Ein californischer Vergnügungsgarten

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Autor: Theodor Kirchhoff
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Titel: Ein californischer Vergnügungsgarten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 665–667
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Ein californischer Vergnügungsgarten.
Von Theodor Kirchhoff.


Die Stadt San Francisco besitzt einen reizenden Erholungsort in ihrer Mitte, welcher in seiner Art kein Seitenstück in Amerika, vielleicht nicht in der Welt, hat – den „Woodward’s Garten“, der den Namen seines Eigenthümers und Gründers führt. Andere Städte haben ohne Frage großartigere Parks, Museen, Aquarien, botanische, zoologische und ähnliche Gärten aufzuweisen; aber dieselben sind fast ohne Ausnahme durch Staats- oder städtische Mittel, oder von Actiengesellschaften in’s Leben gerufen worden und werden als öffentliches Gemeingut betrachtet. Hier hingegen hat ein reicher Privatmann, ganz auf sich angewiesen und unter den schwierigsten äußeren Verhältnissen, alle jene Anlagen und Einrichtungen vereint hergestellt und damit eine in der That ganz außerordentliche Fülle von Sehenswürdigkeiten und Unterhaltungen der verschiedensten Art verbunden. Inmitten eines wahren Sandchaos, am Westende des städtischen Weichbildes, liegt jener prächtige Garten und Vergnügungsort. Durch Anwendung zahlreicher Sprüh-Fontainen wurden auf dem sandigen Boden, der nur einer reichlichen Bewässerung bedarf, um eine üppige Vegetation aus ihm hervorzurufen, parkähnliche Anlagen geschaffen, welche jedem Kunstgarten Deutschlands zur Zierde gereichen möchten.

Eine Fahrt von einer halben Stunde in einem der zahlreichen Straßenbahnwaggons, die alle gedrängt voll Menschen sind, bringt uns vor das Portal des mit einer hohen Holzringmauer umschlossenen Gartens, welcher sich schon von fern durch die vielen von seinen fremdartigen Gebäuden wehenden Fahnen bemerkbar macht. Amerikanische, französische, englische und deutsche Flaggen wehen dort nebeneinander und kennzeichnen den kosmopolitischen Charakter des Etablissements. Ueber dem Eingangsthore paradiren in Lebensgröße zwei gewaltige, aus Holz geschnittene Grisel-Bären, das Wappen Californiens darstellend. Die in das weitgeöffnete Portal hineinströmende Menge besteht aus einem Gemisch aller diese Großstadt bewohnenden Nationen, und sogar der langzopfige sparsame „John Chinaman“ und die schiefäugigen Töchter des himmlischen Reiches – auf wackelnden Kahnpantoffeln, mit Pumphosen, Kittel und zusammengekleisterter Schmetterlingsfrisur – sind mitunter so verschwenderisch, die zwei Bit Entrée (ungefähr zehn Groschen, die hier einen Werth von etwa zwei und einem halben Groschen repräsentiren) nicht zu scheuen, welche Jedem den Zutritt zu allen Herrlichkeiten des Woodward-Gartens geben. Doch bilden unsere deutschen Landsleute an Sonntagen dort stets die überwiegende Zahl von Besuchern, und nicht selten erinnern unter dem Menschengewühle die schmucken Uniformen und blitzenden Helme der Füsiliere und die Käppis der deutschen Jäger an die ferne Heimath.

Wir wollen indeß die Anlagen und Sehenswürdigkeiten dieses californischen Vergnügungsortes etwas näher betrachten. Inmitten saftiggrüner Rasenplätze und anmuthiger Bosquets liegen große Glashäuser und Orangerien, voll von einheimischen und exotischen Pflanzen, und in einem der Hauptgebäude befindet sich ein Museum mit reichhaltigen Sammlungen von Fossilien, thierischen Mißgeburten, indianischen und anderen Curiositäten, Münzen etc., worunter ein Cabinet von 1587 Stücken werthvoller japanesischer Mineralien, wie man behauptet, das vollständigste seiner Art, welches bis jetzt von dem ostasiatischen Inselreiche nach Europa oder Amerika gebracht worden ist. Die hier in großer Menge zur Schau gestellten ausgestopften Vierfüßler, Vögel und Amphibien etc. bilden eine der besten Sammlungen ihrer Art in Amerika. In einem anderen Gebäude treffen wir eine für hiesige Verhältnisse ganz ansehnliche Kunstgalerie, meistens Gemälde, sowie einige Statuen.

Den hier und dort mit Götterfiguren geschmückten Garten durchwandernd, sehen wir auf den weichen Rasenteppichen zahme Rehe und Antilopen und müssen einem großen Pelikan Platz machen, der ungenirt daherspaziert kommt. Eine prächtige Fontaine ergießt sich über einen hohen Felsbau, und Schwimmvögel aller Art beleben die Teiche und Flüßchen. Ein Wassercaroussel – bestehend aus einem schmalen mit Rudern und Segeln versehenen, reifenartigen cirkelrunden Boote, welches Sitze für hundert Personen hat und sich unablässig auf den Fluthen eines kleinen Sees herumdreht – ist stets von jubelnden, eifrig rudernden Knaben und Mädchen dicht besetzt; auf gewaltigen Schwingleitern sausen Andere haushoch hin und her durch die Luft; wieder Andere reiten, etwa ein Dutzend und mehr auf einmal, aus einem mit einer wahren Engelsgeduld gesegneten Dromedare, fahren in niedlichen mit Ziegenböcken bespannten Wägelchen, oder versuchen einen Ritt auf einem Maulesel, der nach einigen Schritten jedesmal den Kopf zwischen die Vorderbeine nimmt und, hoch hintenausschlagend, seinen Reiter unter dem Gelächter der Zuschauenden in den Sand bettet. Auf einem vom Hauptgarten getrennten geräumigen Platze, wo sich auch die meisten wilden Thiere befinden, ist ein Amphitheater, um dem Publicum Gelegenheit zu geben, mitunter japanesischen Akrobaten und Tausendkünstlern, olympischen Wagenrennen, Paraden der Miliz, dem Aufsteigen von Luftballons etc. zuzusehen.

Die zoologischen Abtheilungen sind besonders reichhaltig. In einem tropischen Thierhause wohnen Alligatoren aus Mexico, Iguanas und Armadillas aus Centralamerika, Gold- und Silberfasanen aus Japan, ein Vampyr und prächtig befiederte australische Vögel in Eintracht beisammen. Wilde Thiere – kolossale californische Grisel-Bären, bengalische Tiger, Hyänen, californische Löwen, Alaska-Bären, Jaguare, Llamas, Waschbären, Büffel, Pumas und viele andere Vierfüßler – nebst Schlangen und einer Unzahl von Vögeln aus allen Welttheilen begegnen uns auf Schritt und Tritt, theils hinter wohlverwahrten Gitterstäben, theils mehr oder weniger sich der Freiheit erfreuend. Die allen Thiergärten stereotype „glückliche Familie“ und unsere angeblichen Vorfahren im „Affenhause“ finden auch hier stets ein zahlreiches und bewunderndes Publicum.

Unter den Thieren bilden die Seelöwen in zwei großen, mit hochaufgebauten Felsinseln versehenen Bassins für Alt und Jung das höchste Interesse. Zur Fütterungszeit sind die nahe bei den Bassins aufgeschlagenen Gerüste stets schwarz von einer neugierigen Menschenmenge. Die ungeschlacht aussehenden Kolosse, von denen einige bis fünfzehnhundert Pfund wiegen, klettern mit ihren großen Schwimmflossen, welche sie wie Füße benutzen, mit staunenswerther Behendigkeit auf die steilen Felsen, brüllen einander grimmig an, recken die mächtigen Schultern und stürzen sich jählings in die hochaufspritzenden Fluthen nach den hineingeworfenen Fischen, verfolgen sich, jagen sich den Raub ab, schwimmen mit pfeilähnlicher Schnelligkeit hin und her und balgen sich miteinander, wobei die kleineren Seehunde stets vor ihren riesigen Stammesgenossen die Flucht ergreifen. Wenn die fremdartigen gewaltigen Thiere oben auf der Klippe Siesta halten, werden sie mitunter von den Wärtern mit langen Stangen aufgestört, blicken die Zuschauer mit verglasten Augen an und machen ihrem Unwillen mit sonorem Brüllen Luft. Uns San Franciscanern, die wir die berühmte Seelöwencolonie auf den sogenannten „Seehundsfelsen“ im Oceane nahe beim „Cliffhause“ oft gesehen und uns dort an dem Leben der riesigen Meeresbewohner in ihrer Freiheit ergötzt haben, gereichen diese Gefangenen in Woodward’s Garten, welche wir als eine specielle [666] Errungenschaft betrachten, zu nicht geringem Stolze, und sie werden auch von jedem Fremden angestaunt.

Das Uebersiedeln der Seelöwen nach Woodward’s Garten hat große Mühe gekostet, indem dieselben an unzugänglichen Stellen an der Küste des stillen Oceans von Felsklippen mit Lassos eingefangen und auf eigens dazu ausgesandten Schiffen hierhergebracht werden mußten. Da es nicht thunlich war, Seewasserbassins in Woodward’s Garten anzulegen, so wurden die Thiere in Bassins untergebracht, die mit süßem Wasser angefüllt waren. Nur langsam gewöhnten sich die Seelöwen an das Süßwasser, wollten zuerst gar nicht fressen und mußten täglich gebunden und mit Gewalt vermittelst eines in ihren Schlund gesteckten großen Gummischlauches, durch welchen zerstampftes Fischfleisch gepreßt wurde, gefüttert werden. Der größte von ihnen, den man nicht zu bändigen vermochte, fraß während ganzer dreiundzwanzig Tage gar nichts, befindet sich aber jetzt im besten Wohlsein und entwickelt einen wahrhaft riesigen Appetit. Seit seiner Gefangenschaft hat sich sein Gewicht von siebenhundert auf fünfzehnhundert Pfund vermehrt. Gegenwärtig macht ein Seebär, der absolut nichts fressen will, den Wärtern große Sorge und muß, wuthschnaubend, jedesmal vor dem Gummischlauch-Diner gelassot und von einem halben Dutzend Männern gepackt werden, ehe er sich dazu versteht, sein Fischmahl zu vertilgen. Der alte Knabe ist das einzige Exemplar seiner Sorte in der Gefangenschaft und ist circa zweitausend Dollars werth. Wie es heißt, beabsichtigt Herr Woodward, nächstens einen Wallfisch, ein Wallroß und einen See-Elephanten einfangen zu lassen, welche den Seelöwen und dem Seebären in dem größten Bassin Gesellschaft leisten sollen.

Das mit einem Kostenaufwande von beinahe zwanzigtausend Dollars erbaute und erst vor einigen Monaten eröffnete Aquarium – bis jetzt das einzige seiner Art in Amerika – macht neuerdings den Seelöwen starke Concurrenz. Allerdings ist dasselbe an Größe und der Mannigfaltigkeit seiner Bewohner nicht z. B. mit dem Berliner Aquarium zu vergleichen, bietet aber doch eine Fülle von Sehenswürdigkeiten aus dem Reiche sowohl der Salz- als Süßwasserfische, von Haifischen und Forellen etc. bis zu Hummern, Seesternen und ähnlichem Gethier. Die vorne mit Glas geschlossenen Abtheilungen sind so eingerichtet, daß alles Licht durch das Wasser geht und den Inhalt der aus cementirten Felsen gebauten Behälter in allen ihren Theilen deutlich erkennen läßt. Die zur Respiration der Fische nöthige Luft wird von oben her durch nicht sichtbare Röhren in das Wasser gepreßt und versetzt dasselbe stellenweise in sozusagen „champagnerartige Bewegung“. Es ist ein capitales Vergnügen, im Halbdunkel der Grotte zwischen den Wasserbewohnern umherzuspazieren und das Thun und Treiben derselben in ihrem feuchten Elemente aus unmittelbarer Nähe beobachten zu können. Ueber dem Aquarium befindet sich eine photographische Galerie von mehreren Hundert der berühmten Ansichten von Naturscenerien an der pacifischen Küste von C. E. Watkins, welche bereits auf den Weltausstellungen in Paris und Wien auch in Europa bekannt geworden und von wunderbarer Schönheit sind.

Doch wir wollen unsere Schritte zu dem auf einem Hügel erbauten „großen Pavillon“ wenden, von wo das Gesumme einer in ihm versammelten Menschenmenge, hinter uns durch das Gebrüll der Seelöwen unterbrochen, und rauschende Musikklänge erschallen. Uns hindurch drängend zwischen unseren an zahlreichen Tischen Bier vertilgenden Landsleuten erreichen wir den Pavillon. Man stelle sich ein Holzgebäude vor, beinahe von den Dimensionen des Circus Renz in Hamburg, aber mit bedeutend größerem unterem Bodenraume, von dem glatt parquettirten Fußboden bis zum offenen Dachfirst etwa achtzig Fuß hoch, mit aufsteigenden Reihen von Bänken umgeben, behängt mit den Bannern aller Unionsstaaten und die Bänke voll von einer oft mehr als sechstausend Köpfe zählenden jubelnden und lachenden Volksmenge, und man hat einen guten Begriff von diesem kolossalen Circus. Tausendkünstler aller Art, vom unverfälschten Congoneger, der geschmolzenes Blei trinkt und auf rothglühenden Eisenstangen umherspaziert, vom einbeinigen Tänzer bis zum Schwertverschlucker und japanesischen Hercules, Zauberer, Possenreißer, Schauspieler, Bauchredner, Seiltänzer etc. produciren dort ihre Künste. Mitunter werden die Bretter des Fußbodens mit Sand beschüttet, um einer Kunstreitergesellschaft Gelegenheit zu geben, hier ihre Saltomortales und Pferdequadrillen etc. aufzuführen. Herr Woodward engagirt alles Neue und Lächerliche, und das Publicum hat den Spaß umsonst, das heißt Alles für die zwei Bit Entrée. Wenn die Schaustellung, welche[WS 1] jeden Sonnabend und Sonntag Nachmittag und mitunter auch an anderen Tagen stattfindet, vorbei ist, verwandelt sich das Parquet in eine Rollschlittschuhbahn. Da sich in Californien bekanntlich kein Eis zum Schlittschuhlaufen bildet, so sind solche Rollschlittschuhbahnen, welche man an dieser Küste fast in jedem Städtchen findet, dafür ein höchst erwünschter Ersatz, und es ist zum Verwundern, mit welcher Geschicklichkeit die Rollschlittschuhläufer und -Läuferinnen oft die verschlungensten Figuren auf dem glatten Holzboden executiren. Die Rollschlittschuhbahn im großen Pavillon in Woodward’s Garten ist ohne Frage die größte in der Welt, und als Tanzboden läßt dieselbe an Größe gewiß nichts zu wünschen übrig.

Den schönsten Anblick gewährt der große Pavillon, wenn die hiesige „Allgemeine deutsche Unterstützungsgesellschaft“ dort, wie üblich, ihr Maifest hält. Diese Gesellschaft, deren Zweck bereits ihr Name erklärt, besteht, wie ich hier einschalten will, gegenwärtig aus zweitausendzweihundertzweiundneunzig Mitgliedern. Für eine nur einmal zu entrichtende Aufnahmegebühr von zwei Dollars und einen Monatsbeitrag von einem Dollar ist jedem Mitgliede der Gesellschaft in Krankheitsfällen das ihr gehörende hiesige deutsche Hospital unentgeltlich geöffnet, oder derselbe kann einen Arzt umsonst in der Stadt consultiren und die nöthigen Medicamente frei aus der Hospitalapotheke erhalten. Unbemittelten deutschen Einwanderern steht die Gesellschaft mit Rath und That bei; auch macht sie sich namentlich zur Aufgabe, Arbeitsuchenden Stellen und Verdienst zu verschaffen. An Arme werden ungefähr tausend Dollars per Monat als Unterstützung ausgezahlt. Im Hospital finden außer nicht zahlenden Mitgliedern und Armen auch zahlende Kranke Aufnahme; die Einrichtung und Verwaltung desselben ist vorzüglich. Finanziell befindet sich die Allgemeine deutsche Unterstützungsgesellschaft von San Francisco in einer glänzenden Lage und besitzt, inclusive des Hospitals, ein Vermögen von circa einer Viertelmillion Dollars.

Die Maifeste der „Allgemeinen deutschen Unterstützungsgesellschaft“ in Woodward’s Garten sind stets von beinahe der ganzen hiesigen deutschen Bevölkerung besucht; der Reinertrag in diesem Jahre zum Beispiel betrug nicht weniger als viertausendeinundzwanzig Dollars und ein Cent Gold. Bei diesen Festen, welche zwei Tage dauern, betheiligen sich auch die Turn- und Gesangsvereine, und es herrscht alsdann in Woodward’s Garten das deutsche Element fast allein. Im Pavillon wird die Festrede gehalten und ebendaselbst wird das unvermeidliche Festgedicht gesprochen. Am Abend verwandelt sich das Gebäude in einen riesigen Tanzsaal, während an den mit freiwilligen Gaben reich ausgestatteten Lotterieständen die Börsen der Besucher zum Besten nothleidender Landsleute unter gutmüthigen Scherzen wunderbar schnell ihres Inhaltes an Kleingeld entleert werden und Jeder eine Gelegenheit sucht, auch sein Scherflein zum Besten der Armen hergeben zu dürfen. Zahnstocher, Blumensträuße und ähnliche Dinge werden mitunter beim Banket wieder und wieder versteigert und bringen Preise bis fünf Dollars das Stück. Am Abende des diesjährigen Maifestes bot der große Pavillon ein überraschend schönes Bild. Auf ein gegebenes Zeichen erloschen plötzlich alle Gaslichter, und vom Boden erhob sich aus einem improvisirten mit Schilfblättern und Blumen eingefaßten Bassin inmitten des riesigen Gebäudes eine mächtige, bis zum Dachfirst emporsteigende und in allen Farben des Regenbogens spielende Fontaine, deren eigenthümliche Beleuchtung durch ein intensives, von oben her durch gefärbte Gläser auf den Wasserstrahl herabgesandtes Licht hervorgebracht wurde. Während die prachtvolle, farbenschillernde Fontaine wohl eine halbe Stunde im Dunkel aufbrauste, sich senkte und hob, kreisten tanzende Paare im dichten Gedränge zu den heimischen Klängen des „Blaue-Donauwalzers“ im Dämmerlichte um dieselbe herum – ein Anblick, der, von einer der hohen Galerien herab betrachtet, wie ein Märchenbild erschien.

Schließlich noch einige Bemerkungen über die Entstehung und Verwaltung dieses californischen Vergnügungs- und Kunstgartens. Herr Woodward hat sein Etablissement vor circa acht Jahren klein angefangen und unter großen Schwierigkeiten nach [667] und nach vergrößert und zur gegenwärtigen Blüthe gebracht. Den ganzen Reinertrag von der Einnahme legte er successive für Verbesserungen aus. Der Werth des Grund und Bodens allein ist bereits auf eine halbe Million Dollars gestiegen, und die Gebäude und Einrichtungen etc. schätzt man auf dieselbe Summe. Da die Capitalanlage kaum den vierten Theil davon beträgt, kommen also drei Viertheile des gegenwärtigen Werthes auf die Verwaltung – gewiß ein glänzender finanzieller Erfolg! Die Einnahmen bestehen lediglich in dem geringen Eintrittsgelde und ein paar Cents Kopfgeld von den Schenkwirthen (die dafür ihre Licenz gratis erhalten) für jeden das Local Besuchenden, sowie in dem Verdienste einer der Straßenbahnlinien nach dem Garten, die Woodward gebaut hat und die ihm allein gehört. Allerdings pflegen Sonntags selten weniger als zehntausend Besucher dorthin zu kommen. Dagegen sind die Ausgaben enorm. Abgesehen von der kostspieligen Verwaltung hat Herr Woodward stets eine Menge von Agenten in aller Herren Ländern auf Reisen, welche Seltenheiten herbeischaffen müssen. Besonders Merkwürdiges und Neues wird, sobald hinreichend Geld in Casse ist, sofort angeschafft. Für San Francisco ist er durch seinen prächtigen Kunstgarten ein wahrer Wohlthäter geworden, und die fast beispiellosen Erfolge, welche sein Unternehmen gekrönt haben, verdient in dieser Stadt der wunderbaren Errungenschaften gewiß Keiner mehr als Herr Woodward. Wir Deutschen aber sind ihm zu besonderem Danke verpflichtet, denn er hat uns hier unter den Sandhügeln einen idyllischen Erholungsplatz hergezaubert, der uns an die anmuthigen Vergnügungs- und Tivoligärten der alten Heimath erinnert – und besonders deshalb möge seiner auch in diesen Blättern gedacht werden!

     San Francisco, am 1. September 1873

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: welchen