Ein heiliger Arbues junior

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Titel: Ein heiliger Arbues junior
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aus: Die Gartenlaube, Heft 23, S. 382
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[382] Ein heiliger Arbues junior. Zu Basel, in der freien Schweizerstadt, ist im wunderschönen Monat Mai dieses Jahres eine Ketzerverbrennung geschehen, die gerade durch das Geheimnißvolle des fluchreichen Vorgangs uns um so erschütternder durchgraust. Wissen wir doch nicht einmal, ob der zum Feuertod Verdammte vorher in eine mit Teufelsfratzen und Flammenzungen bemalte Umhüllung gesteckt und ob, wie einst im Papstpalaste zu Avignon, eine besondere Satansküche, oder ob ein Privat- oder öffentlicher, heiliger oder profaner Raum die unheimliche Stätte der frommen That war. Geschehen ist das Ungeheure, und wir beeilen uns, Bericht davon zu erstatten, ehe die Feder unseren Händen vor Schrecken entsinkt.

Ist es Einer jener römischen Kirchensöhne gewesen, deren Einer, wie das Volk sich erzählt, weil er in den Vesuv fiel, das furchtbare Speien des Vulcans erregte, oder war es ein Capuciner oder ein Dominicaner, welcher der schlechten Welt zulieb dem Himmel ein Brandopfer darbrachte? Nein! Keine ultramontane Hand hat den Kienspahn zum Scheiterhaufen getragen. Es war der Herr Pfarrer Stückelberger an der reformirten Leonhardskirche zu Basel.

Das mit Feuer hingerichtete Opfer seines geistlichen Zorns aber war – unsere Gartenlaube. Wie mochten die begeisterten Augen des frommen Hirten gen Himmel oder zur Küchendecke emporgerichtet gewesen sein, als er zu den Schafen seiner Herde, den Zeugen seines Mundes, die Worte sprach: „… Ja, die Gartenlaube ist vornehmlich deshalben ein so äußerst gefährliches Blatt, weil der Teufel darin unter Blumen versteckt ist (– also auch der hat seine poetischen Stunden! –), und weil hirtenlose Seelen um so leichter in Anfechtung gerathen können, weil sie das schleichende Gift in jener verführerischen Hülle arglos einschlürfen. Aber,“ so tröstete der Gottesmann, „das Auge Eures Seelenhirten wacht und behütet Euch von heute an vor den heimtückischen Schlingen, die Euch der Teufel unter dem verführerischen Titel ‚Gartenlaube‘ gelegt. Ich habe hiermit das Teufelswerk den Flammen übergeben, nun gehet hin und thuet desgleichen! Amen.“ –

So sind wir denn vernichtet! – Aber die große Rettungsthat der Teufelsherrlichkeit wird nicht unbelohnt bleiben. Sicherlich ist sie bereits von den gerechten Jesuiten bis zu den Ohren Sr. Heiligkeit getragen. Und was Peter Arbues verdient hat vor Jahrhunderten und wie er gekrönt wurde erst in unserer Zeit mit dem Heiligenschein aus der Hand des Unfehlbaren, so wird dies auch Herrn Stückelberger geschehen, als dem würdigsten Arbues dem Jüngeren.