Ein unterseeisches Torpedoboot

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein unterseeisches Torpedoboot
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 484
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Bau eines U-Boots der spanischen Marine
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[484] Ein unterseeisches Torpedoboot. Seit der menschliche Erfindungsgeist den Torpedo in den Seekrieg eingeführt hat, ist er auch nicht müde geworden, an der Lösung einer zweiten Aufgabe zu arbeiten, die dem Torpedo erst seine volle Wirksamkeit sichern würde, an dem Bau eines unterseeischen Bootes, das imstande wäre, sich unsichtbar und unerreichbar mit seiner furchtbaren Sprengladung an das feindliche Schiff heranzumachen. Schon der erste Erfinder einer torpedoähnlichen Vorrichtung, der Amerikaner David Bushnell, baute 1776 ein steuerbares Unterseeboot, um mit dessen Hilfe seine pulvergefüllten und durch ein ablaufendes Uhrwerk entzündbaren Minengefäße an die hölzernen Schiffskörper des Feindes anzuschrauben. Aber seine Erfindung blieb ohne Erfolg, und auch alle späteren ähnlichen Versuche scheiterten hauptsächlich daran, daß die unterseeischen Boote bei ihrem verderblichen Thun selbst zu großer Gefahr ausgesetzt waren, als daß Vortheil und Nachtheil im richtigen Verhältniß gestanden hätten. Noch im Jahre 1864 gelang es einem solchen unterseeischen Boote, ein Kriegsschiff zu vernichten, aber das Boot ging selbst mit zu Grunde. So sind in den Marinen der heutigen Großstaaten nur überseeische Torpedoboote in Verwendung, denen man eben durch ihre Form, ihre Schnelligkeit, ihren Anstrich etc. möglichst viele von den Vortheilen des Unterseebootes zu verleihen sucht.

500px

Spanisches Torpedoboot auf der Reede vor Anker.
Zeichnung von Willy Stöwer.

In letzter Zeit ist nun aber ein spanischer Marineoffizier mit einem neuen Versuche der Lösung hervorgetreten. Er hat ein Boot von der Gestalt einer Cigarre gebaut, das 24 Meter in der Läuge und stark 3 Meter in der Breite mißt, und das durch 2 Schrauben vorwärtsbewegt wird. Zum Betrieb der Schrauben dient eine elektrische Batterie, die zugleich auch die Explosion des Sprengstoffes bewirkt. Drei Personen genügen zur Bedienung des Bootes, doch kann es im Nothfalle deren fünf aufnehmen. In der Mitte der Oberfläche befindet sich die Oberlichtluke, darunter die Kammer des Kommandanten, der imstande ist, von seinem Platze aus das Steuer und alle anderen Vorrichtungen zu regieren. Schließt man nun die Luke, so schiebt sich ein Geschoßhalter mit Zündspitze aus dem Bootskörper heraus, und mit dieser Spitze berührt das untergetauchte Boot den feindlichen Schiffskörper – die Explosion erfolgt.

Geheimniß des Erfinders und der spanischen Marineverwaltung ist die Zusammensetzung des Sprengstoffs, der stark genug sein muß, den feindlichen Panzer zu sprengen, und doch dem eigenen Boote nichts zu leide thun darf, und der Mechanismus, welcher letzteres zum Sinken bringt und seine Unterwassertiefe regelt.

500px

Spanisches Torpedoboot, vor dem feindlichen Geschwader untertauchend.
Zeichnung von Willy Stöwer.

Vielleicht, daß es jetzt gelungen ist, alle Schwierigkeiten zu überwinden, wenigstens sollen die bisher gemachten Versuche die günstigsten Ergebnisse geliefert haben. Denn auch aus Frankreich wird berichtet, daß im Hafen von Cherbourg kürzlich Proben mit einem unterseeischen Boote stattgefunden hätten, die nicht minder Beweise einer erstaunlichen Leistungsfähigkeit erbracht haben sollen. Daß die deutsche Marineverwaltung ein scharfes Auge auf diese Fortschritte der Technik hat, wissen wir aus kurzen Zeitungsnotizen über die in den einzelnen Häfen vorgenommenen Manöver und Versuche, wenn auch über die Einzelheiten derselben weniger in die Oeffentlichkeit dringt.