Ein neuer Tenor im Werden

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Textdaten
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Autor: C. Sp.
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Titel: Ein neuer Tenor im Werden
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 112
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1869
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[112] Ein neuer Tenor im Werden. In Kiel, in einem öffentlichen Biergarten, sitzen vorigen Sommer eines Abends Handwerksgesellen zusammen – zechend, singend. Ein Student – der Name ist unwesentlich – sieht zum Fenster seiner Bude heraus, das in diesen Garten führt, und hört zu – gedankenlos, gedankenvoll. Der Chorus schweigt eine Weile und eine wunderbar klangvolle und kräftige Tenorstimme hebt ein Solo an. Unser Studio, ein musikalisch gebildeter, musikverständiger Geist, lauscht aufmerksamer und als der Tenor geendet, giebt er gesungene Antwort. Dies Hin- und Wiedersingen wird eine Zeit lang fortgesetzt, bis schließlich der Musensohn, enthusiasmirt von der Stimme des Handwerksgesellen, in den Garten hinunterläuft, den Tenorsänger zu begrüßen. Einige Tage danach wird unser Handwerker, ein Bäckergesell Namens Wilhelm Krüger aus dem Mecklenburg-Strelitz’schen Städtchen Friedland, allwo sein Vater Ausrufer war (vielleicht davon die Stimme und der Umfang?), zum Commandanten von Kiel entboten, dort in einer Gesellschaft zu singen. Staunen und Bewunderung und der in der Erregung des augenblicklichen Genusses ausgesprochene Entschluß, für den Mann und seine Stimme etwas zu thun, waren auch hier allgemein. indessen, wie das so geht, man ist angeregt und verspricht, am Morgen danach denkt man nüchterner und vergißt. So auch hier wieder einmal. Unser Tenorbesitzer verläßt Kiel und wandert weiter. In Schwaan, einem Städtchen in Mecklenburg-Schwerin, tritt er in Arbeit und auch in den dortigen Liederkranz. Der Dirigent desselben erkennt bald den Werth dieser Tenorstimme, lauscht, horcht, prüft, läßt noch andere prüfen – und ist schließlich überzeugt, ein Phänomen entdeckt zu haben. Er theilt seine Wahrnehmung dem Bäckergesellen mit. Dieser erzählt sein Kieler Erlebniß. – „Schreiben sie an ihren Landesherrn,“ resolvirt der Schwaaner Dirigent und giebt ihm ein Zeugniß über Werth und Bildungsfähigkeit seiner Stimme schwarz auf weiß. „Kommen Sie sofort nach Neustrelitz,“ läßt der Großherzog respondiren. Krüger kommt. Zwei fürstliche Capellmeister nehmen ihn in die Presse. Beide Herren können sich, wie das ja am Ende so natürlich ist, nicht einigen. Der eine meint entschieden: Ja – der Andere macht allerlei Einwendungen, schwankt und zuckt die Achseln. „Nach Hamburg zu Warda mit dem Ausrufersohn!“ entscheidet Serenissimus. – Der alte Warda im Verein mit den stimmverständigsten Koryphäen Hamburg’s hört, prüft – fünf Wochen lang. Entscheidung. „Tenorstimme von kolossaler Stärke, prachtvollstem Timbre und riesenhaftem Umfang. Der Ausbildung unbedingt fähig und würdig.“ – Mit diesem Attest kommt Krüger nach Neustrelitz zurück um nunmehr auf großherzogliche Kosten vier Jahre auf dem Conservatorium zu Würzburg seine Stimme in die Schule nehmen zu lassen. Wie es heißt, soll er in der Höhe noch zwei Töne mehr haben (Brust), als Herr Wachtel. – Glück zu, Landsmann!

Nous verrons!
C. Sp.