisebuches mehrfach an mich geschrieben und um meinen Rath gebeten. Ich denke, es ist mithin im Sinne der Tendenzen, welche die Gartenlaube verfolgt, wenn ich sage, daß ich zu gleichem Zwecke auch fernerweit zu nützen bereit bin. Also, wer meine Adresse benutzen will, sie ist: Hottingen bei Zürich.
H. A. Berlepsch.