Ein neuer Wunderthäter

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Titel: Ein neuer Wunderthäter
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aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 608
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[608] Ein neuer Wunderthäter. Die schönen Zeiten des Spiritismus, der Geisterseherei und Geisterbannerei, sind schon vorüber; der leidige Antispiritismus mit seinen aufklärenden Kunststücken hat den Geisterbeschwörern das Geschäft verdorben. Das war seine Blüthezeit, als er in den Residenzschlössern der mächtigsten Monarchen sein Wesen treiben durfte und als tüchtige Gelehrte, angesehene Männer der Wissenschaft für seine Wunder eine neue Formel fanden. Jene Blüthezeit des Spiritismus ist durch einen Mann vertreten, der vor einigen Wochen in seiner glänzenden Villa in Auteuil verstarb, durch Daniel Douglas Home, einen Schotten von Geburt, der aber schon in früher Jugend nach den Vereinigten Staaten gekommen war. Home war übrigens nicht ein bloßer Taschenspieler: er hatte eine hochgradige Nervosität und etwas Hellseherisches in seinem Wesen; im Tischrücken und Geisterklopfen, im Schreiben auf eine unter dem Tisch befindliche Tafel, im Geisterbeschwören hatte er sich bald zum Matador unter den Gläubigen in den Vereinigten Staaten emporgeschwungen. Sein Ruhm war über den atlantischen Ocean gedrungen, und wie unsere Schauspieler und Sänger nach Amerika ziehen, um ihren glänzenden Namen dort zu verwerthen, so begab sich Home im Jahre 1855 in die Alte Welt, wo ihm die Gunst der Mächtigen bald die Wege bahnte. Im Windsorschlosse gab er seine Vorstellungen mit noch größeren Erfolgen.

Napoleon III. und besonders die Kaiserin Eugenie waren von dem Wundermanne sehr erbaut. Auch im Vatikan fand er Zutritt, aber er wurde aus Rom ausgewiesen und wanderte nach der Newa, wo Kaiser Alexander II. ihm seine Gunst zuwandte und ihm werthvolle Geschenke machte. In Petersburg gelang es ihm, Herz und Hand einer reichen Russin zu gewinnen. Auf diesem Gebiete der Schatzgräberei und Goldmacherei bewährte sich seine Kunst am meisten; denn nach dem Tode seiner reichen Frau bannte er eine englische Wittwe, Jane Lyon, so in seinen Zauberkreis, daß sie ihm bedeutende Summen schenkte: er hatte den Geist ihres Gatten heraufbeschworen, der solche Mildthätigkeit von ihr verlangte. Später aber wurde sie eine Ungläubige und es reute sie, dem Geiste ihres Gatten gehorsam gewesen zu sein: sie klagte gegen Home, daß er sie um 60 000 Pfund Sterling betrogen habe, und da in den Paragraphen der Gesetzbücher die Geister keine Rolle spielen und die Justiz sich nicht um Befehle aus dem Jenseits kümmert, wurde Home verurtheilt, indem der Richter diese Gelegenheit benutzte, die Künste des Wundermanns als Gaukeleien und Betrügereien zu bezeichnen. Dieser tröstete sich indeß über den verlorenen Proceß, indem er abermals eine reiche Russin heirathete und sich dann in Auteuil ein friedliches Heim gründete, wo er nur gelegentlich einmal vor seinen vertrauten Freunden Proben seiner Kunst ablegte.

Inzwischen traten andere Geisterbanner in die Lücke ein, die er freigelassen, aber mit geringerem Glück; denn es begannen die Entlarvungen, und zuletzt behaupteten die magischen Taschenspieler das Feld, welche die Geheimnisse ihrer Kunst dem Publikum preisgaben und so den Kredit der Geisterseher gänzlich untergruben.